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Nikolaus von Baudissin

deutscher Politiker, preußischer Parlamentarier und Beamter

Nikolaus Graf von Baudissin (* 29. Dezember 1838 auf Gut Projensdorf; † 14. April 1917 in Schivelbein) war ein deutscher Politiker, preußischer Parlamentarier und Beamter. Er war über vier Jahrzehnte lang Landrat des Kreises Schivelbein in der Provinz Pommern.

LebenBearbeiten

Er gehörte zu dem ursprünglich aus der Oberlausitz stammenden, im Dreißigjährigen Krieg nach Schleswig-Holstein gekommenen Adelsgeschlecht Baudissin. Sein Vater Joseph Graf Baudissin (* 1797; † 1871) war königlich dänischer Kammerherr, Rittmeister und Erbherr auf Borstel; seine Mutter war eine geborene Gräfin Reventlow.

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Gütersloh studierte Nikolaus von Baudissin an den Universitäten in Halle, Heidelberg, Leipzig und Kiel. In Heidelberg wurde er Mitglied des Corps Guestphalia und in Leipzig des Corps Misnia.[1] Ab 1863 arbeitete er am Obergericht in Glückstadt, 1864 als Auskultator bei der obersten Zivilbehörde in Flensburg und ab 1866 als Bevollmächtigter bei der Regierung in Schleswig. Wie seine schleswig-holsteinische Heimat nach dem Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 und dem Deutschen Krieg von 1866 von Dänemark letztlich an Preußen kam, ging auch Baudissin aus dem dänischen Staatsdienst letztlich in den preußischen Staatsdienst über. 1868 ging er als Regierungsassessor nach Stettin. Von der Regierung wurde er von November 1869 bis Mai 1870 als Landratsamtsverwalter im Kreis Pyritz eingesetzt. 1870 meldete er sich als Freiwilliger zum Kriegsdienst und nahm am Deutsch-Französischen Krieg im 2. Pommerschen Ulanen-Regiment Nr. 9 teil. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet.

1871 wurde er von der Regierung während einer längeren Beurlaubung des Landrates Rüdiger von der Goltz als Landratsamtverwalter im Kreis Schivelbein eingesetzt. Die Regierung baute ihn so zum Nachfolger auf und tatsächlich wurde Baudissin nach Goltz' Rücktritt zu Ende 1871 vom Kreistag mehrheitlich als Nachfolger vorgeschlagen und 1872 zum neuen Landrat ernannt. Er blieb in diesem Amt bis 1917. In seine lange Amtszeit fielen unter anderem 1897 der Bau eines Kreiskrankenhauses und 1901 die Errichtung der Kreissparkasse Schivelbein, in den Schluss seiner Amtszeit vor seinem Tode dann die Belastungen im Ersten Weltkrieg mit seiner Kriegswirtschaft. In seine Amtszeit fielen auch antisemitische Krawalle in der Stadt Schivelbein im August 1881, an deren Niederschlagung er sich als Landrat beteiligte.

Neben seiner Tätigkeit als Landrat war er von 1877 bis zu seinem Tode Mitglied des Pommerschen Provinziallandtages[2] sowie von 1879 bis 1888 Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses.[3] Während seiner Tätigkeit als Landrat wurde er mit dem Roten Adler-Orden zunächst IV. Klasse (1883), dann III. Klasse (1893) und zu seinem Dienstjubiläum 1913 II. Klasse mit Eichenlaub ausgezeichnet, 1906 mit dem Kronenorden II. Klasse.

Baudissin war seit 1877 in zweiter Ehe mit Katharina von der Osten (* 2. Februar 1860) vermählt, der Tochter des Landrates Leopold von der Osten aus dem benachbarten Kreis Regenwalde. Aus der Ehe gingen eine Tochter Elisabeth und ein Sohn Wolf hervor. Baudissin erwarb neben einem Haus in Schivelbein das Rittergut Neuhof im Kreis Regenwalde.

Im April 1917 starb Nikolaus Graf von Baudissin. In seinem Amt als Landrat folgte kommissarisch Rüdiger von der Goltz, der Sohn seines Amtsvorgängers.

LiteraturBearbeiten

  • Karl-Eberhard Albinus: Der Altkreis Schivelbein und seine Landräte von 1816 bis 1932. In: Der Kreis Belgard. Eigenverlag Heimatkreisausschuss Belgard-Schivelbein, Celle 1989, S. 210–215.
  • Jürgen W. Schmidt: Die Landräte des Kreises Schivelbein (1865–1932). In: Baltische Studien Band 98 N.F., 2012, ISSN 0067-3099, S. 81–108.
  • Hartwin Spenkuch (Bearb.): Die Protokolle des Preußischen Staatsministeriums 1817–1934/38. Bd. 7. In: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Acta Borussica. Neue Folge. Olms-Weidmann, Hildesheim 1999, ISBN 3-487-11004-0, S. 354 (Online; PDF 2,83 MB).

FußnotenBearbeiten

  1. Kösener Korpslisten 1910, 112, 737; 151, 163
  2. Theodor Wengler: Der Provinzialverband Pommern. Verzeichnis der Mitglieder des Provinziallandtages. Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern, Reihe V, Band 44. Böhlau Verlag, Köln Weimar Wien 2008, ISBN 978-3-412-20109-8.
  3. Mann, Bernhard (Bearb.): Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne. Düsseldorf : Droste Verlag, 1988, S. 56 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien : Bd. 3); zu den Wahlergebnissen siehe Thomas Kühne: Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 6). Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5182-3, S. 258–259.