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Die römischen Juristen (lat. iurisconsulti) waren die Vertreter der antiken römischen Rechtswissenschaft.

Bedeutung erlangte die römische Rechtswissenschaft während des Zeitraums vom 4. Jahrhundert v. Chr. bis zum 7. Jahrhundert n. Chr. Ihren Höhepunkt erlangte sie während der klassischen Zeit, insbesondere im 2. Jahrhundert n. Chr. Vornehmlich die Werke der Klassiker sind uns nur in wenigen Fällen unmittelbar überliefert, größtenteils werden sie durch die monumentale Sammlung des spätantiken Kaisers Justinian überliefert, der im 6. Jahrhundert n. Chr. im später so genannten Corpus iuris civilis das klassische Recht kompilieren ließ.

Die Forschung unterteilte die römische Jurisprudenz lange in eine „klassische“ und eine „nachklassische“ Phase. Die nachklassische Periode wurde häufig als vulgarrechtlich oder klassizistisch apostrophiert, ausgehend davon, dass allein das klassische Recht hervorragende Juristenarbeit hervorgebracht habe, das sogenannte Juristenrecht.[1] Diese Auffassungen werden heute durch modernere Forschung relativiert, zu nennen sind in diesem Zusammenhang insbesondere die Analysen bedeutender Rechtshistoriker wie Fritz Schulz, Franz Wieacker und Detlef Liebs. Für die Bestandsaufnahme der spätantiken Jurisprudenz tauschten sie die genannten Begriffe aus und ersetzten sie durch „bürokratisch“[2] oder „epiklassisch“[3] Dabei verdeutlichten sie, dass die Juristentätigkeiten in den Kodifikationskommissionen regelmäßig im Namen der Obrigkeit ausgeführt wurden. Die Kaiser dieser Zeit verfolgten einen Alleinpublikationsanspruch für Rechtstexte, sodass die Vielzahl der tätigen Juristen (vermutet wird eine deutlich höhere Anzahl als während der klassischen Zeit) offiziell nicht in Erscheinung trat. Ordnungsfunktionell waren es Kaiser, Präfekten, Comites, Vikare und Gouverneure, die Gesetze, Verordnungen, Bescheide und Erlasse auf den Weg brachten. Umgesetzt wurden die Rechtswerke von Palastquästoren oder kaiserlichen Libellkanzleien.[4]

Anerkannt unter den juristischen Autoren waren als Rechtsentstehungsquellen das Gesetzesrecht (lex), das Gewohnheitsrecht (mos) und das Juristenrecht (sententiae et opiniones). Nichtjuristische Autoren wie Cicero bezogen weitere Rechtsakte ein, wie Vereinbarungen aufgrund von Rechtsgeschäften (pacta), Urteile (iudicata), Gerechtigkeit und Treue (aequitas, fides) oder das Naturrecht. Für Cicero war die Natur die letzte Ursache allen Rechts. Anders als die Rhetoriker, ließen die Juristen letztgenannte Faktoren außer Betracht, weil sie sie von den Rechtsquellen separiert wissen wollten.[5]

Die Juristen lassen sich traditionell folgenden Epochen zuweisen:

Vorklassische / republikanische JuristenBearbeiten

Frühklassische Juristen (Augustus bis Domitian)Bearbeiten

Hochklassische Juristen (Nerva bis Commodus)Bearbeiten

Spätklassische Juristen (Severer)Bearbeiten

Nachklassische Juristen (bis Diokletian)Bearbeiten

Spätantike Juristen (Zeitalter der Christianisierung)Bearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Wolfgang Kunkel: Die römischen Juristen. Herkunft und soziale Stellung, 2. Aufl. 1967; Nachdruck Böhlau, Köln 2001, ISBN 3-412-15000-2
  • Detlef Liebs: Hofjuristen der römischen Kaiser bis Justinian, Bayerische Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse, München 2010, C.H. Beck, ISBN 978-3-7696-1654-5
  • Detlef Liebs: Die Jurisprudenz im spätantiken Italien (260–640 n.Chr.) (= Freiburger Rechtsgeschichtliche Abhandlungen. Neue Folge, Band 8). Duncker & Humblot, Berlin 1987, S. 76–129.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Max Kaser: Römische Rechtsquellen und angewandte Juristenmethode. in: Forschungen zum Römischen Recht Band 36. Verlag Böhlau, Wien, Köln, Graz, 1986. ISBN 3-205-05001-0. S. 33–37.
  2. Fritz Schulz: History of Roman Legal Science, Oxford 1946; deutsch: Geschichte der römischen Rechtswissenschaft, Weimar 1961. S. 335–420.
  3. Franz Wieacker in: Revue historique de droit français et étranger (RHD) 49 (1971) 201–223.
  4. Detlef Liebs: Die Jurisprudenz im spätantiken Italien (260–640 n. Chr.) (= Freiburger Rechtsgeschichtliche Abhandlungen, Neue Folge, Bd. 8). Duncker & Humblot, Berlin 1987, ISBN 3-428-06157-8. S. 283–287.
  5. Max Kaser: Römische Rechtsquellen und angewandte Juristenmethode. in: Forschungen zum Römischen Recht Band 36. Verlag Böhlau, Wien, Köln, Graz, 1986. ISBN 3-205-05001-0. S. 39.