Hans-Günter Henneke

deutscher Hochschullehrer und Präsidialmitglied des Deutschen Landkreistages

Hans-Günter Henneke (* 11. Mai 1957 in Bassum) ist Honorarprofessor an der Universität Osnabrück und von der Mitgliederversammlung des Deutschen Landkreistages e. V. bis 2025 zum Vorstand („Geschäftsführendes Präsidialmitglied“) bestellt worden.

Hans-Günter Henneke auf dem 70. Deutschen Juristentag 2014 in Hannover

LebenBearbeiten

Hans-Günter Henneke, der auf dem elterlichen Hof in Syke aufwuchs, war nach dem Abitur in Syke und dem Studium der Rechtswissenschaften in Kiel zunächst als wissenschaftlicher Assistent an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel sowie am Lorenz-von-Stein-Institut für Verwaltungswissenschaften an der Universität Kiel tätig. Am 1. Januar 1989 trat er sein Wahlamt als Kreisrat (Ltd. Beamter auf Zeit) des niedersächsischen Landkreises Diepholz an, das er bis Ende Februar 1993 ausübte.[1] Am 1. März 1993 begann Hans-Günter Henneke seine Tätigkeit beim Deutschen Landkreistag[2]. Er war dort zunächst als Beigeordneter für die Bereiche Kommunalverfassung, Ordnungsverwaltung, Verwaltungsmodernisierung, Europa und Kultur sowie ab 1995 auch für Finanzen zuständig. Die Wahl zum Stellvertreter des DLT-Hauptgeschäftsführers erfolgte im September 1995[3], die Wahl zum Geschäftsführenden Präsidialmitglied im November 2000[4][5]. Seit dem 1. Oktober 1990 wirkt Hans-Günter Henneke am Fachbereich Rechtswissenschaften der Universität Osnabrück. Lehrbeauftragter an der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer war er 1994/1995. Einen Ruf auf einen Lehrstuhl für Verwaltungswissenschaft an dieser Hochschule im Mai 1995 lehnte er im September 1995 ab. Seine Bestellung zum Honorarprofessor an der Universität Osnabrück erfolgte im März 1996.[1]

Mitwirkung in GremienBearbeiten

Hans-Günter Henneke wirkt in zahlreichen staatlichen und öffentlichen Gremien mit, so im neunköpfigen Unabhängigen Beirat des Stabilitätsrates[6], im Konjunkturrat für die öffentliche Hand bei der Bundesregierung, im Stiftungsrat der in Neustrelitz ansässigen Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt[7] und als Vertreter gesellschaftlicher Gruppen bei der Stiftung „Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“.

Er war seit 1996 Mitglied des 2010 aufgelösten Finanzplanungsrates, von zwei Kommissionen zur Reform der Gemeindefinanzen, der Kommission von Bundestag und Bundesrat zur Modernisierung der bundesstaatlichen Ordnung[8], der Kommission Gleichwertige Lebensverhältnisse, im Beirat für Raumentwicklung beim Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (nun BMVI) und von Anfang 2004 bis Ende 2006 sowie von Anfang 2013 bis Ende 2015 im Verwaltungsrat der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Außerdem war er von Beginn an bis Mitte März 2021 Vorsitzender des im November 2015 konstituierten zwölfköpfigen Sachverständigenrats Ländliche Entwicklung[9].

Von Juli 2002 bis Juni 2012 war er Mitglied im ZDF-Fernsehrat und in dessen Präsidium und dabei in den letzten Jahren Vorsitzender des Ausschusses für Telemedien und Stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Finanzen, Investitionen und Technik. Diesem Gremium und seinen Ausschüssen gehört er seit dem 1. Juli 2017 erneut an[10]. Vom 1. Juli 2012 bis 30. Juni 2017 gehörte er dem seinerzeit 14-köpfigen ZDF-Verwaltungsrat an, war von Juli 2012 bis Ende 2014 Vorsitzender von dessen Finanzausschuss und von Januar 2015 bis Juni 2017 Vorsitzender des Investitionsausschusses sowie seit 2013 Mitglied des Personalausschusses.
Wegen vermeintlicher „Staatsnähe[11]“ kandidierte er 2017 für den Verwaltungsrat nicht erneut.

