Franz I. (Sizilien)

König von Sizilien und Neapel
Franz I., König beider Sizilien

König Francesco I. Gennaro beider Sizilien (* 19. August 1777 in Neapel; † 8. November 1830 ebenda) war der zweite Sohn des Königs Ferdinand I. von Neapel-Sizilien und dessen erster Gemahlin Maria Karolina von Österreich. Er folgte 1825 seinem Vater auf den Thron von Neapel und Sizilien.

LebenBearbeiten

Herkunft und JugendBearbeiten

 
Palazzo Reale in Neapel

Franz I. von Bourbon wurde als Prinz Francesco Gennaro Giuseppe Saverio Giovanni Battista am 19. August 1777 im Palazzo Reale in Neapel als zweiter Sohn von König Ferdinand I. geboren. Nach dem frühen Tod des älteren Bruders Carlo Tito (1775–1778) wurde er 1778 zum Herzog von Kalabrien und Thronfolger von Neapel und Sizilien ernannt.

Francesco erhielt gut qualifizierteste Tutoren zur Ausbildung, zu seinen Lehren zählte der apulische Physiker Giuseppe Saverio Poli und der Kardinal Domenico Orsini, Herzog von Gravina. Er war ein gewissenhafter Schüler und bekam eine humanistische Ausbildung, die ihn für die künftige Thronfolger angemessen vorbereitete.

 
Prinz Francesco Gennaro auf einem Gemälde von Élisabeth Vigée-Lebrun im Museo di Capodimonte, um 1790

Zeit als ThronfolgerBearbeiten

Der junge Thronfolger zeigte Interesse an wissenschaftlichen und natürlichen Themen, insbesondere an Botanik und Geschichte. Weniger Interesse hatte er an Latein und anderen Geisteswissenschaften. Seine Leidenschaft für die Botanik veranlasste ihn schon zwei Abhandlungen zum Thema zu schreiben: "Istruzione per la coltura della pianta del cartamo e Memoria sulla coltura ed uso dell'erba dell'abbondanza." (Anleitung zum Anbau der Saflorpflanze und Hinweise für den Anbau der Abbondanza-Gewächse).

Mit 18 Jahren durfte er ab 1795 an den Sitzungen des Staatsrates teilnehmen. Während dieser Einführung in die Staatskünste, wagte er niemals die Entscheidungen seiner Eltern zu kritisieren und befolgte alle vorgegebenen Richtlinien. Ebenso erklärte er sich gehorsam bereit, seine Cousine Erzherzogin Maria Clementina von Österreich, eine Tochter von Leopold II. zu heiraten. Der Ehevertrag war 1790 unterzeichnet worden, wurde jedoch aufgrund der revolutionären Unruhen, welche die Französische Revolution in Europa verursachte, verschoben. Erst in einer Zeit relativen Friedens zwischen Neapel und Paris konnte Maria Clementina ihre neue Heimat gefahrlos erreichen. Die Hochzeit fand am 25. Juni 1797 in Foggia statt und war Teil des politischen Plans eines Bündnisses zwischen dem Königreich Neapel und dem Kaiserhof in Wien.

Im folgenden Jahr, 1798, nahm der Herzog von Kalabrien als Truppenführer des königlichen Heeres an der neapolitanischen Expedition gegen die von den Franzosen ins Leben gerufene Römische Republik teil, um die weltliche Macht des Papstes wiederherzustellen. General Championnet, Oberbefehlshaber der französischen Truppen, welche die Römische Republik schützen, wurde zunächst durch eine fünffach überlegene Truppe der Neapolitaner aus Rom vertrieben, schlug aber im Dezember 1798 die von General von Mack geführten Streitkräfte und eroberte Capua. Im Januar 1799 fielen die französischen Truppen als Vergeltung in das Königreich Neapel ein. Unter englischem Schutz flüchtete die königliche Familie einschließlich Francesco nach Sizilien. Gleichzeitig wurde in Neapel die Parthenopäische Republik ausgerufen. 1801 starb Francescos Gemahlin Maria Clementina in Palermo an den Folgen einer Tuberkulose, einige Monate nach dem Tod des ältesten Sohnes Ferdinando. Kardinal Fabrizio Dionigi Ruffo wurde im Januar 1799 zum Generalvikar des Königreichs berufen und organisierte Aufstände in Apulien und Kalabrien. 1801 kehrte Francesco nach der Rückeroberung von Neapel durch Kardinal Ruffo als Leutnant nach Neapel zurück und blieb dort bis Juni 1802, dem Zeitpunkt der Rückkehr König Ferdinands aus Sizilien.

