Hauptmenü öffnen
Bischöfliches Priesterseminar St. German
x
Seminartyp Pastoralseminar
Anschrift Am Germansberg 60
67346 Speyer
Bundesland Rheinland-Pfalz
Land Deutschland
Träger Bistum Speyer
Gründungsjahr 1827 (Neugründung)
Seminaristenzahl (ges.) 13 (Stand: 2015)
Regens Markus Magin
Spiritual Martin Seither
Webadresse Homepage des Seminars

Das Bischöfliche Priesterseminar St. German dient als Pastoralseminar des Bistums Speyer der Betreuung und Ausbildung der Priesteramtskandidaten des römisch-katholischen Bistums Speyer. Im Priesterseminar St. German werden auch die gemeinsamen Teile der Pastoralkursausbildung der Priesterkandidaten des Erzbistums Bamberg sowie der Bistümer Eichstätt und Würzburg gestaltet (Metropolie Bamberg). Zusätzlich ist das Haus für die Pastoralausbildung der künftigen Diakone sowie der Laientheologinnen und Laientheologen (Pastoral- und Gemeindereferenten) zuständig. 2014–2016 wurde das Gebäude des Priesterseminars aus dem Jahr 1956 einer Generalsanierung unterzogen. Es wird in Zukunft auch als Tagungsstätte genutzt werden.

StudienphaseBearbeiten

Da sich im Bistum Speyer keine eigene theologische Fakultät oder Hochschule befindet, studieren die Speyerer Priesteramtskandidaten nach einer Propädeutikumsphase (Einführungskurs) in Bamberg an auswärtigen Studienorten wie Eichstätt, München oder Lantershofen. Sie wohnen in den dortigen Priesterseminaren und werden sowohl von den dortigen Hausleitungen wie auch dem Heimatregens aus Speyer betreut. Die Ausbildung im Priesterseminar findet ergänzend zum Studium der Katholischen Theologie statt und will Bereiche der priesterlichen Ausbildung sicherstellen, die nicht Inhalt wissenschaftlicher Theologie sind. Das Priesterseminar in Speyer dient während der Studienphase als Anlaufstelle und als Treffpunkt der Speyerer Priesteramtskandidaten.

PastoralausbildungBearbeiten

Nach dem Theologiestudium kehren die Priesteramtskandidaten des Bistums nach Speyer zurück. Dort absolvieren sie eine zweijährige Pastoralausbildung. Deren Schwerpunktfächer sind die Homiletik (Einübung der Predigttätigkeit), die Liturgik (Einübung der Gottesdienstleitertätigkeit), die Pastoraltheologie (Einführung in die pastorale Praxis) sowie die Religiongspädagogik (Vorbereitung auf den Dienst als Religionslehrer). An der Pastoralausbildung im Speyerer Priesterseminar nehmen auch die Priesterkandidaten der Kirchenprovinz Bamberg (Bamberg, Eichstätt, Würzburg) teil. Gleichzeitig dient das Haus der Pastoralausbildung der anderen pastoralen Berufsgruppen (Diakone, Pastoral- und Gemeindereferentinnen und -referenten). Im Priesterseminar Speyer findet als letzte Ausbildungsphase auch die Berufs- beziehungsweise Diensteinführung aller pastoralen Berufsgruppen des Bistums statt.

MetropoliekooperationBearbeiten

Seit dem Jahr 2008 besteht eine Kooperation der vier Bistümer der Metropolie (Kirchenprovinz) Bamberg. Diese beinhaltet die Aufteilung der Ausbildungsaufgaben unter den Priesterseminaren der vier Bistümer. In Bamberg findet das einjährige Propädeutikum statt. Die Priesterseminare in Eichstätt und Würzburg sind Studienseminare. Das Speyerer Priesterseminar ist als Pastoralseminar für die Pastoralausbildung zuständig. Im Frühjahr 2013 unterzeichneten die Bischöfe der Kirchenprovinz eine Rahmenordnung, mit der die Ausbildungskooperation, die sich zuvor in einer Erprobungsphase befand, endgültig bestätigt wurde.

GeschichteBearbeiten

 
Der 1829 durch die Metz`sche Stiftung erworbene Chor der alten Speyerer Dominikanerkirche (heute St. Ludwig)

