Haardt (Schweinfurt)

Stadtteil von Schweinfurt, Bayern, Deutschland

Die Haardt (Ortsbezeichnung: an der Haardt) ist ein Stadtteil der kreisfreien Stadt Schweinfurt in Unterfranken. Er wird in den Statistiken der Stadt Schweinfurt als Bezirk 34 geführt.[3] Er liegt am größten Wald auf städtischem Gebiet, dem Haardtwald auf dem Haardtberg, dem Namensgeber des Stadtteils. Haardt ist eine öfters vorkommende Flurbezeichnung und bedeutet Bergwald oder bewaldeter Hang.

Haardt
Koordinaten: 50° 4′ 6″ N, 10° 13′ 52″ O
Höhe: 220–290[1] m ü. NN
Fläche: 48 ha[1]
Einwohner: 1779 (31. Dez. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 3.706 Einwohner/km²
Postleitzahl: 97422
Vorwahl: 09721
Karte
Stadtteil Haardt (Bezirk 34)

GeographieBearbeiten

LageBearbeiten

Die Haardt befindet sich im Norden des Stadtgebiets. An sie grenzt im Südwesten der Stadtteil Eselshöhe (Bezirk 35), im Nordwesten die Vorortgemeinde Dittelbrunn, im Norden der zum Stadtgebiet gehörende Haardtwald und im Südosten der Stadtteil Hochfeld/Steinberg (Bezirk 41) an.[4] Zudem grenzt an den Haardtwald im Osten die Großgemeinde Üchtelhausen mit dem Ortsteil Zell.

TopografieBearbeiten

Die Haardt liegt auf einem Ausläufer der Schweinfurter Rhön, in einer topografisch exzellenten Lage, auf einem nach Süden abfallenden Bergsporn, zwischen den Tälern des Marienbachs im Westen und des Zellergrundbachs im Osten. Nach Norden ist der Stadtteil durch den Haardtwald geschützt. Diese Lage wurde bereits in historischer Zeit durch Obst- und Weinbau genutzt (siehe: Geschichte).

Der Haardtwald erstreckt sich zwischen Tälern 3 km in die Schweinfurter Rhön hinein. In ihm liegt mit 340,3 m ü NN[5] der zweithöchste Punkt des Stadtgebietes. Der Haardtwald wird in die Vordere Haardt im Süden, Hintere Haardt im Norden und das Thalerholz im Osten unterteilt.[5] In der Mitte des Waldes befindet sich der 334 m[5] hohe Haardtberg, mit einer Schießanlage und der Waldgaststätte Schießhaus mit Biergarten.

StadtklimaBearbeiten

 
Temperaturprofil einer Stadt

Die Haardt liegt zwischen zwei für das Stadtklima sehr vorteilhaften Kaltluftzufuhrgassen, die nachts frische Kaltluft aus der nördlich gelegenen Schweinfurter Rhön nach Süden in das Stadtgebiet führen. Dem Tal des Marienbachs und insbesondere dem unbebauten Zeller Grund, der seine südliche Fortsetzung im Tal des Marienbachs findet, das schließlich direkt am Rand der Schweinfurter Altstadt vorbeiführt. Jedoch wurde in den 1980er Jahren unweit südlich der Haardt, durch das Neubaugebiet an der Breiten Wiese, das zum Stadtteil Hochfeld/Steinberg gezählt wird, eine Barriere im Tal des Marienbachs geschaffen.

GeschichteBearbeiten

HaardtwaldBearbeiten

 
Straßenkarte Nordbayerns um 800

Das Gebiet im Schweinfurter Norden ist seit prähistorischeren Zeiten besiedelt (siehe: Dittelbrunn, Vorgeschichte) und mehrere (einstige) Ortschaften wurden bereits im 8. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Durch den Haardtwald führte etwa parallel zur heutigen Fahrstraße zum Schießhaus bereits im 8. Jahrhundert eine Fernstraße über die Salzburg (bei Bad Neustadt) nach Norddeutschland.

