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Größte Ausdehnung von Pontos unter Mithridates VI.

Das Königreich Pontos lag an der Südküste des Schwarzen Meeres. Es wurde von Mithridates I. Ktistes im 3. Jh. v. Chr. gegründet und existierte bis ins 1. Jh. v. Chr. Das Königreich erreichte seine größte Ausdehnung unter der Herrschaft von Mithridates VI., der Kappadokien, Bithynien, Galatien, Kolchis, die römische Provinz Asia und das Bosporanische Reich kontrollierte. Nach einem langen Machtkampf zwischen dem römischen Reich und Pontos wurde das Königreich schließlich zum Teil in das Römische Reich eingegliedert und existierte dort als Provinz Bithynia et Pontus weiter. Der östliche Teil Pontos bestand als Klientelkönigreich Roms weiter bis zur Aufhebung unter Nero.

Inhaltsverzeichnis

Unsichere EckdatenBearbeiten

Ein Königreich wird über seine Könige definiert. Im Fall des Königreich Pontos ist die Anzahl und die Reihenfolge der Könige bis zum heutigen Tag nicht vollständig geklärt. Zu den offenen Fragen gehören auch eindeutige Regierungszeiten und – als Folge davon – die Zuordnung von einzelnen überlieferten Handlungen. Die etablierte Meinung der Wissenschaft stützt sich auf die Überlieferung von Georgios Synkellos, der in seiner Weltchronik 218 Jahre Herrschaft der pontischen Könige aufführt. In einer Konstruktion nimmt man den Tod von Mithridates VI. als das Ende des Königreichs Pontos an. Damit hätte das Reich von 281 v. Chr. bis 63 v. Chr. existiert.[1]

GeschichteBearbeiten

Wurzeln des KönigreichsBearbeiten

Vom Pontos Euxeinos, dem Schwarzen Meer, wanderte der Begriff Pontos an dessen südöstliche Küste und zur Region, die von den Mithridaten im 3. Jh. bis Mitte des 1. Jh. zu einer gesellschaftlichen Struktur geformt wurde. Pontos ist ein Begriff für Raum (Geografie) und Territorium (Politik). Die Herkunft eines pontischen Volks liegt im Dunklen. Als Pontier bezeichneten sich die Bewohner des Gebiets erst, als die Römer nach dem Ende des Königreichs das Gebiet als Provinz annektierten.[2]

Die Spuren der Vorfahren der pontischen Könige führen nach Kios, einer kleinen Stadt am Südufer des Marmarameers in Mysien. Die Mithridatische Dynastie ist vom griechischen Geschichtsschreiber Diodorus an drei Stellen überliefert.[3] Er erwähnt in einer der drei Stellen[4] die Ermordung eines Angehörigen der königlichen Familie namens Mithridates durch Antigonos I. Monophthalmos. Dieser Mithridates habe 35 Jahre über Kios geherrscht. Sein Nachfolger mit dem gleichen Namen habe die Herrschaft auf Kappadokien und Paphlagonien ausgedehnt. Diodorus verwendet dafür die Wörter „Dynastie“ und an anderer Stelle „Königreich“. Diese Bezeichnungen deuten nicht auf Satrapien hin. Zudem wird Kios nicht als Teil eines persischen Lehen bezeichnet und es gibt keine Hinweise auf Satrapen oder auf eine persische Dynastie. Die über lange Zeit etablierte Meinung der Forschung hat die Bedeutung dieser Indizien nicht wahrgenommen und immer von den Satrapen von Kios gesprochen. Auch ein anderer Aspekt wurde bis anhin nicht beachtet. Das tributpflichtige Kios zahlte nämlich eine Steuer, die im Vergleich zu anderen Städten sehr bescheiden gewesen ist. Nachdem dieser Umstand in das Bewusstsein der Forschung getreten war, schloss man daraus, dass die Stadt keine große wirtschaftliche und politische Bedeutung gehabt habe.

