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Büste des namensgebenden Mithridates VI. von Pontos im Louvre

Als Mithridatische Kriege bezeichnet man die drei in den Jahren 89 bis 63 v. Chr. ausgetragenen militärischen Konflikte zwischen der Römischen Republik und dem Königreich Pontos. Ihren Namen verdanken sie dem pontischen König Mithridates VI., dessen Expansionsbestrebungen nach seiner Thronbesteigung 120 v. Chr. ihn unweigerlich in Konflikt mit den römischen Verbündeten Kleinasiens brachten. Zum wichtigsten Konfliktherd entwickelte sich der Streit um die Thronfolge im Königreich Kappadokien, das zum Spielball des Mithridates und dem bithynischen König Nikomedes III. geworden war. Rom sah sich gezwungen wiederholt militärisch in den Konflikt einzugreifen, was schließlich zum Ausbruch des Ersten Mithridatischen Krieges führte.

Nach anfänglichen Erfolgen des pontischen Königs, die durch Roms innenpolitische Konflikte begünstigt wurden, endeten die Kriege mit Mithridates‘ Niederlage und der Konsolidierung römischer Macht im östlichen Mittelmeerraum. Der siegreiche Feldherr Gnaeus Pompeius Magnus gestaltete die Region nach seinen Vorstellungen um und führte dem Römischen Reich mehrere neue Provinzen zu. Die Kampfhandlungen spielten sich in Griechenland, Kleinasien, Armenien und der Kaukasusregion ab und führten Pompeius als ersten römischen Feldherren bis ans kaspische Meer.

Inhaltsverzeichnis

VorgeschichteBearbeiten

Etablierung der römischen Provinz AsiaBearbeiten

Im Frühling des Jahres 133 v. Chr. verstarb König Attalos III. und ließ sein im Westen Kleinasiens gelegenes pergamenisches Reich testamentarisch Rom zukommen. Bevor Rom sein Erbe antreten konnte musste jedoch die Rebellion des Aristonikos niedergeschlagen werden, der sich als Sohn des früheren Königs Eumenes II. ausgab und als Eumenes III. die Kontrolle über weite Teile des Reiches übernahm. Aristonikos wurde 129 v. Chr. geschlagen und Teile des Reiches anschließend unter dem Namen Asia als erste römische Provinz östlich der Ägäis in das Römische Reich eingegliedert. Die nicht provinzialisierten Teile des Reiches wurden unter den Königreichen Kleinasiens, die Rom im Kampf gegen Aristonikos unterstützt hatten, aufgeteilt. So ging ein Großteil der Region Phrygien im zentralen Teil Pergamons an Mithridates V. von Pontos und die südöstlich gelegenen Regionen Pisidien, Lykaonien und Pamphylien fielen König Ariarathes VI. von Kappadokien zu.[1][2]

Rom hatte in den vorangegangenen Jahrzehnten geringes Interesse an den Vorgängen in Kleinasien gezeigt, gute Beziehungen zum pergamenischen Reich unterhalten und es vermieden sich in Konflikte einzumischen. Auch in den Jahrzehnten nach der Etablierung der Provinz Asia bis zum Ausbruch des ersten Mithridatischen Krieges hielt Rom an dieser zurückhaltenden Politik fest und beschränkte seine militärische Präsenz in Asia auf kaum mehr als eine Legion.[3][4] Die eskalierende Rivalität zwischen den Königreichen Kleinasiens zwang Rom jedoch bald zur Intervention.

Pontische Expansion und Streit um die kappadokische ThronfolgeBearbeiten

Nach dem Tod Mithridates‘ V. im Jahr 120 v. Chr. verbrachte sein Sohn Mithridates VI. die ersten Jahre seiner Herrschaft im Exil, regiert wurde Pontos von seiner Mutter, die ihren jüngeren Sohn bevorzugte. Erst zwischen 115 und 111 v. Chr. errang er die vollständige Kontrolle über Pontos und ließ seine Familie einsperren.[5][6] Mithridates setzte die unter seinem Vater begonnene Expansion des Reiches fort und weitete die pontischen Grenzen entlang der östlichen Küste des Schwarzen Meeres bis über die Krim und innerhalb Kleinasiens nach Armenia Minor aus. Seine Pläne brachten ihn in Kleinasien in Konflikt mit Bithynien und der Römischen Republik. Besonders am parallel verlaufenden Streit um die Thronfolge in Kappadokien entzündete sich der Konflikt wiederholt und mündete schließlich in kriegerischen Auseinandersetzungen.

Ariarathes VI., König von Kappadokien, war zu Beginn der pontischen Expansion mit Mithridates‘ Schwester Laodike verheiratet. Um seinen Einfluss zu mehren ließ er ihn, wahrscheinlich um 111 v. Chr., von einem kappadokischen Adligen namens Gordios ermorden.[7] Nikomedes III. von Bithynien ergriff diese Gelegenheit um in Kappadokien einzufallen, die Witwe Laodike zu heiraten und so die Kontrolle über das Königreich zu übernehmen. Mithridates reagierte seinerseits mit einer Invasion, ließ das Paar entthronen und installierte stattdessen seinen Neffen Ariarathes VII., einen Sohn der Laodike, auf dem Thron. Als dieser sich den Befehlen seines Onkels widersetzte ermordete er ihn eigenhändig und ließ nun seinen eigenen achtjährigen Sohn unter dem Namen Ariarathes IX. auf den Thron folgen. Die kappadokische Nobilität hatte sich gegen diese Einmischung gewehrt und einen weiteren Sohn der Laodike, Ariarathes VIII., zum König ausgerufen. Die beiden Könige regierten Kappadokien für einen unbestimmten Zeitraum unter geteilter Herrschaft bis Ariarathes VIII. von Mithridates‘ Armee vertrieben wurde. Nikomedes entsandte seine Frau Laodike schließlich zusammen mit einem vermeintlichen dritten Sohn nach Rom um die Unterstützung des Senats zu erbitten. Mithridates reagierte wiederum mit einer Gesandtschaft unter Gordios und behauptete eine verwandtschaftliche Verbindung zwischen seinem Sohn Ariarathes IX. und dem früheren König Ariarathes V. Der römische Senat wies jedoch beide Gesuche als illegitime Usurpationsversuche zurück und deklarierte das Königreich Kappadokien als „frei“. Diese Entscheidung stellte jedoch die Nobilität des Reiches nicht zufrieden, sie bat den Senat um die Ernennung eines Königs. Die Entscheidung wurde der Nobilität überlassen, welche Ariobarzanes I. zum König wählte.[8] 96 oder 95 v. Chr. entsandte Rom schließlich ein kleines Heer unter Lucius Cornelius Sulla, der zu diesem Zeitpunkt Statthalter in Kilikien war, um Ariobarzanes‘ Herrschaft zu sichern.[9] Mithridates musste sich dem römischen Willen letztendlich beugen und zog aus Kappadokien ab. Die genaue Chronologie und Datierung dieses langen Thronstreits sind umstritten.

Durch den zunehmend ausartenden Konflikt zwischen Nikomedes und Mithridates sah sich Rom zum ersten Mal seit der Rebellion des Aristonikos über 30 Jahre zuvor zu einem militärischen Eingreifen in Kleinasien gezwungen. Dennoch bewirkte dieser Vorfall keinen Wandel der römischen Politik. Zwar wurde an Mithridates ein Exempel statuiert als ihm die Kontrolle über Phrygien entzogen wurde die sein Vater nach der Rebellion des Aristonikos erhalten hatte,[10] doch Rom sah die Ordnung in der Region als wiederhergestellt an und erwartete keine weitere Missachtung seiner hegemonialen Macht.[11]

Der Weg zum KriegBearbeiten

 
Kleinasien vor dem Ausbruch der Mithridatischen Kriege

Mithridates setzte seine Pläne nun jedoch auf indirektem Wege fort. Um 92 v. Chr. ging er ein Bündnis mit dem armenischen König Tigranes II. ein und bot ihm seine Tochter Kleopatra zur Frau. Daraufhin fiel er auf Wunsch seines neuen Schwiegervaters im benachbarten Kappadokien ein, entthronte Ariobarzanes I. und restaurierte die Herrschaft Ariarathes‘ IX. Etwa zur gleichen Zeit war der bithynische König Nikomedes III. verstorben und sein Sohn Nikomedes IV. war ihm auf den Thron gefolgt. Dessen Halbbruder Sokrates Chrestos beanspruchte jedoch den Thron und vertrieb, unterstützt durch Mithridates, Nikomedes aus Bithynien. Dieser flüchtete nach Rom und appellierte an den römischen Senat. Auch der aus Kappadokien geflüchtete Ariarathes bat um die Unterstützung Roms.[12] Der Senat schickte daraufhin im Jahr 91 v. Chr. eine Gesandtschaft unter Führung des Manius Aquillius mit dem Auftrag die Macht der beiden Könige wiederherzustellen nach Kleinasien.[13][14] Mithridates wurde angewiesen dieses Vorhaben zu unterstützen, weigerte sich jedoch zunächst. Erst als Aquillius zusammen mit Gaius Cassius, zu diesem Zeitpunkt Prokonsul der Provinz Asia, mit einem in der Region ausgehobenen Heer in Kappadokien und Bithynien einmarschierte, gab er seine Unterstützung für Chrestos und Ariarathes auf, Nikomedes und Ariobarzanes übernahmen 90 v. Chr. wieder die Kontrolle in ihren Königreichen.

