Gmund am Tegernsee

Gemeinde in Deutschland

Gmund am Tegernsee (amtlich Gmund a.Tegernsee) ist eine Gemeinde und eine Ortschaft im oberbayerischen Landkreis Miesbach.

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Gmund a.Tegernsee
Gmund am Tegernsee
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Gmund a.Tegernsee hervorgehoben

Koordinaten: 47° 45′ N, 11° 44′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Miesbach
Höhe: 740 m ü. NHN
Fläche: 34,41 km2
Einwohner: 6114 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 178 Einwohner je km2
Postleitzahl: 83703
Vorwahlen: 08022, 08021, 08025
Kfz-Kennzeichen: MB
Gemeindeschlüssel: 09 1 82 116
Gemeindegliederung: 45 Gemeindeteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kirchenweg 6
83703 Gmund am Tegernsee
Website: gemeinde.gmund.de
Erster Bürgermeister: Alfons Besel[2] (FWG[3])
Lage der Gemeinde Gmund a.Tegernsee im Landkreis Miesbach
ÖsterreichLandkreis Bad Tölz-WolfratshausenLandkreis EbersbergLandkreis MünchenRosenheimLandkreis RosenheimBad WiesseeBayrischzellFischbachauGmund am TegernseeHaushamHolzkirchen (Oberbayern)IrschenbergKreuthMiesbachOtterfingRottach-EgernSchliersee (Gemeinde)Tegernsee (Stadt)ValleyWaakirchenWarngauWeyarnKarte
Über dieses Bild

GeografieBearbeiten

Gmund liegt am Nordufer des Tegernsees, wo sich auch der Ursprung der Mangfall befindet. Miesbach und Schliersee sind etwa 10 km von Gmund entfernt, Holzkirchen und Bad Tölz liegen jeweils 15 km entfernt. Rosenheim (38 km) und die Landeshauptstadt München (46 km) sind die nächstgelegenen Oberzentren der Gemeinde.

Neben dem Tegernsee liegen auch Teile der Mangfall sowie weitere Bäche auf dem Gemeindegebiet von Gmund. Zu den Bächen zählen unter anderem der Festenbach (Moosbach), der Dürnbach, der Schwärzenbach sowie der Quirinbach, der Grambach das Jägerbächlein und der Gruber Bach.

Die Gemeinde hat 45 amtlich benannte Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[4]

GeschichteBearbeiten

Ob das mittelalterliche Dorf während der Ungarneinfälle um 910 in Mitleidenschaft geriet, wie teilweise in der Literatur zu lesen ist, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit feststellen. Erstmals schriftlich erwähnt wurde Gmund mit dem Pfarrer Gerwig 1075 in einer Urkunde. Es wird aber vermutet, dass die Pfarrei schon älter ist. Sie wurde 1274 dem Kloster Tegernsee einverleibt, jedoch versahen noch bis 1657 Priester der Diözese Freising die Seelsorge. Erst ab 1657 bis zur Säkularisation 1803 wirkten in Gmund Ordenspriester des Klosters Tegernsee. Bereits 1321 ging die landesfürstliche Gerichtsbarkeit weitestgehend an das Kloster über. Im Dreißigjährigen Krieg hatte die Pfarrei 1632 unter Einfällen schwedischer Reiterei zu leiden, die Teile des Dorfes und der Kirche abbrannte. 1634 wütete die Pest, der zahlreiche Bewohner der Pfarrei Gmund zum Opfer fielen. 1693 weihte der Freisinger Weihbischof Sigmund Zeller die heutige Kirche St. Ägidius. Beim Bauernaufstand von 1705 waren auch Männer aus Gmund beteiligt. In der Sendlinger Mordweihnacht fielen 1100 Baiern, darunter auch 28 Aufständische aus Gmund. Von 1784 bis 1806 wirkte Pater Leonhard Buchberger als Gmunder Pfarrer, der sich auch als gelehrter Schriftsteller einen Namen machte. Nach der Säkularisation 1803 wurde Gmund Teil einer Gemeinde, die ihren Sitz in Ostin hatte und auch so hieß.[5] 1809 wurde Waakirchen als eigene Pfarrei von der Pfarrei Gmund getrennt.

NamensänderungBearbeiten

Am 14. Juni 1926 wurde die Gemeinde Ostin auf eigenen Wunsch amtlich in Gmund am Tegernsee umbenannt. Nun war Ostin ein Ortsteil von Gmund.[6]

EingemeindungenBearbeiten

Am 1. Mai 1978 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Dürnbach eingegliedert.[7]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 5.485 auf 6.089 um 604 Einwohner bzw. um 11 %.

