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Kleinliebenau ist ein Ortsteil der Stadt Schkeuditz im Landkreis Nordsachsen.

Kleinliebenau
Koordinaten: 51° 22′ 17″ N, 12° 12′ 8″ O
Höhe: 94 m ü. NHN
Einwohner: 154 (31. Dez. 2015)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1957
Eingemeindet nach: Dölzig
Postleitzahl: 04435
Vorwahl: 034205
Kleinliebenau (Sachsen)
Kleinliebenau

Lage von Kleinliebenau in Sachsen

GeografieBearbeiten

 
Autobahnsee Kleinliebenau

Das Straßendorf liegt südwestlich des Schkeuditzer Stadtzentrums an der Grenze zur Stadt Leuna in Sachsen-Anhalt. Westlich der Ortslage befindet sich der Autobahnsee mit einem Campingplatz nahe der namensgebenden Bundesautobahn 9. Über die östlich von Kleinliebenau verlaufende Bundesstraße 186 können die beiden Autobahnanschlussstellen 16 Großkugel im Norden und 17 Leipzig-West im Süden erreicht werden. Durch den Ort verläuft die von der Bundesstraße abzweigende Staatsstraße 178 in Ost-West-Richtung, die jenseits der Landesgrenze in Sachsen-Anhalt als (gleichrangige) Landesstraße 185 weiterführt. Südlich des Dorfes befindet sich ein Kiestagebau.

Nördlich der Ortslage zweigt die Luppe kurz vor der Mündung der kanalisierten Neuen Luppe in die Weiße Elster als naturnaher Unterlauf ab.

Umgebende Orte sind Wehlitz im Norden, die Schkeuditzer Innenstadt im Nordosten, Dölzig im Süden und jenseits der Landesgrenze Möritzsch und Kötschlitz im Südwesten, Horburg im Westen und Maßlau im Nordwesten. Östlich liegt das Ausflugslokal Domholzschänke im Leipziger Auwald.

GeschichteBearbeiten

 
Rittergutskirche Kleinliebenau

Das Dorf Kleinliebenau wurde im Jahr 1307 als parvum Lyuenow urkundlich erwähnt, zwei Jahre später fand die Kirche Erwähnung in einer Urkunde des Merseburger Bischofs Heinrich IV. Eine Sakramentnische mit einem Bildnis des Heiligen Nikolaus als Schutzpatron der Kaufleute deutet an, dass diese auf dem Weg in die Stadt Leipzig durch Kleinliebenau kamen.

Im Dorf bestand spätestens im 16. Jahrhundert ein Rittergut, das die Grundherrschaft über den Ort ausübte. Kleinliebenau lag im hochstiftlich-merseburgischen Amt Schkeuditz, das seit 1561 unter kursächsischer Hoheit stand und zwischen 1656/57 und 1738 zum Sekundogenitur-Fürstentum Sachsen-Merseburg gehörte.[2] Nach den für das Königreich Sachsen verlorenen napoleonischen Kriegen und den im Wiener Kongress auferlegten Gebietsabtretungen 1816 kam Kleinliebenau mit dem Westteil des Amts Schkeuditz zum Landkreis Merseburg in der preußischen Provinz Sachsen.

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs war die Region amerikanisch besetzt. Nachdem sich die Amerikaner zurückzogen, lag der Ort in der Sowjetischen Besatzungszone. Das danach neu gebildete Land Sachsen-Anhalt wurde 1952 im Rahmen der Verwaltungsreform in der DDR aufgelöst und Kleinliebenau kam zum Kreis Leipzig-Land im Bezirk Leipzig. Wenig später wurde der Ort zum 1. Januar 1957 nach Dölzig eingemeindet. Mit Dölzig kam Kleinliebenau 1994 zur Gemeinde Bienitz und nach deren Auflösung am 1. Januar 2000 zur Stadt Schkeuditz.

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner
1818[3] 133
1880 160
1895 155
1910 135
1925 151
1939 123
1946 177
1950 191
2006[4] 144
2011 159
2013 151
2015 154

Im Jahr 1568 wirtschafteten in Kleinliebenau 14 besessene Mann. Rund zwei Jahrhunderte später lag die Zahl der Wirtschaften 1764, ein Jahr nach Ende des Siebenjährigen Krieges, noch immer bei 14, allerdings setzte sie sich aus 2 besessenen Mann und 12 Häuslern zusammen. Im Jahr 1806 gab es keine Bauern mehr, dafür war die Zahl der Häusler auf 18 angestiegen.