Die Verantwortung für den Ausbruch des Krieges im Folgejahr wird von der wichtigsten historischen Quelle Appian vor allem Aquillius zugeschrieben. Nach Appians Überlieferung soll Aquillius Nikomedes dazu gedrängt haben in angrenzende Regionen des pontischen Königreichs einzufallen und diese zu plündern. Als Druckmittel soll Aquillius die große Schuld die Nikomedes ihm gegenüber aufgrund der vorangegangenen Restauration seiner Macht hatte geltend gemacht haben. Aquillius soll dabei die ihm vom Senat zugewiesenen Kompetenzen überschritten und Nikomedes bewusst zu einem offenen Krieg mit Mithridates angestiftet haben.[15] Diese Beschreibung der Ereignisse ist von weiten Teilen der modernen Forschung anerkannt worden, fand allerdings auch entschiedenen Widerspruch.[16] Mithridates reagierte auf diese Aggressionen zunächst auf diplomatischem Wege. Er bat den Senat um Roms Neutralität und die Erlaubnis den Konflikt zwischen ihm und Nikomedes ohne Roms Einmischung austragen zu dürfen. Die römische Antwort untersagte ihm jedoch jede Reaktion auf Nikomedes‘ Aggression und wies beide Könige an die Kampfhandlungen einzustellen. Mithridates ließ daraufhin im Sommer 89 v. Chr. seinen Sohn Ariarathes IX. in Kappadokien einmarschieren und Ariobarzanes I. erneut entthronen.

Erster Mithridatischer Krieg (89–85 v. Chr.)Bearbeiten

Pontische Offensive in KleinasienBearbeiten

Die römischen Feldherren reagierten auf die erneute Invasion Kappadokiens mit der Aushebung mehrerer Armeen und bereiteten einen Einmarsch vor um Ariobarzanes‘ Herrschaft wiederherzustellen. Mithridates‘ Generäle, Archelaos und Neoptolemos, ergriffen jedoch schnell die Initiative, stellten die Armee des Nikomedes in Paphlagonien und schlugen ihn vernichtend. Sie verfolgten ihre aggressive Strategie weiter und besiegten eine zweite Armee unter Manius Aquillius. Ein drittes Heer unter der Führung des Proprätoren Quintus Oppius versuchte erfolglos befestigte Städte im Süden Phrygiens zu verteidigen, während ein vierter Truppenverband unter Gaius Cassius sich nach Apameia zurückzog und kampflos aufgelöst wurde.[17] Damit stand Mithridates der Weg in die Provinz Asia offen, der vereinzelte Widerstand griechischer Städte wurde bis zum Frühjahr 88 v. Chr. von seinen Generälen niedergeschlagen. Die Seemacht Rhodos bildete nun den einzig verbliebenen feindlichen Machtfaktor in der Region. Mithridates begann im Sommer mit der Belagerung der Insel, die Rom treu geblieben und für ihre starke Flotte berühmt war. Es misslang ihm zwar die Insel einzunehmen, doch die rhodischen Flottenverbände wurden für den Rest des Krieges durch eine pontische Seeblockade an den heimischen Kriegsschauplatz gebunden und konnten Rom dadurch nicht militärisch unterstützen. Mithridates hatte damit die Kontrolle über das ägäische Meer inne. Ermutigt durch anhaltende innenpolitische Konflikte in Rom bereitete er im Herbst die Invasion der römischen Provinz Macedonia in Griechenland vor.[18]

