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Lautém (Verwaltungsamt)

Verwaltungsamt in der Gemeinde Lautém
Verwaltungsamt Lautém
Lautém (Verwaltungsamt) (Osttimor)
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Sekundärwald und Buschland auf dem Assalaino-Plateau an der Grenze zwischen Com und Parlamento
Verwaltungssitz Parlamento
Fläche 454,90 km²[1]
Einwohnerzahl 15.989 (2015)[1]
Sucos Einwohner (2015)[1]
Baduro 977
Com 2.353
Daudere 1.677
Euquisi 931
Ililai 998
Maina I 1.362
Maina II 1.951
Pairara 2.164
Parlamento 2.342
Serelau 1.234
Übersichtskarte
Lautém im Norden der gleichnamigen Gemeinde

Lautém (auch: Lautém Moro) ist ein osttimoresisches Verwaltungsamt (portugiesisch Posto Administrativo) in der Gemeinde Lautém. Der Sitz der Verwaltung befindet sich im Suco Parlamento.[2]

GeographieBearbeiten

 
Grüne Palmyrapalmen dominieren das Tal des Raumocos inmitten der vertrockneten Hügeln im Oktober.

Bis 2014 wurden die Verwaltungsämter noch als Subdistrikte bezeichnet.

Lautém liegt an der Nordküste der gleichnamigen Gemeinde an der Bandasee. Im Westen grenzt es an das Verwaltungsamt Laga (Gemeinde Baucau), im Süden an die Verwaltungsämter Luro und Lospalos und im Osten an Tutuala (alle drei Gemeinde Lautém). Das Verwaltungsamt Lautém teilt sich in zehn Sucos: Baduro, Com, Daudere (Daudare), Euquisi (Eukisi), Ililai, Maina I, Maina II, Pairara, Parlamento und Serelau. Vor der Gebietsreform 2015 hatte Lautém eine Fläche von 448,38 km².[3] Nun sind es 454,90 km². Teile vom Verwaltungsamt Luro wurden Lautéms Suco Daudere zugeschlagen.[1]

Der Lalubuilana bildet im Westen den Grenzfluss zu Laga. Die Flüsse Dasidara, Raumoco und Malailada durchqueren das Verwaltungsamt und münden in die Bandasee. Das Kap Ponta Luturo Váti im Osten bildet den nördlichsten Punkt der Insel Timor. Der Suco Com ist Teil des Nationalparks Nino Konis Santana.

EinwohnerBearbeiten

Im Verwaltungsamt leben 15.989 Menschen (2015), davon sind 7.897 Männer und 8.092 Frauen. Die Bevölkerungsdichte beträgt 35,1 Einwohner/km².[1] Die größte Sprachgruppe bilden die Sprecher der Nationalsprache Fataluku. In Ililai, im Westen des Verwaltungsamts, wird Makasae gesprochen. Der Altersdurchschnitt beträgt 17,1 Jahre (2010,[3] 2004: 16,4 Jahre[5]).

GeschichteBearbeiten

 
Portugiesisches Fort in Lautém
 
Gedenkkreuz für die Opfer vom 25. September 1999

In der Nähe des Orts Lautém wurden Höhlenzeichnungen gefunden, die einige Tausend Jahre alt sein dürften. Eine genaue Datierung ist noch nicht erfolgt.

2015 entdeckte man beim Bau eines Hauses am Fluss Raumoco in Daudere eine Bronzetrommeln der Dong-Son-Kultur aus dem Gebiet des heutigen Vietnams. Das 80 kg schwere und ungefähr 2000 Jahre alte Artefakt ist eine der am besten erhaltenen von nur etwa 20 Bronzetrommeln, die man in Südostasien entlang der alten Schifffahrtswege fand.[6]

In Malailada befand sich das historische Reich von Sarau, das im Gebiet der heutigen Gemeinde Lautém im 18. und 19. Jahrhundert zu den dominierenden Reichen gehörte.[7]

Ein Überbleibsel aus der Kolonialzeit ist im Ort Lautém eine portugiesische Residenz aus dem 18. oder 19. Jahrhundert, die von Gärten mit Brunnen umgeben ist. Daneben stehen auf dem Hügel eine ehemalige Kirche, Gebäude für die Dienerschaft und Baracken. Von hier aus kann man bis zur Bandasee blicken. Umgeben ist das Areal von einer Mauer, in der man noch die Schießscharten für die Kanonen sehen kann. Auch die japanischen Besatzer, während des Zweiten Weltkriegs, hinterließen in der Residenz ihre Spuren.

