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Brandstiftung

vorsätzliches oder fahrlässiges und unerlaubtes Inbrandsetzen
Folgen einer Brandstiftung: Feuer im Nordturm der Göttinger St. Johanniskirche am 23. Januar 2005

Unter Brandstiftung versteht man das vorsätzliche oder fahrlässige und unerlaubte Inbrandsetzen eines nicht dazu bestimmten Sachgutes. Brandstiftung ist nicht mit Brandschatzung zu verwechseln.

Inhaltsverzeichnis

Motive und Ursachenzusammenhänge für BrandstiftungBearbeiten

Kriminelle HandlungBearbeiten

Der Großteil der aufgeklärten Brandstiftungen dient dem Versicherungsbetrug oder der Vertuschung anderer Straftaten (etwa Einbruch, Unterschlagung). Jedoch bleiben etwa 51 % der Brandstiftungen unaufgeklärt.[1]

Warmer AbrissBearbeiten

Der Begriff warmer Abriss bezeichnet umgangssprachlich das mutwillige Abbrennen einer Immobilie durch den Eigentümer unter Vortäuschung eines normalen Brandfalls, um die Kosten für einen kostenintensiven Abriss einzusparen und oft auch, um die Versicherung zu betrügen.

Ein Versicherungsbetrug in besonders schwerem Fall liegt bei einem warmen Abriss häufig vor, in Deutschland etwa dann, wenn der Täter den Versicherungsfall vortäuscht, nachdem er oder ein anderer zu diesem Zweck eine Sache von bedeutendem Wert in Brand gesetzt hat oder diese durch eine Brandlegung ganz oder teilweise zerstört hat; dies wird mit Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis zu 10 Jahren bedroht (§ 263 Abs. 3 Satz 2 Nr. 5 StGB).

VerhaltensstörungBearbeiten

Hierunter lassen sich alle Fälle zusammenfassen, bei denen das Verhalten der Brandstifter von den üblichen Normen des menschlichen Zusammenlebens abweicht, unter Umständen sogar krankhafte Züge aufweist (Rachsucht, krankhafter Neid, Hass, krankhafte Eifersucht, Pyromanie, Geltungssucht, Zerstörungswut). Es besteht oft eine enge Beziehung des Täters zum Eigentümer oder Besitzer der beschädigten Sache.

Politisch motivierte GewalttatBearbeiten

Hierunter sind die Brandstiftungsfälle einzustufen, bei denen der Täter Druck auf die Öffentlichkeit auszuüben versucht, um eine Veränderung der bestehenden Verhältnisse im weitesten Sinn zu erreichen. Es kann sich dabei um politische, soziale, ethnische oder gar religiöse Beweggründe handeln (Wirtschaftssabotage, Stimmungsmache, Arbeitskämpfe, Einschüchterung, Erpressung, Terror). Im Falle politisch motivierter Gewalt spricht man auch von einem Brandanschlag.

Brandstiftung durch KinderBearbeiten

Brandstiftungen durch Kinder lassen sich nicht in die beschriebenen Kategorien einordnen. Es überwiegen Neugier, Abenteuerlust, kindliche Lust am Flackern und Prasseln des Feuers oder auch eine angeborene Pyromanie, die schon im Kleinkinderalter auftreten kann.

Brandlegung durch FeuerwehrangehörigeBearbeiten

Zu diesem Themenkomplex gab es ein Forschungsprojekt am Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft an der Juristischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum. Im Bericht über dieses Projekt ging der Autor Frank D. Stolt davon aus, dass es sich um ein in absoluten Zahlen ständig zunehmendes Problem handele, das Schäden in volkswirtschaftlich relevanter Größe verursache und durch die Berichterstattung der Massenmedien schon fast zu einem Alltagsphänomen geworden sei.[2]

Stolt schätzt die Zahl der Brandstifter bei den Freiwilligen Feuerwehren auf etwa 3.000. Bei 1,3 Millionen Mitgliedern in Deutschlands Freiwilligen Feuerwehren läge der Anteil brandstiftender Feuerwehrmänner damit bei 2,3 Promille.[3] Laut dem deutschen Fachverband der Feuerwehren DFV sind nur ca. 0,3 Promille aller Brandstiftungen auf Feuerwehrleute rückführbar.[4]

