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Panair do Brasil

Ehemalige brasilianische Fluggesellschaft
Panair do Brasil
Panair.svg
Constellation in den Farben der Panair im Museum der TAM in São Carlos (SP)
IATA-Code: PB
ICAO-Code: PB
Rufzeichen: BANDEIRANTE
Gründung: 1929
Betrieb eingestellt: 1965
Sitz: Rio de Janeiro, BrasilienBrasilien Brasilien
Heimatflughafen:

Rio de Janeiro-Santos Dumont

Flottenstärke: 14
Ziele: international
Panair do Brasil hat den Betrieb 1965 eingestellt. Die kursiv gesetzten Angaben beziehen sich auf den letzten Stand vor Einstellung des Betriebes.

Panair do Brasil war eine brasilianische Fluggesellschaft mit Sitz in Rio de Janeiro.

GeschichteBearbeiten

Die Fluggesellschaft wurde 1929 als brasilianisches Tochterunternehmen der US-amerikanischen New York, Rio, and Buenos Aires Line (kurz NYRBA) unter dem Namen NYRBA do Brasil gegründet. Die Betriebsaufnahme erfolgte am 21. August 1929 zwischen Buenos Aires und Montevideo mit Flugzeugen des Typs Sikorsky S-38. Am 19. August 1930 wurde das US-amerikanische Mutterunternehmen NYRBA von der Fluglinie Pan American Airways (kurz Pan Am) übernommen, wodurch NYRBA do Brasil in deren alleinigen Besitz überging. Pan Am firmierte die NYRBA do Brasil am 21. November 1930 zur Panair do Brasil um. Die Tochtergesellschaft erhielt ein Firmenlogo, dass dem der Pan American Airways stark ähnelte. Ab 1942 begann die US-amerikanische Muttergesellschaft damit, ihre Unternehmensanteile schrittweise an brasilianische Interessenten zu verkaufen.

Nach dem Rückzug der Pan Am blieb Panair do Brasil eine private Fluggesellschaft, welche in Absprache mit Varig, der zweiten großen brasilianischen Fluglinie, Brasilien bis 1965 mit der Welt verband. Hierbei bediente Panair ab 1946 auch europäische Destinationen (u. a. Paris und Frankfurt am Main), während die Varig sich dem amerikanischen Kontinent widmete. Heimatflughafen der Panair war Rio de Janeiro-Santos Dumont. Im Gegensatz zur Varig nutzte Panair die Flugzeugmodelle von Douglas, in den 1960er Jahren die Douglas DC-8, während Varig sich für das Konkurrenzmodell Boeing 707 entschied.

Am 10. Februar 1965 wurden die Panair unerwartet davon in Kenntnis gesetzt, dass ihr ab sofort von der seit dem Vorjahr herrschenden Militärregierung die Lizenz wegen ausstehender Steuerschulden entzogen wurde. Das interkontinentale Streckennetz sowie die diese bedienenden DC-8 Flugzeuge wurden der Varig zugeteilt. Das südamerikanische Netz wurde auf die in den Kriegsjahren aus dem brasilianischen Lufthansa-Ableger Syndicato Condor hervorgegangene Cruzeiro do Sul übertragen. Die weiteren Einrichtungen der Panair wurden entsprechend aufgeteilt. Damit endete die Geschichte der Panair als Fluggesellschaft. Rund 5000 Mitarbeiter verloren dabei den Arbeitsplatz.

Die Vorgehensweise der Regierung gilt auch in der Nachbetrachtung bestenfalls als umstritten. Oft wird sie als illegitime Willkürlichkeit angesehen. Gerne wird darauf hingewiesen, dass Panair bei weitem nicht die höchsten Steuerschulden unter den brasilianischen Fluggesellschaften hatte. Auch wird vermerkt, dass schon 1964 Piloten der Varig informiert wurden, dass alsbald Ziele, die bis dahin nur von der Panair bedient wurden, von ihnen anzufliegen wären – was dem ganzen auch den Ruf einer von langer Hand vorbereiteten Aktion einbrachte.

1984 endete die Zeit der Militärregierung und im selben Jahr wurde die brasilianische Regierung von einem Gericht zu diversen Entschädigungszahlungen verurteilt.