Das Massaker von 88Bearbeiten

Vermutlich im Frühjahr 88 v. Chr., die genaue Datierung bleibt strittig, kam es zu einem koordinierten Massaker an Römern und Italikern in der Provinz Asia. Dabei starben antiken Schätzungen zufolge 80.000 bis 150.000 Menschen. Dieses als Vesper von Ephesos bekannte Ereignis wurde von Mithridates angeordnet und verfolgte das unmittelbare strategische Ziel die Loyalität der griechischen Städte in der Region zu gewinnen. Nach einer solchen Tat konnten die Griechen im Fall einer Niederlage des Mithridates kaum eine milde Behandlung von den Römern erwarten, was ihm deren beständige Unterstützung sicherte. Die Motivation griechischer Städte an diesem Akt teilzunehmen findet sich einerseits in der Angst vor Mithridates, der mit seiner militärischen Präsenz eine konkrete Bedrohung darstellte, sicherlich aber auch in einer angewachsenen Abneigung gegenüber den Römern, welche die Provinz seit ihrer Etablierung finanziell ausgebeutet hatten.

Der Krieg in GriechenlandBearbeiten

 
In den antiken Regionen Attika, Böotien und Euböa spielten sich die wichtigsten Kampfhandlungen ab
 
Darstellung der Langen Mauern zwischen Athen und dem Hafen Piräus

Im Herbst 88 v. Chr. setzte Archelaos mit einer kleinen Vorhut nach Attika über und etablierte seine militärische Basis auf der Insel Euböa. Die römische Militärpräsenz beschränkte sich größtenteils auf die weiter nördlich gelegenen Regionen der Provinz Macedonia unter der Verwaltung des Proprätoren Gaius Sentius. Archelaos rückte weiter Richtung Norden nach Thessalien vor, stieß dort jedoch auf römischen Widerstand unter Quintus Bruttius, einem Legaten des Sentius. Nach einer Reihe von ergebnislos gebliebenen Scharmützeln zog sich Archelaos in die wenige Kilometer von Athen entfernte Hafenstadt Piräus zurück um auf die fortlaufend eintreffende Verstärkung aus Kleinasien zu warten. Athen war nach der Ankunft seiner Armee zur pontischen Seite übergelaufen, nachdem eine anti-römische Fraktion innerhalb der Stadt im Verlauf des Jahres zunehmend an Einfluss gewonnen hatte.

Die römische Gegenoffensive verzögerte sich aufgrund mehrerer innenpolitischer Konflikte bis zum Frühling des Jahres 87 v. Chr. Rom befand sich seit 91 v. Chr. in einer als Bundesgenossenkrieg bezeichneten militärischen Auseinandersetzung mit seinen italischen Verbündeten, die erst Anfang 88 v. Chr. endete und die Aufstellung einer Armee für einen Krieg im Osten verunmöglichte. Lucius Cornelius Sulla, der sich im Krieg ausgezeichnet hatte, wurde für das Jahr 88 zum Konsul gewählt und erhielt das Kommando über fünf Legionen um sich Mithridates entgegenzustellen. Der anhaltende Konflikt zwischen den verschiedenen Fraktionen innerhalb der römischen Politik führte jedoch dazu, dass ihm das Kommando bereits kurze Zeit darauf zugunsten seines alten Rivalen Gaius Marius wieder entzogen wurde. Sulla marschierte daraufhin mit seiner Armee auf Rom und vertrieb Marius aus der Stadt. Er verbrachte das Jahr in Rom, ließ seine politischen Feinde hinrichten und limitierte durch mehrere Gesetze den Einfluss verschiedener Institutionen, die ihn seines Kommandos enthoben hatten. Erst Anfang 87 v. Chr. setzte er mit seiner Armee über das Adriatische Meer nach Griechenland über. Nach seiner Landung in Dyrrachium oder Apollonia marschierte er entlang der Via Egnatia durch Makedonien und versuchte die Armee des Archelaos zu stellen bevor sie ihre volle Stärke erreichen konnte. Archelaos vermied eine direkte Konfrontation und zog sich nach Piräus zurück, wo er von Sulla belagert wurde. Die Stadt bildete dank ihres Hafens eine wichtige Basis für die pontische Seehoheit und war zudem durch die Langen Mauern direkt mit Athen verbunden. Die Belagerung zog sich über mehrere Monate hin und endete erst am 1. März 86 v. Chr. mit der Eroberung Athens. Archelaos zog sich mit dem Rest seiner Armee zurück.