Die Herrschaft der Mithridatischen Dynastie beschränkte sich also nicht auf kleine Städte wie Kios, wie bisher angenommen, sondern über ganz Mysien in der Form eines vererbbaren Fürstentums.[5]

Das Herrschaftsgebiet der Mithridaten reichte aber noch weiter. Polybios beschreibt es dem Schwarzen Meer entlang, ein Gebiet, das ihnen von Dareios I. übergeben worden war. Es ist die Region Mariandynien mit ihrem Zentrum Bithynium, das spätere Claudiopolis.[6] Zur gleichen Zeit herrschte Ariarathes I. als Satrap über Kappadokien. Es sieht so aus, als ob das spätere Gebiet des Königreichs Pontos ursprünglich von diesen zwei Familien beherrscht worden ist.[7]

Stammbaum der MithridatenBearbeiten

Von Justin, der sich auf Pompeius Trogus stützt, stammen die Äußerungen von Mithridates VI. Eupator, der seine Familie mütterlicherseits auf Alexander den Großen und Seleukos I. und väterlicherseits auf Kyros II. und Dareios I. zurückführt.[8] Dieser Anspruch auf königliche Linien wurde ihm von den Historikern bis vor kurzem abgesprochen.[9] Stattdessen griff man auf den phrygischen Satrapen Ariobarzanes zurück und baute mit dem wenigen vorhandenen Quellenmaterial einen Stammbaum der Mithridaten, der in der Folge zu vielen Ungereimtheiten führte, die nie vollständig aufgelöst werden konnten.[10]

Eine neuere Studie arbeitet mit dem gleichen Quellenmaterial, setzt das Material aber neu zusammen und kommt zu einer völlig neuen Interpretation, die dem Anspruch von Mithridates VI. Eupator recht geben könnte. Das Besondere ist die Tatsache, dass sie mit ihrer Hypothese alle Quellen in Übereinstimmung bringt.[11] Der Stammbaum von Bosworth und Wheatley ist mit leichten Änderungen in der folgenden Grafik dargestellt.

 

Die Zeit der KönigeBearbeiten

Der Begriff „Königreich Pontos“ oder „pontisches Königreich“ wurde von der Nachwelt erschaffen. Die Könige selber und Zeitgenossen haben diesen Begriff nicht verwendet, sondern sprachen vom „Reich des Königs“. Es gehört zur orientalischen Tradition, dass die Abstammung und nicht das Territorium einem König seinen Titel verleiht.[12]

Die Herausbildung der griechisch-iranischen Monarchie hat das Territorium in der Folge stark geprägt und ihm eine Identität gegeben. Der „pontische“ Name wurde ihm wahrscheinlich von den Persern oder den Seleukiden gegeben. Noch Polybios spricht aber von einem pontischen Kappadokien, als er über die Hochzeit von Antiochos III. mit Laodike, der Tochter des Mithridates II. berichtet,[13] und Strabon erzählt: „Was Kappadokien betrifft: Es kam, von den Persern in zwei Satrapien geteilt, in den Besitz der Makedonen, die es teils gern, teils ungern geschehen ließen, dass aus den Satrapien Königreiche wurden; von diesen nannten sie das eine ,Kappadokien‘ im engeren Sinne oder ,Kappadokien am Tauros‘ oder gar ,Großkappadokien‘, das andere ,Pontos‘ (Andere, Kappadokien am Pontos‘).“[14] Erst Gaius Iulius Caesar überliefert als erste römische Quelle „einen Triumph ex Ponto“.[15]

Die Könige schufen in ihrem Reich eine einheitliche Verwaltung und strukturierten das Gebiet mit wirtschaftlichen, militärischen und religiösen Zentren. „Trotz einer Vielzahl von Sprachen, Traditionen und Lebensweisen müssen wir annehmen, dass zum Zeitpunkt des Todes des Mithridates VI. Eupator das pontische Reich eine gewisse Symbiose aus griechischen, iranischen und anatolischen Elementen erreicht hatte, die als ‚pontisch‘ bezeichnen werden können.“[16]

Mithridates I. KtistesBearbeiten

Mithridates Ktistes gilt als der Begründer des Königreichs, dessen genaue Geburtsstunde nicht geklärt ist. Er kämpfte in den Diadochenkriegen auf der Seite von Eumenes und wechselte nach der Schlacht von Gabiene auf die Seite von Antigonos I. Monophthalmos. Im Jahr 302 v. Chr. flüchtete er aufgrund der Warnung seines Freundes Demetrios nach Paphlagonien, wo er zwischen 302 und 266 v. Chr. herrschte. In diesem Zeitraum proklamierte er sich als ersten König von Pontos.[17]

