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Das Original des Neumagener Weinschiffs
Replikat des Neumagener Weinschiffs
Arbeiten am Nachbau des Weinschiffs
Stella Noviomagi kurz vor ihrem Einlaufen in den Hafen auf der Jungfernfahrt

Das Neumagener Weinschiff ist das Grabmal eines römischen Weinhändlers aus der Zeit um 220 n. Chr.

OriginalBearbeiten

Es wurden insgesamt vier Schiffe gefunden, die als Gegenstücke gearbeitet waren und der Darstellung des Berufs des Verstorbenen dienten. Der knapp drei Meter lange Rumpf läuft in einem schnabelförmigen Rammsporn aus und ist mit Augen versehen, was dem Schiffsbug das Aussehen eines Kopfes verleiht. Die Schauseite zeigt sechs Ruderer, zwei Steuermänner und 22 Ruder, dahinter auf jedem Schiff vier große Weinfässer. Das Grabmal wurde durch einen Aufsatz bekrönt, der 14 mit einem Strohgeflecht transportsicher verpackte Kugelamphoren zeigt. Aufgrund der Art der Ladung sowie der Tatsache, dass dieses Schiff gerudert wird, lässt sich darauf schließen, dass auf solchen Schiffen Moselwein verschifft und in andere Teile Galliens und Germaniens exportiert wurde. Auffällig sind die beiden Drachenköpfe, welche die Steven verzieren und den für ein Frachtschiff ungewöhnlichen Gesamteindruck bestimmen.

Die Reste des Grabmals wurden 1878 in Neumagen als Teil des Fundamentes der Wehrmauer der spätantiken römischen Festung Noviomagus Treverorum gefunden. Dieser und andere Funde führten wegen ihres Alters zur Bezeichnung Neumagens als „ältester Weinort Deutschlands“.

Ein Original steht heute im Rheinischen Landesmuseum Trier. Eine Replik ist an der Peterskapelle in Neumagen-Dhron aufgestellt. Weitere Kopien befinden sich u. a. im Knauf-Museum in Iphofen und im Eingangsbereich der „Vereinigten Hospitien“ in Trier. Eine maßstäblich kleinere Nachbildung befindet sich im Außenbereich eines Trierer Hotels und Weinstube unmittelbar neben der Liebfrauenkirche am Dom.

NachbauBearbeiten

Seit dem 30. September 2007 liegt ein hölzerner Nachbau (STELLA NOVIOMAGI, lat. für Stern Neumagens) mit 22 Rudern und Motor im Hafen von Neumagen-Dhron. Das Schiff wurde von Auszubildenden der Handwerkskammer Trier hergestellt. Die Gesamtkosten, von verschiedenen Institutionen als Sach- oder Arbeitsleistung beigetragen, beliefen sich auf 400.000 €. Das Schiff ist das größte jemals im deutschen Sprachraum nachgebaute, schwimmfähige Römerschiff.

Das Schiff kann von Gruppen gechartert und gegebenenfalls selbst gerudert werden. Ansonsten wird es von zwei 55 PS starken Dieselmotoren angetrieben.

Einige Daten:[1]

  • Breite: 4,20 m
  • Breite mit Riemen: 10 m
  • Länge: 17,95 m
  • Höhe: 3,90 m
  • Gewicht der Riemen: 15 kg
  • Leergewicht: 14 t
  • Tiefgang: 0,60–0,80 m
  • Rumpfgeschwindigkeit: 18 km/h
  • Material: Holz aus heimischen Wäldern
    • Kiel und Spanten aus Eiche
    • Planken aus Lärche
    • Deck und Reling aus Douglasie
    • Riemen aus Fichte und Kiefer
    • Köpfe aus Linde

Historischer KontextBearbeiten

 
Informationstafeln in Neumagen zur antiken Moselschifffahrt und zum Weinschiffmonument

Wissenschaftler gehen davon aus, dass römische Kriegsschiffe in Friedenszeiten auch Güter transportiert haben und entsprechend umgerüstet wurden. Vermutlich stellt das Weinschiff ein ehemaliges Kampf- oder Versorgungsschiff der Rheinflotte (Classis Germanica) dar, das in den Besitz eines Zivilisten gelangte. Besonders der Rammsporn, oculus und die Raubtierköpfe als Stevendekoration sind Anzeichen dafür, dass es sich ursprünglich um ein Militärfahrzeug gehandelt haben könnte. Das Schiff scheint wesentlich größer als die Standardtransporter der römischen Flotte, die Navis actuaria, gewesen zu sein. An der Skulptur kann man an jeder Seite 22 Riemen erkennen, was darauf schließen lässt, dass es von 44 Ruderern (remiges) gerudert wurde. Die Einheiten der Rheinflotte waren nicht nur auf dem Strom und seinen Nebenflüssen unterwegs, sondern operierten auch in der Nordsee. Für solche Fahrten waren Schiffstypen notwendig, die auch den dortigen Wetterbedingungen trotzen konnten. Für seine Größe spricht auch das durchgehende Deck, auf dem sich die Mannschaft befindet. Sie sitzen mit dem Rücken zum Achtersteven. Bei ihnen handelt es sich daher vermutlich nicht um Ruderer, sondern Deckmatrosen, die die Aufgabe hatten, die ordnungsgemäße Verstauung der Weinfässer und deren Überwachung während der Fahrt sicherzustellen. Besonders der Mann auf der Back zeigt dies deutlich. Die Ruderer saßen unter Deck und wären vom Außenbetrachter nicht erkennbar. Sie saßen mit dem Rücken zum Vordersteven, um die Riemen bedienen zu können.[2]

LiteraturBearbeiten

  • Monika K. N. Weidner in: Rheinisches Landesmuseum Trier (Hrsg.): Fundstücke: von der Urgeschichte bis zur Neuzeit. (Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums, 36). Theiss, Stuttgart 2009, S. 110–111.
  • Hans D. L. Viereck: Die Römische Flotte. Classis Romana. Köhlers Verlagsgesellschaft, Hamburg 1996, ISBN 3-930656-33-7.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Infotafel am Bootssteg
  2. Viereck 1996, S. 87–88