Hauptmenü öffnen
Mithridates VI. (Münzabbildung)

Mithridates VI. (griechisch Μιθριδάτης) (* ca. 132 v. Chr. in Sinope; † 63 v. Chr. in Pantikapaion), war von ca. 120 v. Chr. bis zu seinem Tod König von Pontos. Pontos wurde unter seiner Herrschaft das größte und einflussreichste Königreich Kleinasiens und stellte die Vorherrschaft Roms in Kleinasien eine kurze Zeit in Frage. Nach Mithridates benannt sind die drei mithridatischen Kriege gegen das Römische Reich.

Mithridates VI. ist bekannt für neu entwickelte Legierungen in der Münzprägung, Vielsprachigkeit und Kenntniße in Botanik und Pharmakologie.

Inhaltsverzeichnis

Alternative NamenBearbeiten

Mithridates VI. Eupator, Mithridates VI. Eupator Dionysos, Mithridates der Große, Mithradates VI. Eupator Dionysos, Mithradates der Große.[1]

Auf Münzen, Inschriften und schriftlichen Überlieferungen begegnet man überwiegend dem Beinamen „Eupator“. Der „Große“ ist von Sueton, „Dionysos“ von Appian und Plutarch überliefert.[2]

LebenBearbeiten

Herkunft und FamilieBearbeiten

Mithridates VI. stammt aus der persischen Familie der Mithridaten und war der Sohn von Mithridates V. Die Herkunft seiner Mutter ist unklar. Sein Geburtsjahr wird aus Rückschlüssen von überlieferten Stationen seines Lebens abgeleitet und ist nicht eindeutig festlegbar.[3]

Mithridates VI. hatte einen jüngeren Bruder und fünf Schwestern. Sein Bruder trug ebenfalls den Namen Mithridates mit dem Beinamen „Chrestos“ („der Tüchtige“). Die erstgeborene Schwester Laodike heiratete den kappadokischen König Ariarathes Epiphanes und in zweiter Ehe den bithynischen König Nikomedes III. Mithridates VI. verheiratete sich mit der jüngeren Schwester Laodike (Geschwisterehe). Die drei anderen Schwestern hießen Roxane, Stateira und Nysa und blieben wahrscheinlich unverheiratet. Von seinen späteren Nachkommen hat sich seine Enkelin Dynamis als Königin des Bosporanischen Reiches einen Namen gemacht.[4]

Nach der Ermordung seines Vaters wurde Mithridates mit 11 Jahren zum König von Pontus gekrönt. Angeblich verbrachte er die folgenden sieben Jahre auf der Flucht, da ihm seine Mutter nach dem Leben trachtete. Er soll im Gebirge gelebt und Dörfer und Städte gemieden haben, was ihm zu einer kräftigen Statur und großer physischer Kraft verholfen hat.

Nach seiner Rückkehr ergriff er offenbar mühelos die Macht. Seine Mutter sowie sein jüngerer Bruder verschwanden von der Bildfläche. Die Mutter wurde nach der Überlieferung von Memnon von Herakleia in den Kerker geworfen oder nach den Erzählungen von Appian und Sallust getötet. Herodot erzählt, dass eine Königsmutter von den Perserkönigen verehrt wurde und sie hätten Elternmord verabscheut. Deshalb ist wohl die Überlieferung von Memnon von Herakleia als wahrscheinlicher anzunehmen. Einig sind sich die literarischen Quellen über das weitere Schicksal des jüngeren Bruders. Sein Name stand zwar noch auf zwei delischen Weihinschriften, die auf die Machtergreifung von Mithridates VI. datiert werden, doch wurde er später offenbar Opfer einer Verschwörung und ermordet.[5]

HerrscherjahreBearbeiten

 
Alter Orient um 100 v. Chr.

Der neue König erweiterte sein Königreich zunächst um griechisch besiedelte Gebiete auf und an der Krim, indem er als Beschützer gegen die Steppennomaden auftrat. Nachdem Mithridates so seine Machtbasis rund um das Schwarze Meer erweitert hatte, begann er mit Eroberungen in Kleinasien.

Dadurch geriet er in Konflikt mit Rom. Aufgrund der Ausbeutung der römischen Provinz Asia durch die römischen Steuereintreiber und der Schwäche Roms im Bürgerkrieg kam es in Kleinasien zu Aufständen. Da Mithridates den weitverbreiteten Hass auf die Römer nutzte und mit dem Versprechen von Freiheit auftrat, stieß er kaum auf Widerstand.

 
Büste des Mithridates VI. von Pontos (Paris, Louvre)

In einem ersten Feldzug gelang es Sulla, römischer Statthalter in Kilikien, Mithridates aus Kappadokien zu vertreiben. Kurz darauf schloss der Pontiker ein Bündnis mit seinem Schwiegersohn Tigranes II. von Armenien. Dadurch war Mithridates in der Lage, weite Teile Kleinasiens, der Ägäis und Griechenlands unter seine Kontrolle zu bringen, außerdem das Bosporanische Reich. Die Stadt Kyzikos wurde im Jahre 74 v. Chr. erfolglos durch ihn belagert. Auf seinen Befehl wurden 88 v. Chr., angeblich an einem Tag, etwa 80.000 Italiker getötet (sogenannte Vesper von Ephesos).

Rom stellte Sulla schließlich eine umfangreiche Armee zur Verfügung. Der Erste Mithridatische Krieg begann 89 v. Chr., bewirkte zunächst nur geringe Erfolge für Rom und endete 84 v. Chr. mit einem Vertrag, der in etwa die Situation vor Mithridates’ Expansion am Südufer des Schwarzen Meeres wiederherstellte, aber nicht lange hielt. Grund dafür waren unter anderem die hohen römischen Tributforderungen, die bald wieder zu Aufständen führten, die der pontische König umgehend nutzte. Sullas Statthalter Lucius Licinius Murena erlitt im darauf folgenden Zweiten Mithridatischen Krieg bis 81 v. Chr. Gebietsverluste. Im Dritten Mithridatischen Krieg, der sich von 74 bis 63 v. Chr. in nahezu ganz Kleinasien entspann, brachte Lucullus Mithridates und Tigranes schwere Niederlagen bei, wurde dann aber durch Pompeius ersetzt, was den Kriegsverlauf weiter verzögerte.

Pompeius besiegte Mithridates schließlich 63 v. Chr. und stellte in der Folge die politische Ordnung in Kleinasien und Syrien auf eine neue Grundlage. Mithridates wurde auf die Krim zurückgedrängt, von wo er im Alter immer wieder in Kleinasien einzugreifen versuchte. Er wurde schließlich von seiner eigenen Familie, die mit Rom verhandelte, zu Gunsten seines Sohnes abgesetzt.

TodBearbeiten

Zum Tod von Mithridates VI. existieren zwei literarische Quellen. Appian zufolge[6] versuchte sich Mithridates zu vergiften, was misslang, da er durch die kontrollierte Einnahme von Giften Immunitäten aufgebaut hatte. Schließlich ließ er sich von seinem Getreuen Bituitus auf der Burg von Pantikapaion durch das Schwert töten. Cassius Dio dagegen schreibt,[7] dass der König von desertierenden Truppenmitgliedern, die zu seinem Sohn Pharnakes II. übergelaufen waren, ermordet wurde.[8]

Pharnakes II. überführte die Leiche des Vaters nach Pontos, wo Pompeius ihm ein ehrenvolles Begräbnis gab und ihn ins Familiengrab überführen ließ.[9] Über den Standort der Gräber der einzelnen Könige von Pontos besteht nach wie vor keine Sicherheit. Mithridates VI. könnte in Sinope begraben sein, aber auch in den königlichen Felsgräbern in Amaseia. Wenn man davon ausgehen könnte, dass ein Grab von mehreren Toten belegt worden ist, besteht die Möglichkeit, dass alle Könige von Pontos in den Felsgräbern von Amaseia begraben wurden.[10]

