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Johann Friedrich Knapp (Politiker)

Landtagsabgeordneter im Großherzogtum Hessen
Johann Friedrich Knapp

Johann Friedrich Knapp (* 20. September 1776 in Erbach; † 22. Mai 1848 in Darmstadt) war ein hessischer Politiker, Altertumsforscher, Schriftsteller sowie Abgeordneter und Präsident der 2. Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen.

Inhaltsverzeichnis

FamilieBearbeiten

Johann Friedrich Knapp war Sohn des erbachischen Kammerrates Theodor Friedrich Knapp (1731–1810) und seiner Frau Juliana Katharina, geborene Seyffardt (1734–1805). Juliana Seyffardt war die Tochter des gräflich-erbachischen Zentgrafen Johannes Seyffart. Knapp war, nach der Verlobung am 30. Dezember 1803, seit dem 30. Januar 1804 mit Elisabethe Christine, geborene Louis (1787–1862) verheiratet, mit der er 8 Kinder hatte. Einer seiner Söhne war der Chemiker Friedrich Ludwig Knapp, sein Enkel der Nationalökonom Georg Friedrich Knapp, seine Urenkelin die Sozialreformerin Elly Heuss-Knapp (verheiratet mit dem Bundespräsidenten Theodor Heuss) und sein Ururenkel der Widerstandskämpfer Ernst Ludwig Heuss. Eine Tochter heiratete den hessischen Landtagsabgeordneten Wilhelm Freiherr von Wedekind.

Ausbildung und BerufBearbeiten

 
Medaillon am Sockel des Denkmals für den Grafen Franz I. auf dem Marktplatz in Erbach/ Odenwald. Ostseite: Friedrich Knapp.

Er besuchte die Erbacher Stadtschule und war vom Grafen Franz I. zu Erbach-Erbach ausgesuchter Spielgenosse der gräflichen Kinder, so verbrachte er die meisten Nachmittage im Erbacher Schloss. Ab 1792 besuchte er das Gymnasium in Darmstadt. Knapp studierte ab dem Frühjahr 1795 Rechtswissenschaften, zunächst in Jena, danach in Marburg. 1798 meldete er sich zum juristischen Examen in Erbach an, er war der erste Prüfling in diesem Fach in Erbach überhaupt.[1] Danach arbeitete er zunächst als Anwalt. Graf Franz I. berief den erst 23-jährigen Knapp am 24. Juli 1800 zu seinem Kanzleidirektor, und damit wichtigstem Mitarbeiter in der Verwaltung. Sein Gehalt betrug zunächst 200 Gulden und wurde im März 1801 auf 350 Gulden erhöht.

Knapp führte die schwierigen Verhandlungen zunächst für Erbach-Erbach nach dem Frieden von Lunéville. Im Zuge dessen wurde er zum Regierungsrat ernannt, am 17. Oktober 1802 und reiste für seinen Herrn nach München. Dort wechselte er auf Anweisung des Grafen Franz I. in die Dienste des Schwagers des Grafen Franz, des Grafen Wartenberg. Knapp verhandelte mit zahlreichen wichtigen Persönlichkeiten der Zeit, auch mit Klemens Wenzel Lothar von Metternich fast täglich. Seine Verhandlungen waren erfolgreich, er erhielt zum Dank vom Grafen Wartenberg eine goldene Uhr und 4.000 Gulden geschenkt.[2] 1806 traf Knapp in München Napoleon Bonaparte. Nach der Mediatisierung Erbach-Erbachs kehrte er dorthin zurück und wurde am 20. September 1808 erbachischer Rat bei der neugeschaffenen Gesamt-Justiz-Kanzlei Michelstadt. Knapp wurde vom Grafen Franz mit den Worten: Sie gehen nach Wien oder kein Mensch. – Franz Graf zu Erbach Erbach[3] zu den Verhandlungen zum Wiener Kongress entsandt. Das führte in der Folge nach seiner Rückkehr nach Erbach zu erheblichen Auseinandersetzungen mit dem erbachischen Kanzleidirektor Seeger. Das Verhältnis wurde schließlich so schlecht, dass sich Knapp gezwungen sah, aus den erbachischen Diensten auszuscheiden und sich beim damaligen Großherzog von Hessen-Darmstadt, Ludwig I., um eine Stelle zu bewerben. Knapp wurde 1816 als Wirklicher Geheimer Rat an das Oberappellations- und Kassationsgericht Darmstadt berufen. Dennoch blieb sein Verhältnis zum Erbacher Grafenhaus freundlich. In Darmstadt schloss er sich im Jahre 1815 der dortigen Freimaurerloge Johannes der Evangelist zur Eintracht an.

