Prepper

Personen, die sich mittels individueller Maßnahmen auf jedwede Art von Katastrophe vorbereiten

Prepper (abgeleitet von englisch to be prepared für bereit sein bzw. dem englischen Pfadfinder­gruß Be prepared für „Sei bereit!“ oder „Allzeit bereit“) bezeichnet Personen, die sich mittels individueller Maßnahmen auf jedwede Art von Katastrophe vorbereiten: durch Einlagerung bzw. eigenen Anbau von Lebensmittelvorräten, die Errichtung von Schutzbauten oder Schutzvorrichtungen an bestehenden Gebäuden, das Vorhalten von Schutzkleidung, Werkzeug, Funkgeräten, Waffen und anderem. Dabei ist es unwichtig, durch welches Ereignis oder wann eine Katastrophe ausgelöst wird.[1]

BegriffeBearbeiten

Der Begriff Prepper ist abgeleitet vom englischen "to prepare", sich vorbereiten. Diese Vorbereitungen zielen auf das Ende der bekannten Weltordnung, auf den Tag X, auf TEOTWAWKI: "The end of the world as we know it" (Das Ende der Welt, wie wir sie kennen).[2] Das Verb preppen wurde in die 2020er-Ausgabe des Duden aufgenommen.[3]

HintergründeBearbeiten

Die Prepper-Szene entstand in den 1970er Jahren in den USA.[4] Klimawandel, kriegerische Auseinandersetzungen und wirtschaftliche Krisen, wie z. B. die Finanzkrise ab 2007, führten zu einem Wachstum der Prepper-Szene mit zunehmender Verbreitung auch in Europa. Wissenschaftler wie der Kulturwissenschaftler Julian Genner attestieren dieser Szene ein fatalistisches Weltbild.[5] Inzwischen gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz Unternehmen, die sich auf eine Versorgung mit „Rundumpaketen“, wie z. B. Vorrats- und Ausrüstungspaketen, spezialisiert haben. Dabei ist auch zu beobachten, dass Prepper „Schutzräume“ anlegen, in denen sie sich bei eventuellen Bürgerkriegen aufhalten wollen. Auch die Möglichkeit des Schutzes der eigenen Vorräte in einer solchen Situation wird als Motivation genannt. In Teilen der Prepper-Szene wird auch die Beschaffung von Waffen zum Selbstschutz zumindest befürwortet.[6]

Situation in DeutschlandBearbeiten

Rechtsextremistische Kreise und „Reichsbürger“ fordern ihre Anhänger dazu auf, zum „Prepper“ zu werden,[7] und auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (bbk.bund.de) empfiehlt der Bevölkerung, Notvorräte für ca. 10 Tage anzulegen.[8]

Seit August 2017 ermittelt der Generalbundesanwalt gegen mehrere Mitglieder der Prepper-Szene in Mecklenburg-Vorpommern, die sich in Chats darüber ausgelassen haben sollen, dass ein Krisenfall auch eine Chance zur Machtübernahme mit anschließender Internierung bzw. Ermordung linker Politiker sein könne. Die Polizei fand bei Hausdurchsuchungen Adressen von Politikern der Linken, der FDP, der Grünen sowie von Flüchtlingsverbänden, Arbeiterwohlfahrt und Gewerkschaften. Eine Kommission der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern soll nun ein detailliertes Bild der Szene erstellen. Der AfD-Abgeordnete Nikolaus Kramer kritisierte das Vorhaben der Polizei, während die SPD-Abgeordnete Martina Tegtmeier es begrüßte.[9][10]

Im Sommer 2018 berichtete Der Spiegel über einen elfseitigen Bericht des Bundeskriminalamts und des Bundesverfassungsschutzes über die „Prepper-Szene“, der im Februar 2018 im Innenausschuss des Bundestages aufgegriffen worden war. Den Angehörigen der Szene sei demzufolge gemeinsam, dass sie auf ein apokalyptisches Ereignis warteten; insoweit wird der Einschlag des Asteroiden Apophis genannt, der 2036 auf die Erde treffen werde. Vielfach seien bei Durchsuchungen neben Lebensmittelvorräten auch große Mengen an Waffen und Munition vorgefunden worden, in einem Fall aus Schleswig-Holstein sei ein „privates NS-Museum mit Maschinengewehr, Gewehrgranate, Sprengstoff und 40 Kilogramm Munition“ ausgehoben worden. „Abgerundet wurde das Arsenal durch einen Kampfpanzer des Typs ‚Panther‘ und eine Flugabwehrkanone, Kaliber 8,8 cm.“ Zwei Fälle: Ein „Prepper“ aus Chieming äußerte als Grund für sein Handeln ausdrücklich die Angst, „dass die Muselmanen uns überrennen und Polizei und Militär sie nicht mehr aufhalten‘ könnten.“ Ein anderer erwartete, dass es den Euro bald nicht mehr geben werde. Die Sicherheitsbehörden schätzten die Größe dieser Szene auf „zwischen 10.000 und 180.000“ Angehörige; der Verfassungsschutz sehe darin „keine größere Gefahr“.[7]