AriobarzanesBearbeiten

Über Ariobarzanes’ Regierungszeit ist nur wenig bekannt. Er dürfte die letzten Herrschaftsjahre seines Vaters mit ihm geteilt haben. Er wird im Zusammenhang mit der Eroberung von Amastris und bei Geschäften mit den Galatern genannt.[18]

Mithridates II.Bearbeiten

Der Sohn des Ariobarzanes, Mithridates II., war immer noch ein Kind, als sein Vater starb. Die Galater versuchten die Schwäche des Reichs auszunutzen und überquerten die Grenzen von Pontos. Der Angriff wurde mit Hilfe von Herakleia Pontike zurückzuschlagen. Um sein Land außenpolitisch zu festigen, betrieb Mithridates II. später eine aktive Heiratspolitik. Er selber heiratete die Schwester des Seleukos II. und verheiratete seine Töchter sowohl mit Seleukos’ Sohn Antiochos III. als auch mit Antiochos Hierax. Die königlichen Wurzeln der Mithridatischen Familie könnten der Hintergrund der Hochzeiten zwischen den Seleukiden und einer zur damaligen Zeit unbekannten nicht-griechischen Königsfamilie gespielt haben. Im Bruderstreit zwischen Antiochos Hierax und Seleukos II. unterstützte Mithridates II. Antiochos Hierax und siegte zusammen mit ihm in der Schlacht von Ancyra. Das genaue Todesjahr des dritten pontischen Königs ist nicht bekannt.[19]

Mithridates III.Bearbeiten

Über die Herrschaftszeit von Mithradates’ Sohn Mithradates III. sind nur wenige Informationen überliefert. Manche Wissenschaftler vermuten, er sei mit Mithridates II. identisch. Das würde aber zu einer Herrschaftszeit von Mithridates II. führen, die unwahrscheinlich lang ist. Zum Zweiten würde die von Plutarch und Appian überlieferten Anzahl pontischer Könige von acht nicht eingehalten.[20] Als letztes können die fünf Felsengräber in Amaseia, von denen das letzte unbeendet ist und Pharnakes zugeschrieben wird, nicht zugeordnet werden.[21]

Pharnakes I.Bearbeiten

Der fünfte König war Pharnakes, der das Königreich erweiterte und die Hauptstadt von Amaseia nach Sinope verlegte. Er war der erste der pontischen Könige, der diplomatischen Kontakt mit Rom hatte. Am Ende seiner Herrschaft um ca. 155 v. Jh. spannte sich das Königreich von Amasra bis nach Cerasus.[22]

Mithridates IV. Philopator PhiladelphosBearbeiten

Der sechste Herrscher, Mithridates IV. Philopator Philadelphos, war der Bruder von Pharnaces. Der Antritt seiner Herrschaft ist nicht genau bekannt. Es ist überliefert, dass er Attalos II. im Kampf gegen Prusias II. von Pergamon unterstützt hat. Er schlug aber einen wesentlich weniger aggressiven Kurs in der Außenpolitik ein als sein Vorgänger. Eine Inschrift auf dem Kapitol erinnert an seine Freundschaft und das Bündnis mit Rom.[23]

Mithridates V. EuergetesBearbeiten

Mithridates V. Euergetes war der Sohn von Pharnaces. Seine Frau, Laodike, dürfe die Tochter von Antiochos IV. gewesen sein. Im Jahr 149 v. Chr. unterstützte er Rom im dritten Punischen Krieg und 133–129 v. Chr. gegen Aristonikos. Als Dank wurde ihm Phrygien übergeben. In Rom wurde diese Geste kontrovers diskutiert und Gaius Gracchus warf ihm vor, römische Politiker zu bestechen. Mithridates V. Euergetes war der erste König, der wichtige Positionen von Griechen besetzen ließ. Der König wurde 123 v. Chr. in Sinope ermordet.[24]

Mithridates VI. EupatorBearbeiten

Unter dem letzten pontischen König, Mithridates VI. Eupator erlebte das Königreich seine Blüte und seinen Untergang. In drei militärischen Konflikten mit dem Römischen Reich forderte er die Herren der westlichen Welt heraus. Die Mithridatischen Kriege dauerten beinahe 30 Jahre und endeten mit dem Sieg Roms und dem Ende des Königreichs.

