Odolanów

Stadt in Polen

Odolanów (deutsch Adelnau) ist eine Stadt im Westen Polens. Sie gehört dem Powiat Ostrowski in der Woiwodschaft Großpolen an, liegt etwa 120 km südlich von Posen und ist Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde.

Odolanów
Wappen von Odolanów
Odolanów (Polen)
Odolanów
Odolanów
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Powiat: Ostrów Wielkopolski
Fläche: 4,76 km²
Geographische Lage: 51° 34′ N, 17° 40′ OKoordinaten: 51° 34′ 0″ N, 17° 40′ 0″ O
Einwohner: 5135
(30. Jun. 2019)[1]
Postleitzahl: 63-430
Telefonvorwahl: (+48) 62
Kfz-Kennzeichen: POS
Wirtschaft und Verkehr
Straße: OstrzeszówKrotoszyn
Schienenweg: WarschauBreslau
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 136,03 km²
Einwohner: 14.641
(30. Jun. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 108 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3017033
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Marian Janicki
Adresse: Rynek 1
63-430 Odolanów
Webpräsenz: www.odolanow.pl



Geografie und VerkehrBearbeiten

Odolanów liegt im Süden Großpolens im weiten Tal der Bartsch (polnisch Barycz) unweit der Grenze zu Niederschlesien. Beiderseits der Grenze zeichnet sich die Landschaft durch ausgedehnte Mischwälder und eine Vielzahl von Wasserläufen und Teichen aus.

Durch Odolanów verläuft die Hauptstrecke der Eisenbahn von Warschau über Łódź und Kalisz nach Breslau. Die nächstgelegenen größeren Städte sind Ostrów Wielkopolski, 13 Kilometer nordöstlich, und Kalisz, 37 Kilometer nordöstlich von Odolanów.

GeschichteBearbeiten

 
Stadt und Kreis Adelnau südöstlich der Stadt Posen und südwestlich der Stadt Kalisch auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).

Erstmals schriftlich erwähnt wurde der Ort 1301 als Odelnove, damals verfügte er bereits über eine Wehrburg. Der Ortsname geht vermutlich auf einen Grundherrn namens Odolan zurück. Nach dem Ausscheiden der benachbarten schlesischen Teilfürstentümer aus dem polnischen Staat im 14. Jahrhundert wurde Odolanów zu einem strategisch bedeutsamen Grenzort.

Zu schweren Konflikten mit der polnischen Krone kam es während der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, als der Besitzer des Ortes, der aus der Lausitz stammende Adelige Bartosz Wezenborg vom Wappenstamm Nałęcz, von Odolanów aus einen Bürgerkrieg im gesamten Großpolen gegen das damals in Polen regierende Haus Anjou hervorrief und steuerte. 1373 hatte er seinen Stammsitz eigenmächtig zur Stadt erhoben. Als Nachfolger der Anjou verbannte König Władysław II. Jagiełło den aufständischen Bartosz Wezenborg zunächst aus Polen, berief ihn dann allerdings 1387 zum Woiwoden von Posen. König Władysław II. Jagiełło verlieh Odolanów um das Jahr 1400 erneut das Stadtrecht, nachdem er den Ort 1386 zur Krondomäne im Rang einer Starostei gemacht hatte.

In den Folgejahrhunderten belehnte die Krone etliche polnische Adelsgeschlechter mit Odolanów, dessen wirtschaftliche Blütezeit in das 16. Jahrhundert fällt. Unter ihnen waren etwa die Zborowski, die Leszczyński und die Sułkowski.[2] Vor Ort blühte das Schmiedehandwerk, es gab auch Erzgruben und Brauereien. Der Zweite Nordische Krieg (1655–1661) Polens gegen Schweden und Russland um die Vorherrschaft im Ostseeraum setzte der Blütezeit Odolanóws ein vorläufiges Ende.

