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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Oybin
Oybin
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Oybin hervorgehoben

Koordinaten: 50° 51′ N, 14° 45′ O

Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Görlitz
Verwaltungs­gemeinschaft: Olbersdorf
Höhe: 389 m ü. NHN
Fläche: 18,28 km2
Einwohner: 1374 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 75 Einwohner je km2
Postleitzahl: 02797
Vorwahl: 035844
Kfz-Kennzeichen: GR, LÖB, NOL, NY, WSW, ZI
Gemeindeschlüssel: 14 6 26 430
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Freiligrathstraße 8
02797 Kurort Oybin
Website: www.oybin.com
Bürgermeister: Tobias Steiner (SPD)
Lage der Gemeinde Oybin im Landkreis Görlitz
Bärwalder SeeBerzdorfer SeeTalsperre QuitzdorfTalsperre QuitzdorfPolenTschechienLandkreis Sächsische Schweiz-OsterzgebirgeBad MuskauBeiersdorfBernstadt a. d. EigenHerrnhutBertsdorf-HörnitzBoxberg/O.L.Boxberg/O.L.DürrhennersdorfEbersbach-NeugersdorfKottmar (Gemeinde)Gablenz (Oberlausitz)GörlitzGörlitzGroß DübenGroß DübenGroßschönau (Sachsen)GroßschweidnitzHähnichenHainewaldeHerrnhutHohendubrauHorkaJonsdorfKodersdorfKönigshainKrauschwitz (Sachsen)Kreba-NeudorfLawaldeLeutersdorf (Oberlausitz)LöbauMarkersdorf (Sachsen)Markersdorf (Sachsen)MittelherwigsdorfMückaMückaNeißeaueNeusalza-SprembergKottmar (Gemeinde)NieskyKottmar (Gemeinde)OderwitzOlbersdorfOppachOstritzOybinQuitzdorf am SeeReichenbach/O.L.RietschenRosenbachRothenburg/OberlausitzSchleife (Ort)Schönau-Berzdorf auf dem EigenSchönbach (Sachsen)SchöpstalSeifhennersdorfReichenbach/O.L.TrebendorfTrebendorfVierkirchen (Oberlausitz)WaldhufenWeißkeißelWeißwasser/OberlausitzZittauZittauLandkreis BautzenBrandenburgKarte
Über dieses Bild
Blick auf Oybin und den Hochwald 2010

Oybin (Aussprache: [ɔɪ̯ˈbiːn]) ist eine Gemeinde im Landkreis Görlitz, die im Südosten Sachsens an der Grenze zur Tschechischen Republik liegt.

Geografie und VerkehrBearbeiten

Der Ort ist Endstation der dampfbetriebenen Zittauer Schmalspurbahn und liegt am Fuße des Berges Oybin in einem vom Goldbach gebildeten Talkessel des Zittauer Gebirges. Der Ortsteil Lückendorf liegt als einziger deutscher Ort auf der Südseite des Gebirges. Umliegende Berge sind der Hochwald (mit 749 m ü. NN höchster Berg im Gemeindegebiet und zweithöchster Berg im Zittauer Gebirge), der Töpfer, der Ameisenberg, die Brandhöhe und der Scharfenstein.

GeologieBearbeiten

Der Talkessel wird dominiert durch den Sandsteinmonolithen des Berges Oybin. Überhaupt ist der Sandstein vorherrschendes Gestein im Gemeindegebiet. Die Festigkeit des Gesteines hängt stark von dem Gebiet ab. Während er im Talkessel im Gebiet der Rosensteine und Bienenhaidstein sehr weich ist, nimmt die Festigkeit nach Norden und Osten meist zu. Am festesten ist der Sandstein entlang der Lausitzer Verwerfung, wo er im Tertiär durch aufsteigendes Magma thermisch gehärtet wurde, beispielsweise an der Nordostecke des Töpfers, wo der Sandstein stellenweise sogar verglaste. Im Ortsteil Hain gibt es mit dem Johannisstein (tschech: Jánské kameny) einen Basaltdurchbruch, während der obere Teil des Hochwaldes (als erloschener Vulkan) aus Phonolith besteht.

Interessant ist der Umstand, dass es geschichtlich belegt und nachgewiesen im Gebiet Oybin und besonders im Ortsteil Hölle zu zahlreichen Erdbeben gekommen ist. Am 6. März 1872 war ein solches Beben dermaßen stark, dass „Häuser heftig bewegt und Bewohner einzelner Häuser erschreckt ins Freie eilten“. Das letzte starke Beben ereignete sich am 10. Januar 1901.

OrtsgliederungBearbeiten

Die Gemeinde Oybin gliedert sich in die Ortsteile Kurort Oybin, Hain und Luftkurort Lückendorf.

GeschichteBearbeiten

MittelalterBearbeiten

Die Geschichte des Ortes ist eng mit der Burg auf dem Berg Oybin verknüpft. Im Jahr 1290 wurde die Burg als Moybin erstmals urkundlich erwähnt. Schon vorher war der Berg besiedelt und auch befestigt. Im Jahr 1291 wurde die auf dem Berg befindliche Burganlage von der Stadt Zittau eingenommen und zerstört. Bereits wenige Jahre später wurde die Burg von Heinrich von Leipa wieder auf- und ausgebaut.

Kaiser Karl IV. ließ die Burg weiter ausbauen und stiftete 1369 dort ein Cölestinerkloster. Im Zuge der Hussitenkriege belagerte ein hussitisches Heer im September 1429 die Burg Oybin; am 28. September 1429 scheiterte ihr Versuch, die Burg zu stürmen, danach zogen sie sich zurück.[2][3] Die Cölestiner aus Oybin übernahmen 1472 auch das pfälzische Kloster Schönfeld bei Bad Dürkheim, das sie aber 1499 wieder aufgaben.[4]

NeuzeitBearbeiten

Das Cölestinerkloster wurde im Zuge der Reformation aufgelöst; das Kloster und die Burg verfielen.

 
Oybin um 1900

Der Ort selber wurde schon im Jahre 1873 in den Verband sächsischer Sommerfrischen aufgenommen. 1890 erfolgte die Eröffnung der Schmalspurbahn. Seit 1930 trug Oybin den Titel Kurort, zählt jedoch nicht zu den staatlich anerkannten Kurorten im Freistaat Sachsen.[5]

In der DDR-Zeit zu Beginn der 1970er Jahre wurde im Ort ein Pionierferienlager eingerichtet.[6]

OrtsnamenformenBearbeiten

1290: Ztenco de Moibin, 1316: Oywin, 1320: Owin, 1346: Moywyn, 1369: Oybin, 1370 (um 1370): Moyben, Owben, Oyben, 1428: uff dem Moyben, Oywyn, Oybin, 1474: uffn Oywin, 1494: monasterium montis paracliti, 1530: Vbin, 1875 : Oybin, 1939: Oybin, Kurort

Oybin gehört zu den wenigen kleineren Orten in Deutschland, die im Rechtschreibduden verzeichnet sind.

VerwaltungszugehörigkeitBearbeiten

1777: Görlitzer Kreis, 1843: Landgerichtsbezirk Löbau, 1856: Gerichtsamt Zittau, 1875: Amtshauptmannschaft Zittau, 1952: Landkreis Zittau, 1994: Landkreis Löbau-Zittau, 2008: Landkreis Görlitz

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Im Jahr 1777 gab es in Oybin 24 Gärtner, 91 Häusler und 6 Wüstungen. Die Entwicklung der Einwohnerzahl zeigt die folgende Tabelle.

Jahr 1834 1871 1890 1910 1925 1939 1946 1950 1964 1990 2000 2007 2009 2012 2013
Einwohner[7] 700 735 679 784 1.157 1.067 1.600 1.693 1.570 1.204 1.667 1.546 1.524 1.453 1.479

PolitikBearbeiten

Gemeinderatswahl 2014[8]
Wahlbeteiligung: 60,8 %
 %
50
40
30
20
10
0
45,0 %
15,5 %
10,7 %
15,9 %
12,9 %
 
Rathaus von Oybin

Seit der Gemeinderatswahl am 26. Mai 2019 verteilen sich die 12 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen[9] auf die einzelnen Gruppierungen:

  • Lückendorfer Förderverein (LFV): 5 Sitze (36,4 %, 836 Stimmen)
  • BuW: 4 Sitze (32,7 %, 751 Stimmen)
  • Sportfreunde: 1 Sitz (14,0 %, 322 Stimmen)
  • LINKE: 1 Sitz (9,8 %, 226 Stimmen)
  • CDU: 1 Sitz (7,1 %, 164 Stimmen)

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Burgruine auf dem Berg Oybin
  • die 1734 errichtete barocke Bergkirche am Aufgang zum Berg Oybin
  • Kloster- und Burgruine mit Museum sowie Camera Obscura auf dem Berg Oybin
  • Züge der Cölestinermönche an der Burgruine (gestützt durch den Verein „Historische Mönchszüge – Berg Oybin e.V.“)
  • Umgebindehäuser
  • Bahnhof Oybin mit kleinem Museum zur Geschichte der Zittauer Schmalspurbahn
  • Teufelsmühle

Wanderziele und NaturdenkmaleBearbeiten

 
Blick vom Scharfenstein auf Oybin und Lausche
 
Kelchstein

GedenkstättenBearbeiten

Eine Gedenkanlage im Felsmassiv am Aufgang zum Berg Oybin erinnert an 49 ermordete bzw. umgekommene sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, darunter ein Kind, die während des Zweiten Weltkrieges Opfer von Zwangsarbeit wurden.