2020 wurde in Sachsen-Anhalt eine weitere rechtsextreme Prepper-Gruppe bekannt.[11]

Im Zusammenhang mit der rechtsextremen „Zuflucht“-Preppergruppe, die sich auf einen "Rassenkrieg" vorbereite, ermittelt im August 2020 die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg. Es wurde ein Verfahren gegen mehrere Beschuldigte eingeleitet und das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt mit den Ermittlungen beauftragt. Es gehe um mutmaßliche Verstöße gegen das Waffengesetz und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, teilte die Generalstaatsanwaltschaft gegenüber der taz mit, die über die Aktivitäten der Gruppe zuerst berichtet hatte.[12]

Zusammensetzung der Szene und MotivationBearbeiten

Prepper stellen sich nicht als eine homogene Gruppierung dar. In ihrer umfassenden Recherche hat die Journalistin Gabriela Keller dargestellt, dass "die Szene, wenn man sie überhaupt so nennen will, [...] vielschichtig [ist]: von der Hartz-IV-Empfängerin bis zum Silicon-Valley-Milliardär, vom jungen Zeitsoldaten bis zum Frührentner" ist alles dabei.[13] Unter den Preppern sollen vereinzelt auch Reichsbürger, rechte Gruppierungen und Verschwörungstheoretiker versucht haben, die Szene zu unterwandern. In den letzten Jahren haben sich die großen Gemeinschaften (organisierte Prepper) wie PGD (Prepper-Gemeinschaft Deutschland) und der Prepper-Verein e.V. von diesen Gruppen distanziert.[14]

Als Motivation nennen Prepper häufig die Ratschläge des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Das empfiehlt unter anderem, dass jeder Bundesbürger einen Vorrat für 10 Tage anlegen sollte, um auf mögliche Krisen vorbereitet zu sein.

Ungeachtet der Intensität von Vorbereitungshandlungen ist eine Krisenvorsorge laut Bundesregierung nicht als extremistisch zu bewerten.[15]

Mediale AufarbeitungBearbeiten

Seit dem 1. Oktober 2012 strahlt der National Geographic Channel die Serie Preppers – Bereit für den Weltuntergang (im Original: Doomsday Preppers) aus. Im Dezember 2013 begann die Ausstrahlung der dritten Staffel.[16]

In der Folge 16 Damit muss man rechnen (Erstausstrahlung: 17. Dezember 2014) der TV-Serie Der Tatortreiniger wird die Serienfigur Schotty abends zu einem Elektrofachhandel gerufen, wo er während seines Einsatzes den Mitarbeiter und Prepper Olaf kennenlernt. Dieser erläutert Schotty im weiteren Verlauf des Abends, welche Vorbereitungen man getroffen haben muss, um einen plötzlichen Zusammenbruch der bestehenden Gesellschaftsordnung über einen längeren Zeitraum überleben zu können.

Die Folge 176 Bereit bis in den Tod der TV-Serie SOKO Stuttgart spielt ebenso in der Prepperszene wie die 368. Folge der TV-Serie Polizeiruf 110: Demokratie stirbt in Finsternis.

In dem Roman Macht von Karen Duve hält der Ich-Erzähler seine Ehefrau mehrere Jahre lang in einem schalldichten Prepper-Raum gefangen. Die englische Ausgabe des Buches bei Dedalus trägt den Titel The Prepper room.