Königlicher HofBearbeiten

Eine Vorstellung, welcher Personenkreis am Hof von Mithridates VI. vertreten war, liefern ein Denkmal, Inschriften und literarische Quellen.[11]

In Delos stehen zu Ehren von Mithridates VI. die Überreste eines Denkmals. Der Bau wird auf 102/101 v. Chr. datiert und wurde vom Athener Helianax gestiftet, der zu dieser Zeit Priester auf Delos war. Die Existenz eines Denkmals in der blühenden griechischen Metropole für einen pontischen König zeigt die Bedeutung, die man dem Königreich Pontos in jener Zeit zugemessen hat. Das Besondere des Denkmals sind dreizehn Portrait-Medaillons, von denen alle Büsten außer einer schwer beschädigten verloren gegangen sind. Dazugehörende Inschriften weisen auf die Personen hin, die in den Medaillons dargestellt wurden. Mehrere Personen stammen aus Amisos, eine weitere ist ein Hofmitglied der Arsakiden. Der Neffe von Mithridates VI., Ariarathes aus Kappadokien, der seleukidische König Antiochos Epiphanes und der Vater von Helianax, der Athener Asklepiodoros, runden die heterogene Versammlung ab.[12] Die Porträts werden als Darstellung des königlichen Hofs des Mithridates VI. interpretiert. Ihre Zusammensetzung deckt sich mit anderen Inschriften und literarischen Quellen. Demnach sollen zwei Drittel des pontischen Hofs aus Griechen von verschiedensten Ursprungsländern bestanden haben. Mit Römern, Kappadokiern und Thrakern ergibt sich ein Bild eines internationalen und multikulturellen Hofs mit griechischer Prägung.[13]

Das Denkmal ist darüber hinaus von Bedeutung, weil es keinen ideologischen Hintergrund trägt. Es ist von einem griechischen Priester „im Auftrag des athenischen und römischen Volks für die Götter des Heiligtums und König Mithridates Eupator“ gestiftet worden. Der Bau sollte mit der ungewöhnlichen Zusammensetzung des königlichen Hofs die internationalen Besucher von Delos faszinieren und das Königreich als einen vielversprechenden hellenistischen Teil der östlichen griechischen Macht und der angrenzenden Königreiche darstellen.[14]

Vorreiter der MünzprägungBearbeiten

Unter Mithridates VI. wurden neuartige Legierungen entwickelt, die sich in überlieferten Münzen nachweisen lassen. Er war der erste, der bimetallische Systeme auf der Basis von Kupfer eingeführt hat.[15]

Messing war eine in der Antike selten hergestellte Legierung und ist nur für das Gebiet von Phrygien aus dem 8–7 Jh. v. Chr. und später für etruskische Objekte nachgewiesen. Die ältesten literarischen Quellen stammen von den Griechen Hesiod und Homer. Sie beschreiben die Legierung als etwas Spezielles und Teures. Bis Ende der 1960er Jahre sprach man die erste Prägung von Messingmünzen dem römischen Kaiser Augustus zu, obwohl bereits anfangs des 20. Jh. erste Münzen veröffentlicht wurden, die aus Messing bestanden und früher datiert wurden. 1970 erbrachte eine Untersuchung des British Museum den Beweis, dass Messing in Münzen bereits 80–70 v. Chr. unter Mithridates VI. im Königreich Pontos und in Phrygien und Bithynien hergestellt wurden.[16]

Es steht fest, dass mehrere Münzstätten in Paphlagonien und im Königreich Pontos zwischen 90 und 70 v. Chr. Münzen mit den Bildnissen von Perseus, aus „reinem“ Kupfer, und Dionysos, aus Messing, geprägt haben. Alle anderen Münztypen, die während der Regierungszeit von Mithridates VI. in den beiden Ländern hergestellt wurden, bestanden aus Bronze mit einem kleinen Anteil von Blei.[17]