Nachdem Francesco seine Trauerzeit beendet hatte, wurde am 6. Juli 1802 auf Geheiß Ferdinand IV. eine neue Ehe mit Maria Isabella von Spanien, der Tochter Karl IV. arrangiert. Ferdinand IV. von Neapel und der König von Spanien waren Brüder, daher waren die Ehegatten neuerlich als Cousins eng verwandt. Die Hochzeitszeremonie fand vom 6. bis 12. Oktober in Barcelona statt, nach der prächtigen Hochzeit kehrten die Ehegatten nach Neapel zurück. Die neue Ehe, aus der zahlreiche Kinder hervorgingen, wurde von Ferdinand IV. geplant, der auf diese Weise das Bündnis zwischen Neapel und Madrid erneuerte. Trotz dieser dynastischen Beziehung hatten sich die Beziehungen aufgrund der Umtriebe von Maria Carolina, welche das Königreich Neapel unter den völligen Einfluss der Habsburger brachte, schnell abgekühlt.

Generalvikar von NeapelBearbeiten

Neapel wurde 1806 erneut von der französischen Armee besetzt, die königliche Familie musste erneut in Palermo Zuflucht suchen. Francesco folgte ihnen aber nicht nach, landete bei Sapri und wurde vom König zum Stellvertreter und Generalvikar am italienischen Festland ernannt. Er zog es nach dem Vorbild Ruffos vor, einen Volksaufstand in Kalabrien und in der Basilicata zu organisieren. Leider scheiterte seine Unternehmung schnell und er musste sich mit dem Rest der royalistischen Anhänger nach Sizilien flüchten.

 
Das Gemälde von Giuseppe Cammarano zeigt von links nach rechts Maria Isabella von Bourbon-Spanien (zweite Frau von Franz I.) mit Maria Carolina und Maria Antonietta, die zukünftige Großherzogin der Toskana. Luisa Carlotta umarmt die zukünftige Königin von Spanien, Maria Cristina. Am Sockel der Büste Ferdinand I., der kleine Ferdinand II., Erbe des Königreichs beider Sizilien. Franz I. trägt Maria Amalia in Händen, rechts: Carlo, Prinz von Capua und Leopoldo, Graf von Syrakus

König Ferdinand IV. konnte währenddessen unter dem Schutz der britischen Flotte weiterhin im Königreich Sizilien regieren. Nachdem die Sizilier durch den Einfluss der Engländer eine Verfassung erhalten hatten, fühlte sich der Wiener Hof brüskiert, worauf die Königin Karoline über Istanbul nach Wien ins Exil ging. König Ferdinand legte am 16. Januar 1812 auf Druck Englands die Regierung nieder und übertrug sie dem Sohn Francesco, der die neue Verfassung annehmen und Lord Bentinck als Befehlshaber der britischen Truppen im Königreich Sizilien anerkennen musste. Nach dem die Regentschaft von Joachim Murat zusammen gestürzt war, verließ König Ferdinand am 17. Mai 1815 Sizilien und ernannte seinen Sohn zum Statthalter der Insel. Während der neun Jahre, die Francesco in Sizilien verbrachte, nahm er sein ländliches Leben wieder auf und gründete die Modellfarm Boccadifalco, auf der er mit neuen Methoden der Bewässerung, Kultivierung und Zucht experimentierte.

Im Dezember 1816 wurde das Königreich beider Sizilien gegründet und als der sich jetzt Ferdinand I. nennende König die Verfassung von 1812 wieder aufhob brach 1820 ein Aufstand los, der nur mit Hilfe Österreichs unterdrückt werden konnte. Während des Aufstands in Neapel und Palermo wurde Francesco zum Generalvikar des Königreichs ernannt. Die österreichische Besatzung in Neapel blieb weiterhin bestehen, sogar über den Tod Ferdinand I. hinaus, der am 4. Januar 1825 im Alter von 73 Jahren erfolgte.

RegentschaftBearbeiten

 
Franz I., König beider Sizilien

Nachdem die Regentschaft von Franz I. bereits durch seine wiederholte Amtszeit als Vikar des Königreichs bekannt war, erwarten die Liberalen und die ehemaligen aufständischen Führer eine neue fortschrittliche Politik für das Königreich. Die Politik Franz I. blieb aber nach seiner Machtübernahme streng reaktionär, entgegen den Erwartungen von Liberalen und Progressiven. Franz I. änderte nichts, nicht nur weil sein Reich weiterhin von den österreichischen Truppen kontrolliert wurde, sondern auch weil Neapel von den gleichen Ministern regiert blieb, die zuletzt auch seinem Vater dienten. Der Ministerpräsident des Kabinetts in Neapel blieb Luigi de Medici und auf Sizilien amtierte Pietro Ugo delle Favare, beide bekannt für ihren Autoritarismus und ihre Repressionen. Im Jahr 1827 erzielte Franz seine einzigen politischen Erfolg, indem er die österreichische Armee, die das Land seit 1821 besetzt hatte und vom Steuergeld Neapels finanziert wurde, zum Abzug überredete.