LiteraturBearbeiten

  • Gabriela Keller: Bereit für den Untergang: Prepper. Das Neue Berlin, Berlin: 2021, ISBN 978-3360013729.
  • Mischa Luy: Das bedrohte Selbst. Die Praxis des „Preppens“ als Lebens und Subjektivierungsform. In: Louis M. Berger, Hajo Raupach, Alexander Schnickmann (Hrsg.): Leben am Ende der Zeiten. Wissen, Praktiken und Zeitvorstellungen der Apokalypse. Campus-Verlag, Frankfurt am Main/New York 2021, ISBN 978-3-593-51141-2, S. 173–191.
  • Maik Baumgärtner, Sven Röbel, Wolf Wiedmann-Schmidt: Ravioli und Gewehre. Wie „Prepper“ sich für die Apokalypse rüsten. In: Der Spiegel. Nr. 27, 30. Juni 2018, S. 49.
  • Amanda A. Sims: Survival of the preppers: An exploration into the culture of prepping. Hrsg.: University of Missouri–Columbia. University of Missouri–Columbia, Missouri–Columbia 2017 (englisch, handle.net – Dissertation).
  • Bertrand Vidal: Quand la bise fut venue. L’imaginaire alimentaire de la sub-culture prepper. In: ESSACHESS – Journal for Communication Studies. Band 8, Nr. 2(16), 12. April 2015, ISSN 1775-352X, S. 195–204 (englisch, essachess.com [abgerufen am 22. September 2018]).
  • Alexander Neubacher, Tobias Schulze, Michael Stürzenhofecker: Sicherheit: Dosenbrot und Kurbellampe. In: Der Spiegel. Band 28, 8. Juli 2013 (spiegel.de [abgerufen am 22. September 2018]).
  • Rainer B. Jogschies: Wo, bitte, geht´s zu meinem Bunker? Nachttischbuch, Berlin 2010, ISBN 978-3-937550-19-0.

DokumentationenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jürgen Reuß: NETZWELT: Die Herrscher des Vorgartens. In: badische-zeitung.de. Badischen Zeitung, 31. Juli 2012, abgerufen am 1. August 2012.
  2. Gabriela Keller: Preppern zuzuhören, kann sich lohnen. Einblicke in eine unübersichtliche Szene. In: Der Spiegel. 13. Februar 2021, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 14. Oktober 2021]).
  3. Tobias Becker, DER SPIEGEL: Deutschland in einem Buch - DER SPIEGEL - Kultur. Abgerufen am 7. September 2020.
  4. https://www.nzz.ch/schweiz/prepper-in-der-schweiz-einblick-in-eine-wundersame-parallelwelt-ld.1524419, abgerufen am 17. April 2020.
  5. https://www.nzz.ch/zuerich/coronavirus-in-zuerich-die-prepper-sahen-es-kommen-ld.1549860, abgerufen am 17. April 2020.
  6. Alexander Neubacher, Tobias Schulze, Michael Stürzenhofecker: Sicherheit: Dosenbrot und Kurbellampe. In: Der Spiegel. Band 28, 8. Juli 2013 (spiegel.de [abgerufen am 22. September 2018]).
  7. a b Maik Baumgärtner, Sven Röbel, Wolf Wiedmann-Schmidt: Ravioli und Gewehre. Wie „Prepper“ sich für die Apokalypse rüsten. In: Der Spiegel. Nr. 27, 30. Juni 2018, S. 49.
  8. [1] Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (bbk.bund.de) Ratgeber
  9. Polizei nimmt „Prepper“-Szene ins Visier. Norddeutscher Rundfunk vom 14. September 2017
  10. Terrorverdacht: Razzien bei Polizist und Anwalt. Norddeutscher Rundfunk vom 28. August 2017
  11. Landtag von Sachsen-Anhalt: Landtag von Sachsen-Anhalt - Rechtsextreme Prepper bereiten „Tag X“ vor. Abgerufen am 18. Juni 2020.
  12. taz: Rechtsextreme Prepper. Staatsanwaltschaft ermittelt. taz (ohne Datumsangabe; abgerufen am 5. August 2020)
  13. Thomas Balbierer: Prepper-Szene - Mehr als nur ein Faible für Vorräte. Süddeutsche Zeitung, 9. April 2021, abgerufen am 14. Oktober 2021.
  14. Per Hinrichs: Der Weltuntergang droht? Diese Männer sind bereit. In: Die Welt. 5. April 2016, abgerufen am 23. August 2017.
  15. "Prepper-Szene" in Deutschland. Deutscher Bundestag. 21. Januar 2019. Abgerufen am 30. Oktober 2019.
  16. Preppers – Bereit für den Weltuntergang. In: fernsehserien.de. imfernsehen GmbH & Co. KG, abgerufen am 28. April 2014.