SchießanlageBearbeiten

   
Haardtberg: Schießhaus-Biergarten
Haardtberg: Victory Schießanlage

Das Schießhaus in der Mitte des Haardtwalds, auf dem 334 m hohen Haardtberg, wurde zunächst als einfache Wärmestube für Jäger erbaut. Er wurde später erweitert, als Treffpunkt der Jägerschaft aus Stadt und Landkreis.

Daneben entstand eine Schießanlage der Wehrmacht und das Schießhaus wurde daraufhin Offizierskantine. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schießhaus zum Gasthaus umgebaut. Die U.S. Army Garrison Schweinfurt nutzte nun das benachbarte 13 ha[6] große Areal, das Victory Schießanlage genannt wurde, bis zu ihrem Abzug im Jahre 2014. Pläne für eine Folgenutzung des Areals der Schießanlage sind derzeit (2018) nicht bekannt.

StadtteilBearbeiten

Auf dem Haardtberg befand sich eine historische Richtstätte der Reichsstadt Schweinfurt. Das Gebiet des heutigen Stadtteils auf dem Bergsporn und des nördlich anschließenden Haardtwaldes trug im 19. Jahrhundert die Flurbezeichnung Harthäuschen. Auf dem Bergsporn lagen Obstplantagen beiderseits einer Chaussee, die schnurgerade auf das Haardthäuschen führte, eine heute noch erhaltene Schutzhütte und historisches Wahrzeichen. Am Westabhang zum Marienbach lagen oberhalb der Straße nach Dittelbrunn Weinberge mit der Lagebezeichnung Gaukenleiten.[7]

Auf den Parzellen der Weinberge entstand nach Aufgabe des Weinbaus ab Anfang des 20. Jahrhunderts allmählich die erste Bebauung auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils. Es war jedoch lediglich eine ungeordnete, lockere Stadtrandbebauung, die sich oberhalb der Dittelbrunner Straße in einem 800 m langen Streifen bis an die Stadtgrenze hinzog. Hier befand sich auch die bis in die erste Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bestehende Ausflugsgaststätte Café Markfelder, in einem heute noch erhaltenen Haus. Der neue Stadtteil Haardt entstand erst ab 1972,[8] zeitgleich mit dem größeren Stadtteil Deutschhof. Die historische Chaussee blieb dabei in der Linienführung nicht erhalten, sondern der Bergsporn wurde durch eine Ringstraße erschlossen, dem Matthias-Grünewald-Ring, auf dem seitdem der Stadtbus verkehrt. Die Seitenstraßen wurden ebenfalls nach Namen von Malern benannt.

HeeresstraßeBearbeiten

 
9th Engineer Battalion 2012 auf der Heeresstraße, an der Brücke der B 286

Die nach dem Zweiten Weltkrieg von der U.S. Army Garrison Schweinfurt erbaute 9 km lange Militärstraße ist für den allgemeinen Verkehr (außer Land- und Forstwirtschaft) gesperrt. Sie verbindet die einstigen Ledward Barracks mit dem ehemaligen Standortübungsplatz am Brönnhof und durchquert dabei den Haardtwald an der ehemaligen Victory-Schießanlage. Im April 2016 wurde der 3 km nördlich des Haartwaldes bzw. der Stadtgrenze liegende Brönnhof zum Nationalen Naturerbe erhoben, der größten Naturerbefläche Bayerns.

Am 29. Februar 2016 erwarb die Stadt von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) Konversionsflächen von insgesamt 48 ha.[9][10] Die im Stadtgebiet liegenden Bereiche der Heeresstraße wurden dabei der Stadt Schweinfurt von der BImA mitübertragen. Die Heeresstraße ist derzeit (2018), außer der Zufahrt von Dittelbrunn zur Waldgaststätte Schießhaus, weiterhin für den öffentlichen Verkehr gesperrt, wegen Bauschäden und da sie durch ein Wasserschutzgebiet beim Aussichtspunkt Seelvater, im Nordwesten des Stadtgebietes führt. Bis zur Auflösung der Schweinfurter US-Garnison 2014 konnte die Straße nur deshalb genutzt werden, weil für militärische Zwecke andere Sicherheitsvorschriften gelten.