Am 7. Februar 1944 bombardierten 14 B-24 der australischen Luftwaffe die Japaner im Ort Lautém.

Nach der Unabhängigkeitserklärung Osttimors 1975 begann Indonesien mit einer großangelegten Invasion in das Nachbarland. Bis Oktober 1976 war auch der Ort Lautém und die Verbindungsstraße Richtung Lospalos unter indonesischer Kontrolle, doch erst 1977 wurde Osttimor auch in der Fläche besetzt. Im selben Jahr ergaben sich auch die Einwohner von Com dem indonesischen Bataillon 512. Sie wurden sofort am Strand für eine Woche interniert und dann nach Parlameno deportiert, wo sie mit anderen internierten Zivilisten aus dem gesamten damaligen Distrikt Lautém zusammengelegt wurden. Keiner der 2.000 Gefangenen durfte sich vom Lager mehr als 100 Meter entfernen, eine Versorgung mit Lebensmittel durch die Streitkräfte Indonesiens erfolgte nicht. Täglich starben zwei bis fünf Menschen. Nur wenn ein indonesisches Kriegsschiff im Hafen von Lautém anlegte, erhielten einige Internierte zwei Dosen Reis pro Tag für ihre Arbeit beim Entladen des Schiffes.[8]

Bei der indonesischen Operation Donner 1999 wurden alle öffentlichen Einrichtungen zerstört. Am 25. September 1999 ermordeten Mitglieder der pro-indonesischen Miliz Team Alfa unter Führung von Joni Marques bei der Straße von Lautém nach Baucau, am Fluss Malailada, neun Personen. Unter den Opfern waren zwei Nonnen, drei Pater und ein indonesischer Journalist.[9]

PolitikBearbeiten

Der Administrator des Verwaltungsamts wird von der Zentralregierung in Dili ernannt. 2015 war dies Mateus Pinto.[10]

In der indonesischen Besatzungszeit war Edmundo de Conceição Silva bereits in den 1970er Jahren Chef (Camat) des damaligen Subdistrikts.[11]

WirtschaftBearbeiten

50 % der Haushalte in Lautém bauen Mais an, 43 % Kokosnüsse, 40 % Maniok, ebenso viele Gemüse und 9 % Reis.[12]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Lautém – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Direcção-Geral de Estatística: Ergebnisse der Volkszählung von 2015, abgerufen am 23. November 2016.
  2. Jornal da República: Diploma Ministerial n.o 24/2014 de 24 de Julho – Orgânica dos Postos Administrativos (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)
  3. a b Direcção Nacional de Estatística: 2010 Census Wall Chart (English) (Memento des Originals vom 12. August 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/dne.mof.gov.tl (PDF; 2,5 MB)
  4. a b c Seeds of Life
  5. Direcção Nacional de Estatística: Census of Population and Housing Atlas 2004 (Memento vom 13. November 2012 im Internet Archive) (PDF; 14 MB)
  6. Sapo.tl: Tambor Dong Son vietnamita com cerca de 2000 anos encontrado em Timor-Leste, 18. November 2015, abgerufen am 18. November 2015.
  7. Andrew McWilliam: Harbouring Traditions in East Timor: Marginality in a Lowland Entrepˆot (Memento des Originals vom 13. August 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cultura.gov.tl (PDF; 373 kB)
  8. „Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (Memento des Originals vom 28. November 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cavr-timorleste.org (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  9. 07.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances (Memento des Originals vom 25. März 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cavr-timorleste.org (PDF; 2,5 MB) aus dem Abschlussbericht „Chega!“ der CAVR (englisch)
  10. Ministério da Administração Estatal: Administração Municipal (Memento des Originals vom 1. Juni 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.estatal.gov.tl
  11. „Part 4: Regime of Occupation“, S. 21 (PDF; 563 kB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  12. Direcção Nacional de Estatística: Suco Report Volume 4 (englisch) (Memento des Originals vom 9. April 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/dne.mof.gov.tl (PDF; 9,8 MB)

Koordinaten: 8° 23′ S, 126° 54′ O