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Lospalos (Verwaltungsamt)

Verwaltungsamt in Osttimor
Verwaltungsamt Lospalos
Lospalos (Verwaltungsamt) (Osttimor)
Red pog.svg
Feuchtgebiet westlich der Stadt Lospalos
Verwaltungssitz Lospalos
Fläche 734,36 km²[1]
Einwohnerzahl 31.164 (2015)[1]
Sucos Einwohner (2015)[1]
Bauro 2.432
Cacavei 974
Fuiloro 16.701
Home 1.933
Leuro 812
Lore I 2.589
Lore II 811
Muapitine 1.763
Raça 1.162
Souro 1.987
Übersichtskarte
Lospalos im Zentrum der Gemeinde Lautém

Lospalos ist ein osttimoresisches Verwaltungsamt (portugiesisch Posto Administrativo) in der Gemeinde Lautém. Der Sitz der Verwaltung befindet sich im Suco Fuiloro im Ort Lospalos.[2]

GeographieBearbeiten

 
Die Sucos des Verwaltungsamts Lospalos (Grenzen von vor 2015)

Bis 2014 wurden die Verwaltungsämter noch als Subdistrikte bezeichnet. Vor der Gebietsreform 2015 hatte Lospalos eine Fläche von 623,93 km².[3] Nun sind es 734,36 km². Es ist flächenmäßig das größte Verwaltungsamt des Landes.[1]

Lospalos teilt sich in zehn Sucos: Bauro, Cacavei (Cacaven, Cacavem), Home, Fuiloro, Leuro, Lore I (Loré I), Lore II (Loré II), Muapitine, Raça (Raca) und Souro.

Im Osten grenzt das in der Mitte der Gemeinde Lautém liegende Lospalos an das Verwaltungsamt Tutuala, im Norden und Westen an Lautém, im Südwesten an Iliomar und im Süden an die Timorsee.

Der Nordosten des Verwaltungsamts ist Teil des Fuiloro-Plateaus, das aufgrund seiner Größe unmerklich von Nord nach Süd von 700 auf 500 m Höhe über dem Meer absinkt. Es ist das Überbleibsel einer urzeitlichen Lagune. In Lore I gibt es einen relativ intakten Wald. Hier finden sich Teak, Sandelholz und Bambus.

Der Suco Muapitine liegt am Südufer des Lagoa Ira Lalaro (auch Suro-bec), der mit 6,5 km Länge und 3 km Breite der größte See Osttimors ist. Aus ihm fließt in Richtung Süden der Irasiquero, der vor der Gebirgskette des Paitchau im Mainina-Loch, einem Ponor verschwindet.[4] Nahe dem See befindet sich die Kalksteinhöhle Puropoko, in der sich unter anderem Fledermäuse und die endemische Geißelspinnenart Sarax timorensis finden lassen.[5]

EinwohnerBearbeiten

Das Verwaltungsamt hat 31.164 Einwohner (2015), davon sind 15.299 Männer und 15.865 Frauen. Die Bevölkerungsdichte beträgt 42,4 Einwohner/km².[1] Die größte Sprachgruppe bilden die Sprecher der Nationalsprache Fataluku. Der Altersdurchschnitt beträgt 17,1 Jahre (2010,[3] 2004: 16,8 Jahre[7]).

GeschichteBearbeiten

 
Ein Lee-teinu, ein traditionelles heiliges Haus

Die ersten Europäer im Gebiet der Gemeinde Lautém waren die Portugiesen, die im heutigen Suco Lore I im 17. oder 18. Jahrhundert ein Fort errichteten.

Am 3. Februar 1976 nahmen indonesische Truppen Lospalos ein. Zwischen dem 5. und 8. August 1983 desertierten Hunderte von Mitgliedern von bewaffneten pro-indonesischen Milizen (Wanra, Hansip) aus Mehara, Lore, Leuro und Serelau und schlossen sich der FALINTIL an. In ihren Heimatorten führten die Indonesier Strafaktionen durch. Hunderte Frauen und andere Zurückgebliebene wurden auf Lastwagen zusammengetrieben und für mehrere Monate interniert. Es kam zu Folterungen und Vergewaltigungen. Später wurden mehrere hundert Familien auf die Insel Atauro zwangsumgesiedelt.[8]

Am 7. Dezember 1983 wurden fünf Anhänger der FALINTIL in Muapitine öffentlich hingerichtet.[9]

Am 29. Mai 1997 fanden Wahlen statt, bei denen Vertreter Osttimors für das indonesische Parlament gewählt werden sollten. Im Umfeld kam es landesweit zu mehreren Attacken auf die indonesische Besatzungsmacht und ihre Unterstützer. In Lospalos wurden der Bruder des Chefs des Distriktsparlaments und einige Lehrer erschossen. Zuvor hatten die Guerilleros in Muapitine drei Menschen ermordet.[10]

Der „Lospalos-Fall“Bearbeiten

 
Mahnmal für die durch die indonesische Armee 1999 ermordeten Einwohner von Lospalos

Unter dem Lospalos-Fall (englisch Lospalos Case) versteht man eine Reihe von Verbrechen während der Krise in Osttimor 1999, die von der pro-indonesischen Miliz Team Alfa und dem indonesischen Infanteriebataillon 745 zwischen dem 21. April und 25. September 1999 in Lospalos an der Zivilbevölkerung verübt wurden. Dazu gehören ein Massaker an neun Personen am 25. September; fünf Mitglieder eines religiösen Ordens (die Nonnen Erminia Cazzaniga und Celeste de Carvalho Pinto, der Priester Jacinto Xavier, zwei Seminaristen), die Krankenschwester Dora, ein weiterer Kirchenangestellter, der jugendliche Messdiener Rudy und der Journalist Agus; und die Ermordung von 13 weiteren Personen durch das indonesische Militär.