Da Schweinfurt über keine nordwestliche Tangente verfügt, besaß die Heeresstraße seit je her in der öffentlichen Wahrnehmung einen hohen Stellenwert, weshalb ihre schnelle Öffnung für den allgemeinen Verkehr, als Entlastung zur Kernstadt, im Zuge der US-Konversion zu einem Hauptanliegen der Bevölkerung wurde. Hierfür müsste eine Anschlussstelle an die Bundesstraße 286 geschaffen werden, die über eine Brücke die Heeresstraße quert und diese zudem verbreitert werden. Jedoch auf einer allein für militärische Zwecke geführten Trasse, die die freie Landschaft willkürlich durchschneidet, ohne Bezug zu den Siedlungsstrukturen. Weshalb im Verkehrsentwicklungsplan 2030 für die Stadt Schweinfurt[11] in drei (von insgesamt vier) Varianten vorgeschlagen wird, die Heeresstraße als anbaufreie Landstraße auszubauen.[12]

SozialstrukturBearbeiten

Status
31. Dez. 2015[13]
Haardt Gesamtgebiet
Schweinfurt
Deutsche 75,2 % 70,7 %
Doppelstaatler 17,4 % 16,1 %
Ausländer 7,4 % 13,2 %

Die Haardt ist, genauso wie der mit dem Stadtteil verbundene Vorort Dittelbrunn, seit den 1970er Jahren ein bevorzugtes Einfamilienhaus-Wohngebiet Schweinfurter Familien, was sich in der Haardt auch aufgrund der Altersstruktur erkennen lässt.[14] Mit einer Ausländerquote von 7,4 % hat der Stadtteil einen niedrigen Anteil von ausländischen Mitbürgern.

Das widerspiegeln auch die Wahlergebnisse. Bei der Bundestagswahl 2017 erreichte die FDP mit 14,1 % an der Haardt das beste Ergebnis aller Schweinfurter Stadtteile.[15]

In den 1990er Jahren wurde eine Wohnanlage mit mehreren großen Häusern für US-amerikanische Familien erbaut, die seit der Auflösung der Schweinfurter US-Garnison 2014 als neuer Wohnraum der Allgemeinheit zur Verfügung steht. Die 11.000 Amerikaner beiderseits der Stadtgrenzen wurden in der Bevölkerungsstatistik nicht erfasst, weshalb derzeit (2016) in der Haardt, wie auch einigen weiteren Stadtteilen und Vororten mit statistischen Einwohnerzuwachs zu rechnen ist.

Beschreibung des StadtteilsBearbeiten

Die Haardt ist komplett als Tempo-30-Zone ausgewiesen. Im Stadtteil gibt es Wohnbebauung, mit Einfamilienhäusern gehobenen Standards, Villen am Hang, mit weitem Ausblick und einigen, meist großzügig konzipierten Punkt- und Apartmenthäusern. Lediglich im südlichen Bereich errichtete 1972 die damalige Wiederaufbau-GmbH (WAG) als gemeinnützige Gesellschaft eine Wohnanlage mit drei Punkthäusern einfacheren Standards, mit Asbestzement-Fassadenverkleidung. Ein Teil der Wohnanlagen an der Haardt wurde altengerecht geschaffen. Die bauliche Entwicklung des Stadtteils ist seit den 1990er Jahren abgeschlossen.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Am unmittelbaren Rand des Stadtteils liegt ein Discountmarkt mit Bäckereifiliale und Postagentur, der jedoch dem Hochfeld/Steinberg zugerechnet wird. Ebenfalls am Rand, zur Eselshöhe gehörend, befindet sich ein kleines Geschäftszentrum mit zwei Banken. Die Haardt selbst ist der Schweinfurter Stadtteil mit der geringsten Infrastruktur, ohne Kirchengemeinde, Kindergarten, Schule, Hort oder Jugendeinrichtung.[14] Jedoch gibt es alle denkbaren Einrichtungen, von Schulen, Hallenbädern, einem großen Freizeitbad, bis hin zur modernen Mehrzweck- und Veranstaltungshalle im benachbarten Stadtteil Hochfeld/Steinberg und dem angrenzenden Wohnvorort Dittelbrunn.

