Hotchkiss H-39

leichter französischer Kampfpanzer (1935)

Der Hotchkiss H-39, oder Char léger modèle 1935 H modifié 39, war ein leichter Panzer von Hotchkiss et Cie. Er wurde von der französischen Armee im Zweiten Weltkrieg eingesetzt und stellte eine stärker motorisierte Weiterentwicklung des Typs H-35 dar. Insgesamt wurden 692 Hotchkiss H-39 gebaut.

Hotchkiss H-39
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Hotchkiss H-39 im Musée des Blindés (2006)

Allgemeine Eigenschaften
Besatzung 2 (Kommandant/Schütze, Fahrer)
Länge 4,22 m
Breite 1,85 m
Höhe 2,14 m
Masse 12 t
Panzerung und Bewaffnung
Panzerung 12 bis 40 mm
Hauptbewaffnung 3,7-cm-Kanone L/21
Sekundärbewaffnung 1 MG
Beweglichkeit
Antrieb Hotchkiss Sechszylinder-Ottomotor
120 PS
Federung Schraubenfedern
Geschwindigkeit 36,5 km/h
Leistung/Gewicht 10 PS/t
Reichweite 150 km
H-39 (französischer Beutepanzer) bei einer Übung auf dem Balkan, Januar 1944.
Hotchkiss H-39 im Yad la-Shiryon Panzer-Museum, Israel

GeschichteBearbeiten

Die französische Kavallerie forderte nach der Einführung des Hotchkiss H-35 eine höhere Geschwindigkeit. Um diese Anforderung zu erfüllen, wurden ab Oktober 1936 Versuche durchgeführt, einen stärkeren Motor einzubauen. Der erste Prototyp war 1937 fertig und hatte 120 PS statt bisher 78 PS. Der stärkere Motor vom Typ 6 L 6 benötigte mehr Platz, deshalb musste auch die hintere Oberwanne verändert werden. Zur Verbesserung der Geschwindigkeit wurden auch Änderungen an der Radaufhängung vorgenommen, die letztlich das Gewicht auf 12,1 t ansteigen ließen. Doch mit einer neuen Höchstgeschwindigkeit von 36,5 km/h war nicht nur eine erhebliche Geschwindigkeitssteigerung erreicht worden, auch ließ sich das Fahrzeug nun viel besser steuern.

Am 31. Januar 1939 wurde der geänderte Entwurf der Commission d'Expérimentations de l'Infanterie vorgeführt. Diese hatte das Fahrzeug zuvor abgelehnt. Tatsächlich wurde der, nun von offizieller Seite als Char léger modèle 1935 H modifié 39 bezeichnete, Panzer freigegeben. Zusätzlich wurde am 18. Februar entschieden, dass dieses Modell ab dem 401sten Fahrzeug das vorher gebaute Modell ablösen sollte. Für den verbesserten Typ wurden in Summe Aufträge für 900 Fahrzeuge erteilt.

Für den neuen Typ verwendet Hotchkiss die Bezeichnung Char léger Hotchkiss modèle 38 série D, während die Bezeichnung Char léger Hotchkiss modèle 35 série B für die frühen Fahrzeug galt. Diese neue Werksbezeichnung sorgte für viel Verwirrung, da ja der Panzer im Wesentlichen der gleiche geblieben war, nur eben eine spätere Ausführung darstellte. Doch um eine klare Unterscheidung zu ermöglichen, bürgerte sich schon damals die Bezeichnung H-39 ein, die sich in Frankreich und international durchsetzte. Nur die Wehrmacht orientierte sich an der Werksbezeichnung und verwendete für die H-39 die Bezeichnung Hotchkiss 38 H (f).

Die letzte Änderung erfuhr das Fahrzeug mit der Einführung der 3,7-cm-Kanone L/33 SA38.

EinsatzBearbeiten

Mit einer guten Panzerung und einem leistungsfähigen Motor war der Char léger modèle 1935 H modifié 39 im Jahr 1939 ein durchaus guter Panzer. Schwachpunkte blieben die Bewaffnung, fehlende Kommunikationsmittel und die Überforderung des Kommandanten, was auf die konzeptionelle Ausrichtung und die Einsatzprinzipien der französischen Armee zurückzuführen war. In der Gesamtbetrachtung muss er deshalb bei seinem ersten Einsatz im Kriegsjahr 1940 als veraltetes Fahrzeug bewertet werden.

Die Einführung der 37-mm-Kanone L/33 SA38, mit der jedoch nur die Panzer des 3ieme D.L.M. ausgerüstet wurden, war eine erhebliche Kampfwertsteigerung.

Mit dem schnellen Sieg der angreifenden Wehrmacht im Jahr 1940 fielen die produzierten Fahrzeuge in die Hände der Wehrmacht. Diese führte die nicht zerstörten Fahrzeuge einer weiteren Nutzung zu.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zehn Exemplare an die Israelischen Streitkräfte verkauft.

Weitere Verwendung bei der WehrmachtBearbeiten

Nach dem Abschluss der Angriffsoperation im Westen, die mit der französischen Kapitulation endete, waren etwa 550 H-35, H-38 und H-39 von der Wehrmacht erbeutet worden. Die noch im schnellen Wachstum befindliche deutsche Armee nutzte einen Teil unmittelbar und nach Umbau als

Hierbei wurde für erbeutete und geringfügig veränderte Fahrzeuge eine Fremdgerätekennnummer, hier 734 und 735, vergeben. Die Wehrmacht interessiert sich in der Unterscheidung der Fahrzeuge nicht für die Bewaffnung, so dass die Bezeichnung H-39 keine Berücksichtigung fand. Nur die technisch unterschiedlichen Fahrgestelle fanden Berücksichtigung, so dass nur die Typen H-35 und H-38 auftauchen.