Nach dem KönigreichBearbeiten

Der westliche Teil des Königreichs wurde von den Römern annektiert und zum neuen Territorium der römischen Doppelprovinz Bithynia et Pontus erklärt. Der östliche Teil des Reichs und das Bosporanische Reich existierten vorerst als Klientelstaat weiter. Während des Bürgerkriegs zwischen Cäsar und Pompeius griff der Herrscher des Bosporanischen Reichs Pharnakes II., der Sohn von Mithridates VI. Eupator, 48 v. Chr. die Römer mit dem Ziel an, Pontos zurückzuerobern. Nach einer Niederlage der Römer bei Nikopolis besiegte in der Schlacht bei Zela Cäsar Pharnakes II. und stellte die vorherigen Machtverhältnisse wieder her.[25]

GesellschaftBearbeiten

Am Ende des 2. Jh. und zu Beginn des 1. Jh. v. Chr. hat es überall in Kleinasien verstreut griechische Städte gegeben. Mit den Seleukiden wurde die Grenze zwischen griechischer Zivilisation und ländlichem Anatolien im Landesinnern aufgeweicht. Doch die Monarchien von Pontos, Kappadokien und Armenien waren in diesen Prozess nicht einbezogen.[26]

Die Dynastie in Pontos war persisch geprägt und mit ihr der größte Teil des Landes. Griechische Städte gab es an der Küste zum Schwarzen Meer und das Innere des Landes wurde dominiert von Burgen, Dörfern und Bauernhöfen mit Weideland. Herren und Bauern lebten in einem feudalen Verhältnis zueinander.[27] Doch das Königreich Pontos liegt zeitlich auch im Hellenismus. Es wäre deshalb von besonderem Interesse, wie die griechische und orientalische Kultur in der Gesellschaft im Königreich zum Ausdruck gekommen ist. Manche Meinungen gehen von einer vollständigen griechischen Durchdringung aus, die bis in die hintersten Täler des Reichs gereicht habe. Dies sei eine bewusste Politik der pontischen Könige gewesen. Andere sehen ein Konglomerat von verschiedenen ethnischen Kulturen, die über eine persisch geprägte Dynastie zusammengehalten wurden, die sich als sehr flexibel erwiesen hat.[28]

In einer neueren Studie werden die Parameter, die sich als Indikatoren für die Durchdringung des Hellenismus eignen, genannt. Es sind dies Sprache, Namenskunde, Mythen, Kalender, kulturelle und politische Institutionen und soziale Veränderungen. Um verbindliche Aussagen machen zu können, fehlen aber für das Königreich Pontos immer noch Quellenbelege.[29]

Könige von PontosBearbeiten

Die Zusammenstellung der Könige basiert auf der zurzeit etablierten Meinung der Forscher. Die Schwächen und Unstimmigkeiten werden in der Forschung immer wieder diskutiert. Eine endgültige Fassung ist aufgrund der unveränderten Quellenlage noch nicht in Sicht.[30] Details dazu sind ebenfalls in den jeweiligen Artikeln der Könige zu finden.

König Herrschaftsbeginn Herrschaftsende
Mithridates I. Ktistes 281 v. Chr. 266 v. Chr.
Ariobarzanes 266 v. Chr. ca. 258 v. Chr.
Mithridates II. 256/250 v. Chr. ca. 220 v. Chr.
Mithridates III. ca. 220 v. Chr. ca. 185 v. Chr.
Pharnakes I. ca. 185 v. Chr. ca. 155 v. Chr.
Mithridates IV. ca. 155 v. Chr. 152/151 v. Chr.
Mithridates V. 152/151 v. Chr. 120 v. Chr.
Mithridates VI. Eupator 120 v. Chr. 63 v. Chr.