Bereits 1975 veröffentlichten Milton Nascimento und Fernando Brant das wehmütige Lied Saudade Dos Aviões Da Panair ("Sehnsucht der Flugzeuge von Panair"), das insbesondere in der Fassung von Elis Regina zu einem Erfolg wurde. 2007 zeichnete der brasilianischen Regisseur Marco Altenberg in dem vielbeachteten Dokumentarfilm Panair do Brasil die Geschichte der Fluggesellschaft nach.[1]

Seit der Schließung der Panair treffen sich vormalige Mitarbeiter, deren Angehörige und Freunde, die Família Panair, alljährlich um den 22. Oktober, dem Gründungstag der Gesellschaft, zum geselligen Austausch. Noch 2010 fanden sich rund 200 Leute zum gemeinsamen Essen im Clube da Aeronáutica von Rio de Janeiro ein.[2]

FlotteBearbeiten

ZwischenfälleBearbeiten

Von 1941 bis zur Betriebseinstellung 1965 kam es bei Panair do Brasil zu 25 Totalverlusten von Flugzeugen. Dabei kamen 297 Menschen ums Leben.[4] Beispiele:

  • Am 14. Oktober 1961 ging in einer Douglas DC-7C der Panair do Brasil (Luftfahrzeugkennzeichen PP-PDL) auf dem Weg von Manaus Hydraulikflüssigkeit verloren. Bei der Notlandung auf dem Flughafen Belem geriet die Maschine beim Einsatz des Umkehrschubs von der Landebahn ab; beim Queren eines Grabens brach das Fahrwerk zusammen. Alle Insassen überlebten den Totalschaden des Flugzeugs.[5]
  • Am 1. November 1961 wurde eine Douglas DC-7C der Panair do Brasil (PP-PDO) auf dem Weg vom Flughafen Sal (Kap Verde) in einen 84 Meter hohen Hügel geflogen. Die zuerst in Lissabon gestartete Maschine war im nächtlichen Endanflug auf den Flughafen Recife, als sie 2,7 Kilometer vor der Landebahn ins Gelände flog. Von den 88 Insassen wurden 45 getötet.[6]
  • Am 20. August 1962 brach der Kapitän einer Douglas DC-8-33 der Panair do Brasil (PP-PDT) erst zu einem späten Zeitpunkt den Start seiner Maschine vom Flughafen Rio de Janeiro-Galeão ab. Das Flugzeug überrollte das Landebahnende und stürzte ins Meer. Bei den Flugunfalluntersuchungen wurde festgestellt, dass zwar die Bremsen betätigt wurden, die Schubumkehr jedoch nach den Beschädigungen aller Triebwerke nicht mehr funktionierte. Die Notbeleuchtung funktionierte nicht, und die Passagiere waren weder über die Lage der Notausgänge noch die Benutzung der Schwimmwesten informiert worden. Nachdem das Flugzeug etwa 100 Meter abgetrieben war, sank es innerhalb von 25 Minuten. Von 105 Personen an Bord kamen 15 ums Leben. (siehe auch Panair-do-Brasil-Flug 026)[7]
  • Am 8. April 1963 brach an einer Douglas DC-7C der Panair do Brasil (PP-PDM) bei einem Trainingsflug am Flughafen Rio de Janeiro-Galeão das Bugfahrwerk zusammen. Die beiden inneren Triebwerke (Nummer 2 und 3) wurden abgerissen, beschädigten die Treibstofftanks und lösten ein Feuer aus. Die 7 Besatzungsmitglieder überlebten den Totalschaden des Flugzeugs.[8]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Panair do Brasil in der Internet Movie Database (englisch)
  2. Glauber Gonçalves: Panair resiste na memória e na Justiça (Memento vom 23. September 2012 im Internet Archive), O Estado de S.Paulo, 25. November 2010
  3. R.E.G. Davies: Airlines of Latin America since 1919. Putnam Aeronautical Books, London 1997, ISBN 0-85177-889-5, S. 611–614.
  4. Unfallstatistik Panair do Brasil, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 26. März 2017.
  5. Unfallbericht DC-7C PP-PDL, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 25. Februar 2019.
  6. Unfallbericht DC-7C PP-PDO, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 25. Februar 2019.
  7. Unfallbericht DC-8-33 PP-PDT, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 25. Februar 2019.
  8. Unfallbericht DC-7C PP-PDM, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 25. Februar 2019.