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Panzerschnellbrücke LEGUAN auf Leopard-2-Fahrgestell bei einer Vorführung der Wehrtechnischen Dienststelle für Pionier- und Truppengerät (WTD 51), Koblenz der Bundeswehr

Die Panzerschnellbrücke Leguan (Eigenschreibweise LEGUAN) ist ein vom Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Wegmann angebotenes Brückensystem zum Überwinden von Hindernissen. Entwickelt vom Tochterunternehmen MAN Mobile Bridges GmbH, ist das System weltweit im Einsatz und wird von den Vereinigten Staaten, Belgien, Finnland, Schweiz, Schweden und Malaysia mit verschiedenen Brückenlegerfahrzeugen verwendet. Die Bundeswehr bestellte im Oktober 2016 ein erstes Los von sieben Gesamtsystemen, die in den Jahren 2018 bis 2021 zur Auslieferung kommen sollen.[1] Das Brückenlegesystem ist eine Weiterentwicklung des Verlegeprinzips der Panzerschnellbrücke Biber.[2]

Inhaltsverzeichnis

AllgemeinBearbeiten

Das Brückensystem kann auf verschiedenen Trägerfahrzeugen verlastet werden. Die Brücke selbst besteht aus einer Aluminiumlegierung mit einer Breite von 4,01 Metern, einer Gesamtlänge von 26 Metern und einem Gesamtgewicht von 10,5 Tonnen. Mit der 26-m-Brücke ist es möglich, je nach Geländebeschaffenheit Geländeeinschnitte wie Gewässer und Schluchten bis 24 Meter Breite zu überwinden. Bei größeren Hindernisbreiten ist eine überlappte Verlegung möglich, bei der die Brückenlängen kombiniert werden. Die Auslegung ist nach Verbesserungen für die Militärische Lastenklasse (MLC) 80 beziehungsweise bis 72,6 Tonnen für Gleiskettenfahrzeuge und 83,5 Tonnen für Radfahrzeuge zugelassen. Ältere Brücken sind als Höchstgrenze für die MLC 70 zugelassen. Durch Entfernungsmessgeräte, Wärmebildgerät und CCD-Kamera ist ein Verlegevorgang auch in der Nacht möglich.

Neben dem Einsatz als Panzerschnellbrücke lassen sich mithilfe von Pontons Fähren unterschiedlicher Lastenklassen bauen und zu Schwimmbrücken koppeln. Das System ist auch in der Lage, anstelle der zweigeteilten 26-Meter-Brücke zwei 14 Meter lange Einzelbrücken zu transportieren und zu verlegen.

VerlegevorgangBearbeiten

 
Schwedische Variante. Brobandvagn 120 mit gekoppelter 26 m Brücke. Insgesamt hat Schweden 2014 6 Brückenleger bestellt.

Wie auch bei der Panzerschnellbrücke Biber erfolgt der Verlegevorgang horizontal im freien Vorbau. Gegenüber dem Verlegen im Scherenverfahren bietet diese Verlegeart den Vorteil einer deutlich niedrigeren Silhouette.

In Transportstellung liegen die bei der 26-m-Version jeweils 13 Meter langen symmetrischen Brückenhälften horizontal übereinander auf dem Haupt- und Heckausleger des Fahrzeugs. Zum Verlegen werden die beiden Elemente angehoben und die untere Brückenhälfte nach vorne verschoben. Nach dem Verbinden wird die gesamte Festbrücke mit dem Hauptausleger über dem Hindernis abgelegt. Die Aufnahme der Brücke erfolgt in umgekehrter Reihenfolge. Während des Verlegevorgangs ruht die gesamte Last auf dem am Bug befindlichen Stützschild, das die Standfestigkeit des Verlegefahrzeugs erhöht. Das Verlegen und Aufnehmen für die 26-m-Brücke dauert nach Herstellerangabe sechs beziehungsweise acht Minuten und ist durch eine elektronische Steuerung auch von einer Person durchführbar. Die 14-m-Brücke lässt sich in rund fünf Minuten verlegen und in sieben Minuten wiederaufnehmen.

TrägerfahrzeugeBearbeiten

 
Polnischer PMC Leguan auf Basis eines PT-91M-Fahrgestells

Krauss-Maffei Wegmann hat das Brückensystem auf eine Reihe verschiedener Trägerfahrzeuge verlastet. So verwenden die Vereinigten Staaten das Chassis des M1 Abrams für ihren M104 Wolverine, Belgien ein Leopard-1-Chassis (Brücke nur bis MLC 70), Schweden und Finnland ein Leopard-2-Chassis (umgebaute Leopard 2A4 in Finnland als Leopard 2L bezeichnet) und die Streitkräfte Malaysias Fahrgestelle des polnischen Kampfpanzers PT-91M (PMC-Leguan). Darüber hinaus werden die Fahrgestelle des Kampfpanzers M60 (Spanien)[3] sowie Radfahrzeuge von MAN und des finnischen Unternehmens SISU verwendet. Weitere Nutzer des Systems sind Norwegen, Singapur (Leopard 2), Griechenland, Südafrika[4] und die Türkei.[5]

Die deutschen Streitkräfte erproben seit 2009 das Brückensystem an den Wehrtechnischen Dienststellen 41 und 51 mit dem Ziel, 2014 die Einsatzprüfung am ersten Serienfahrzeug durchzuführen. Das mit drei Brücken ausgerüstete Projekt Panzerschnellbrücke 2 – der projektierte Nachfolger der Panzerschnellbrücke Biber – gilt seither als eingestellt.[6] Im Oktober 2016 erfolgte eine erste Bestellung von sieben Gesamtsystemen, welche jeweils einen umgebauten Leopard 2 Panzer aus dem Bestand der Bundeswehr, eine verlegbare Brücke von 26 Meter Länge, zwei Brücken von je 14 Meter Länge sowie ein zusätzliches Transportsystem, bestehend aus einer geschützten Sattelzugmaschine mit Sattelauflieger, umfasst. Für die Schulung der Besatzungen wird ein Ausbildungssimulator mit Bedienelementen mitgeliefert. Mit der Bestellung dieses ersten Loses soll der Austausch aller 28 Systeme Brückenlegepanzer Biber im Bestand der Bundeswehr (Stand Oktober 2016) eingeleitet werden.[1]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b BAAINBw PIZ AIN: Neue Brücken für das Deutsche Heer – Vertrag für das System LEGUAN abgeschlossen. Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, 27. Oktober 2016, abgerufen am 1. November 2016.
  2. Brückenlegesystem LEGUAN. In: kmweg.de. Krauss-Maffei Wegmann, abgerufen am 15. Februar 2013.
  3. Trägerfahrzeug VLPD 26/70E. In: mde.es. Ejército de Tierra, archiviert vom Original am 23. Januar 2013; abgerufen am 11. April 2009.
  4. KMW rüstet norwegische Brückenleger auf. (Nicht mehr online verfügbar.) Krauss-Maffei Wegmann, archiviert vom Original am 27. November 2007; abgerufen am 11. April 2009.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kmweg.de
  5. Türkei beschafft 36 Brückenlegepanzer LEGUAN. (Nicht mehr online verfügbar.) In: kmweg.de. Krauss-Maffei Wegmann, ehemals im Original; abgerufen am 27. April 2009.@1@2Vorlage:Toter Link/www.kmweg.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  6. Frank Lobitz: Kampfpanzer Leopard 2. Entwicklung und Einsatz in der Bundeswehr. S. 140 Panzerschnellbrücke 2, Verlag Jochen Vollert-Tankograd Publishing, Erlangen 2009, ISBN 978-3-936519-08-2.