QuellenlageBearbeiten

Vor Mithridates VIBearbeiten

In seinem Standardwerk Mithradates Eupator, König von Pontos, das 1895 in Leipzig erschienen ist, fasst Théodore Reinach die überlieferten Quellen zu den ersten pontischen Königen zusammen. Er bezieht sich auf Georgios Synkellos, der sich in seiner Weltchronik auf Apollodor[31] und Dionysios von Halikarnassos beruft. Darüber hinaus führt er Pompeius Trogus auf, der eine Übersicht über das Königreich Pontos geschrieben hat. Alle ursprünglichen Quellen sind mehr oder weniger verloren gegangen. Außer ein paar zerstreuten Notizen des Polybios, Memnon von Herakleia sind vor allem die Münzen als Informationsquelle zu nennen.[32]

Über Münzen und Inschriften wurde versucht, widersprüchliche Quellen zu konsolidieren, indem zwei zusätzliche Könige, Mithridates III. und IV., eingeführt wurden, deren Existenz aber nicht abschließend belegt werden konnten.[33]

In einer neueren Studie, die die bekannten pontischen Münzen zusammengestellt hat, wurden 64 Tetradrachmen, 18 Drachmen und 4 Staters untersucht.[34]

Liste der bekannten Münzen bis Mithridates V.
König Staters Tetradrachmen Drachmen
no obv no obv no obv
Mithridates III 2 2 19 5 2 1
Pharnakes I 1 1 24 9 16 5
Mithridates IV 1 1 14 6 - -
Mithridates IV und Laodike - - 5 2 - -
Laodike - - 1 1 - -
Mithridates V - - 1 1 - -
Total 4 4 64 24 18 6

Zur Interpretation der Münzen schreibt François de Callataÿ, der Autor der Studie:[35]

„Mistakes were often made.[…] The numbering of the kings is also merely an illusion. The sequence of kings itself was by no means secure when, finally, at the end of the 19th century, Théodore Reinach (1860-1928) took a serious look at the subject. But Reinach himself changed his mind with the discovery of new pieces of evidence. And, recently, Harold Mattingly dared to propose a radical change in the sequence of kings (attributing the coins of Mithridates III to Mithridates IV, that is after the coinage of Pharnakes).“

Der Autor schließt sich schlussendlich der etablierten Meinung über die Reihenfolge der Könige an, die bereits von Théodore Reinach aufgestellt wurde.[36]

Die Studie zeigt stellvertretend, dass die heutige Forschung im Wesentlichen mit dem gleichen Quellenmaterial arbeitet wie die Historiker vor 100 Jahren.[37] Um die Lücken zu verkleinern, werden von den Wissenschaftlern große Hoffnungen auf archäologische Ausgrabungen in Anatolien gesetzt, die seit der Jahrtausendwende begonnen haben. In der Publikation von 2015, die 35 Forschungsberichte zu Ausgrabungen enthält, wird festgehalten, dass die Archäologie das Potential der Gegend noch lange nicht ausgeschöpft hat.[38]

RezensionBearbeiten

Das Königreich Pontos stand lange im Schatten seiner Nachbarn: Bithynien, Kappadokien und das Seleukidenreich.[39] Erst die herausragende Persönlichkeit des Mithridates VI. Eupator verhalf dem Königreich zu seiner Berühmtheit. Von Gelehrten wie Theodor Mommsen und Théodore Reinach wurde er mit dem damaligen vorherrschenden Bild des Orientalismus im 19. Jh. betrachtet und als grausamer orientalischer Despot, Ottomanischer Sultan und als Gegner westlicher Zivilisation betitelt.[40] Dementsprechend konnte auch das Reich der pontischen Könige keinem Vergleich mit der westlichen Kultur standhalten. Die griechische Präsenz in Sprache und Kultur im Königreich wurde als oberflächlich abgetan, so wie man ein Kleid trägt und es wieder ablegt. Theodor Mommsen hat über den letzten König von Pontos folgendes geschrieben:[41]

„Bedeutungsvoller noch als durch seine Individualität ward er durch den Platz, auf den die Geschichte ihn gestellt hat. Als der Vorläufer der nationalen Reaktion des Orients gegen die Okzidentalen hat er den neuen Kampf des Ostens gegen den Westen eröffnet; und das Gefühl, dass man mit seinem Tode nicht am Ende, sondern am Anfang sei, blieb den Besiegten wie den Siegern.“

Der Sieger schreibt die Geschichte und römische Schriftsteller schrieben für eine römische Leserschaft. Die schlechte Quellenlage, Befangenheit durch ideologische Konzepte oder den Zeitgeist zwingen dazu, Äußerungen über das Königreich und Beschreibungen seiner Könige noch heute mit größter Vorsicht zu begegnen.[42]