Das Priesterseminar Speyer wurde nach der Wiedererrichtung des Bistums Speyer, 1827 als Ausbildungsstätte für den Klerus das Bistum gegründet. Noch im gleichen Jahr bezog es die Räume des vormaligen Dominikanerklosters in der Nähe des Speyerer Domes. Dompropst Johann Valentin Metz (1745–1829) setzte das Seminar zu seinem Universalerben ein und vermachte ihm sein Vermögen in Höhe von 9000 Gulden.[1] Mit dem Geld bezahlte man den 1829, kurz vor seinem Tod, zum Preis von 8000 Gulden erworbenen Chor der alten Dominikanerkirche, der fortan als Seminarkirche diente (heute St. Ludwig, Speyer). Dort ließ ihm Bischof Nikolaus von Weis deshalb später einen Gedenkstein neben der Sakristeitür setzen.[2][3] Im Jahr 1840 begründete das Bistum an gleicher Stelle zusätzlich ein sogenanntes kleines Seminar, das Bischöfliche Konvikt. Hier wurden Jungen zur Hochschulreife geführt. Aus einer Stiftung des 1815 verstorbenen Grafen und Domherrn Damian Hugo Philipp von Lehrbach erhielt das Speyerer Priesterseminar 1844 die beträchtliche Summe von 90.000 Gulden.[4]

Da nach dem Zweiten Weltkrieg der Platz für Priesterseminar und Konvikt nicht mehr ausreichte, wurde auf dem Gelände des heutigen Priesterseminars St. German ein neues Seminargebäude errichtet und im Jahr 1956 in Dienst genommen. Die Kirche St. German wurde im Jahr 1957 konsekriert. Dieser Standort ist von großer historischer Bedeutung. Bereits Ende des 4. Jahrhunderts und Anfang des 5. Jahrhunderts n. Chr. siedelten hier Christen und bestatteten ihre Toten. Relativ bald fand sich auch eine kleine klösterliche Gemeinschaft an dieser Stelle an einer kleinen Germanskirche. Um 1000 entstand eine beeindruckende frühromanische Klosteranlage, das Germansstift, das im 15. Jahrhundert unterging.

BibliothekBearbeiten

Die Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars St. German ist zugleich Diözesanbibliothek für das Bistum Speyer. Sie verfügt über einen Bestand von etwa 250.000 Büchern und mehr als 1.200 laufenden Zeitschriften. Sammelschwerpunkt ist die Praktische Theologie (Pastoraltheologie, Homiletik, Liturgie, Religionspädagogik) sowie St. Edith Stein und Buchmalerei.

Kirchliche Bibliotheken besitzen in Speyer eine lange Tradition. Berühmt war vor allem die Domkapitelsbibliothek, die 1689 bei der totalen Zerstörung der Stadt Speyer, im Pfälzischen Erbfolgekrieg, in Flammen aufging. Auch der zweiten Dombibliothek, deren Aufbau zu Beginn des 18. Jahrhunderts mit der Rückkehr des Domkapitels erfolgte, erging es nicht besser. Was nicht zuvor nach Paris deportiert wurde, fiel im Gefolge der Französischen Revolution der Vernichtung anheim.

 
Stempel der Ordinariatsbibliothek des Bistums Speyer, um 1860. Sie ging später in der heutigen Diözesanbibliothek auf

Zwar heute die älteste frei zugängliche Speyerer Bibliothek, kann die Bibliothek des Priesterseminars – anders als ähnliche Kirchen- und Klosterbibliotheken – somit nicht auf eine traditionsreiche Bestandsgeschichte verweisen. Ein genaues Gründungsdatum ist nicht bekannt. Nach der Wiedererrichtung des Bistums Speyer wurde das Priesterseminar von Bischof Martin Manl am 4. November 1827 im Gebäude Große Greifengasse 11 eröffnet, dem damaligen Eingang zum heutigen Bistumshaus St. Ludwig. Es ist zu vermuten, dass etwa zeitgleich im Priesterseminar auch eine Büchersammlung entstand, die Keimzelle der späteren Bibliothek. Nachweisbar ist diese ab dem Jahre 1830 durch ein handschriftliches Exlibris „Ex Bibliotheca Semin. cleric. Spirensis“.

An konkreten Nachrichten zur Bibliothek mangelt es aus dieser Zeit, doch lässt ihr heutiger Bestand an Werken des 19. Jahrhunderts einen kontinuierlichen Bestandsaufbau schon in dieser Zeit erkennen. Spätestens zum Beginn des 20. Jahrhunderts besaß das Seminar einen regulären Etat zum Kauf neuer Bücher. Bischof Konrad von Busch erhöhte ihn für das Jahr 1908 von 100 auf 300 Mark. Gleichzeitig behielt er sich gegenüber Regens Peter Diehl aber vor, „um jeder mißbräuchlichen Verwendung der erhöhten Summe vorzubeugen … daß jedes neue Werk nur mit unserer vorher eingeholten Zustimmung für die Bibliothek erworben werde“. Man hatte noch Zeit, damals, vor hundert Jahren.

Schon vorher, im Jahre 1815, wurde mit dem Tod des Grafen Damian Hugo von Lehrbach der Grundstock der heutigen Seminarbibliothek gelegt: Er vermachte seine Privatbibliothek dem Bistum Speyer. Diese bildet heute den ältesten Besitz der Bibliothek des Priesterseminars. Zahlreicher Streubesitz aus den untergegangenen Klöstern der Stadt Speyer und der Umgebung ergänzen den historischen Buchbestand.

