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Melanie Klein

österreichisch-britische Psychoanalytikerin
Melanie Klein, 1952
Melanie Klein, 1902
Melanie Klein, 1912
Gedenktafel für Melanie Klein in der Augsburger Straße 23, Berlin, aus der Reihe Mit Freud in Berlin

Melanie Klein, geborene Reizes (* 30. März 1882 in Wien, Österreich-Ungarn; † 22. September 1960 in London) war eine österreichisch-britische Psychoanalytikerin. Sie war eine der Pionierinnen der Kinderpsychoanalyse sowie der Objektbeziehungstheorie.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Melanie wurde als jüngstes von vier Kindern von Moritz und Libussa Reizes geboren. Ihr Vater war Arzt und entstammte einer orthodoxen jüdischen Familie aus Lemberg, ihre Mutter kam aus dem Gebiet der heutigen Slowakei. Melanies Geschwister waren Emilie, Emmanuel und Sidonie. 1886 starb die damals achtjährige Sidonie an Tuberkulose. Auch Emmanuel starb jung, im Alter von 25 Jahren.

Melanie wollte ursprünglich Medizin studieren, verfolgte dieses Ziel aber nicht weiter, nachdem sie sich 1899 mit Arthur Klein verlobt hatte. 1903 heirateten sie, kurz darauf wurde ihr Tochter Melitta geboren. 1907 folgte ihr Sohn Hans. Schon während der Schwangerschaft und auch danach war Melanie Klein depressiv verstimmt. 1914 wurde ihr Sohn Erich geboren. In dieser Zeit begann sie ihre Lehranalyse bei Sandor Ferenczi in Budapest. Sie beschäftigte sich intensiv mit der sich eben entwickelnden Psychoanalyse und begann auf Ferenczis Ermutigung hin, obwohl sie über keinerlei formale Ausbildung verfügte, ihren jüngsten Sohn zu analysieren. In den 20er Jahren lebte Melanie Klein in Berlin und unterzog sich einer weiteren Lehranalyse bei Karl Abraham. Von ihrem Ehemann lebte sie die meiste Zeit getrennt. Sie folgte 1926 der Einladung Ernest Jones, nach London zu kommen. Dort arbeitete sie bis zu ihrem Tod. Sie starb im Londoner University College Hospital an den Komplikationen einer Darmkrebserkrankung.

TheorieBearbeiten

Melanie Klein trug mit ihren Schriften zur Entwicklung der modernen Psychoanalyse und insbesondere zur Ausbildung der Objektbeziehungstheorie bei. Viel beachtet waren ihre Werke zur Psychoanalyse des Kindes. Während die Psychoanalyse Freuds einen starken Schwerpunkt auf das Konzept der Triebe legte und den Menschen damit vorwiegend als Einzelwesen verstand, lenkte Melanie Klein die Aufmerksamkeit verstärkt auf frühkindliche Entwicklungen und die Mutter-Kind-Interaktion. Sie vertrat den Gedanken, dass die Art und Weise, wie ein Mensch die Welt wahrnimmt und mit welchen Erwartungen er an sie herantritt, durch seine Beziehungen zu wichtigen, frühen Bezugspersonen („Objekten“) geprägt wird. Diese Objekte können geliebt oder gehasst werden. Hier glaubte Klein, dem Freudschen Triebkonzept von Libido und Todestrieb treu geblieben zu sein. Freud hingegen sah sie als Abweichlerin.

Kleins Kontroverse mit Anna Freud spaltete die psychoanalytische Landschaft Großbritanniens in den 1940er und 1950er Jahren in zwei feindliche Lager, worauf sich als drittes Lager die Middle Group etablierte. Deren Vertreter bezeichneten sich auch als Neutrals oder Independents.

TherapieBearbeiten

Melanie Klein entwickelte eine Psychoanalyse für Kinder, bei der das freie Assoziieren der Erwachsenenanalyse durch Spielen und andere kindgerechte Ausdrucksformen (z. B. Zeichnen) ersetzt wurde. Sie ging davon aus, dass Kinder ihre inneren Konflikte im Spiel ausdrücken, und dass es dem Analytiker möglich ist, durch Beobachten des Spiels diese Konflikte zu erschließen und zu deuten.