In einer weiteren Untersuchung der Münzbestände der Eremitage in St. Petersburg wurde aufgedeckt, dass die anonymen pontischen kleinen Münzen vom Typ „head in leather cap/eight–rayed star“ wahrscheinlich aus dem Umkreis der Mithridaten stammen. Eine andere Vermutung ordnete die Münzen dem Tempelstaat Komana Pontika während den frühen Jahren der Regierungszeit Mithridates VI. zu. Sie sind aus „reinem“ Kupfer hergestellt und waren teilweise als Ersatz für die Silbermünzen vorgesehen und mussten deshalb fälschungssicher sein. Das für die damalige Zeit einzigartige verwendete Metall unterschied sie von den übrigen Bronzemünzen und verminderte das Risiko von Fälschungen.[18]

Die ersten Münzen am Bosporus waren aus Silber, das die gleiche Qualität wie dasjenige von Münzen aus Amisos aufweist. Später folgten Silber mit über 50 % Kupferanteil. Die pontische Legierung mit Bronze und einem kleinen Anteil Blei ist auf Münzen aus Pantikapaion zu finden. In einer Untersuchung wurden 1163 anonyme Münzen aus der Region analysiert, davon waren 1158 Münzen „reine“ Kupfermünzen. Sie werden den Söhnen von Mithridates VI. zugeschrieben, die über dieses Gebiet als Satrapen geherrscht haben. Auf den Münzen sind 50 verschiedene Monogramme geprägt, die Ähnlichkeiten mit den Monogrammen von pontischen kommunalen Münzen aufweisen. Es wird vermutet, dass die Münzen zu Beginn von Städten des Königreichs Pontos hergestellt wurden und im Verlauf der Herrschaft von Mithridates VI. Städte am Bosporus das Recht erhielten, selber Münzen zu prägen. Man nimmt an, dass zumindest in den ersten Jahren der Münzprägung am Bosporus das Rohmaterial, Silber und Bronze, aus dem Königreich Pontos, im Besonderen aus Amisos, eingeführt wurde.[19]

Im 1. Mithridatischen Krieg, der von 89 bis 85 v. Chr. dauerte, eroberte Mithridates VI. Kleinasien und er machte Pergamon zu seiner neuen Residenz. In dieser Zeit stellte die Stadt neue Tetradrachmen her und Münzen mit kupferhaltigen Legierungen. Es sind Münzen aus Messing mit einem Zink–Gehalt von weniger als 15 %[17] und Legierungen aus Bronze mit Zinn und Blei überliefert.[20] Andere Regionen von Mysien prägten Bronzemünzen mit einem Bleigehalt von bis zu 27 %. Auch aus Städten Phrygiens sind Messingmünzen überliefert, die das mithridatische Wappen mit dem Mond und dem Stern und weiteren Merkmalen der Münzprägung aus dem Königreich Pontos tragen.[21]

Von Anfang an wurden für gleiche Münzwerte gleiche Legierungen verwendet, so dass die Münzen unterschieden werden konnten. Kupfer basierte Legierungen wurden für Münzen mit kleineren Werten verwendet und Münzen aus Messing könnten wahrscheinlich die Silbermünzen zumindest als Zahlungsmittel für den inneren Markt abgelöst haben.[22]

Man hat sich immer wieder gefragt, wie Mithridates VI. seine Kriege finanziert hat. Einer der Hauptgründe für die Eroberung Kleinasiens könnte die angestrebte Kontrolle über die Gold-, Silber- und Metall–Minen Kleinasiens sein, die über die gesamte Region nachgewiesen sind und eine große Einnahmequelle garantierten. Die neuen Legierungen wurden demnach geschaffen, um Ressourcen für die beinahe 30 Jahre andauernden Kriege bereithalten zu können.[22]

Nach dem Tod von Mithridates VI. wurde die Prägung von Kupfer- und Messing-Münzen eine Zeit lang eingestellt. Erst später haben die Römer, die Prokonsule C. Clovius und Q. Oppius 45–44 v. Chr.[23] und Augustus 23 v. Chr.[16], die Produktion solcher Legierungen wieder aufgenommen.