Bei größeren Umbauten entfiel die Kennnummer und es wurde eine funktionale Bezeichnung gewählt, die jedoch die Herkunft des Fahrzeugs aufzeigte, wie Pz.Kpfw. 38 H (f).

FinnlandBearbeiten

Während des Angriffs auf die Sowjetunion wurde die Panzerabteilung 211 stationiert, die mit Hotchkiss-Panzern ausgerüstet war. Drei Fahrzeuge wurden 1944 zu 7,5-cm-Selbstfahrlafetten umgebaut. Mit den unabhängigen Panzerkampfwagen-Zügen 217, 218 und 219 wurde der 20. Gebirgsarmee im Februar 1942 weitere Einheiten mit Hotchkiss-Panzern zugeführt. Die einzelnen Züge waren genauso aufgebaut, wie die der Abteilung 211: Ein Somua S-35 als Führungsfahrzeug und je vier weitere Hotchkiss. Im Verlauf des weiteren Krieges wurden die Einheiten aufgelöst und die Panzer als Bunker eingesetzt. Die Mannschaften wurden zur Aufstellung der Sturmgeschützbatterien 741 und 742 abkommandiert.

BalkanBearbeiten

Nachdem die Wehrmacht mit Hilfe der alliierten Kräfte 1941 die Balkanländer besetzt hatte, gab es immer wieder Kämpfe zwischen Partisanenverbänden und den Besatzungstruppen. Größere Kämpfe gab es in Jugoslawien, wo die 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“ mit Hotchkiss-Panzern zum Einsatz kam. Doch auch die Panzerkompanie 12 z.b.V. und die I. Abteilung / Panzerregiment 202 in dieser Region waren mit Hotchkiss-Panzern ausgerüstet.

FrankreichBearbeiten

Die in Frankreich für Ausbildungs- und Sicherungsaufgaben eingesetzten Hotchkiss wurden nach der alliierten Landung zum Teil in die Kämpfe in der Normandie verwickelt. So kamen die Panzerabteilung 206, die Panzerersatz- und Ausbildungsabteilung 100 und die Beute-Sturmgeschützabteilung 200 zum Einsatz.

Von 361 Panzerkampfwagen 38 H (f), die noch im Juni 1943 in den Bestandsmeldungen der Wehrmacht zu finden waren, waren im Dezember 1944 nur noch 60 übrig.

Technische DatenBearbeiten

Hotchkiss H-39[1]
0Allgemeine Eigenschaften
Besatzung zwei Mann
Masse 12 t
spez. Bodendruck 0,90 kg/cm²
Länge 4,22 m
Breite 1,85 m
Höhe 2,14 m
Bodenfreiheit 37 cm
Kettenbreite 27 cm
0Bewaffnung
Hauptbewaffnung 3,7-cm-Kanone L/21
Sekundärbewaffnung 1 × MG
Kampfbeladung HW 100 Geschosse
Kampfbeladung MG 2400 Schuss
0Fahrleistung
Motor Hotchkiss Sechszylinder-Ottomotor
Kühlung Wasser
Hubraum 5,9 l
Bohrung / Hub 105/115 mm
maximale Drehzahl 2800 min−1
Leistung 120 PS
Literleistung 20,3 PS/l
Leistung/Gewicht 10 PS/t
Getriebe Fünf Vorwärtsgänge, ein Rückwärtsgang
Höchstgeschwindigkeit Straße 36,5 km/h
Kraftstoffvorrat 210 l
Reichweite Straße 150 km
Reichweite Gelände 90 km
Lenkung Cletrac
Laufrollen 6
Federung Schraubenfedern
Watfähigkeit 85 cm
0Panzerung
Wannenbug 22 bis 34 mm
Wannenseite 34 mm
Wannenheck 34 mm
Wannendach 22 mm
Wannenboden 12 mm
Turmfront 45 mm
Turmseite 40 mm
Turmheck 40 mm
Turmdach 30 mm

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Christopher F. Foss: Die Panzer des Zweiten Weltkrieges, Das Nachschlagewerk. Podzun-Pallas Verlag, Friedberg, Hessen 1988, DNB 890399697, S. 12–15.
  • Thomas L. Jentz & Hilary Louis Doyle: Panzer Tracts No. 19-1 - Beute-Panzerkampfwagen Czech, Polish and French Tanks. 1. Auflage. Panzer Tracts Eigenverlag, Boyds,MD 2007, ISBN 0-9771643-7-3, S. 60.
  • Patrick H. Mercillon, Colonel Aubry: Les Chars Francais - Catalogue 1, CDEB et EAABC ed l'Association des Amis du Musée des Blindes Saumur, Eigenverlag 199X
  • Walter J. Spielberger: Beute-Kraftfahrzeuge und -Panzer der deutschen Wehrmacht, 2. Auflage, Motorbuch Verlag, Stuttgart 1992, ISBN 3-613-01255-3

WeblinksBearbeiten

Commons: Hotchkiss H-39 – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Thomas L. Jentz: Die deutsche Panzertruppe 1933–42, Podzun-Pallas Verlag 1998, ISBN 3-7909-0623-9; S. 277