Bereits im Sommer 87 v. Chr. war eine zweite pontische Armee von etwa 60.000 Mann unter Mithridates‘ Sohn Arkathias aus Asia über den Hellespont gesegelt, durch Thrakien marschiert und hatte Makedonien erobert. Die beiden pontischen Armeen schlossen sich in Thessalien zusammen. Sulla nahm die Verfolgung auf und schlug die kombinierte Armee schließlich im Sommer 86 v. Chr. nahe der Stadt Chaironeia trotz ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit vernichtend. Da die pontische Flotte noch immer die Seehoheit innehatte konnte Sulla von diesem Sieg jedoch kaum strategisch profitieren und musste sich bald einer dritten Armee vergleichbarer Größe stellen, die aus Asia über die Ägäis gesegelt und in Griechenland gelandet war.[19] Noch im selben Jahr schlug Sulla auch diese Armee und die Überlebenden von Chaironeia in der Schlacht von Orchomenos.[20] Nach dieser Niederlage erklärte sich Archelaos zu ersten Friedensverhandlungen bereit.

Rom versank in der Zwischenzeit im Chaos eines Bürgerkrieges in dessen Verlauf Gaius Marius und seine Verbündeten die Kontrolle über die Stadt zurückerlangten und Sulla zum Staatsfeind erklärten. Marius wurde zum Konsul gewählt und sollte erneut die Kontrolle über das Kommando im Osten übernehmen, verstarb allerdings Anfang 86 v. Chr. eines natürlichen Todes. Stattdessen wurde Lucius Valerius Flaccus zum Suffektkonsul gewählt und erhielt das Kommando über zwei Legionen. Zusammen mit seinem Legaten Gaius Flavius Fimbria marschierte er im Herbst 86 v. Chr. durch Makedonien und Thrakien bis zum Bosporus und eroberte Teile Bithyniens zurück. Der unpopuläre Flaccus fiel einer Revolte unter Fimbrias Führung zum Opfer, der das Kommando übernahm und bis zum Sommer 85 v. Chr. die zerstreuten pontischen Armeen in Asia besiegte und Mithridates bis zum Hafen von Pitane an der Küste der Provinz verfolgte. Sullas Quästor Lucius Licinius Lucullus erschien zu diesem Zeitpunkt mit einer Flotte, die er auf Sullas Auftrag zwei Jahre zuvor aufzustellen begonnen hatte, weigerte sich jedoch den Rivalen seines Feldherren zu unterstützen. Mithridates gelang es daraufhin sich nach Mytilene zurückzuziehen.[21]

Frieden von DardanosBearbeiten

Nach dem Sieg in der Schlacht von Orchomenos zogen sich die verbleibenden pontischen Truppen über die Ägäis nach Asia zurück. Sulla marschierte mit seiner Armee Richtung Norden um über den Hellespont nach Asia überzusetzen und verhandelte in der Zwischenzeit mit Archelaos die Bedingungen eines Friedensvertrages aus. Auch wenn Mithridates militärisch geschlagen war befand sich Sulla in einer schlechten Verhandlungsposition: Der pontische König konnte sich auch nach Lucullus‘ Ankunft noch immer auf seine Seehoheit stützen, in Rom war Sulla zum Staatsfeind erklärt worden und der ihm feindlich gesinnte Fimbria stand mit zwei Legionen in Asia. Sulla wollte möglichst schnell nach Rom zurückkehren um sich seinen politischen Feinden zu widmen und ließ sich daher auf ungewöhnlich milde Bedingungen ein. Mithridates musste einen Teil seiner Flotte an Sulla abtreten, einen geringen Tribut zahlen und bekam im Gegenzug die Kontrolle über sein Königreich und alle Eroberungen vor Ausbruch des Krieges sowie den Status als „Freund und Verbündeter“ Roms zugestanden. Nikomedes IV. und Ariobarzanes I. sollten wieder die Herrschaft in Bithynien und Kappadokien übernehmen. Mithridates und Sulla trafen sich schließlich Ende 85 v. Chr. persönlich in der Stadt Dardanos um den Friedensvertrag abzusegnen.[22]

Zweiter Mithridatischer Krieg (83–81 v. Chr.)Bearbeiten

Der 2. Mithridatische Krieg begann 83 v. Chr. mit einer römischen Invasion in Pontos. Der Statthalter von Asia, L. Licinius Murena (ein Legat Sullas), führte eigenmächtig Krieg, der 81 v. Chr. durch Mithridates erfolgreich abgewehrt wurde. In seinem zweijährigen Verlauf kam es zu keiner Veränderung des Status quo von 85 v. Chr.

Dritter Mithridatischer Krieg (74–63 v. Chr.)Bearbeiten

König Nikomedes IV. von Bithynien benötigte mehrmals die Hilfe römischer Truppen, um seine Herrschaft gegen das Reich von Pontos zu sichern. Er vermachte Rom 74 v. Chr. sein Reich.

