Guinea (Region)

historische afrikanische Region

Guinea ist ein historischer Begriff für den südlichen Teil Westafrikas. Nach dieser Region sind die verschiedenen Staaten benannt, die „Guinea“ im Namen tragen.

Die Karte von 1727 zeigt die afrikanische Aufteilung unter den Kolonialmächten und markiert Negroland rosa und Guinea gelb
Die westafrikanische Küstenregion (blau) wird auf dieser Karte Afrikas von 1812 als Guinea bezeichnet, südlich davon erstreckt sich eine rotrosa markierte, aber nicht näher bezeichnete Region

Der Name wird unterschiedlich abgeleitet. Oft wird auf den berberischen Ausdruck aginaw verwiesen, der „Land der Schwarzen“ bedeute und über das Portugiesische als Guinea in die europäischen Sprachen gelangt sei; es gibt auch Hinweise auf eine Ableitung aus einer Bezeichnung für das historische Reich von Ghana oder für eine Herkunft aus dem lateinischen genu für „Knie“ als Name des Bogens der afrikanischen Küstenlinie.

Es gibt keine einheitliche Definition der Region Guinea. Der Gebrauch des Begriffs hing und hängt von den jeweiligen historischen und sprachlichen Gegebenheiten ab. In der traditionellen deutschsprachigen Geographie versteht man darunter einen bis zu 500 km breiten und über 6.000 km langen halbmondartigen Streifen, der sich entlang der Atlantik-Küste vom Senegal in Westafrika über Teile Zentralafrikas bis nach Angola in Südwest-Afrika ausdehnt[1]. In der internationalen (i. d. R. englischsprachigen) Literatur ist es üblicher, lediglich die Küstenregion von Senegal bis Kamerun als Guinea zu bezeichnen.

Traditionelle deutschsprachige DefinitionBearbeiten

 
Diese deutschsprachige Karte von 1891 enthält die Bezeichnungen Ober-Guinea und Nieder-Guinea

Nach der traditionellen deutschsprachigen Definition erstreckt sich die Region Guinea von Senegal bis Angola. Sie umfasst demnach die gesamte Küstenlinie des Golfs von Guinea und deren Hinterland. Der Bereich zwischen Senegal und Kamerun heißt nach dieser Definition Oberguinea, der Rest bis nach Angola Niederguinea. Während Oberguinea, das von der Oberguineaschwelle bestimmt wird, einen breiten Küstenstreifen aufweist, ist die Küste von Niederguinea, das von der Niederguineaschwelle bestimmt wird, eher schmal gegliedert; beide Teilregionen haben tropische Regenwälder und Savannen. Die folgenden Länder liegen teilweise oder ganz in den Großlandschaften Guineas:

Länder in OberguineaBearbeiten

Länder in NiederguineaBearbeiten

FlüsseBearbeiten

Die beiden größten Flüsse der Region Guinea sind der Niger (in Oberguinea) und der Kongo (in Niederguinea).

Abweichende DefinitionenBearbeiten

Außerhalb des deutschsprachigen Raums ist es weniger üblich, die Länder südlich Kameruns der Region Guinea zuzuordnen. „Guinea“ beschränkt sich hier auf das, was nach obiger Definition „Oberguinea“ heißt. Dies kann mitunter zu Verwirrungen führen: In der englischsprachigen Literatur bezeichnet historisch etwa die „Obere Guineaküste“ (Upper Guinea Coast) lediglich den Küstenstreifen von der Mündung des Gambia bis zum Kap Mount, d. h. Teile der Staaten Gambia, Senegal (Casamance), Guinea-Bissau, Sierra Leone und Liberia[2].

Auch in der Biogeographie versteht man unter den Guineischen Wäldern Westafrikas nur die Wälder „Oberguineas“ (nach obiger Definition). Dennoch werden diese in sich wiederum in Upper Guinean Forests („Oberguineische Wälder“) und Lower Guinean Forests („Niederguineische Wälder“) unterteilt. Dazwischen liegt die Dahomey Gap[3].

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Wikimedia-Atlas: Guinea (Region) – geographische und historische Karten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Vgl. z. B. Herbert Louis (1979): Allgemeine Geomorphologie: Textteil und gesonderter Bilderteil. Berlin, New-York: de Gruyter.
  2. Walter Rodney (1970): A History of the Upper Guinea Coast, 1545–1800. Oxford: Clarendon Press, S. 1–2.
  3. https://www.birdlife.org/africa/projects/cepf-investment-guinean-forests-west-africa-biodiversity-hotspot