Tätigkeiten in der AltertumsforschungBearbeiten

Sowohl aus eigenem als auch aus dem Interesse des Grafen Franz vollbrachte er ab 1810 einige Pionierleistungen der frühen Provinzialrömischen Archäologie. So untersuchte Knapp mehrere Kastelle des Odenwaldlimes und die römische Villa rustica Haselburg.[4] Entsprechend finden sich viele Beiträge von ihm in den Erbacher Katalogen. Das Ergebnis der Ermunterungen seitens einiger Heidelberger Professoren nach einem zufälligen Treffen im Jahr 1812 führte ein Jahr später zum Erscheinen seines Werkes Römische Denkmale des Odenwaldes, insbesondere der Grafschaft Erbach und Herrschaft Breuberg, zugleich ein Wegweiser für Freunde der Altherthumskunde auf Reisen in jene Gegenden. Das bei Joseph Engelmann in Heidelberg verlegte Buch fand in der wissenschaftlichen Welt gute Annahme und verschaffte ihm einige Besuche gelehrter Persönlichkeiten seiner Zeit, darunter auch Friedrich Ludwig Jahn, der ihn in Michelstadt im April 1814 besuchte.

 
Ausgrabungen am Odenwaldlimes zur Zeit Knapps, Illustration aus den Erbacher Katalogen von Christian Kehrer.

Auch später blieb er als Präsident des Historischen Vereins für das Großherzogtum Hessen der Geschichtswissenschaft verbunden.

PolitikBearbeiten

1820 wurde Friedrich Knapp bei den ersten Wahlen zur 2. Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen für den Wahlbezirk Starkenburg 7 (Heppenheim-Fürth) in das Parlament gewählt. In der zweiten Parlamentsperiode von 1823 an war er Präsident der 2. Kammer.

1823 wurde er Mitglied des Staatsrates. 1825 wurde er Geheimer Rat im Ministerium des Inneren und der Justiz, 1832 dort Geheimer Staatsrat. 1838 wurde er pensioniert.

Literarische TätigkeitenBearbeiten

Neben den schriftstellerischen Arbeiten für die Altertumskunde und Ökonomie war Knapp auch literarisch tätig. 1813 verfasste er zwei Schauspiele: einmal Das Ritterwort oder Schenk Eberhard der Jüngere von Erbach in vier Akten, sowie Die Alliierten, ein Einakter. Beide sind noch handschriftlich überliefert, wurden allerdings nie publiziert. 1838 verfasste er das Gedicht Mein Geschick in 24 Strophen. 1844 verfasste er, bereits im Ruhestand, das Werk: Einige vergleichende Rückblicke auf die Zeiten des Landgrafen Philipp des Großmütigen von Hessen und des Großherzog Ludwigs I. von Hessen. Knapp befasste sich daneben noch mit anderen Fragen, so erschien von ihm etwa 1845 die Schriften: Warum ist die Dampfmaschine nicht früher erfunden worden? und Wo soll Siegfried, einer der Helden des Nibelungenliedes, ermordet worden seyn?. Knapp legte sich in dieser Frage auf die Quelle bei Grasellenbach fest. Bereits als über 70-jähriger Mann begann er eine, rein platonische, Freundschaft zu einer mehr als 40 Jahre jüngeren Frau, Amalie von Faber. Der Briefwechsel zwischen beiden ist erhalten, sie schrieben sich im Stil des Biedermeier meistens längere, romantische Gedichte.

Johann Friedrich Knapp starb am 22. Mai 1848 und wurde auf dem Alten Friedhof in Darmstadt beerdigt. Sein Grab ist noch erhalten und wird von der Stadt Darmstadt gepflegt.

