Hauptmenü öffnen

Joachim Haupt (* 7. April 1900 in Frankfurt an der Oder; † 13. Mai 1989 in Neustadt am Rübenberge; Pseudonym: Winfrid) war ein deutscher Politiker (NSDAP).

Inhaltsverzeichnis

Leben und WirkenBearbeiten

Haupt stammte aus einer Beamtenfamilie. Sein Vater verstarb früh. In den letzten Kriegsjahren besuchte er die Kadettenanstalt. Nach dem Krieg schloss er sich dem Freikorps Dohna an. Anschließend studierte er Philosophie an der Universität Greifswald. Sein Studium finanzierte Haupt durch Werkarbeit, auch unter Tage.

Als Student gründete Haupt 1921 in Frankfurt eine nationalsozialistische Arbeitsgemeinschaft. Zuvor hatte er bereits eine Programmzeitschrift vom deutschen Nationalsozialismus herausgegeben. Haupt war seit 1922 führendes Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) in Norddeutschland. Von 1924 bis 1928 war er in der NSDAP-Ortsgruppe Kiel aktiv. Dort gründete und leitete er den NS-Studentenbund (NSDStB). Von 1926 bis 1928 war er Hochschulgruppenführer des NSDStB in Kiel. An der Christian-Albrechts-Universität organisierte Haupt Ausschreitungen der NS-Studentenschaft. Zu dieser Zeit war Haupt auch ein Anwärter auf den Posten des Führers des NSDStB, der schließlich an seinen Konkurrenten Baldur von Schirach vergeben wurde.[1] Später stand Haupt erneut in Konkurrenz zu von Schirach um ein wichtiges Parteiamt, namentlich um das des Führers der Hitler-Jugend, um das er sich als Kandidat von Ernst Röhm bewarb. Hitler unterstützte die Ernennung Haupts zwar eine Zeit lang, entschied sich schließlich aber doch für Schirach.[2]

1929 promovierte Haupt bei den Professoren Freyer und Litt in Leipzig. Ab 1928 lehrte er als Studienassessor in Kiel und Ratzeburg sowie als Erzieher an der Staatlichen Erziehungsanstalt Plön, wo er 1931 nach wiederholter Verwarnung wegen nationalsozialistischer Beeinflussung der Schüler und homoerotischer Beziehungen durch Oberpräsident Kürbis entlassen wurde. Von 1931 bis 1933 war er Chefredakteur einer Tageszeitung in Hannover. Daneben steuerte er auch regelmäßig Artikel für den Völkischen Beobachter bei.

Nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ 1933 wurde Haupt als Ministerialrat ins Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung berufen. Dort unterstand er dem neuernannten Minister Bernhard Rust. Im selben Jahr wurde er SA-Sturmbannführer.[3] Anschließend war Haupt kurzzeitig Inspekteur der Landesverwaltung der Nationalpolitischen Erziehungsanstalten (NAPOLAs). Haupt gilt als der Erfinder des Begriffs der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt, den er in bewusster Abgrenzung gegenüber anderen Parteiorganisationen, wie etwa der HJ, gewählt haben soll. Die eigentliche Idee zur Errichtung der NAPOLAs stammte ebenfalls von Haupt, der damit beabsichtigte „einen neuen Schultyp [zu] schaffen, in dem die Idee einer NS-Gemeinschaftserziehung Wirklichkeit werden sollte.“ Die Landesverwaltung wurde schließlich von der allgemeinen Schulverwaltung abgetrennt, um den normalisierenden Einfluss auf die Ausleseschulen zu eliminieren.

Während der politischen Säuberungswelle der Nationalsozialisten vom Frühsommer 1934, die später unter der Propagandabezeichnung als „Röhm-Putsch“ bekannt wurde, entkam Haupt, der als Freund Ernst Röhms ins Visier der SS geraten war, nur knapp der Ermordung.[4]

Im Oktober 1935 wurde Haupt durch die Gestapo verhaftet. Im November 1935 wurde er auf Drängen Heinrich Himmlers von Rust wegen angeblicher homosexueller Verfehlungen entlassen. Tatsächlicher Anlass war das Bestreben Haupts, die NAPOLAs als staatliche Einrichtung zu erhalten und ihre Übernahme durch die HJ und die SS zu verhindern. Sein Amtsnachfolger wurde August Heißmeyer. 1938 erfolgte sein Ausschluss aus der NSDAP nach langem Prozess.