WerkeBearbeiten

  • Gesammelte Schriften, Frommann-Holzboog, Stuttgart
    1. Schriften 1920–1945, Teil 1, 1995, ISBN 3-7728-1674-6
    2. Schriften 1920–1945, Teil 2, 1996, ISBN 3-7728-1675-4
    3. Die Psychoanalyse des Kindes, 1997, ISBN 3-7728-1676-2
    4. Schriften 1946–1963, 2000, ISBN 3-7728-1677-0
    5. Darstellung einer Kinderanalyse, Teil 1, 2002, ISBN 3-7728-1678-9
    6. Darstellung einer Kinderanalyse, Teil 2, 2002, ISBN 3-7728-1691-6
  • Ein Kind entwickelt sich. Methoden und Technik der Kinderpsychoanalyse. Kindler, München 1981.
  • Die Psychoanalyse des Kindes. Kindler, München 1973.
  • Der Fall Richard. Das vollständige Protokoll einer Kinderanalyse, durchgeführt von Melanie Klein. Kindler, München 1975.
  • Das Seelenleben des Kleinkindes und andere Beiträge zur Psychoanalyse. Klett-Cotta, Stuttgart 2001, ISBN 3-608-95107-5
  • Seelische Urkonflikte. Liebe, Hass und Schuldgefühl. (Mit Joan Riviere.) Fischer Wissenschaft, Frankfurt/M, 1992.
  • Love, Guilt and Reparation and other works 1921-1945. Vintage, 1998.

LiteraturBearbeiten

  • Elizabeth Bott Spillius (Hrsg.): Melanie Klein heute. Entwicklungen in Theorie und Praxis. 2 Bände. 3. Auflage. Klett-Cotta, Stuttgart 2002.
    1. Beiträge zur Theorie. ISBN 3-608-95985-8.
    2. Anwendungen. ISBN 3-608-95986-6.
  • Ronald Britton, Michael Feldman, Edna O’Shaugnessy: Der Ödipuskomplex in der Schule Melanie Kleins. Klinische Beiträge. Klett-Cotta, Stuttgart 1998.
  • Robert Caper: Seelische Wirklichkeit. Von Freud zu Melanie Klein. Klett-Cotta, Stuttgart 2000.
  • Claudia Frank: Melanie Klein in Berlin. Her First Psychoanalyses of Children. Routledge, London 2009.
  • Claudia Frank, Heinz Weiß (Hrsg.): Kleinianische Theorie in klinischer Praxis. Klett-Cotta, Stuttgart 2002.
  • Robert D. Hinshelwood: Die Praxis der kleinianischen Psychoanalyse. Verlag Internationale Psychoanalyse, Stuttgart 1997.
  • Robert D. Hinshelwood: Wörterbuch der kleinianischen Psychoanalyse. 2. Auflage. Klett-Cotta, Stuttgart 2004.
  • Phyllis Grosskurth: Melanie Klein, ihre Welt und ihr Werk. Verlag Internationale Psychoanalyse, Stuttgart 1993, ISBN 3-608-95902-5 (ausführliche Biographie mit Werkverzeichnis).
  • Pearl King, Ricardo Steiner (Hrsg.): Die Freud/Klein-Kontroversen 1941–1945. 2 Bände. Klett-Cotta, Stuttgart 1991.
  • Adam Limentani: Zwischen Anna Freud und Melanie Klein. Für eine Integration zweier kontroverser Ansätze. Klett-Cotta, Stuttgart 1993.
  • Julia Kristeva: Das weibliche Genie Melanie Klein: Das Leben, der Wahn, die Wörter. Psychosozial, Gießen 2008.
  • Karl und Ruth Mätzler (Hrsg.): Sexualität in der kleinianischen Psychoanalyse (= Veröffentlichungen des Klein-Seminars Salzburg. Band 1). Kimmerle-Diskord, Tübingen 2005, ISBN 3-89295-753-3.
  • Isca Salzberger-Wittenberg: Psychoanalytisches Verstehen von Beziehungen. Ein Kleinianischer Ansatz. Facultas, Wien 2002.
  • Hanna Segal: Melanie Klein. Eine Einführung in ihr Werk. Kimmerle-Diskord, Tübingen 2004 ISBN 3-89295-742-8 (Einführung in das Werk durch eine enge Schülerin Kleins).
  • Elisabeth Vorspohl: Melanie Klein In: Hans Erler u. a. (Hrsg.): „Meinetwegen ist die Welt erschaffen.“ Das intellektuelle Vermächtnis des deutschsprachigen Judentums. 58 Portraits. Campus, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-593-35842-5, S. 179–185.
  • Nicholas Wright: Mrs. Klein. Nick Hern Books, London 2009 (Bühnenstück, das im Frühjahr 1934 spielt und sich auf die drei Protagonistinnen Melanie Klein, ihre Privatsekretärin Paula Heimann und ihre Tochter Melitta fokussiert).

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Melanie Klein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien