Jüri Ratas

estnischer Politiker, Ministerpräsident der Republik Estland

Jüri Ratas (* 2. Juli 1978 in Tallinn) ist ein estnischer Politiker. Er ist seit dem 5. November 2016 Vorsitzender der Estnischen Zentrumspartei (Eesti Keskerakond). Am 23. November 2016 wurde er Premierminister der Republik Estland. Am 13. Januar 2021 kündigte Ratas seinen Rücktritt an. Seine Nachfolgerin, Kaja Kallas, übernahm das Amt am 26. Januar 2021.

Jüri Ratas (2015)

LebenBearbeiten

Jüri Ratas wurde als Sohn des estnischen Biologieprofessors, Umweltaktivisten und Politikers Rein Ratas (* 1938) geboren. Sein Vater war von 1992 bis 1999 Staatssekretär im estnischen Umweltministerium und ist langjähriger Abgeordneter des estnischen Parlaments (Riigikogu).

Ratas schloss 1996 das Gymnasium im Tallinner Stadtteil Nõmme ab. Im Jahr 2002 beendete er sein Master-Studium an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Technischen Universität Tallinn. Diesem folgte 2005 ein zusätzlicher Bachelor-Abschluss im Fachbereich Rechtswissenschaften der Universität Tartu.

Politische KarriereBearbeiten

Jüri Ratas war nach seinem Abitur zunächst in der Privatwirtschaft bei verschiedenen Firmen tätig. Im August 2000 trat er der Estnischen Zentrumspartei bei. Im Februar 2002 wurde er wirtschaftspolitischer Berater des Tallinner Oberbürgermeisters und damaligen Vorsitzenden der Zentrumspartei, Edgar Savisaar. Im April 2003 wurde Ratas stellvertretender Bürgermeister der estnischen Hauptstadt. Im November 2005 wählte ihn der Stadtrat zum Oberbürgermeister von Tallinn. Er hatte das Amt bis März 2007 inne. Als Oberbürgermeister war er Mitinitiator der Aktion Umwelthauptstadt Europas der Europäischen Union. Bei der Parlamentswahl im März 2007 wurde Ratas als Abgeordneter in den Riigikogu gewählt. Das Plenum bestimmte Ratas im April 2007 zum Vizepräsidenten des Parlaments.

Im November 2016 wurde der damals 38-jährige Ratas zum Nachfolger des langjährigen Parteivorsitzenden der Zentrumspartei, Edgar Savisaar, gewählt, der nicht mehr antrat. Nach dem Zusammenbruch der bisherigen Regierungskoalition aus Reformpartei, Sozialdemokratischen und IRL unter Ministerpräsident Taavi Rõivas gelang Ratas die Bildung einer neuen Koalition aus Zentrumspartei, Sozialdemokraten und IRL. Am 21. November wurde er vom Parlament mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt.[1] Die neue Koalitionsregierung (Kabinett Ratas I) unter Ministerpräsident Jüri Ratas nahm am 23. November 2016 offiziell ihre Amtsgeschäfte auf.

Sechseinhalb Wochen nach der Wahl Anfang März wurde Ratas am 17. April 2019 durch das Parlament im Amt bestätigt. Er steht nun einer Koalition (Kabinett Ratas II) seiner Zentrumspartei mit der aus der IRL hervorgegangenen Isamaa und der rechtspopulistischen EKRE vor.[2] Wahlsiegerin Kaja Kallas von der Reformpartei war zuvor mit dem Versuch einer Regierungsbildung gescheitert.[3]

Am 13. Januar 2021 kündigte Ratas seinen Rücktritt vom Amt des Premierministers an. Ratas gab an, die politische Verantwortung zu übernehmen und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Korruptionsvorwürfen zu ermöglichen. Diese Ermittlungen stehen in Zusammenhang von Coronahilfskrediten des staatlichen Finanzierungsinstituts in Verbindung mit einem Immobilienprojekt, bei denen wiederum ein Zusammenhang zu Großspenden an die Partei des Premierministers gesehen wird.[4] Die bisherige Koalition war zuvor aufgrund sprachlicher Ausfälle der Parteiführer der EKRE Mart und Martin Helme belastet. Staatspräsidentin Kersti Kaljulaid erteilte der Oppositionsführerin Kaja Kallas erneut den Auftrag, in Nachfolge Ratas eine neue Regierung zu bilden.[5]

Am 18. März 2021 wurde Ratas anstelle des EKRE-Politikers Henn Põlluaas zum neuen Präsidenten des Riigikogu, dem estnischen Parlament, gewählt.

PrivatesBearbeiten

Jüri Ratas ist mit Karin Ratas verheiratet. Das Paar hat eine Tochter und zwei Söhne.

Von 2012 bis 2016 war er Präsident des estnischen Basketballverbandes.[6]

WeblinksBearbeiten

Commons: Jüri Ratas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jüri Ratas confirmed prime minister, Onlinemeldung auf http://news.err.ee/ vom 21. November 2016, abgerufen am 21. November 2016
  2. Grünes Licht für neue Rechtskoalition in Estland. Der Standard, 17. April 2019, abgerufen am selben Tage.
  3. Reformpartei scheitert mit Regierungsbildung in Estland. Der Standard, 15. April 2019, abgerufen am Tage darauf.
  4. Estlands Regierungschef tritt nach Korruptionsverdacht zurück. Spiegel online, 13. Januar 2021, abgerufen am 26. Januar 2021.
  5. [1] SZ online, 13. Januar 2021, abgerufen am 20. Januar 2021.
  6. ESBL RATAS, JÜRI, Biografie auf http://www.esbl.ee,/ abgerufen am 1. September 2017