Kelten-Römer-Museum

Teil der archäologischen Staatssammlung München

Das Kelten-Römer-Museum im oberbayerischen Manching, rund zehn Kilometer südöstlich von Ingolstadt, ist ein Zweigmuseum der Archäologischen Staatssammlung München und wurde am 2. Juni 2006 eröffnet.

Kelten-Römer-Museum in Manching, Südseite (Foto: 2013)

Trägerschaft und GebäudeBearbeiten

 
Kelten-Römer-Museum, Nordseite (Foto: 2006)

Träger des Museums ist ein Zweckverband; Mitglieder sind die Marktgemeinde Manching, der Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm, der Bezirk Oberbayern und der Keltisch-Römische Freundeskreis.

Der Bau wurde vom Büro Fischer Architekten München entworfen[1] und vom Bund Deutscher Architekten ausgezeichnet. Er gliedert sich in den mit 670 m² größten Raum für die „Abteilung Kelten“ und die „Ausstellung Römer“ mit 510 m².

DauerausstellungBearbeiten

KeltenBearbeiten

Hier werden die Funde und Exponate des in unmittelbarer Nähe befindlichen Oppidum von Manching ausgestellt. Von herausragender Bedeutung ist dabei vor allem ein 1999 entdeckter Schatzfund, bestehend aus 483 Goldmünzen (Muschelstatere), der der größte im 20. Jahrhundert entdeckte keltische Goldfund ist. Der Goldschatz wurde am 22. November 2022 bei einem Einbruch gestohlen.[2]

Weltweit einzigartig ist das 1984 gefundene sogenannte Kultbäumchen, die vergoldete Abbildung eines von Blättern, Knospen und Früchten umrankten Zweigs aus dem 3. Jahrhundert v. Chr.

RömerBearbeiten

Mittelpunkt der Abteilung bilden zwei 15 Meter lange römische Militärschiffe aus der Zeit um 100 n. Chr. Die Wracks wurden 1986 in einem verlandeten Seitenarm der Donau im Manchinger Ortsteil Oberstimm, der Brautlach, neben dem ehemaligen Gelände von Kastell Oberstimm, entdeckt. 1994 wurden sie planmäßig geborgen und anschließend im Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz restauriert und konserviert. Ein Nachbau der 15 Meter langen und nach mediterraner Art in Nut- und Feder-Technik hergestellten Schiffe wurde von der Werft „Jugend in Arbeit“ in Hamburg-Harburg rekonstruiert und umfangreich getestet. Dabei zeigte sich eine gute Manövrierfähigkeit und eine erreichbare Geschwindigkeit von ca. 14 Stundenkilometern.[3] Außerdem sind ein Modell der großen Donaubrücke bei Stepperg zu sehen sowie weitere Funde aus der Römerzeit, vor allem aus der Umgebung von Manching.

SonderausstellungenBearbeiten

  • Alltag und Pracht – Die Entdeckung der keltischen Frauen (24. November 2007 bis 30. März 2008)
  • Architektur und Geschichte der Friedenskirche Manching. Gulbranssons Meisterwerk evangelischen Kirchenbaus (29. Juni 2008 bis 10. August 2008)
  • Rätsel Schnippenburg – Sagenhafte Funde aus der Keltenzeit (1. November 2008 bis 19. April 2009)
  • Situlen – Bilderwelten zwischen Etruskern und Kelten auf antikem Weingeschirr (25. Juli 2009 bis 15. November 2009)
  • Ursprung der keltischen Archäologie: Die Brücke von La Tène – ein Schauplatz grausamer Menschenopfer? (6. Februar 2010 bis 7. November 2010)
  • Aenigma – Der rätselhafte Code der Bronzezeit (27. Mai 2011 bis 13. November 2011)
  • Roms unbekannte Grenze – Kelten, Daker, Sarmaten und Vandalen im Norden des Karpatenbeckens. Archäologische Kostbarkeiten aus Museen in Rumänien und Ungarn (7. Juli 2012 bis 17. Februar 2013)
  • Schülerschätze. Kostbarkeiten der Klasse 3c aus Oberstimm (22. März 2013 bis 2. Juni 2013)
  • Steppenkrieger – Reiternomaden des 7.-14. Jahrhunderts aus der Mongolei (17. Mai 2013 bis 17. November 2013)
  • Das goldene Antlitz des unbekannten Makedonenkönigs. Makedonen und Kelten am Ohrid-See, ein Zusammenprall der Kulturen? (24. Juli 2014 bis 16. November 2014)
  • Licht! Lampen und Leuchter der Antike (2. Juli 2016 bis 18. Juni 2017)
  • Schnappschuss. Zoom Dich in die Römerzeit (16. November 2017 bis 8. April 2018)
  • Die Bilderwelt der Kelten (5. Juli 2018 bis 24. Februar 2019)
  • Die Kunst des Zeichnens – David Macaulay & Schyren Gymnasium Pfaffenhofen (27. März 2019 bis 21. Juli 2019)
  • Kunst in Miniatur – Antike Gemmen aus Bayern (24. Juli 2021 bis 6. Februar 2022)
  • Im Dienste Roms – Legionen und Hilfstruppen (1. April 2022 bis 19. März 2023)

LeitungBearbeiten

Einbruch am 22. November 2022Bearbeiten

Am 22. November 2022 wurde im Kelten-Römer-Museum eingebrochen. Es wurden eine Fluchttür aufgehebelt und zwei Panzerglas-Vitrinen aufgebrochen. Zusätzlich hatten die Täter vor Ort verlaufende Glasfaserkabel durchtrennt und somit eine Alarmierung der Polizei verhindert.

Insgesamt wurden 483 Goldmünzen mit je 7,3 Gramm gestohlen, dazu aus der zweiten Vitrine drei weitere, deutlich größere Münzen. Alle stammen aus der Zeit um 100 vor Christus und wiegen zusammen rund vier Kilogramm. Der reine Materialwert der Goldmünzen lag zum Zeitpunkt des Diebstahls bei etwa 250.000 Euro, der Handelswert bei 1,6 Millionen Euro.[4]

LiteraturBearbeiten

  • Nils Ballhausen: Kelten, Römer, Manching. Archäologisches Museum in Manching. In: Bauwelt. Band 30. Bauverlag, Gütersloh 2006, ISSN 0005-6855, S. 10–15 (PDF).
  • Nicolette Baumeister: Kelten-Römer-Museum Manching. (= Baukulturführer. Band 29). Büro Wilhelm Verlag, Amberg 2006, ISBN 978-3-936721-79-9.
  • Herbert Mayr u. a.: Kelten-Römer-Museum Manching. Zweckverband Kelten-Römer-Museum, Manching 2006, DNB 101073010X.
  • Eberhard J. Wormer: Oppidum Manching 200 BC. In: Orthopädie & Rheuma 23(4),2020, S. 64–65, doi:10.1007/s15002-020-2873-z.

WeblinksBearbeiten

Commons: Kelten-Römer-Museum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. BauNetz: Kelten und Römer – Museum bei Ingolstadt eröffnet. 31. Mai 2006, abgerufen am 27. Oktober 2020.
  2. Tobias Zell: Keltischer Goldschatz aus Manchinger Museum geklaut: Was bisher bekannt ist. In: Pfaffenhofen-Today.de. 22. November 2022, abgerufen am 23. November 2022.; dpa-Newskanal: Noch keine Zeugenhinweise nach Gold-Diebstahl aus Museum. In: sueddeutsche.de. 24. November 2022, abgerufen am 25. November 2022.
  3. Christoph Schäfer, Rudolf Askamp und Klaus-Michael Hüssen in: Terra X: Schliemanns Erben. Der Limes (1/2) Grenzwall gegen die Barbaren. Ein Film von Gisela Graichen und Peter Prestel. ZDF 2009, Minute 16 bis 22.
  4. Keltengold-Diebstahl in Manching: Was wir bisher wissen. In: BR.de. 23. November 2022, abgerufen am 24. November 2022.; "Wie in einem schlechten Film": Einbrecher stehlen wertvollen Goldschatz aus Museum in Oberbayern In: Stern, 22. November 2022, abgerufen am 24. November 2022.

Koordinaten: 48° 42′ 46,8″ N, 11° 29′ 35,8″ O