Von der ersten gleichen Bevölkerungserhebung im Jahr 1818 stieg die Einwohnerzahl bis 1880 von 133 auf 160, davon 105 in der Landgemeinde und 55 im gleichnamigen Gutsbezirk. Bis zum Zweiten Weltkrieg fiel die Einwohnerzahl auf 123 ab, stieg in den ersten Nachkriegsjahren allerdings auf knapp 200.

Seit der Eingemeindung werden keine amtlichen Einwohnerzahlen mehr für Kleinliebenau ausgewiesen. Von der Stadt Schkeuditz veröffentlichte Zahlen zeigen, dass die Einwohnerzahl in den Jahren 2007 bis 2011 von 144 um rund 10 % auf 159 stieg, in den darauffolgenden zwei Jahren allerdings ein Rückgang zu verzeichnen war.

Mit 154 gemeldeten Hauptwohnsitzen (2015) liegt die Einwohnerzahl auf dem Niveau der Zwischenkriegszeit.

OrtsnameBearbeiten

Urkundliche Formen des Ortsnamens umfassen parvum Lyuenow (1307), Wenigen Libenaw (1431), Kleyn Liebenaw (1545) und Klein Liebenau (1791).

Erdbeben 2017Bearbeiten

In der Nacht des 29. April 2017 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 3 die Leipziger Region, das Epizentrum lag bei Kleinliebenau.[5]

WirtschaftBearbeiten

 
Kieswerk, vom Damm des Elster-Saale-Kanals aus gesehen

Die Radmer Bau Kieswerke GmbH & Co. betreibt im Südosten von Kleinliebenau ein Kieswerk, welches ab 2017 auf Grund des auslaufenden Betriebsrahmenplanes seinen Betrieb vorerst einstellen muss.[6]

KircheBearbeiten

 
Südwestansicht der Kirche

Zur 1309 erwähnten Kirche gehörte bis in den Dreißigjährigen Krieg ein Pfarrgehöft, das nach der Zerstörung nicht wieder aufgebaut wurde. Im Jahr 1706 erhielt die Kirche einen neuen Kirchturm.

Infolge eines Brandes wurde sie 1785 mit dem Ostturm neu aufgebaut, eine Innen- und Außenrenovierung erfolgte 1889. Im Ersten Weltkrieg wurden die beiden Glocken und die Prospektpfeifen der Orgel als Metallspende abgegeben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieben notwendige Renovierungen aus und die verfallene Patronatsloge musste 1956 abgebrochen werden. In den siebziger Jahren fanden die letzten Gottesdienste in der Kirche statt, die seit langem eine Filialkirche von Horburg war.

Die Stadt Schkeuditz verkaufte 2005 die Kirche aus dem kommunalen Eigentum zum symbolischen Preis von einem Euro an einen Leipziger Religionslehrer, der die Nutzungsrechte auf den im gleichen Jahr gegründeten Kultur- und Pilgerverein Kleinliebenau übertrug. Dieser sorgte in den Jahren 2007 bis 2012 für eine umfassende Innen- und Außensanierung, die mit der Orgelweihe am 23. Dezember 2012 ihren Abschluss fand.

Aus der Zeit des 1785 erfolgten Wiederaufbaus ist die Inneneinrichtung nahezu vollständig erhalten, zudem steht an der südlichen Innenwand ein Epitaph aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs.

Der Verein möchte mit einem umfangreichen Kulturangebot die Rittergutskirche am Ökumenischen Pilgerweg als Ort der Einkehr und Begegnung erhalten.[7]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Die Stadt Schkeuditz in Zahlen. In: Website der Stadt. Abgerufen am 5. April 2017.
  2. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas, Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 84 f.
  3. Kleinliebenau im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  4. Die Stadt Schkeuditz in Zahlen:
  5. LVZ Onlineversion vom 29. April 2017
  6. Olaf Barth: Kieswerk in Kleinliebenau stellt Arbeit zum Jahresende ein. In: Leipziger Volkszeitung. Nr. 286, 8. Dezember 2016, S. 18.
  7. Rittergutskirche Kleinliebenau, Kultur- und Pilgerverein Kleinliebenau e. V.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kleinliebenau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien