Friedrich Sixt

deutscher Offizier, zuletzt Generalleutnant im Zweiten Weltkrieg

Friedrich Maximilian Heinrich Sixt (* 28. Oktober 1895 in München; † 4. August 1976 ebenda) war ein deutscher Offizier, zuletzt Generalleutnant im Zweiten Weltkrieg.

LebenBearbeiten

Friedrich Sixt war ein Sohn des späteren Oberstleutnants Friedrich Laurentius Sixt (1860–1921) und ging von 1902 bis 1905 in die Volksschule in Ansbach bei Nürnberg und anschließend auf humanistische Gymnasien in Ansbach, Nürnberg und München.

Er trat Mitte 1914 nach dem Abitur als Fahnenjunker in die Armee ein, stand als Leutnant 1915 im 6. Feldartillerie-Regiment der 5. Bayerische Division, 1918 zum Oberleutnant befördert und kämpfte als Nachrichtenoffizier einer Abteilung und als Abteilungsadjutant im Ersten Weltkrieg.

Nach Ende des Krieges kam er im Freikorps Epp unter und wechselte von dort in die Reichswehr zur Artillerie. Im November 1923 war er mit seiner Batterie, da diese zu dieser Zeit die einzige der Reichswehr in München war, an der Niederschlagung des Hitlerputsches beteiligt. Sixt leistete 1925 seine Wehrkreisprüfung und war ab 1926 zur Führergehilfenausbildung befohlen. Für zwei Jahre diente er beim Wehrkreiskommando in München und dann ein Jahr beim Oberkommando des Heeres in Berlin. Von 1929 bis 1932 war er wieder beim Wehrkreiskommando in München. Im Herbst 1932 folgte seine Versetzung zum 5. Artillerie-Regiment nach Fulda, wo er für zwei Jahre Batterieführer wurde. Ende 1934 kam seine Versetzung nach Breslau als 2. Generalstabsoffizier des neu aufgestellten VIII. Armeekorps, getarnt als „Heeresdienststelle Breslau“.

Anschließend wirkte er in der Wehrmacht ab September 1937 im Generalstab des Heeres. Am 1. August 1937 war er zum Oberstleutnant und wurde am 1. Februar 1940 zum Oberst befördert. Im Generalstab des Heeres war er Gruppenleiter der Abteilung Kriegsheer und Mobilmachung, wodurch er mit der Überführung des Friedensheeres in den Kriegszustand befasst war. Ab Ende April 1940 war er als Generalstabschef des neu aufgestellten XXXXIV. Armeekorps am Südabschnitt der Ostfront. Mit der 17. Armee nahm er beim Vorstoß in den Kaukasus teil. Am 1. Juni 1942 war er zum Generalmajor befördert worden und in die Führerreserve versetzt. Von Juli 1942 bis Ende April 1943 war er in Frankreich Chef des Generalstabs der 7. Armee.[1] Ab Ende Juni 1943 führte er die 50. Infanterie-Division bei den Rückzugskämpfen aus dem Kuban-Brückenkopf auf die Krim. Teile der Division wurden als Gruppe Sixt bezeichnet. Beim Rückzug der Division nach Sewastopol wurde Sixt schwer verwundet, wurde evakuiert und musste das Kommando im Mai 1944 an Oberst Paul Betz abgeben.[2][3] Er blieb bis Juli 1943 im Lazarett.

Mitte August 1944 übernahm er in der 2. Armee das Kommando über die 5. Jäger-Division am Narew-Abschnitt. Die Division kämpfte in der Schlacht um Ostpreußen und in der Schlacht an der Oder bei der 9. Armee. Am 18. April 1945 übergab er sein Kommando an Generalleutnant Edmund Blaurock und übernahm, kurz vor dem Ende der Schlacht an der Oder, noch als Nachfolger des Generals der Artillerie Wilhelm Berlin das Kommando über das über den Hohenzollern-Kanal zum Elbe-Abschnitt zurückgezogene CI. Armeekorps, in welcher die ehemalige 5. Jäger-Division, nun als 5. Infanterie-Division, eingegliedert war. Mit dem Armeekorps, der 21. Armee unterstellt, kapitulierte er im Raum Ludwigslust.

Nach dem Krieg kam er erst in amerikanische, dann in britische, Kriegsgefangenschaft und erhielt bis 1947 eine Internierung im Internierungslager Neuengamme. 1948 wird er u. a. bzgl. des Anschlusses von Sudentendeutschland, der militärischen Besetzung und dem Freikorps Henlein durch die Alliierten befragt.[4] In der Vernehmung gab er an nicht in der NSDAP gewesen zu sein.

Anschließend arbeitete er für die Operational History (German) Section, schrieb einige Berichte und lebte in Icking. Friedrich Sixt war 1956 unter der Führung von Erich von Manstein gemeinsam mit Theodor Busse und Georg-Hans Reinhardt als Berater für den deutschen Verteidigungsbeitrag im Rahmen der NATO aufgetreten.[1] Er vertrat inhaltlich den Anteil der die operativen Möglichkeiten von Angreifern und Verteidigern beschrieb[5][6] und nahm an der Sitzung des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages teil.

Von 1959 bis 1963 war er Vorsitzender der Landes-Elternvereinigung der Gymnasien in Bayern.

Sein Nachlass mit u. a. den Tagebüchern ist im Bundesarchiv und die Offizierspersonalakte (Nr. 56446) im Bayerischen Hauptstaatsarchiv archiviert.

AuszeichnungenBearbeiten

WerkeBearbeiten

  • Der Feldzug gegen die Sowjetunion im Nordabschnitt der Ostfront, III. Der Übergang der Initiative an den Russen (Kriegsjahr 1943). Für die Army Study Group, ZA 1/2045, P-114a.
  • Der Feldzug gegen die Sowjetunion im Nordabschnitt der Ostfront, IV. Der Rückzug der Heeresgruppe Nord in die Baltischen Länder und das Ringen um den Zusammenhang mit der Gesamtfront, Jan. bis Mitte Sept. 1944. Für die Army Study Group, ZA 1/2046.
  • Der Feldzug gegen die Sowjetunion im Nordabschnitt der Ostfront, V. Einschließung in Kurland und Endkampf der Heeresgruppe Nord/Kurland. Für die Army Study Group, ZA 1/2047, P-114a.
  • 10Th SS Panter Division „Frundsberg“ Jun–Nov 1944. US Army Foreign Military Studies, P-163.[9]
  • Die Tätigkeit der Div. Nr-180 im September und Oktober 1944. US Army Foreign Military Studies, P-172.
  • Die Kämpfe der Panzer-Brigade 107 im September und Oktober 1944. Eigenverlag, 1966.

LiteraturBearbeiten

  • Friedrich Forstmeier: Die Räumung des Kuban-Brückenkopfes im Herbst 1943. Wehr und Wissen Verlagsgesellschaft, 1964,
  • Wolfgang Keilig: Das deutsche Heer. 1939–1945. Band 3, Podzun, 1956, S. 319.
  • Peter Stockert: Die Eichenlaubträger 1940–1945, 9 Bände, 4. überarbeitete Auflage, Bad Friedrichshall 2010–2011.
  • Fürsorge und Kameradschaft–Zum Gedenken an Gerneralleutnant a. D. Friedrich Sixt. Alte Kameraden, Carl Teike Verlag, 10/1976, S. 25.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Franz Kurowski: Verleugnete Vaterschaft: Wehrmachtsoffiziere schufen die Bundeswehr. Pour le Mérite, 2000, ISBN 978-3-932381-12-6, S. 31 (google.de [abgerufen am 22. Mai 2020]).
  2. Samuel W. Mitcham: German Order of Battle: 1st-290th Infantry divisions in World War II. Stackpole Books, 2007, ISBN 978-0-8117-3416-5, S. 98+99 (google.de [abgerufen am 22. Mai 2020]).
  3. Robert Forczyk: Where the Iron Crosses Grow: The Crimea 1941–44. Bloomsbury Publishing, 2014, ISBN 978-1-78200-975-7, S. 328 (google.de [abgerufen am 22. Mai 2020]).
  4. Die Protokolle hierzu sind digital verfügbar, siehe Weblinks.
  5. Oliver von Wrochem: Erich von Manstein: Vernichtungskrieg und Geschichtspolitik. Schöningh, 2006, ISBN 978-3-506-76599-4, S. 329+330 (google.de [abgerufen am 22. Mai 2020]).
  6. Georg Meyer: Adolf Heusinger: Dienst eines deutschen Soldaten, 1915 bis 1964. Mittler, 2001, ISBN 978-3-8132-0769-9, S. 546 (google.de [abgerufen am 22. Mai 2020]).
  7. Veit Scherzer: Ritterkreuzträger 1939–1945. Die Inhaber des Eisernen Kreuzes von Heer, Luftwaffe, Kriegsmarine, Waffen-SS, Volkssturm sowie mit Deutschland verbündete Streitkräfte nach den Unterlagen des Bundesarchivs. 2. Auflage. Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2.
  8. Walther-Peer Fellgiebel: Die Träger des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes 1939–1945 – Die Inhaber der höchsten Auszeichnung des Zweiten Weltkrieges aller Wehrmachtteile. Dörfler Verlag, Eggolsheim 2004, ISBN 3-7909-0284-5, S. 82, 326.
  9. Dieter Stenger: Panzers East and West: The German 10th SS Panzer Division from the Eastern Front to Normandy. Rowman & Littlefield, 2017, ISBN 978-0-8117-6590-9, S. 357 (google.de [abgerufen am 22. Mai 2020]).