Die Regierungszeit von Franz I. war mit der Zunahme der Carbonari-Geheimbünde, hauptsächlich auf der Halbinsel und in Ost-Sizilien verbunden. Im Rest des sizilianischen Territoriums blühte der Schmuggel und Korruption auf. Es kam zu vielen Verbrechen durch private bewaffnete Banden, die im Auftrag der Feudalherren (Adlige und Großgrundbesitzer) arbeiten und aus der später die Cosa Nostra hervorging.

Am 28. Juni 1828 begann in Cilento ein neuer Aufstand gegen den König, der von Mitgliedern des sogenannten Geheimbundes von Philadelphia ins Leben gerufen wurde und die Wiederherstellung der Verfassung von 1820 forderte. Die Aufständischen nahmen schnell die Städte Centola, Camerota, Bosco und Palinuro ein. Am 1. Juli sandte König Franz den Minister Francesco Saverio Del Carretto an der Spitze von 8000 Soldaten ab um die Revolte niederzuschlagen. Dabei wurde mehrere Gewaltakte gegen die Zivilbevölkerung vorgenommen und das aufständische Dorf Bosco am 7. Juli zerstört. Del Carretto drohte damit auch das Dorf Celle di Bulgheria zu zerstören, wenn der Anführer des Aufstands, der Kanoniker Antonio Maria De Luca, nicht ausgeliefert würde. Letzterer ergab sich der Polizei, um ein Massaker zu vermeiden und wurde einige Tage später nach seiner Exkommunikation zum Tode verurteilt.

Franz I. verstarb am 8. November 1830, im Alter von 53 Jahren, nach nur fünf Jahren Herrschaft und wurde in der Basilika Santa Chiara beigesetzt. Sein Sohn Ferdinand Charles Marie folgt ihm als König auf dem Thron nach.

VorfahrenBearbeiten

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Philipp V. König von Spanien (1683–1746)
 
 
 
 
 
 
 
Karl III. König von Spanien (1716–1788)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Elisabetta Farnese (1692–1766)
 
 
 
 
 
 
 
Ferdinand I. von Neapel-Sizilien (1751–1825)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Friedrich August II. Kft. von Sachsen,(1696–1763)
 
 
 
 
 
 
 
Maria Amalia von Sachsen (1724–1760)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Maria Josepha (1699–1757)
 
 
 
 
 
 
 
Franz I. König beider Sizilien
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Leopold von Lothringen (1679–1729)
 
 
 
 
 
 
 
Kaiser Franz I. Stephan (1708–1765)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Élisabeth Charlotte de Bourbon-Orléans (1676–1744)
 
 
 
 
 
 
 
Maria Karolina von Österreich Erzherzogin (1752–1814)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Kaiser Karl VI. (1685–1740)
 
 
 
 
 
 
 
Kaiserin Maria Theresia (1717–1780)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Kaiserin Elisabeth Christine (1691–1750)
 
 
 
 
 
 

Ehen und NachkommenBearbeiten

Am 25. Juni 1797 vermählte er sich in Foggia mit Maria Klementine von Österreich, väterlicher- und mütterlicherseits seine Cousine ersten Grades, mit der er diese zwei Kinder hatte:

Am 6. Oktober 1802 heiratete er in zweiter Ehe in Neapel Maria Isabel von Spanien, seine Cousine ersten Grades väterlicherseits, die ihm folgende Kinder gebar:

  • Luisa Carlotta (* 24. Oktober 1804; † 29. Januar 1844), Prinzessin von Spanien
  • María Cristina (* 27. April 1806; † 22. August 1878);⚭ 1829 Ferdinand VII., König von Spanien
  • Ferdinand II. (* 12. Januar 1810; † 22. Mai 1859), König beider Sizilien
  • Carlo Fernando (* 10. Oktober 1811; † 22. April 1862), Prinz von Neapel-Sizilien
  • Leopoldo Benjamin (* 22. Mai 1813; † 4. Dezember 1860), Prinz von Neapel-Sizilien
  • Maria Antonietta (* 19. Dezember 1814; † 7. November 1898); ⚭ Leopold II., Großherzog von Toskana
  • Antonio (* 23. September 1816; † 12. Januar 1843), Graf von Lecce
  • Maria Amalia (* 25. Februar 1818; † 6. November 1857), Prinzessin von Bourbon; ⚭ Sebastian, Infant von Portugal (1811–1875)
  • Maria Carolina (* 29. Februar 1820; † 13. Januar 1861), Prinzessin von Spanien
  • Teresa Cristina (* 14. März 1822; † 28. Dezember 1889); ⚭ 1843 Peter II., Kaiser von Brasilien
  • Luigi Carlo (* 19. Juli 1824; † 5. März 1897), Graf von Aquilia; ⚭ 28. April 1844 Januária von Brasilien
  • Francesco Luigi (* 13. August 1827; † 24. September 1892), Graf von Trapani

EhrungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Francis I of the Two Sicilies – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
VorgängerAmtNachfolger
Ferdinand I.König beider Sizilien
1825–1830
Ferdinand II.