Nach der Zweiten Teilung Polens kam Odolanów 1793 und dann erneut 1815 unter preußische Hoheit; fortan hieß es Adelnau. Von 1793 bis 1815 und von 1887 bis 1932 war Adelnau Sitz des Kreises Adelnau. 1817 hatte Adelnau zwei katholische und eine evangelisch Kirche und 147 Häuser.[3] 1832 wurde die Stadtbefestigung niedergerissen, 1835 die Synagoge erbaut.

Nach der Wiedererrichtung des polnischen Staates 1919 kam Odolanów an Polen. 1975 bis 1998 gehörte die Stadt verwaltungsmäßig zur Woiwodschaft Kalisch; seither ist sie Teil der Woiwodschaft Großpolen. In den 1960er Jahren wurden auf dem Gemeindegebiet von Odolanów Erdgasvorkommen entdeckt. Es entwickelte sich eine regional nicht unbedeutende Förderindustrie.

EinwohnerzahlenBearbeiten

  • 1800: 996, darunter 34 Juden[4]
  • 1816: 1.112, darunter 48 Juden[3]
  • 1843: 1.827[4]
  • 1861: 1.931[4]
  • 1909: 2.286, darunter 349 Evangelische und 166 Juden[5]

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Martins-Denkmal

Zu den Sehenswürdigkeiten zählen neben der spätbarocken katholischen Pfarrkirche St. Martin (1794) und dem neugotischen Rathaus (1899) verschiedene Parkanlagen. Im Park an der ul. 1 Maja steht ein Obelisk zum Gedenken an den Großpolnischen Aufstand und die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs. Im Park an der ul. Kaliska befinden sich zahlreiche Springbrunnen und eine überlebensgroße Reiterfigur des Hl. Martin (1999), des Patrons der Stadt und ihres Umlands.

Interessant ist auch die gesamte Umgebung von Odolanów, die teilweise zum Park Krajobrazowy Dolina Baryczy (Landschaftspark Bartschbruch) gehört, dem größten polnischen Naturpark (seit 1996). Vierzehn Kilometer südöstlich der Stadt liegt der Weiler Antonin mit dem sehenswerten Jagdschloss der Radziwiłłs.

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

GemeindeBearbeiten

Die Stadt- und Landgemeinde Odolanów besteht neben dem namengebenden Hauptort noch aus 16 Ortsteilen:

Name deutscher Name
(1815–1919)
deutscher Name
(1939–1945)
Baby Baben Baben
Biadaszki Biadaszki Biadaszki
Boników Bonikow Feldmark
Garki Garki 1939–1943 Deutschweiler
1943–1945 Eisenweiler
Gliśnica Glisnica Schönfeld
Gorzyce Małe Klein Gorzyce Klein Bittersdorf
Grochowiska Grochowisko Grochowisko[6]
Huta Hutta Erzhagen
Kaczory Kaczuren Kaczuren[6]
Kuroch Kuroch Kuroch
Lipiny Liebchen Liebchen
Nabyszyce Nabyszyce Holzhausen
Nadstawki Nadstawki Rohrteich
Papiernia Papiernia ?
Raczyce Raczyce Langwege
Świeca Swieca Lichtenfeld
Tarchały Małe Klein Tarchaly ?
Tarchały Wielkie Groß Tarchaly 1939–1943 Friedenau
1943–1945 Tarchenfeld
Trzcieliny Trzcieliny ?
Uciechów Uciechow Bartschweide
Wierzbno Wierzbno Thomaswalde
Wisławka Chausseehaus Chausseehaus

LiteraturBearbeiten

  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 265–266.

WeblinksBearbeiten

Commons: Odolanów – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2019. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 0,99 MiB), abgerufen am 24. Dezember 2019.
  2. Geschichte von Odolanów (Memento vom 28. September 2007 im Internet Archive)
  3. a b Georg Hassel Vollständige und neueste Erdbeschreibung der Preußischen Monarchie und des Freistaates Krakau. Weimar 1819, S. 610.
  4. a b c Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 265–266.
  5. Meyers Konvwersations-Lexikon
  6. a b Vgl. Deutsche Topograph. Karte, 4472 Adelnau