MehrsprachigkeitBearbeiten

In seinem Werk Naturalis historia schreibt Plinius der Ältere, Mithridates habe sämtliche 22 untergebenen Völker in deren eigener Sprache regiert.[24] Aufgrund dieser Mehrsprachigkeit nannte Conrad Gessner im 16. Jahrhundert seine sprachvergleichende Studie, die das Vaterunser in vielen damals bekannten Sprachen umfasst, Mithridates. De differentiis linguarum. 1806 gab Johann Christoph Adelung seinem umfassenden Sprachenvergleich den Titel Mithridates, oder allgemeine Sprachenkunde. Jürgen Trabant nannte sein Buch über die Geschichte des Sprachdenkens Mithridates im Paradies, das 2003 erschienen ist.

Botaniker und PharmakologeBearbeiten

Mithridates VI. setzte sich offenbar Zeit seines Lebens mit Botanik und Pharmakologie auseinander. Noch heute ist die Gattung Wasserdost nach ihm benannt. Berühmt wurden die Kenntniße des Königs mit dem Universalheilmittel gegen Gifte, Mithridatikum genannt, und mit der Entwicklung einer Therapie, die eine Immunisierung durch eine stetige Einnahme von geringen Dosen von Giften (Mithridatisation) anstrebt. Es ist überliefert, dass Mithridates VI. zusammen mit Theophrastos von Eresos und Attalos III. von Pergamon als einer der ersten einen botanischen Garten angelegt hat.[25]

Mithridates verfasste nach der Aussage von Plinius dem Älteren ein Buch über Gifte, das im Auftrag des Gnaeus Pompeius Magnus von Pompeius Lenaeus ins Lateinische übersetzt wurde. Die Kenntniße von Mithridates VI. im Bereich von Botanik und Pharmakologie haben sich danach von der Spätantike über das Mittelalter bis in die heutige Zeit gehalten. Das Wißen um Gifte und Gegengifte taucht zum Beispiel bei A. E. Housman in seinem Zyklus A Shropshire Lad auf, der 1896 erschienen ist:

„(…)
Im Osten regierte ein König:
Dort, wenn Könige zum Fest sitzen,
Sind sie vergiftet, bevor sie es erfassen,
Von Gerichten und Getränken.
Er aber sammelte alles, was es gab
Von den Giften der Erde;

Zuerst ein wenig, von da an mehr,
Er probierte alle ihre Tötungsarten;
Und ein einfacher, lächelnder, würziger Ton,
Stellte den König zufrieden,
Während Glückwünsche herumgereicht wurden.
Sie legten Arsen in sein Fleisch
Und warteten erwartungsvoll, dass er es aß;
Sie gossen Strychnin in seine Tasse
Und schüttelten sich, als sie sahen, wie er trank:
Sie zitterten, sie starrten, weiß wie ihr Hemd:
Sie aber waren es, die das Gift verletzte.
- Ich erzähle die Geschichte, die ich gehört habe.
Mithridates, er ist alt gestorben.“

WirkungBearbeiten

In den KünstenBearbeiten

Dramen und RomaneBearbeiten

MusikBearbeiten

QuellenlageBearbeiten

Théodore Reinach hat in seinem Standardwerk die verfügbaren Quellen für Mithridates VI. in über 60 Seiten beschrieben. Die Ausführlichkeit und Länge können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Quellen für Mithridates VI. und die Ereignisse zur damaligen Zeit marginal sind. Die wichtigsten historischen Autoren, die die Regierungszeit Mithridates VI. und die Mithridatischen Kriege beschrieben, waren Appian und Justinus. Weder Appian noch Justinus waren Zeitgenossen der Geschehnisse. Zudem gilt Appian als Historiker, der Geschichte als eine Anhäufung von „Bestechung, Korruption und Geldgier“ verstand. Diese Haltung kommt speziell in seinem Werk Mithridatica zum Vorschein, das bis heute die literarische Hauptquelle für Mithridates, im Speziellen für die Mithridatischen Kriege, darstellt.[26]

