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Heimatliebe ist ein Fernsehfilm aus der Krimireihe Polizeiruf 110. Die 378. Folge innerhalb der Filmreihe Polizeiruf 110 wurde am 25. August 2019 erstgesendet. Es ist der 15. Fall von Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski und der siebte mit Kriminalhauptkommissar Adam Raczek.

Folge der Reihe Polizeiruf 110
OriginaltitelHeimatliebe
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch, Polnisch
Länge89 Minuten
EinordnungFolge 378 (Liste)
Erstausstrahlung25. August 2019 auf Das Erste
Stab
RegieChristian Bach
DrehbuchChristian Bach
ProduktionMario Krebs
MusikSebastian Pille und Martin Rott
KameraWolfgang Aichholzer
SchnittStine Sonne Munch
Besetzung

HandlungBearbeiten

Zu Beginn ist Raczek auf der Suche nach dem Gewaltopfer, dessen abgetrennten Finger Kinder beim Hundeausführen zufällig aufgefunden hatten. Die Befragung der polnischen Ärztin, die jene Wunde erstbehandelt hatte, bringt das eigenartige Verhalten des betroffenen Mannes zutage, der anonym bleiben wollte und darauf bestand, die ärztliche Leistung in Bargeld zu begleichen. Raczek entscheidet, weiter nach diesem geheimnisvollen Mann suchen zu lassen.

Im polnischen Polizeipräsidium führt eine neuerliche Alleinerziehenden-Notlage Lenskis, die ihr Grundschultöchterchen wegen eines unvorhersehbaren Lehrerinnenausfalls mangels Alternativen auf den Arbeitsplatz mitbringen muss, nicht mehr nur zu Kopfschütteln, sondern zu kleinen Culture-Clash-Konflikten mit den polnischen Kollegen. Raczek lässt sein Unverständnis so ungehalten heraus, dass Lenski ihm ebenso temperamentvoll verbal Kontra geben muss.

In einer Spätsommernacht werden alle Rinder des polnischen Bauern Wojciech Sekula durch Brandstiftung des Stallgebäudes brutal getötet. Das Gebäude brennt bis auf die Grundmauern aus; die Lebensgefährtin des Bauern kommentiert das als endgültigen Todesstoß für die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit sogar des bisherigen Subsistenzbetriebs. Der Bauer selbst will das so nicht sehen. Wenige Tage später wird Wojciech bei einem erneuten Überfall, bei dem er sich den Angreifern entgegenstellte, auf seinen Hof in Zimowe Pole nahe der Oder totgeschlagen. Olga Lenski und Adam Raczek beginnen ihre Ermittlungen, bei denen zunächst der ältere Bruder des Toten, der Handwerker Andrzej Sekula, unter Verdacht gerät. Bei seiner Befragung wird er anhand der Flaggen in seiner Werkstatt als Anhänger einer extrem nationalistischen Rechtsgruppierung in Polen erkannt. Er stellt sich gegenüber den binationalen Ermittlern als vollständig unkooperativ und angesichts der deutschsprachigen Polizistin Lenski feindselig, so dass Raczek seine Kollegin gegen die ausgesprochenen Beleidigungen einschreiten muss.

Auf der Fahrt zum Tatort stoßen die beiden Ermittler auf einen die Straße blockierenden Protest der lokalen Landbevölkerung gegen den Verlust von fruchtbaren Ackerflächen aufgrund von Aufkäufen von agrarindustriellen westlichen Konzernen. Die Anführerin der Protestler ist verwandt mit dem Landwirt Sekula. Erst mit Blaulicht erzwingt Raczek ihre Durchfahrt der Straßensperre. Das enervierende Erlebnis gibt Adam Raczek Gelegenheit, sein beträchtliches Hintergrundwissen zu den zeitgenössischen ökonomischen Konflikten um Verdrängung der Bauern in Polen mit Lenski zu teilen. Offenbar können die Landwirte sich kaum noch die von ihnen benötigte Ackerflächen zu pachten leisten. Lenski lernt erstaunt, Landgrabbing ist nicht nur ein Thema der Dritten Welt, sondern akut ein Problem in Polen.