Zudem ist er Mitglied im Vorstand des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes e.V. in Berlin, dessen Vizepräsident er seit 28. November 2018 wieder ist und bereits in den Jahren 2001–2003 sowie 2009–2012 war, und Mitglied im Verwaltungsrat der DekaBank, dessen Präsidialausschuss er von Mitte 2011 bis Ende 2013 angehörte und von Anfang 2019 bis Ende 2023 wieder angehört.

Dem Verwaltungsrat der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt), dessen Vorsitzender er seit 2016 ist, gehört er seit Mitte der 1990er Jahre an[12].

Seit 1999 engagiert sich Henneke im Präsidium der Freiherr-vom-Stein-Gesellschaft e.V.[13], deren Vizepräsident er seit Mitte 2011 ist.
Von 2000 bis 2012 war er Mitglied der Ständigen Deputation des Deutschen Juristentages. Dem Abteilungsvorstand hat er 2002, 2004, 2008, 2010, 2012 und 2014 als Vorsitzender, Referent oder stellvertretender Vorsitzender angehört[14].
Seit 2018 ist Henneke Mitglied des Beirats der Steuerrechtswissenschaftlichen Vereinigung Heidelberg[15].

VeröffentlichungenBearbeiten

Hans-Günter Henneke hat zahlreiche Veröffentlichungen auf dem Gebiet des öffentlichen Rechts, der öffentlichen Finanzen und der Verwaltungslehre vorgelegt und ist Mitherausgeber von Handbüchern zum Recht der Kommunalfinanzen und der Haushaltswirtschaft, Mitherausgeber mehrerer Fachzeitschriften (u. a. Der Landkreis, DVBl, DÖV, ZG und Der Gemeindehaushalt) sowie Herausgeber und (Mit-)Autor von derzeit 30 Bänden der Schriften zum deutschen und europäischen Kommunalrecht. Er ist Alleinherausgeber des Kommentars Knack/Henneke, Verwaltungsverfahrensgesetz, 11. Aufl., Köln 2020, 1745 S. und mit Hans Hofmann Herausgeber des Kommentars Schmidt-Bleibtreu/Hofmann/Henneke, Grundgesetz, 15. Aufl., Köln 2021, 3600 S.

Monografien (Auswahl)Bearbeiten

  • Kommunale Finanzausstattung und Verfassungsrecht, Siegburg 1985, 197 S.,
  • Landwirtschaft und Naturschutz, Heidelberg, 1986, 642 S., zugl. Rechtswiss. Diss. Kiel, (Fakultätspreis),
  • Aufgabenzuständigkeit im kreisangehörigen Raum, Heidelberg 1992, 112 S.,
  • Landesfinanzpolitik und Verfassungsrecht, Heidelberg 1998, 175 S. (erw. Fassung der Osnabrücker Antrittsvorlesung),
  • Reform der Aufgaben- und Finanzbeziehungen von Bund, Ländern und Kommunen, Heidelberg 1999, 172 S.,
  • Öffentliches Finanzwesen. Finanzverfassung, 2. Aufl., Heidelberg 2000, 465 S.,
  • Kreisrecht, 2. Aufl. Stuttgart 2007, 725 S.,
  • Bundesstaat und kommunale Selbstverwaltung nach den Föderalismusreformen, Wiesbaden 2009, 266 S.,
  • Die kommunalen Spitzenverbände, 2. Aufl. Wiesbaden 2012, 247 S., Aktualisierung 2015
  • Die Kommunen in der Finanzverfassung des Bundes und der Länder, 5. Aufl. Wiesbaden 2012, 560 S.,
  • Der europäische Fiskalpakt und seine Umsetzung in Deutschland, Wiesbaden 2013, 170 S.,
  • Föderale Finanzverteilung zwischen Autonomie und Solidarität, Münster 2014, 75 S.,
  • Föderale Aufgaben- und Finanzbeziehungen ab 2020. Kommunale Erwartungen, Berlin 2014, 98 S.,
  • Aufgabengerechte Finanzverteilung zwischen Bund, Ländern und Kommunen, Referat, 70. DJT, München 2015, 125 S.,
  • Die deutschen Kreise und ihr Landkreistag – Von den Anfängen in Brandenburg bis zur Etablierung der Bonner Republik, Stuttgart 2016, 333 S.,
  • Aufgaben und Finanzbeziehungen von Bund, Ländern und Kommunen – Zur ausgefallenen Föderalismusreform 2017, Wiesbaden 2017, 316 S.,
  • Kommunale Sparkassen – Verfassung und Organisation zwischen Selbstverwaltungsgarantie und Zentralisierungstrends, 2. Aufl. Wiesbaden 2018, 451 S.,
  • Aufgaben und Finanzbeziehungen von Bund, Ländern und Kommunen ab 2020 – Die Reformen von 2017 und 2019: Lehrstücke ohne Lehre?, 2. Aufl. Wiesbaden 2019, 418 S.,
  • Die Kreisumlagefestsetzung. Materiellrechtliche Vorgaben – Verfahren – Höhe, Wiesbaden 2020, 349 S.,
  • Die Kreise im Bundesstaat (mit Hartmut Maurer und Friedrich Schoch), Baden-Baden 1994, 163 S.,
  • Entwicklungsperspektiven kommunaler Sparkassen in Deutschland (mit Ferdinand Kirchhof), Stuttgart 2000, 148 S.,
  • Recht der Kommunalfinanzen (mit Hermann Pünder und Christian Waldhoff), München 2006, 861 S.,
  • Kommunales Energierecht (mit Klaus Ritgen), 2. Aufl. Wiesbaden 2013, 118 S.,
  • Kommunalpolitik und Kommunalverwaltung in Deutschland (mit Klaus Ritgen), München 2021, 288 S.

Vorträge und InterviewsBearbeiten

AuszeichnungenBearbeiten

Im Jahr 1986 wurde Henneke von der Universität Kiel für seine Dissertation mit einem staatlichen Preis ausgezeichnet. Am 23. Januar 2014 erhielt er durch die seinerzeitige Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern Cornelia Rogall-Grothe das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.[16]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Verbandsspitze - Deutscher Landkreistag (DLT). Abgerufen am 7. Oktober 2020.
  2. Dr. Henneke übernimmt Dezernat beim DLT, Der Landkreis 1993, 134
  3. Umfangreiche Tagesordnung des DLT-Präsidiums, Der Landkreis 1995, 525
  4. Deutscher Landkreistag bleibt auf Kurs, Der Landkreis 2001, 39 (40 f.)
  5. Prof. Dr. Henneke neuer Hauptgeschäftsführer, Der Landkreis 2002, 46
  6. https://www.stabilitaetsrat.de/DE/Beirat/Vorsitz-und-Mitglieder/Vorsitz-und-Mitglieder_node.html;jsessionid=D7FC109607A8EBD77A8A10CA29851698.internet0621
  7. https://www.deutsche-stiftung-engagement-und-ehrenamt.de/stiftungsrat/
  8. http://webarchiv.bundestag.de/archive/2005/1017/parlament/kommissionen/modern/modern_m.html
  9. https://www.bmel.de/DE/ministerium/organisation/beiraete/srle-organisation.html
  10. https://www.zdf.de/zdfunternehmen/zdf-fernsehrat-mitglieder-100.html
  11. Urteil vom 25. März 2014: https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2014/03/fs20140325_1bvf000111.html
  12. https://www.kgst.de/verwaltungsrat
  13. https://www.freiherr-vom-stein-gesellschaft.de/gesellschaftsubkategorie.php?k=2&sk=1
  14. Verhandlungen des 69. Deutschen Juristentages, Band II/1, Gemeinsame Schlusssitzung, P 20
  15. https://strwv-heidelberg.de/beirat/
  16. Kommjur 2/2014, Seite VIII