ÖPNVBearbeiten

  • Stadtbuslinie Haardt, in den Hauptzeiten im 20- bis 30-Minuten-Takt
  • Stadtbuslinie Dittelbrunn

StraßenBearbeiten

SportBearbeiten

Am unmittelbaren Rand des Stadtteils, zum Hochfeld/Steinberg gehörend, liegen die Sportanlagen der TG 1848 Schweinfurt, einem der größten Vereine Unterfrankens.

Tennisplätze:

  • TG 1848.
  • Am Waldhaus Almrausch (siehe Freizeit)

FreizeitBearbeiten

Die Haardt ist einer der am schönsten gelegenen Stadtteile Schweinfurts. Am Rande von Wäldern und tief eingeschnittenen Tälern, zum Teil mit Mittelgebirgscharakter und nordwärts völlig unbesiedelten und verkehrswegefreien Gebieten, die sich bis in den Landkreis Bad Kissingen erstrecken. Am oberen Rand des Stadtteils eröffnet sich ein weiter Ausblick über Stadt und Mainfränkische Platten bis zum Steigerwald, mit dem Schwanberg. Nahe der Haardt, oberhalb des Zeller Grundes, liegen Häuser der Stadtranderholung.

FreizeitmöglichkeitenBearbeiten

 
Zwischen Haardtwald und Brönnhof
  • Wildpark an den Eichen (nahe an der Haardt, fußläufig erreichbar, im Stadtteil Hochfeld/Steinberg)
  • Silvana Sport- und Freizeitbad (dto.)
  • Minigolfanlage der TG 1848 (dto.)
  • Rodelbahn (dto.)
  • Biergärten, erreichbar über Wanderwege ab der Haardt:
    • Schießhaus, im Haardtwald
    • Almrausch, am Rande des Haardtwaldes, oberhalb Dittelbrunns. Die Hütt'n ist Heimat des Trachtenvereins Schweinfurt 02
  • Wanderwege durch den Haardtwald bzw. die Schweinfurter Rhön, bis zu Bayerns größten Nationalen Naturerbe, dem Brönnhof und weiter bis nach Maßbach im Landkreis Bad Kissingen.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Joachim Kilian: Der Stadtteil Schweinfurt-Haardt und seine Bewohner. Eine zeitgeschichtliche Betrachtung. Aktionskreis Haardt, Schweinfurt 2000.
    NT: Haardt – ein neuer Stadtteil in Schweinfurt.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Gemessen mittels BayernAtlas
  2. Melderegisterbasierte Einwohnerzahl
  3. Übersichtskarte der Stadtteile. Abgerufen am 19. Dezember 2017.
  4. Übersichtskarte der Stadtteile und statistischen Bezirke der Stadt Schweinfurt (im Jugendhilfeplan). Abgerufen am 8. Januar 2017.
  5. a b c Topografische Karte von Bayern 1:25.000. Blatt Nr. 5927 Schweinfurt. Landesamt für Vermessung und Geoinformation Bayern, München 2005.
  6. Wirtschaft in Mainfranken: Abzug der US-Army vom Standort Schweinfurt steht fest. Juli 2012, S. 34.
  7. BayernAtlas, Historische Karte, Stand nach 1870.
  8. Informationsbroschüre Stadt Schweinfurt. Weka Info-Verlag, Mering 2002, S. 7.
  9. Schweinfurter Tagblatt: Stadt wächst um 48 Hektar. 23. Dezember 2015.
  10. TV touring Schweinfurt: Konversion – Schweinfurt erwirbt auch die Heeresstraße. 2. März 2016.
  11. Auftraggeber: Stadt Schweinfurt; Auftragnehmer: Planersocietät Dr.-Ing Frehn, Steinberg Partnerschaft, Dortmund
  12. Verkehrswegeplan 2030 der Stadt Schweinfurt, Anlage 1, S. 258 ff.
  13. Melderegisterbasierte Bevölkerung
  14. a b Jugendhilfeplan der Stadt Schweinfurt, Beschreibung des Planungsgebietes Bezirk 34/35
  15. focus.de: Wahl Facts: 22,8 % im Stadtteil Deutschhof wählen AfD, 25. September 2017