Er ist wesentlich größer als lange angenommen. Nach dem Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland waren 1993 knapp 12.000 Titel des 15. bis 19. Jahrhunderts gezählt worden. Heute (2014) wird allein der Bestand aus dem 19. Jahrhundert auf über 30.000 geschätzt, aus dem 18. Jahrhundert sind es über 8.000, aus dem 16. Jahrhundert mehr als 1.200, und selbst bei den Werken aus dem 16. Jahrhundert wurden mit etwa 500 mehr als doppelt so viele gezählt als ursprünglich gemeldet. Über die Provenienzforschung können heute mehr als 100 Klöster und etwa 300 historische Personen als Vorbesitzer ermittelt werden. So bewahrt die Bibliothek kulturelles Erbe der Kirche und ist selbst das kulturelle Gedächtnis des Bistums Speyer.

„Spira fit insignis“, diese Worte aus der Widmung des Codex Aureus, des Goldenen Evangelienbuches Kaiser Heinrichs III., sind auch zutreffend hinsichtlich des letzten, großen Bücherschatzes den die Bibliothek erhielt. Es handelt sich um die wohl größte private Sammlung von mehr als 400 Faksimiles mittelalterlicher Handschriften vom 4. bis zum 18. Jahrhundert. Sie stammen aus dem Nachlass des 1998 verstorbenen Kölner Theologen, Altphilologen und Germanisten Prof. Dr. Johannes Rathofer. Ihm war es zu verdanken, dass das Speyerer Evangelienbuch 1995 wenigstens als Faksimile nach Speyer zurückkehrte. Mehr als zehn Jahre intensiver Arbeit hatte Prof. Rathofer dem Codex Aureus gewidmet. Diese intensive Beschäftigung und die dadurch entstandenen Kontakte zum Bistum Speyer führten dazu, dass die Faksimilesammlung 1999 für die Bibliothek des Priesterseminars gewonnen werden konnte und dort als „Sammlung Prof. Dr. Johannes Rathofer“ weitergeführt wird. In zahlreichen Ausstellungen im Speyerer Dom wurden und werden Teile dieser Sammlung und ihr theologischer Gehalt präsentiert und erschlossen.

Stets waren es Geschenke und Nachlässe, die in der Hauptsache den Besitz der Bibliothek mehrten. Doch auch hier hat sich in den letzten Jahrzehnten ein wichtiger Wandel ereignet: Waren es früher vor allem die Geistlichen, welche ihre Bücherschätze der Bibliothek vermachten, so bilden heute Nachlässe und Geschenke aus allen Teilen der Bevölkerung den Großteil des jährlichen Zuwachses.

NekrologiumBearbeiten

Für historische Forschungszwecke betreibt das Priesterseminar Speyer beziehungsweise die angeschlossene Diözesanbibliothek zudem das jedermann frei zugängliche Online-Nekrologium, in dem alle aus dem neuen Bistum Speyer (seit 1821) stammenden oder hier ehemals tätigen, verstorbenen Geistlichen in Datensätzen erfasst sind. Dazu wurden viele Fotos der Personen mühevoll zusammengetragen (von Totenzetteln, Pfarrarchiven u. ä.) und erstmals zusammenhängend digitalisiert und zugänglich gemacht. Die Online-Sammlung wird ständig ergänzt und erweitert. Sie stellt eine wertvolle Hilfe für Heimatgeschichtler dar und ist deutschlandweit in dieser Form bisher einzigartig.[5]

LiteraturBearbeiten

  • St. German in Stadt und Bistum Speyer. Ein Beitrag zur Geschichte des Bischöflichen Priesterseminars Speyer, Verlag des Priesterseminars Speyer 1957.
  • Andrea Nisters/Johannes Pioth/Hans Ammerich: 50 Jahre Bischöfliches Priesterseminar St. German, Speyer, Pilger-Verlag, Speyer 2007, ISBN 978-3-87637-086-6.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Intelligenzblatt des Rheinkreises, 1829, S. 56 u. 57 des Jahrgangs; (Digitalscan)
  2. ebenda, S. 371, Fußnote 507
  3. Franz Xaver Remling: Urkundliche Geschichte der ehemaligen Abteien und Klöster im jetzigen Rheinbayern, Band 1, Neustadt, 1836, S. 192; (Digitalscan)
  4. Franz Xaver Remling: Neuere Geschichte der Bischöfe zu Speyer, Speyer, 1867, S. 136 u. 137 (Fußnoten); (Digitalscan)
  5. Zugriff zum Online-Nekrologium des Bistums Speyer (Memento des Originals vom 7. März 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sankt-german-speyer.de

Koordinaten: 49° 18′ 28,8″ N, 8° 26′ 8,7″ O