PolitikBearbeiten

Kommunalwahl 2020
Wahlbeteiligung: 58,9 %
 %
50
40
30
20
10
0
40,62 %
32,9 %
15,93 %
10,55 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
-2,48 %p
+0,4 %p
+4,93 %p
-2,85 %p

GemeinderatBearbeiten

Die vergangenen Kommunalwahlen führten zu den folgenden Sitzverteilungen im Gemeinderat:

 
Gmunder Rathaus
Partei/Liste 2014[8] 2020[9]
CSU 9 8
FWG 6 7
Grüne 2 3
SPD 3 2
Gesamt 20 20

BürgermeisterBearbeiten

Am 11. März 2018 wurde in der Stichwahl Alfons Besel (FWG) mit 53,26 Prozent der Stimmen zum neuen Bürgermeister von Gmund gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 61,80 Prozent. In der Stichwahl unterlegen war Franz von Preysing (CSU) mit 46,74 Prozent der Stimmen. Er ist der Sohn von Georg von Preysing (CSU), der 18 Jahre lang Gmunder Bürgermeister war und nach Verzicht auf eine weitere Kandidatur nun von Alfons Besel abgelöst wurde.[10]

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In Blau über silbernen Wellen zwei mit den Stielen verschlungene silberne Seeblätter, überhöht von einer goldenen Krone mit lilienförmigen Blättern.“[11]

Die Wellen symbolisieren die Lage der Gemeinde am Tegernsee und am Oberlauf der Mangfall, die als Ausfluss des Tegernsees bei Gmund beginnt. Die zwei verschlungenen Seeblätter (Seerosenblätter) und die goldene Krone sind dem Wappen der Benediktinerabtei Tegernsee entlehnt. Seeblätter und Krone unterstreichen die einst große Bedeutung des Klosters Tegernsee für die Gemeinde Gmund.[12]

PartnergemeindeBearbeiten

Die Gemeinde unterhält seit 2010 offiziell eine Partnerschaft mit der italienischen Gemeinde Fauglia in der Toskana.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Pfarrkirche St. Ägidius mit Friedhof
 
Innenansicht der Kirche

Pfarrkirche St. ÄgidiusBearbeiten

Die Pfarrkirche St. Ägidius wurde 1688 bis 1692 von dem Graubündner Baumeister Lorenzo Sciasca im Barockstil erbaut und ist die älteste Kirche in der Umgebung des Tegernsees. Die Kirche wurde 1693 dem Benediktinerabt Ägidius geweiht. Das Äußere der Kirche ist eher schlicht und bescheiden gehalten, wenn auch die Kirche durch ihre Berglage den Ort Gmund überragt. Das Innere der emporenlosen Wandpfeilerkirche wirkt großzügig und durch die Rahmung der Gewölbe klar gegliedert. Das Gemälde „Geschichte des heiligen Ägid“ des Hochaltars (1692) ist ein Werk von Hans Georg Asam. Die Seitenaltäre sind aus dem 18. Jahrhundert. 1998 bis 2001 wurde die Kirche im Barockstil generalsaniert. Bereits 1087 stand an dieser Stelle eine erste steinerne Kirche. Um die heutige Kirche herum ist ein Friedhof mit alten und traditionellen Gräbern angelegt, der von einer Mauer umgeben ist.

Evangelische ErlöserkircheBearbeiten

In der Kirche findet sich ein Kruzifix des Bildhauers Karl Hemmeter.

Maria-Hilf-KapelleBearbeiten

Die kleine Kapelle am Fuß der Pfarrkirche St. Ägidius liegt direkt an der Hauptstraße. Sie wurde 1634 als Pestkapelle gebaut wird seit 1918 als Kriegergedächtniskapelle genutzt. Über dem Eingang der schlichten Kapelle ist ein Betender in Stein gemeißelt. Der Kirchturm ist aus Holz bzw. mit Holz verkleidet. An der Stirnseite zur Straße steht „Ehre den Opfern – Mahnung den Lebenden“. Im Inneren sind Steintafeln mit den Namen der Toten und Vermissten der Kriege von 1918 und 1939/45 aus verschiedenen Gemeinden (Gmund, Moosrain, Dürnbach, Finsterwald, Georgenried, Louisenthal u. a.). Die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges aus den Gemeinden Gmund und Dürnbach sind zusätzlich mit Bildern gezeigt. 1988 bis 1991 wurde die Kapelle renoviert.

WeiteresBearbeiten

Etwa einen Kilometer westlich liegen das Gut Kaltenbrunn und die abgegangene Burg Ebertshausen. Wegen seiner exponierten Lage wurden im Gut Kaltenbrunn mehrfach Filme gedreht, zuletzt der Mehrteiler Zwei am großen See. Mittlerweile wurde der Gutshof von der Schörghuber Unternehmensgruppe erworben, die das Anwesen seit 2014 denkmalgerecht saniert.