Als daraufhin Mithridates VI. in Bithynien einfiel, kam es zum dritten und letzten der Mithridatischen Kriege mit Rom.

Lucius Licinius Lucullus errang von 74 bis 69 v. Chr. bedeutende Erfolge. 71 v. Chr. brachte Lucullus Mithridates VI. eine Niederlage bei. Dieser floh zu seinem Schwiegersohn Tigranes von Armenien.

Lucullus eroberte das Königreich Pontus. Anschließend nahm er die Verfolgung von Mithridates VI. wieder auf. Nach weiteren erfolgreichen Gefechten meuterten seine Legionen und verhinderten die weitere Verfolgung Mithridates nach Osten. Mithridates VI. eroberte daraufhin unter starken Verlusten der Römer fast ganz Pontus zurück. Lucullus wurde daraufhin vom Senat abberufen. Zwar hatte er deutliche Erfolge erzielen können, jedoch gelang es ihm nicht, eine Entscheidung herbeizuführen. Außerdem hatte er sich durch eine Neuordnung der Steuer- und Finanzpolitik bei einflussreichen Kreisen unbeliebt gemacht.

 
Kleinasien – Neue Ordnung durch Pompeius (63 v. Chr.)

Gnaeus Pompeius bekam nach seinen Erfolgen im Piratenkrieg den Befehl über die Legionen zugesprochen. 63 v. Chr. konnte er schließlich Mithridates entscheidend besiegen.

In der Folge ordnete Pompeius die römische Herrschaft im Osten neu: Bithynien, ein vergrößertes Kilikien und Syrien (der Rest des vormaligen Seleukidenreiches) wurden neue römische Provinzen. Armenien, Juda, Colchis, Kappadokien und das Reich der Galater wurden von Rom abhängige Klientel-Königreiche.

Die Ausweitung des direkten Herrschaftsgebietes brachte Rom an seiner neuen Ostgrenze nun in direkte Konfrontationsstellung zum Partherreich.

LiteraturBearbeiten

Anmerkungen und EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Robert Kallet-Marx: Hegemony to Empire: The Development of the Roman Imperium in the East from 148 to 62 B.C., Berkeley 1995, S. 109
  2. A. N. Sherwin-White: Roman Foreign Policy in the East, 168 B.C. to A.D. 1, London 1984, S. 88–90
  3. Kallet-Marx, S. 97–98, 120–121
  4. Sherwin-White, S. 91–92
  5. Sherwin-White, S. 102
  6. Adrienne Mayor: The Poison King: The Life and Legend of Mithradates, Rome's Deadliest Enemy, Princeton/Oxford 2010, 5. Kapitel
  7. Sherwin-White, S. 105
  8. Sherwin-White, S. 105–107
  9. Kallet-Marx, S. 248–249, 355–360
  10. Kallet-Marx, S. 240–242, 249–250
  11. Kallet-Marx, S. 249–250
  12. Kallet-Marx, S. 250–251, datiert diese Ereignisse um 92 v. Chr.; Mayor, 6. Kapitel, sieht das Bündnis im Jahr 94 v. Chr. und die Invasion Kappadokiens im folgenden Jahr.
  13. Sherwin-White, S. 111
  14. Kallet-Marx, S. 250–251
  15. Appian, Mithridatica, 11–17
  16. Kallet-Marx, S. 251–260, sieht die bithynischen Überfälle auf pontisches Gebiet in Nikomedes‘ Ambition seinen Thronanspruch durch militärische Erfolge und lukrative Plünderungen zu festigen ausreichend begründet, einer Anstiftung durch Aquillius habe es nicht mehr bedurft. Die Aufstellung mehrerer Armeen nach der erneuten Invasion Kappadokiens sei zudem als Teil von Aquillius Mission Ariobarzanes‘ Herrschaft zu sichern anzusehen. Nachdem Mithridates sich bereits mehrfach dem römischen Willen gebeugt hatte erwartete Aquillius auch dieses Mal keinen Widerstand. Der Ausbruch des Krieges sei daher als das Ergebnis einer Miskalkulation anzusehen, keiner gezielten Eskalation.
  17. Sherwin-White, S. 121
  18. Sherwin-White, S. 121–125
  19. Für eine Einschätzung involvierter Truppenzahlen siehe Sherwin-White, S. 128, 139
  20. Sherwin-White, S. 139–140
  21. Sherwin-White, S. 141
  22. Sherwin-White, S. 143–145