EhrungenBearbeiten

1831 erhielt Friedrich Knapp von der Universität Gießen die Ehrendoktorwürde Dr. jur. hc und er war Kommandeur I. Klasse des Großherzoglich Hessischen Ludwigsordens.

SchriftenBearbeiten

  • Römische Denkmale des Odenwaldes, insbesondere der Grafschaft Erbach und Herrschaft Breuberg. Zugleich ein Wegweiser für Freunde der Alterthumskunde auf Reisen in jene Gegenden. Engelmann, Heidelberg 1813, Digitalisat, (Auch: Meder, Heidelberg 1814; 2., verbesserte, mit Zusätzen von H. E. Scriba vermehrte Auflage. Jonghaus, Darmstadt 1854, Digitalisat).
  • Entwürfe zu einem Strafgesetzbuch für das Großherzogtum Hessen 1831 und 1836. Mit einem Vortrag von Friedrich von Lindelof und Bemerkungen von Johann Friedrich Knapp. Herausgegeben und eingeleitet von Werner Schubert. Keip, Goldbach 1993, ISBN 3-8051-0055-8.
  • Vierzehn Abhandlungen über Gegenstände der Nationalökonomie und Staatswirthschaft. Jonghaus, Darmstadt 1840.
  • Zahlreiche Beiträge in Archiv für hessische Geschichte und Alterthumskunde. ISSN 0066-636X.

LiteraturBearbeiten

  • Eduard AnthesKnapp, Johann Friedrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 51, Duncker & Humblot, Leipzig 1906, S. 250–252.
  • Rainer Braun: Frühe Forschungen am obergermanischen Limes in Baden-Württemberg (= Schriften des Limesmuseums Aalen. Nr. 45, ZDB-ID 236356-2). Württembergisches Landesmuseum – Sekretariat der Archäologischen Sammlungen, Stuttgart 1991, S. 22 f.
  • Magda Heidenreich: Der Erbacher Regierungsrat Johann Friedrich Knapp als Staatsdiener, Gelehrter und Privatmann. In: Historischer Verein für die Kreisstadt und die ehemalige Grafschaft Erbach (Hrsg.): Aus der Geschichte von Stadt und Grafschaft Erbach (= Aus der Geschichte von Stadt und Grafschaft Erbach. Bd. 1, ZDB-ID 2292273-8). Historischer Verein für die Kreisstadt und die ehemalige Grafschaft Erbach, Erbach 1989, S. 119 ff.
  • Jochen Lengemann: MdL Hessen. 1808–1996. Biographischer Index (= Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen. Bd. 14 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. Bd. 48, 7). Elwert, Marburg 1996, ISBN 3-7708-1071-6, S. 216–217.
  • Hans Georg Ruppel, Birgit Groß: Hessische Abgeordnete 1820–1933. Biographische Nachweise für die Landstände des Großherzogtums Hessen (2. Kammer) und den Landtag des Volksstaates Hessen (= Darmstädter Archivschriften. Bd. 5). Verlag des Historischen Vereins für Hessen, Darmstadt 1980, ISBN 3-922316-14-X.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Heidenreich: Der Erbacher Regierungsrat Johann Friedrich Knapp als Staatsdiener, Gelehrter und Privatmann. In: Aus der Geschichte von Stadt und Grafschaft Erbach. 1989, S. 122.
  2. Heidenreich: Der Erbacher Regierungsrat Johann Friedrich Knapp als Staatsdiener, Gelehrter und Privatmann. In: Aus der Geschichte von Stadt und Grafschaft Erbach. 1989, S. 131–132.
  3. Heidenreich: Der Erbacher Regierungsrat Johann Friedrich Knapp als Staatsdiener, Gelehrter und Privatmann. In: Aus der Geschichte von Stadt und Grafschaft Erbach. 1989, S. 141.
  4. J. F. Knapp: Römische Denkmale des Odenwaldes, insbesondere der Grafschaft Erbach und Herrschaft Breuberg. 1813; Reinhold Fischer, Michael Müller: Die Geschichte der „Haselburg“.