HintergrundBearbeiten

Der Film wurde vom 21. August 2018 bis zum 20. September 2018 in Berlin, Frankfurt (Oder) sowie in Polen gedreht.[1]

RezeptionBearbeiten

KritikenBearbeiten

„Entgrenzung, Entwurzelung, Kleinstadtbürger, Großmannsträume - der "Polizeiruf" fasst recht gut die Gemengelage der widersprüchlichen Gefühle zusammen, die den Nährboden für den extremistischen Heimatbegriff liefert. Gelegentlich verzettelt sich Filmemacher Bach im fast schon paritätischen Ausloten der unterschiedlichen nationalistischen Strömungen, dafür liefert er aber auch immer wieder brillante kleine Szenen über die Risse im längst nicht geeinten, fast schon wieder auseinanderbrechenden Europa.“

„Die Kriminalhauptkommissare Lenski und Raczek treffen auf polnische Rechtsradikale, auf deutsche Selbstverwalter, auf Agrar-Spekulanten und auf giftige Vorurteile. Der Film zeichnet dadurch ein düsteres Panorama der politischen Gegenwart. Drehbuchautor und Regisseur Christian Bach gelingt mit diesem „Polizeiruf“ ein weitgehend klischeefreier Sonntagabendkrimi, für den man ihm durchaus dankbar sein darf. Dieser Krimi vom RBB ist keine Standardware. Das sieht man auch an der überragenden Kameraführung von Wolfgang Aichholzer. Die Aufnahmen der Oderlandschaft im Nebel, der Felder, der verwunschenen Grenzregion, erinnern an Thriller aus Skandinavien.“

Henning Rasche: Rheinische Post Online[3]

„Wie nah sich Deutschland und Polen sind, wie verwickelt die Lebensgeschichten, zeigt der kleine, auf Polnisch begonnene Dialog zwischen Raczek und einer Ärztinnen-Nebenfigur, bis beide ihre deutsche Prägung im Rheinland beziehungsweise Ruhrgebiet erkennen. Ein eleganter Move, der ohne großes Aufheben die Biografie des in Bochum aufgewachsenen Schauspielers Lucas Gregorowicz streift, der genau wegen dieser Bindestrich-Identität die ideale Besetzung für den polnisch-deutschen Polizeiruf ist.“

Matthias Dell: Zeit Online[4]

„Mehr denn je nimmt „Heimatliebe“, der siebte „Polizeiruf 110“ um die Mordkommission im deutsch-polnischen Grenzgebiet, die Landschaft ins Visier. Der Film von Christian Bach, seine erste TV-Produktion nach seinem vielbeachteten Kinodebüt „Hirngespinster“, ist wie ein Western erzählt: Das weite Land übernimmt aber nicht nur eine atmosphärische Funktion, sondern auch die Themen und Motive dieses uramerikanischen Genres spielen eine zentrale Rolle in der Geschichte: die Grenze, der eigene Grund und Boden, der Feind, die Großgrund-Besitzer und der ewige Kampf zwischen individueller Freiheit und dem Stern des Gesetzes.“

Rainer Tittelbach: tittelbach.tv[5]

„In „Heimatliebe“ wird nicht nur das Thema verspielt, die Zusammenhänge wirken banal […]. Lenski und Raczek plagen sich mit Nichtverstehen, während man selbst auf den Gudrun-Ritter-Moment, oder vielleicht den Zischler-Ritter-Moment großer Schauspielkunst wartet und Däumchen dreht.“

EinschaltquotenBearbeiten

Die Erstausstrahlung von Heimatliebe am 25. August 2019 wurde in Deutschland von 6,56 Millionen Zuschauern gesehen und erreichte einen Marktanteil von 23,0 % für Das Erste.[7]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Polizeiruf 110: Heimatliebe bei crew united
  2. Christian Buß: "Polizeiruf" über "Reichsbürger". Kleinstadtbürger, Großmannsträume. Spiegel Online, 23. August 2019, abgerufen am 24. August 2019: „Bewertung: 7 von 10 Punkten“
  3. Henning Rasche: "Skandinavien an der Oder" In: RP Online vom 25. August 2018, abgerufen am 27. August 2019
  4. Matthias Dell: "Der Jaschke ist ein harmloser Spinner" Zeit Online vom 25. August 2019, abgerufen am 27. August 2019
  5. Rainer Tittelbach: "Polizeiruf 110 - Heimatliebe" bei tittelbach.tv, abgerufen am 27. August 2019
  6. Heike Hupertz: Trostlos an der Grenze. In: Feuilleton. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. August 2019, abgerufen am 25. August 2019.
  7. Manuel Weis: Primetime-Check: Sonntag, 25. August 2019. Quotenmeter.de, 26. August 2019, abgerufen am 28. August 2019.