Ein Sondergericht in Dili verurteilte zehn Männer am 11. Dezember 2001 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, inklusive Mord, Folter, Deportation und Vertreibung von Zivilpersonen in Lospalos. Das Sondergericht befand, dass es 1999, auf Anweisung der indonesischen Armee, eine weit verbreitete und systematische Gewaltkampagne gegen die Zivilbevölkerung gegeben hat. Behauptungen der Angeklagten, dass es ihnen nicht bewusst war, dass ihre Taten Teil der Kampagne waren, wurde widersprochen.

Es kam damals zu fünf Vorfällen. Beim ersten Vorfall wurde ein Unabhängigkeitsbefürworter gefoltert und ermordet. Die fünf dafür Angeklagten wurden alle hier der Folter für schuldig gesprochen, nur zwei des Mordes. Alle Verdächtigen, die für einen Hinterhalt und den Mord an der Gruppe von Klerikern am 25. September 1999 angeklagt waren, wurden für schuldig befunden. Sie erhielten dafür zwischen 17 und 19 Jahren Gefängnis.

Joni Marques, ein Team Alfa Miliz Commander, gestand während des Verfahrens mehrere Straftaten. Trotzdem erhielt er die höchste Einzelstrafe. Zwar erlaubt das osttimoresischen Recht nur eine maximale Strafe von 25 Jahren Gefängnis, hier wurde aber die Strafe nach indonesischem Recht für mehrfache Vergehen berechnet.

Die Gesamtstrafen lauten wie folgt:

  • Joni Marques: 33 Jahre, 4 Monate
  • Manuel da Costa: 19 Jahre
  • João da Costa: 33 Jahre, 4 Monate
  • Paulo da Costa: 33 Jahre, 4 Monate
  • Amelio da Costa: 18 Jahre
  • Alarico Fernandes: 4 Jahre
  • Gonsalo dos Santos: 23 Jahre
  • Hilario da Silva: 17 Jahre
  • Gilberto Fernandes: 5 Jahre
  • Mautersa Monis: 4 Jahre

Richter waren der Vorsitzende Marcelo Dolany da Costa (Brasilien), Sylver Ntukamazina (Burundi) und Maria Natercia Gusmão Pereira (Osttimor). Das Gericht hörte während des Verfahrens vom 3. Juli bis zum 11. Dezember 30 Zeugen.

Die Haftstrafen von Joni Marques, João und Paulo da Costa wurden 2004 von Staatspräsident Xanana Gusmão um neun Jahre gekürzt und 2008 von dessen Nachfolger José Ramos-Horta zum sechsten Unabhängigkeitstag auf die Hälfte gekürzt.[11]

PolitikBearbeiten

Der Administrator des Verwaltungsamts wird von der Zentralregierung in Dili ernannt. 2015 war dies Domingos dos Santos.[12]

WirtschaftBearbeiten

 
Markt zwischen Fuiloro und Lospalos in Kural

Die ebene sowie leicht hügelige Landschaft eignet sich gut zum Anbau von Reis, Mais und anderem Getreide. 60 % der Haushalte in Lospalos bauen Mais an, 51 % Maniok, 48 % Kokosnüsse, 41 % Gemüse, 11 % Reis und 14 % Kaffee.[13] Auch Viehhaltung ist hier üblich. Fischerei ist an der Küste von Lore I möglich, es fehlt nur an Booten und Wissen.

PersönlichkeitenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Lospalos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikivoyage: Lospalos – Reiseführer

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Direcção-Geral de Estatística: Ergebnisse der Volkszählung von 2015, abgerufen am 23. November 2016.
  2. Jornal da República: Diploma Ministerial n.o 24/2014 de 24 de Julho – Orgânica dos Postos Administrativos (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)
  3. a b Direcção Nacional de Estatística: 2010 Census Wall Chart (English) (Memento des Originals vom 12. August 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/dne.mof.gov.tl (PDF; 2,5 MB)
  4. Hydrotimor: Iralalaru – Iralalaru Water Flow (Memento vom 10. Januar 2011 im Internet Archive) (englisch)
  5. Gustavo Silva de Miranda & Ana Sofia Reboleira: Amblypygids of Timor-Leste: first records of the order from the country with the description of a remarkable new species of Sarax (Arachnida, Amblypygi, Charinidae). ZooKeys, N°820, S. 1–12, 2019.
  6. a b c Seeds of Life
  7. Direcção Nacional de Estatística: Census of Population and Housing Atlas 2004 (Memento vom 13. November 2012 im Internet Archive) (PDF; 14 MB)
  8. „Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (Memento des Originals vom 28. November 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cavr-timorleste.org (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  9. „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“, S. 183 ff., (PDF; 2,5 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  10. (INDONESIA-L) HRW/ASIA – East Timor Guerrilla Attacks : East Timor Guerrilla Attacks vom 4. Juni 1997 (Memento vom 19. September 2006 im Internet Archive)
  11. The Age, 23. Mai 2008, Ramos Horta cuts jail terms for militia
  12. Ministério da Administração Estatal: Administração Municipal (Memento des Originals vom 1. Juni 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.estatal.gov.tl
  13. Direcção Nacional de Estatística: Suco Report Volume 4 (englisch) (Memento des Originals vom 9. April 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/dne.mof.gov.tl (PDF; 9,8 MB)

Koordinaten: 8° 31′ S, 127° 2′ O