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Lorchhausen, auch Lorchhausen im Rheingau, ist ein Stadtteil der Stadt Lorch und Grenzort zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz. Lorchhausen ist die westlichste und mit 75 Meter über NN am Rheinufer die am tiefsten gelegene Ortschaft von ganz Hessen.

Lorchhausen
Stadt Lorch
Wappen von Lorchhausen
Koordinaten: 50° 3′ 7″ N, 7° 46′ 59″ O
Höhe: 117 m ü. NHN
Einwohner: 789 (1970)
Eingemeindung: 1. Oktober 1971
Postleitzahl: 65391
Vorwahl: 06726
Lorchhausen vom linken Rheinufer her gesehen, links St. Bonifatius, rechts die Clemenskapelle
Blick von den Weinbergen auf das darunterliegende Lorchhausen

GeographieBearbeiten

LageBearbeiten

Lorchhausen liegt am rechten Ufer des Rheins bei Stromkilometer 542 an der Mündung des 3,2 Kilometer langen Retzbachs und gilt als Tor zum Rheingau. Die Häuser der Ortschaft drängen sich am Fuß der steil aufragenden Felsabhänge des Rheinischen Schiefergebirges entlang des Rheinufers und im unteren Retzbachtal, das bis in die Nähe der höchsten Erhebung der Lorchhausener Gemarkung reicht, der 422 Meter hohen Silbergrube. Außer dem Retzbachtal hat die Gemarkung noch Anteil an dem Niedertal, das für Jahrhunderte die Grenze zwischen dem Rheingau und der Kurpfalz war. Nach dem Zweiten Weltkrieg war hier die Zonengrenze zwischen der Amerikanischen Besatzungszone, zu der Lorchhausen gehörte, und der Französischen Besatzungszone. Zugleich wurde das Niedertal zur Landesgrenze zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz. Im Osten fällt der Lorchhausener Wald ab bis zur Gemarkungsgrenze im Tiefenbachtal und umfasst dort die Ruine Waldeck, der Sauerburg benachbart gelegen.[1]

NachbargemeindenBearbeiten

Die Gemarkungsgrenze von Lorchhausen liegt im Westen in der Fahrrinne des Rheins, dort zugleich als Landesgrenze nach Rheinland-Pfalz. Am gegenüberliegenden Ufer liegen Bacharach und Oberdiebach. Nachbarorte im Norden sind Kaub und Sauerthal. Im Osten und Süden schließt die Gemarkung der Kernstadt Lorch an. Die Bebauung von Lorchhausen und Lorch ist nach dem Zweiten Weltkrieg entlang des Rheinufers nach und nach zusammengewachsen.[1]

GeschichteBearbeiten

Lorchhausen wurde im Jahr 1211 in einem Güterverzeichnis des Klosters Eberbach erstmals urkundlich erwähnt und bildete als Siedlung von Lorcher Edelknappen bis 1773 mit Lorch eine Gemeinde. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss kam Lorchhausen im Jahre 1803 an das Fürstentum Nassau-Usingen, das ab 1806 durch Napoleon I. zum Herzogtum Nassau erhoben wurde. 1866 wurde Lorchhausen, wie ganz Nassau, dem Königreich Preußen einverleibt und war Teil der Provinz Hessen-Nassau.

Nach dem Ersten Weltkrieg befand sich der Ort in einem kleinen Gebiet, dem Freistaat Flaschenhals zwischen den Besatzungszonen der Amerikaner und Franzosen. Das Gebiet bestand von 1919 bis 1923.

Seit 1946 ist der Ort Teil des von den Amerikanern gegründeten Landes Hessen. Am 1. Oktober 1971 erfolgte im Rahmen der Gebietsreform in Hessen der erneute Zusammenschluss mit Lorch.[2]

WappenBearbeiten

Der Gemeinde Lorchhausen im Rheingaukreis ist am 6. Mai 1958 vom Hessischen Minister des Innern ein Wappen mit folgender Blasonierung genehmigt worden:

In Rot eine aufgeschlagene silberne Bibel durchbohrt von einem schwarzen Schwert.[3]

1973 wurde es, durch ein gemeinsam gestaltetes Wappen, des Ortes Lorchhausen und der Stadt Lorch, im Zuge des freiwilligen Zusammenschlusses abgelöst und am 28. Februar 1973 vom Hessischen Minister des Innern mit folgender Blasonierung genehmigt:

Schild im Verhältnis 2:1 gespalten: Vorn in Rot zwei silberne Räder übereinander, getrennt durch einen waagerechten goldenen Balken; hinten in Silber ein rotes Schwert auf weißem Grund.[4]

Im neue Wappen steht das Schwert für die durchstochene St. Bonifatius Bibel aber auch für das Schwert des Mantelteilenden St. Martins aus dem alten Lorcher Wappen. Das Mainzer Rad steht für die Jahrhunderte lange Zugehörigkeit zum Kurfürstentum Mainz, für das Land Hessen stehen die Farben rot und weiß.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Lorchhausen Pfarrkirche St. Bonifatius und Clemenskapelle

siehe auch Stadtteil Lorchhausen in der Liste der Kulturdenkmäler in Lorch (Rheingau)

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

WeinbauBearbeiten

Lorchhausen ist ein traditionsreicher Weinbauort im Anbaugebiet Rheingau mit rund 20 Hektar Rebfläche, die überwiegend mit den Rieslingreben, aber auch mit Spätburgunder bestockt ist. Hier beginnt die Rheingauer Rieslingroute, die von hier nach Osten bis Wicker durch alle Rheingauer Weinbaugemeinden führt.[5]

VerkehrBearbeiten

Die Verkehrsanbindung von Lorchhausen erfolgt straßenseitig ausschließlich durch die Bundesstraße 42, die direkt am Rheinufer verläuft.

Am 1. Mai 1906 (Beginn des Sommerfahrplanes für dieses Jahr) ging der Haltepunkt Lorchhausen an der Rechten Rheinstrecke in Betrieb.[6] Bei starkem Rheinhochwasser wie 1988 und 1993, als die Bundesstraße überflutet war, war die Eisenbahn die einzige Anbindung, die genutzt werden konnte.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Lorchhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Topografische Karte 1:25.000
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 375.
  3. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Lorchhausen im Rheingaukreis, Regierungsbezirk Wiesbaden vom 6. Mai 1958. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1958 Nr. 20, S. 557, Punkt 482 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,4 MB]).
  4. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens der Stadt Lorch, Rheingaukreis vom 28. Februar 1973. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1973 Nr. 12, S. 541, Punkt 401 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 4,1 MB]).
  5. Rheingauer Weinbauverband: Rheingauer Riesling Route (Memento vom 29. April 2012 im Internet Archive)
  6. Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 28. April. 1906, Nr. 24. Nachrichten, S. 229f.