In der Regel sind Brandstiftungen durch Feuerwehrangehörige keine politisch motivierten Gewalttaten. Vielmehr liegen die Motive im Bereich der Psyche. Sowohl das Erreichen eines Kicks bei Einsätzen als auch Sensationsdrang und der „Drang nach sozialer Anerkennung“[3] können Auslöser für derartige Brandstiftungen sein. Wie bei allgemeinen Brandstiftungen finden sich auch hier die Masse an Brandstiftern unter der männlichen Bevölkerung bis 25 Jahren.[5]

Brandstiftung nach deutschem RechtBearbeiten

Hauptartikel: Brandstiftung (Deutschland)

Die Brandstiftung steht im Abschnitt der gemeingefährlichen Straftaten. Tathandlung ist das vorsätzliche oder fahrlässige Inbrandsetzen oder das durch Brandlegung ganz oder teilweise Zerstören einer Sache.

§ 306 StGB (einfache Brandstiftung) kann somit als qualifiziertes Delikt der Sachbeschädigung verstanden werden (Tatbestandsmerkmales „fremd“). Bei den anderen Tatbeständen (§§ 306a–f StGB) ergibt sich die Strafbarkeit aus der Gefährdung der Allgemeinheit.

Liegen bei Brandstiftung psychische Ursachen vor (z. B. Pyromanie), ist vom Gericht stets die Anwendung des § 20 StGB (Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen) sowie des § 21 StGB (verminderte Schuldfähigkeit) zu prüfen.

Metaphorische VerwendungBearbeiten

„Brandstiftung“ und „Brandstifter“ werden als negativ konnotierte politische Schlagworte in den Zusammensetzungen „geistige Brandstiftung“/„geistiger Brandstifter“ oder „verbale Brandstiftung“/„verbaler Brandstifter“ auch metaphorisch verwendet. Einer so bezeichneten Person/Personengruppe oder entsprechend einer Aussage/Verhaltensweise wird dadurch unterstellt, dass sie einen sozialen oder politischen „Brand“ lege. Eine frühe Verwendung findet sich 1849 in Deutsche Fahrten: Während der Revolution: „... und da sie nach dem Urtheile der Feinde geistige Brandstifter waren, so liess sie Campe an Ort und Stelle so sehr brandschatzen, dass ...“[6]

TriviaBearbeiten

Im Fall des Versicherungsbetruges wird umgangssprachlich oft von einem Warmabbruch oder einer Warmsanierung gesprochen, da der Täter, in diesem Fall beispielsweise der Hauseigentümer, sich auf Kosten der Versicherung eines alten Gebäudes entledigen will. Manchmal versucht dieser, mit Hilfe des „Warmabbruchs“ Vorschriften des Denkmalschutzes zu umgehen, welche gegebenenfalls einem legalen Gebäudeabbruch entgegenstehen.

GeschichteBearbeiten

Anordnungen unter Pfalzgraf Karl IV. und weiteren Bauvorschriften aus dem Jahr 1772 dienten auch der Verhütung eines Brandes im Zusammenhang mit häuslichen Feuerstätten. In diesem Zusammenhang wird auch die Ahndung von Brandstiftungen geregelt: „Der Urheber einer vorsätzlichen Brandstiftung soll nach Kaiser Karls V. peinlicher Halsgerichtsordnung mit dem Feuer vom Leben zu Tode gebracht werden.“[7]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Brandstiftung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikinews: Brandstiftung – in den Nachrichten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Polizeiliche Kriminalstatistik 2011, abgerufen am 21. August 2012.
  2. F.D. Stolt, Erkennung und Prävention von Brandstiftungsdelikten durch Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr. 9. November 2009.
  3. a b Gelöscht wird nur, wenn es brennt“, Interview mit Kriminologe und Brandursachenermittler Frank D. Stolt, Stimme.de, 20. Juli 2010.
  4. Fachempfehlung „Feuerwehrleute sind keine Brandstifter“ (Memento vom 25. August 2011 im Internet Archive) (PDF; 53 kB), Deutscher Feuerwehrverband, 2004.
  5. Feuerwehrmann als Brandstifter, PET Blog, abgerufen am 10. Februar 2012.
  6. Franz Schuselka: Deutsche Fahrten: Während der Revolution.. Jasper, Hügel & Manz, 1849, S. 16.
  7. Franz-Josef Sehr: Das Feuerlöschwesen in Obertiefenbach aus früherer Zeit. In: Jahrbuch für den Kreis Limburg-Weilburg 1994. Der Kreisausschuss des Landkreises Limburg-Weilburg, Limburg-Weilburg 1993, S. 151–153.
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