BaudenkmälerBearbeiten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Im Ort befindet sich eine Bahnstation mit stündlichen Verbindungen nach München an der Bahnstrecke Schaftlach–Tegernsee, die von der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) bedient wird.

Mit den Nachbargemeinden Bad Wiessee, Tegernsee und Rottach-Egern bestehen außer den Linienbusverbindungen (Tegernsee-Ringlinie) auch regelmäßige Schiffsverbindungen über den See. Weitere Busverbindungen bestehen in die übrigen Orte der Umgebung.

WirtschaftBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

Zu den bekanntesten Persönlichkeiten, die in Gmund lebten, gehören der Ex-Bundeskanzler, Einführer der Sozialen Marktwirtschaft und „Vater des deutschen WirtschaftswundersLudwig Erhard, der Architekt Sep Ruf und der Journalist Peter Boenisch; alle drei liegen auf dem örtlichen Bergfriedhof begraben.

Der bedeutendste Sohn der Gemeinde ist der Hofbaumeister Hanns Reiffenstuel (1548–1620). Mit seinem Sohn Simon leitete er von 1617 bis 1619 den Bau der Soleleitung von Reichenhall nach Traunstein.

Anton von Rieppel, ein Statiker und Industrieller, hatte seit 1901 seinen Landsitz auf dem Finnerhof, wo er ab 1920 auch dauerhaft lebte.

1934 erwarb Heinrich Himmler mit seiner Frau Margarete Himmler das Anwesen Lindenfycht in Gmund. Er hielt sich in dieser Zeit allerdings schon hauptsächlich in Berlin auf.[13][14]

Ehrenbürger
  • Otto Beisheim (1924–2013), Gründer des Metro-Konzerns, Verleihung Anfang November 2005

LiteraturBearbeiten

  • Josef Obermayr: Die Pfarrei Gmund am Tegernsee und die Reiffenstuel, ein Beitrag zur oberbayerischen Namen- u. Ortsgeschichte. Datterer, Freising 1868 Digitalisat
  • Rupert Berlinger (Schriftleitung): 900 Jahre Pfarr-Gemeinde Gmund a. Tegernsee. Festschrift herausgegeben von den Gemeinden Gmund am Tegernsee und Dürnbach sowie vom Katholischen Pfarramt Gmund zur 900-Jahr-Feier, Gmund am Tegernsee 1975
  • Johann Spörlein: Kath. Pfarrkirche Gmund am Tegernsee. Verlag Schnell & Steiner GmbH, München 1984 (4. Auflage)

WeblinksBearbeiten

Commons: Gmund am Tegernsee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Gmund am Tegernsee – Reiseführer

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Tabellenblatt "Daten 2", Statistischer Bericht A1200C 202041 Einwohnerzahlen der Gemeinden, Kreise und Regierungsbezirke 1. Vierteljahr 2020 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. https://www.merkur.de/lokales/region-tegernsee/gmund-ort65533/buergermeisterwahl-in-gmund-landkreis-miesbach-alle-infos-im-live-ticker-9643915.html
  3. Freie Wähler Gemeinschaft im Landkreis Miesbach
  4. Gemeinde Gmund am Tegernsee in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 7. September 2019.
  5. Gemeinde Gmund – Geschichte der politischen Gemeinde, …, abgerufen am 28. Juli 2019
  6. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 522.
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 581.
  8. Gemeinderäte. Abgerufen am 21. März 2020.
  9. Gemeinde Gmund am Tegernsee | Wahlen |  . Abgerufen am 24. März 2020.
  10. https://www.merkur.de/lokales/region-tegernsee/gmund-ort65533/buergermeisterwahl-in-gmund-landkreis-miesbach-alle-infos-im-live-ticker-9643915.html merkur.de – Bürgermeisterwahl in Gmund (Landkreis Miesbach)
  11. Eintrag zum Wappen von Gmund am Tegernsee in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  12. Haus der Bayerischen Geschichte: Bayerns Gemeinden – Gmund am Tegernsee, abgerufen am 28. Juli 2019
  13. Christina Wittler: Leben im Verborgenen. Die Witwe des „Reichsführers SS“ Heinrich Himmler Margarete Himmler (1893–1967) In: Bärbel Sunderbrink (Hrsg.): Frauen in der Bielefelder Geschichte, Bielefeld 2010, S. 195.
  14. Tegernseer Stimme: Wo geht’s zu den Nazis? 28. Mai 2015