Die Historiae Philippicae von Pompeius Trogus sind in den Epitomen von Justinus überliefert. Sie behandeln die Jugend und frühen Herrscherjahre von Mithridates VI. Die Mithridatischen Kriege werden leider nicht erwähnt, obwohl der Onkel von Pompeius Trogus unter Pompeius gedient hatte und als Augenzeuge Wertvolles hätte beisteuern können.[27]

Polybios, Memnon von Herakleia, Plutarch, Sallust und Livius sind weitere Autoren, die über den König und die Region geschrieben haben, aber vieles ist verloren gegangen. Strabon's Geschichtliche Anmerkungen hätten wohl nützliche Daten enthalten, wenn sie erhalten geblieben wären, da sie sowohl historische Hintergründe geliefert als auch die pontischen Städte beschrieben hätten.[28] Im Großen und Ganzen sind die literarischen Quellen nicht ausreichend, um ein adäquates Bild der Region während der Herrschaft von Mithridates VI. liefern zu können.[29]

Von Mithridates VI. konnten nur die Porträts auf den Münzen mit Sicherheit mit ihm identifiziert werden. Wissenschaftler haben daraufhin diese Abbildungen mit Statuen in Museen verglichen, um weitere Identifikationen vornehmen zu können. Weil aber die Münzen aus ihrem archäologischen Kontext herausgerissen sind, bleiben weitere Fragen unbeantwortet, wie zum Beispiel diejenige, ob die Münzen, auf denen er Alexander dem Großen so sehr ähnelt, auch innerhalb seines Reiches benutzt worden sind oder ob es Prägungen waren, die v. a. an seine Bundesgenoßen gerichtet waren.[30]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Mithridates VI of Pontus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Mithradates VI Eupator. Roger Henry Simpson, Encyclopaedia Britannica. Abgerufen am 16. März 2019.
  2. Fritz Geyer: Mithridates 12. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XV,2, Stuttgart 1932, Sp. 2163–1.
  3. Fritz Geyer: Mithridates 12. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XV,2, Stuttgart 1932, Sp. 2163–1.
  4. Théodore Reinach: Mithradates Eupator, König von Pontos. Leipzig 1895, S. 40–41, S. 47.
  5. Théodore Reinach: Mithradates Eupator, König von Pontos. Leipzig 1895, S. 46–47.
  6. Appian, Mithridatius 111.
  7. Cassius Dio 37,13.
  8. Jakob Munk Højte: The Death and Burial of Mithridates VI. In: Jakob Munk Højte (Hrsg.): Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Aarhus University Press, Århus 2009, S. 121 (Digitalisat).
  9. Jakob Munk Højte: The Death and Burial of Mithridates VI. In: Jakob Munk Højte (Hrsg.): Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Aarhus University Press, Århus 2009, S. 122.
  10. Jakob Munk Højte: The Death and Burial of Mithridates VI. In: Jakob Munk Højte (Hrsg.): Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Aarhus University Press, Århus 2009, S. 128.
  11. Patric–Alexander Kreuz: Monuments for the King: Royal Presence in the Late Hellenistic World of Mithridates VI. In: Jakob Munk Højte (Hrsg.): Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Aarhus University Press, Århus 2009, S. 131–144, hier S. 139.
  12. Patric–Alexander Kreuz: Monuments for the King: Royal Presence in the Late Hellenistic World of Mithridates VI. In: Jakob Munk Højte (Hrsg.): Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Aarhus University Press, Århus 2009, S. 131–144, hier S. 132 und 137.
  13. Patric–Alexander Kreuz: Monuments for the King: Royal Presence in the Late Hellenistic World of Mithridates VI. In: Jakob Munk Højte (Hrsg.): Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Aarhus University Press, Århus 2009, S. 131–144, hier S. 139.
  14. Patric–Alexander Kreuz: Monuments for the King: Royal Presence in the Late Hellenistic World of Mithridates VI. In: Jakob Munk Højte (Hrsg.): Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Aarhus University Press, Århus 2009, S. 131–144, hier S. 137 und 140.