SportBearbeiten

Oybin verfügt über eine marode hölzerne Ski-Sprungschanze unter der die Straße von Oybin zum Ortsteil Hain hindurchführt und eine ebenfalls nicht mehr benutzbare Natur-Rodelbahn. Durch die zahlreichen Sandsteinfelsen ist auch das Klettern sehr beliebt.

Seit 2000 findet jeweils im August das Lückendorfer Bergrennen statt, eine Gleichmäßigkeitsfahrt über eine Strecke von 4 km zwischen Zittau-Eichgraben und Oybin-Lückendorf.

PersönlichkeitenBearbeiten

Mit Oybin verbunden sind:

  • Alfred Moschkau (1848–1912), Publizist, Lyriker, Regionalforscher, Vertrauensmann der Sächsischen Denkmalkommission, wissenschaftlicher Philatelist, Gründer des Oybin-Museums
  • Hans Kühn (1908–2009), Oberlausitzer Komponist und Heimatsänger
  • Kurt David (1924–1994), deutscher Schriftsteller
  • Renate Blume (* 1944), Schauspielerin, arbeitete nach 1992 in Oybin.
  • Heinz Eggert (* 1946), CDU-Politiker, sächsischer Innenminister, war Gemeindepfarrer in Oybin
  • Matthias Buse (* 1959), Weltklasse-Skispringer, Weltmeister von der Normalschanze 1978, Zweiter der Vierschanzentournee 1977/78

LiteraturBearbeiten

  • Die südöstliche Oberlausitz mit Zittau und dem Zittauer Gebirge (= Werte der deutschen Heimat. Band 16). 2. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1971.
  • Cornelius Gurlitt: Oybin (Dorf). In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 29. Heft: Amtshauptmannschaft Zittau (Land). C. C. Meinhold, Dresden 1906, S. 199.
  • Alfred Moschkau: Der Oybin in vorhistorischer Zeit. Ein Beitrag zur Geschichte des Oybin und des Zittauer Gebirges. Oybin 1882 (Digitalisat)
  • Alfred Moschkau: Oybin-Chronik. urkundliche Geschichte von Burg, Cölestinerkloster und Dorf Oybin bei Zittau. Künstner, Leipa 1884 (Digitalisat)
  • Alfred Moschkau (Hrsg.): Archiv für Topographie und Geschichte des Oybin und seiner Umgebung. mehrere Bände, Oybin 1881ff. (Digitalisat)
  • Alfred Moschkau: Das Kirchlein am Oybin. Menzel, Zittau 1884 (Digitalisat)
  • Christian Adolf Pescheck: Kleine Chronik des Oybin. Zittau 1846 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek).
  • Thorsten Pietschmann: Die evangelisch-lutherischen Kirchen zu Lückendorf und Oybin. Graphische Werkstätten Zittau, Zittau 2009. ISBN 978-3-929744-44-6
  • Peter Rölke (Hrsg.): Wander- und Naturführer Zittauer Gebirge, Berg- und Naturverlag Rölke, Dresden 2006

WeblinksBearbeiten

  Commons: Oybin – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikivoyage: Oybin – Reiseführer
 Wikisource: Oybin – Quellen und Volltexte

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerung des Freistaates Sachsen jeweils am Monatsende ausgewählter Berichtsmonate nach Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Ralph Gundram: Döbeln und die Hussiten. Die Brandkatastrophe einer Stadt im Spannungsfeld historischer Konstruktion und lokaler Legendenbildung. In: Neues Archiv für Sächsische Geschichte, Bd. 79 (2008) S. 1–26, hier S. 3.
  3. Christian Adolf Pescheck: Geschichte der Cölestiner des Oybins, urkundlich erforscht und dargestellt. Seyfert, Zittau 1840, S. 104.
  4. Karl Borchardt: Die Cölestiner: eine Mönchsgemeinschaft des späteren Mittelalters, Verlag Matthiesen, 1994, S. 155 u. 156, ISBN 3786814880; (Ausschnittscan)
  5. Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr über die Änderung der Liste der Kur- und Erholungsorte im Freistaat Sachsen gemäß § 3 Abs. 5 SächsKurG vom 20. Januar 2014
  6. Facebook-Eintrag
  7. Oybin im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  8. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014
  9. Gemeinderatswahl 2019 - Wahlberechtigte und Wähler in der Gemeinde Oybin, Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, abgerufen 20 August 2019