Anschließend arbeitete Haupt als Landwirt und Schriftsteller. Im Zweiten Weltkrieg wurde er zur Wehrmacht eingezogen. In den 1950er Jahren lehrte Haupt an der Marinefachschule und der Bundeswehrfachschule Hannover.[3]

In der Sowjetischen Besatzungszone wurden seine Schriften Neuordnung im Schulwesen und Hochschulwesen (Heymann, Berlin 1933), Sinnwandel der formalen Bildung (Armanen-Verlag, Leipzig 1935) und Nationalerziehung (Beyer, Langensalza 1936) sowie in der Deutschen Demokratischen Republik Völkisch oder national? Eine grundlegende Auseinandersetzung mit der deutsch-„nationalen“ Oberschicht (Deutscher Volksverlag, München 1924) auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.[5][6][7][8]

Haupts Vorstellungen zu Politik und ErziehungBearbeiten

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Angaben ohne ausreichenden Beleg könnten demnächst entfernt werden. Bitte hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.

Haupt vertrat die Forderung nach einem spezifisch deutschen Sozialismus und nach einer neuen Form von Freiheit. In einem Artikel der Frankfurt Universitätszeitung beschrieb er seine Vorstellung von freiem Leben: „[Leben wie] ein Adlerpaar im weiten Raum einer freien und wildwachsenden deutschen Landschaft.“ Als Ziel der Erziehung formulierte Haupt „die politische Hinwendung des Geistes zum Staat, die Einordnung des Einzelnen als Glied der Nation, die bewusste Erkenntnis der sozialistischen Lebensformen, die uns allein zum Volk machen können.“

Vom Erzieher erwartete er die „gesinnungsmäßige und verstandesmäßige Beherrschung der nationalsozialistischen Weltanschauung in allen ihren Auswirkungen, die unmittelbare Beziehung zur Jugend und Eignung zur Jugendführung; schließlich wehrsportliche Ausbildung.“

„In diesen Anstalten gibt es nur … eine einzige Idee: das ist die völkische Idee, nur eine Wissenschaftslehre: die organische, nur einen politischen Willen: das ist der des nationalen Sozialismus.“

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

  • Völkisch oder National?, 1924.
  • Neuordnung im Schulwesen und Hochschulwesen, 1933.
  • Sinnwandel der formalen Bildung, 1935.

LiteraturBearbeiten

  • Michael Grüttner: Biographisches Lexikon zur nationalsozialistischen Wissenschaftspolitik (= Studien zur Wissenschafts- und Universitätsgeschichte. Band 6). Synchron, Heidelberg 2004, ISBN 3-935025-68-8, S. 71.
  • Beatrix Herlemann, Helga Schatz: Biographisches Lexikon niedersächsischer Parlamentarier 1919–1945 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen. Band 222). Hahnsche Buchhandlung, Hannover 2004, ISBN 3-7752-6022-6, S. 143.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hanna Behrend: Die Beziehungen zwischen der NSDAP-Zentrale und dem Gauverband Süd-hannover, 1981, S. 76.
  2. Hans Waldemar Koch: The Hitler Youth. Origins and Development, 1975, S. 77.
  3. a b Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 222.
  4. Bernd-Ulrich Hergemöller: Mann für Mann. Biographisches Lexikon zur Geschichte von Freundesliebe und männlicher Sexualität im deutschen Sprachraum. Hamburg 1998, ISBN 3-928983-65-2, S. 590.
  5. http://www.polunbi.de/bibliothek/1946-nslit-h.html
  6. http://www.polunbi.de/bibliothek/1948-nslit-w.html
  7. http://www.polunbi.de/bibliothek/1948-nslit-h.html
  8. http://www.polunbi.de/bibliothek/1953-nslit-h.html