  15. Tat'jana N. Smekalova: The Earliest Application of Brass and „Pure“ Copper in the Hellenistic Coinages of Asia Minor and the Northern Black Sea Coast. In: Jakob Munk Højte (Hrsg.): Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Aarhus University Press, Århus 2009, S. 233–248, hier S. 245 (PDF).
  16. a b Tat'jana N. Smekalova: The Earliest Application of Brass and „Pure“ Copper in the Hellenistic Coinages of Asia Minor and the Northern Black Sea Coast. In: Jakob Munk Højte (Hrsg.): Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Aarhus University Press, Århus 2009, S. 233–248, hier S. 234.
  17. a b Tat'jana N. Smekalova: The Earliest Application of Brass and „Pure“ Copper in the Hellenistic Coinages of Asia Minor and the Northern Black Sea Coast. In: Jakob Munk Højte (Hrsg.): Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Aarhus University Press, Århus 2009, S. 233–248, hier S. 236.
  18. Tat'jana N. Smekalova: The Earliest Application of Brass and „Pure“ Copper in the Hellenistic Coinages of Asia Minor and the Northern Black Sea Coast. In: Jakob Munk Højte (Hrsg.): Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Aarhus University Press, Århus 2009, S. 233–248, hier S. 235.
  19. Tat'jana N. Smekalova: The Earliest Application of Brass and „Pure“ Copper in the Hellenistic Coinages of Asia Minor and the Northern Black Sea Coast. In: Jakob Munk Højte (Hrsg.): Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Aarhus University Press, Århus 2009, S. 233–248, hier S. 240–242.
  20. Tat'jana N. Smekalova: The Earliest Application of Brass and „Pure“ Copper in the Hellenistic Coinages of Asia Minor and the Northern Black Sea Coast. In: Jakob Munk Højte (Hrsg.): Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Aarhus University Press, Århus 2009, S. 233–248, hier S. 237.
  21. Tat'jana N. Smekalova: The Earliest Application of Brass and „Pure“ Copper in the Hellenistic Coinages of Asia Minor and the Northern Black Sea Coast. In: Jakob Munk Højte (Hrsg.): Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Aarhus University Press, Århus 2009, S. 233–248, hier S. 238.
  22. a b Tat'jana N. Smekalova: The Earliest Application of Brass and „Pure“ Copper in the Hellenistic Coinages of Asia Minor and the Northern Black Sea Coast. In: Jakob Munk Højte (Hrsg.): Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Aarhus University Press, Århus 2009, S. 233–248, hier S. 239.
  23. Tat'jana N. Smekalova: The Earliest Application of Brass and „Pure“ Copper in the Hellenistic Coinages of Asia Minor and the Northern Black Sea Coast. In: Jakob Munk Højte (Hrsg.): Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Aarhus University Press, Århus 2009, S. 233–248, hier S. 244.
  24. Georgy Kantor: Mithridates VI Eupator Dionysos. In: The Encyclopedia of Ancient History, Volume VIII, Blackwell Publishing Ltd. 2013, p. 4546.
  25. Gottlieb Wilhelm Bischoff: Naturgeschichte der drei Reiche. Fünfter Band, zweiter Teil, Stuttgart 1839, S. 443.
  26. B. C. McGing: The Foreign Policy of Mithridates VI Eupator, King of Pontus. Leiden 1986, S. 176–177.
  27. B. C. McGing: The Foreign Policy of Mithridates VI Eupator, King of Pontus. Leiden 1986, S. 178.
  28. B. C. McGing: The Foreign Policy of Mithridates VI Eupator, King of Pontus. Leiden 1986, S. 178.
  29. D. Burcu Arıkan Erciyas: Studies in the archaeology of hellenistic Pontus: The settlements, monuments, and coinage of Mithradates VI and his predecessors. Dissertation, University of Cincinnati, 2001, S. 17.
  30. D. Burcu Arıkan Erciyas: Studies in the archaeology of hellenistic Pontus: The settlements, monuments, and coinage of Mithradates VI and his predecessors. Dissertation, University of Cincinnati, 2001, S. 18.
VorgängerAmtNachfolger
Mithridates V.König von Pontos
120–63 v. Chr.
--