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Mithridates VI. (Münzabbildung)
Das Königreich Pontos zur Zeit von Mithridates VI.

Mithridates VI. (griechisch Μιθριδάτης) (* ca. 132 v. Chr. in Sinope; † 63 v. Chr. in Pantikapaion), war von ca. 120 v. Chr. bis zu seinem Tod König von Pontos. Pontos wurde unter seiner Herrschaft das größte und einflussreichste Königreich Kleinasiens und stellte die Vorherrschaft Roms in Kleinasien eine kurze Zeit in Frage. Nach Mithridates benannt sind die drei mithridatischen Kriege gegen das Römische Reich.

Inhaltsverzeichnis

Alternative NamenBearbeiten

Mithridates VI. Eupator, Mithridates VI. Eupator Dionysos, Mithridates der Große, Mithradates VI. Eupator Dionysos, Mithradates der Große.[1]

Auf Münzen, Inschriften und schriftlichen Überlieferungen begegnet man überwiegend dem Beinamen „Eupator“. Der „Große“ ist von Sueton, „Dionysos“ von Appian und Plutarch überliefert.[2]

LebenBearbeiten

Mithridates VI. stammt aus der persischen Familie der Mithridaten und war der Sohn von Mithridates V. Die Herkunft seiner Mutter ist unklar. Sein Geburtsjahr wird aus Rückschlüssen von überlieferten Stationen seines Lebens abgeleitet und ist nicht eindeutig festlegbar.[3]

Nach der Ermordung seines Vaters wurde er mit 11 Jahren zum König von Pontus gekrönt. Angeblich verbrachte er die folgenden sieben Jahre auf der Flucht, da ihm seine Mutter nach dem Leben trachtete. Er soll im Gebirge gelebt und Dörfer und Städte gemieden haben, was ihm zu einer kräftigen Statur und großer physischer Kraft verholfen hat. Theodor Mommsen erzählt über ihn:[4]

„Die Waffenstücke, die dem riesengroßen Leibe des Königs Mithradates passten, erregten das Staunen der Asiaten und mehr noch der Italiker. Als Läufer überholte er das schnellste Wild; als Reiter bändigte er das wilde Ross und vermochte mit gewechselten Pferden an einem Tage bis 25 deutsche Meilen zurückzulegen.“

Nach seiner Rückkehr ergriff er offenbar mühelos die Macht. Seine Mutter sowie sein jüngerer Bruder, Mithridates Chrestos („der Tüchtige“), verschwanden von der Bildfläche. Die Mutter wurde entweder in den Kerker geworfen oder vergiftet, der Bruder ermordet.[5]

Der neue König erweiterte sein Königreich zunächst um griechisch besiedelte Gebiete auf und an der Krim, indem er als Beschützer gegen die Steppennomaden auftrat. Nachdem Mithridates so seine Machtbasis rund um das Schwarze Meer erweitert hatte, begann er mit Eroberungen in Kleinasien.

Dadurch geriet er in Konflikt mit Rom. Aufgrund der Ausbeutung der römischen Provinz Asia durch die römischen Steuereintreiber und der Schwäche Roms im Bürgerkrieg kam es in Kleinasien zu Aufständen. Da Mithridates den weitverbreiteten Hass auf die Römer nutzte und mit dem Versprechen von Freiheit auftrat, stieß er kaum auf Widerstand.

 
Büste des Mithridates VI. von Pontos (Paris, Louvre)

In einem ersten Feldzug gelang es Sulla, römischer Statthalter in Kilikien, Mithridates aus Kappadokien zu vertreiben. Kurz darauf schloss der Pontiker ein Bündnis mit seinem Schwiegersohn Tigranes II. von Armenien. Dadurch war Mithridates in der Lage, weite Teile Kleinasiens, der Ägäis und Griechenlands unter seine Kontrolle zu bringen, außerdem das Bosporanische Reich. Die Stadt Kyzikos wurde im Jahre 74 v. Chr. erfolglos durch ihn belagert. Auf seinen Befehl wurden 88 v. Chr., angeblich an einem Tag, etwa 80.000 Italiker getötet (sogenannte Vesper von Ephesos).

Rom stellte Sulla schließlich eine umfangreiche Armee zur Verfügung. Der Erste Mithridatische Krieg begann 89 v. Chr., bewirkte zunächst nur geringe Erfolge für Rom und endete 84 v. Chr. mit einem Vertrag, der in etwa die Situation vor Mithridates’ Expansion am Südufer des Schwarzen Meeres wiederherstellte, aber nicht lange hielt. Grund dafür waren unter anderem die hohen römischen Tributforderungen, die bald wieder zu Aufständen führten, die der pontische König umgehend nutzte. Sullas Statthalter Lucius Licinius Murena erlitt im darauf folgenden Zweiten Mithridatischen Krieg bis 81 v. Chr. Gebietsverluste. Im Dritten Mithridatischen Krieg, der sich von 74 bis 63 v. Chr. in nahezu ganz Kleinasien entspann, brachte Lucullus Mithridates und Tigranes schwere Niederlagen bei, wurde dann aber durch Pompeius ersetzt, was den Kriegsverlauf weiter verzögerte.