LiteraturBearbeiten

  • A. B. Bosworth, P. V. Wheatley: The origins of the Pontic house. Journal of Hellenic Studies 118:155–164 1998.
  • Jakob Munk Højte (Hrsg.): Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Aarhus University Press, Århus 2009, ISBN 978-87-793-4443-3.
  • Georgy Kantor: Mithridates I–VI of Pontos. The Encyclopedia of Ancient History. Volume VIII, Blackwell Publishing Ltd. 2013, pp. 4544.
  • Brian C. McGing: The foreign policy of Mithridates VI Eupator, King of Pontus. Leiden 1986, ISBN 90-04-07591-7.
  • Brian C. McGing: The Kings of Pontus: some problems of identity and date. Rheinisches Museum für Philologie, Neue Folge, 129. Bd., H. 3/4 1986.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. The Dynastic History of the Hellenistic Monarchies of Asia Minor According to the Chronography of George Synkellos. Oleg L. Gabelko, in Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Aarhus University Press, p. 48, Århus 2009; Mithridates I–VI of Pontos. Georgy Kantor, The Encyclopedia of Ancient History, Volume VIII, p. 4544–4545, Blackwell Publishing Ltd. 2013.
  2. Pontische Mehrdeutigkeiten. Anca Dan, eTopoi Journal for Ancient Studies, Volume 3 (2014), p. 44.
  3. The origins of the Pontic house. A. B. Bosworth, P. V. Wheatley, Journal of Hellenic Studies 118:155 1998. Diod. 15.90.3; 16.90.2; 20.111.4.
  4. Diod. 20.111.4.
  5. The origins of the Pontic house. A. B. Bosworth, P. V. Wheatley, Journal of Hellenic Studies 118:156 1998.
  6. The origins of the Pontic house. A. B. Bosworth, P. V. Wheatley, Journal of Hellenic Studies 118:158 1998.
  7. The origins of the Pontic house. A. B. Bosworth, P. V. Wheatley, Journal of Hellenic Studies 118:157 1998.
  8. Studies in the archaeology of hellenistic Pontus: The settlements, monuments, and coinage of Mithradates VI and his predecessors. D. Burcu Arıkan Erciyas, Dissertation, University of Cincinnati, 2001, p. 74.
  9. The origins of the Pontic house. A. B. Bosworth, P. V. Wheatley, Journal of Hellenic Studies 118:155 1998.
  10. The Kings of Pontus: some problems of identity and date. Brian C. McGing, Rheinisches Museum für Philologie, Neue Folge, 129. Bd., H. 3/4 1986, pp. 248-259.
  11. The origins of the Pontic house. A. B. Bosworth, P. V. Wheatley, Journal of Hellenic Studies 118 1998.
  12. Pontische Mehrdeutigkeiten. Anca Dan, eTopoi Journal for Ancient Studies, Volume 3 (2014), p. 46.
  13. Pontische Mehrdeutigkeiten. Anca Dan, eTopoi Journal for Ancient Studies, Volume 3 (2014), p. 47.
  14. Pontische Mehrdeutigkeiten. Anca Dan, eTopoi Journal for Ancient Studies, Volume 3 (2014), p. 47.
  15. Pontische Mehrdeutigkeiten. Anca Dan, eTopoi Journal for Ancient Studies, Volume 3 (2014), p. 48.
  16. Pontische Mehrdeutigkeiten. Anca Dan, eTopoi Journal for Ancient Studies, Volume 3 (2014), p. 48.
  17. Studies in the archaeology of hellenistic Pontus: The settlements, monuments, and coinage of Mithradates VI and his predecessors. D. Burcu Arıkan Erciyas, Dissertation, University of Cincinnati, 2001, p. 78;Mithridates I–VI of Pontos. Georgy Kantor, The Encyclopedia of Ancient History, Volume VIII, pp. 4544–4545, Blackwell Publishing Ltd. 2013.
  18. Mithridates I–VI of Pontos. Georgy Kantor, The Encyclopedia of Ancient History, Volume VIII, p. 4545, Blackwell Publishing Ltd. 2013.
  19. Mithridates I–VI of Pontos. Georgy Kantor, The Encyclopedia of Ancient History, Volume VIII, p. 4545, Blackwell Publishing Ltd. 2013.
  20. George Synkellos erwähnt sogar zehn Könige, siehe dazu The Dynastic History of the Hellenistic Monarchies of Asia Minor According to the Chronography of George Synkellos. Oleg L. Gabelko, in Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Aarhus University Press, pp. 47–61, Århus 2009.
  21. Mithridates I–VI of Pontos. Georgy Kantor, The Encyclopedia of Ancient History, Volume VIII, p. 4545, Blackwell Publishing Ltd. 2013.
  22. Studies in the archaeology of hellenistic Pontus: The settlements, monuments, and coinage of Mithradates VI and his predecessors. D. Burcu Arıkan Erciyas, Dissertation, University of Cincinnati, 2001, pp. 80–82.
  23. Mithridates I–VI of Pontos. Georgy Kantor, The Encyclopedia of Ancient History, Volume VIII, pp. 4545–4546, Blackwell Publishing Ltd. 2013.
  24. Mithridates I–VI of Pontos. Georgy Kantor, The Encyclopedia of Ancient History, Volume VIII, pp. 4546, Blackwell Publishing Ltd. 2013.
  25. Bithynia et Pontus. Karl Strobel, A. Römische Zeit. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 2, Metzler, Stuttgart 1997, ISBN 3-476-01472-X, Sp. 700–702.
  26. Hellenisation and Romanisation in Pontos-Bithynia: An Overview. Christian Marek, in Mithridates VI and the Pontic Kingdom, Jakob Munk Højte, Aarhus University Press, p. 35, Århus 2009.
  27. Hellenisation and Romanisation in Pontos-Bithynia: An Overview. Christian Marek, in Mithridates VI and the Pontic Kingdom, Jakob Munk Højte, Aarhus University Press, p. 35, Århus 2009.
  28. Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Jakob Munk Højte, Aarhus University Press, pp. 7–8, Århus 2009.
  29. Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Jakob Munk Højte, Aarhus University Press, pp. 7–8, Århus 2009.
  30. The Dynastic History of the Hellenistic Monarchies of Asia Minor According to the Chronography of George Synkellos. Oleg L. Gabelko, in Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Aarhus University Press, Århus 2009; Studies in the archaeology of hellenistic Pontus: The settlements, monuments, and coinage of Mithradates VI and his predecessors. D. Burcu Arıkan Erciyas, Dissertation, University of Cincinnati, 2001, p.  78–83; The Kings of Pontus: some problems of identity and date. Brian C. McGing, Rheinisches Museum für Philologie, Neue Folge, 129. Bd., H. 3/4 1986.
  31. FGrH 244, F 82. Abgerufen am 4. April 2019.
  32. Mithradates Eupator, König von Pontos. Théodore Reinach, Leipzig 1895, S. 22.
  33. Fritz Geyer: Mithridates 9. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XV,2, Stuttgart 1932, Sp. 2161.
  34. The First Royal Coinages of Pontos (from Mithridates III to Mithridates V). François de Callataÿ, in Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Aarhus University Press, pp. 63–94, Århus 2009.
  35. The First Royal Coinages of Pontos (from Mithridates III to Mithridates V). François de Callataÿ, in Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Aarhus University Press, p.  66, Århus 2009.
  36. The First Royal Coinages of Pontos (from Mithridates III to Mithridates V). François de Callataÿ, in Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Aarhus University Press, p.  79, Århus 2009.
  37. The Search for Mithridates. Reception of Mithridates VI between the 15th and the 20th Centuries. Lâtife Summerer, in Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Aarhus University Press, p.  28, Århus 2009.
  38. Recent Studies on the Archaeology of Anatolia. Edited by Ergün Lafli, Sami Pataci, Oxford 2015, p. 279. ISBN 978 1 4073 1411 2.
  39. The Dynastic History of the Hellenistic Monarchies of Asia Minor According to the Chronography of George Synkellos. Oleg L. Gabelko, in Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Aarhus University Press, p. 47, Århus 2009.
  40. Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Jakob Munk Højte, Aarhus University Press, p. 7, Århus 2009.
  41. Hellenisation and Romanisation in Pontos-Bithynia: An Overview. Christian Marek, in Mithridates VI and the Pontic Kingdom, Jakob Munk Højte, Aarhus University Press, p. 35, Århus 2009.
  42. Mithridates VI and the Pontic Kingdom. Jakob Munk Højte, Aarhus University Press, p. 7, Århus 2009.