Pompeius besiegte Mithridates schließlich 63 v. Chr. und stellte in der Folge die politische Ordnung in Kleinasien und Syrien auf eine neue Grundlage. Mithridates wurde auf die Krim zurückgedrängt, von wo er im Alter immer wieder in Kleinasien einzugreifen versuchte. Er wurde schließlich von seiner eigenen Familie, die mit Rom verhandelte, zu Gunsten seines Sohnes abgesetzt. Der Überlieferung zufolge versuchte sich Mithridates zu vergiften, was misslang, da er durch die kontrollierte Einnahme von Giften Immunitäten aufgebaut hatte (vgl. Mithridatisation und Mithridatikum). Schließlich ließ er sich von einem Getreuen auf der Burg von Pantikapaion erdolchen.

Literarische WerkeBearbeiten

Mithridates verfasste angeblich ein Buch über Gifte, das von Pompeius Lenaeus ins Lateinische übersetzt wurde.

SonstigesBearbeiten

Wolfgang Amadeus Mozart schrieb eine Oper mit dem Titel Mitridate, re di Ponto, deren Libretto auf der Tragödie Mithridate von Jean Racine beruht.

In seinem Werk Naturalis historia schreibt Plinius der Ältere, Mithridates habe sämtliche 22 untergebenen Völker in deren eigener Sprache regiert.[6] Aufgrund dieser nachgesagten Multilingualität nannte Conrad Gessner im 16. Jahrhundert seine sprachvergleichende Studie, die das Vaterunser in vielen damals bekannten Sprachen umfasst, Mithridates. De differentiis linguarum. 1806 gab Johann Christoph Adelung seinem umfassenden Sprachenvergleich den Titel Mithridates, oder allgemeine Sprachenkunde.

QuellenlageBearbeiten

Die wichtigsten historischen Autoren, die die Regierungszeit Mithridates VI. und die Mithridatischen Kriege diskutierten, waren Justinus und Appian. Polybios, Memnon von Herakleia, Plutarch, Diodorus, Sallust und Tacitus streiften die Ereignisse und die Ursprünge des pontischen Königshauses. Strabon's Geografica hätte wohl nützliche Daten enthalten, wenn es erhalten geblieben wäre, da es sowohl historische Hintergründe geliefert als auch die pontischen Städte beschrieben hätte. Im Großen und Ganzen sind diese Quellen nicht ausreichend, um ein adäquates Bild der Region während der Herrschaft von Mithridates VI. liefern zu können.[7]

Von Mithridates VI. konnten nur die Porträts auf den Münzen mit Sicherheit mit ihm identifiziert werden. Wissenschaftler haben daraufhin diese Abbildungen mit Statuen in Museen verglichen, um weitere Identifikationen vornehmen zu können. Weil aber die Münzen aus ihrem archäologischen Kontext herausgerissen sind, bleiben weitere Fragen unbeantwortet, wie zum Beispiel diejenige, ob die Münzen, auf denen er Alexander dem Großen so sehr ähnelt, auch innerhalb seines Reiches benutzt worden sind oder ob es Prägungen waren, die v. a. an seine Bundesgenoßen gerichtet waren.[8]

Man unterscheidet zwischen königlichen und städtischen Münzen. Die königlichen Münzen waren aus Gold und Silber und trugen das Bildnis des Königs und seinen Namen. Die städtischen Münzen waren aus Bronze und trugen den Namen der Stadt auf der Rückseite. In der späten hellenistischen Zeit des pontischen Königreichs waren pontische Münzen über das Mittelmeer verteilt und auch im Nahen Osten und südöstlichen Teil von Anatolien vertreten.[9]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Mithridates VI of Pontus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Mithradates VI Eupator. Roger Henry Simpson, Encyclopaedia Britannica. Abgerufen am 16. März 2019.
  2. Fritz Geyer: Mithridates 12. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XV,2, Stuttgart 1932, Sp. 2163–1.
  3. Fritz Geyer: Mithridates 12. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XV,2, Stuttgart 1932, Sp. 2163–1.
  4. Theodor Mommsen: ’’Römische Geschichte. Bd. 2: Von der Schlacht bei Pydna bis auf Sullas Tod.’’ Theodor Mommsen, Berlin 1921, S. 266. Abgerufen am 28. März 2019.
  5. Fritz Geyer: Mithridates 12. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XV,2, Stuttgart 1932, Sp. 2163–2.
  6. Plinius, Naturalis historia 7.24.
  7. Studies in the archaeology of hellenistic Pontus: The settlements, monuments, and coinage of Mithradates VI and his predecessors. D. Burcu Arıkan Erciyas, Dissertation, University of Cincinnati, 2001, p. 17.
  8. Studies in the archaeology of hellenistic Pontus: The settlements, monuments, and coinage of Mithradates VI and his predecessors. D. Burcu Arıkan Erciyas, Dissertation, University of Cincinnati, 2001, p. 18.
  9. Studies in the archaeology of hellenistic Pontus: The settlements, monuments, and coinage of Mithradates VI and his predecessors. D. Burcu Arıkan Erciyas, Dissertation, University of Cincinnati, 2001, p. 19–20.
VorgängerAmtNachfolger
Mithridates V.König von Pontos
120–63 v. Chr.
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