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GeographieBearbeiten

Zur Gemeinde Ennetbürgen gehören Teile der Allmend zwischen Stans und Buochs, der Gebiete Bürgenberg und Bürgenbergwald sowie des Vierwaldstättersees. Somit liegt sie zwischen 435 m ü. M. am Seeufer und 1127 m ü. M. am Gipfel des Bürgenstocks.

Vom gesamten Gemeindegebiet sind 14,7 % Siedlungsfläche; den grossen Teil von 33,5 % bedecken Gehölz und Wald. Eine noch grössere Fläche wird mit 51,7 % landwirtschaftlich genutzt; lediglich 0,1 % sind unproduktive Flächen.

WappenBearbeiten

Das rote Ennetbürgner Wappen zeigt einen weissen T-förmigen Stab, der zwei goldene Glocken an beiden Seiten trägt. Darüber befindet sich eine goldene, lachende Sonne, die mit dem linken Auge zwinkert. Der Stab stellt das Kreuz des St. Antonius dar, der als Kirchenpatron gilt. Die zwinkernde und lächelnde Sonne weist auf den sonnigen Südhang hin, der Ennetbürgen zur sonnenreichsten Gemeinde in Nidwalden macht. Das Wappen besteht seit 1894 als es von dem Heraldiker Adalbert Vokinger entworfen wurde.

GeschichteBearbeiten

 
Bucht von Ennetbürgen und Buochs

Der sonnige Südhang des Bürgenstocks war vermutlich schon sehr früh besiedelt. Die Ebene südlich davon, die heute das Gemeindezentrum und größeren Teil der Wohn- und Gewerbegebäude umfasst, war jedoch Überschwemmungsgebiet im Mündungsdelta der Engelberger Aa und unbewohnbar. 1501 wurde auf Beschluss der Landsgemeinde die Aa eingedämmt und bei Buochs in den See geleitet. Damit wurde die Besiedlung der Ebene möglich.

Die «Bergleute vom Bürgen», die Vorgänger der heutigen Genossenkorporation, organisierten bis 1850 das ganze Zusammenleben in Ennetbürgen. Deshalb kann die Frühgeschichte von Ennetbürgen unter ihrem Kapitel nachgelesen werden. Die Zuständigkeit einer Körperschaft für fast alle Belange des öffentlichen Lebens von damals war sicher praktisch und wäre für viele Zeitgenossen auch für die heutige Zeit ein Wunschtraum. Doch der Nachteil von damals, dass nur Genossenbürger politische Rechte ausüben durften, war mit der Annahme der Bundesverfassung von 1848 nicht mehr zu vereinbaren. Deshalb wurde Nidwalden, obwohl hier die Verfassung haushoch abgelehnt worden war, gezwungen, seine Kantonsverfassung anzupassen und allen Einwohnern gleiche Rechte zuzugestehen. Um dies zu erreichen, mussten neue politische Institutionen geschaffen werden. Dies war die Geburtsstunde der Bezirksgemeinden, welche 1965 in politische Gemeinden umbenannt wurden.

Am 1. Mai 1850 wurde die erste Gemeindeversammlung abgehalten. Die Kompetenzen, welche an den Gemeinderat gingen, waren nicht so gross, wollten doch die Einheimischen möglichst Vieles in ihren Händen behalten. Doch mit den Jahrzehnten wuchs auch der Aufgabenbereich der Gemeinden.

Mit der Melioration der Allmend (Fläche zwischen Stans und See) ab den 1920er Jahren erlebte die Gemeinde einen ersten Aufschwung, der mit dem Bau des Militärflugplatzes 1939 einen weiteren markanten Anstieg erfuhr. Es galt nun, viele teure Infrastrukturaufgaben zu erstellen: Strassen, Wasserversorgung, elektrische Versorgung, Kanalisation, Abfallentsorgung, öffentliche Bauten usw.

Heute ist Ennetbürgen eine moderne Gemeinde an einer attraktiven Wohnlage, mit 4200 Einwohnern hat sie eine überschaubare Grösse.

BevölkerungBearbeiten

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Die Einwohnerzahl wuchs zwischen 1850 und 1870 mässig an (1850–1870: +10,5 %). Der hohe Geburtenüberschuss war der Hauptgrund dafür. Die Abwanderung in industrielle Gebiete führte danach bis 1888 zu einem Rückgang der Bevölkerung (1870–1888: −9,1 %), so dass die Gemeinde 1888 gleich viele Bewohner zählte wie 1850. Die Jahre von 1888 bis 1910 brachten dann wieder einen Zuwachs (1888–1910: +14,8 %). Zwischen 1910 und 1930 stagnierte die Zahl der Ortsansässigen. Seither wuchs die Einwohnerzahl beständig an. Bis 1950 mässig (1930–1950: +43,6 %), danach in rasantem Tempo. Innerhalb von 73 Jahren (1941–2013) wuchs sie um 277 %. Grund hierfür waren die Verbesserung des Angebots des Öffentlichen Verkehrs und vor allem der Bau der A2. Die Gemeinde wurde wegen ihrer Lage am See und der Nähe zur Autobahn auch für Pendler attraktiv.

 

Bevölkerungsentwicklung von Ennetbürgen seit 1850 Quelle: Volkszählungen (1850–2000 Eidgenössische), Bundesamt für Statistik (2010 und 2015)

SprachenBearbeiten

Die Bevölkerung spricht eine höchstalemannische Mundart, Nidwaldnerdeutsch genannt. Fast die gesamte Einwohnerschaft spricht es als tägliche Umgangssprache. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 94,2 % Deutsch, 1,2 % Serbokroatisch und 0,9 % Italienisch als Hauptsprache an.

Religionen – KonfessionenBearbeiten

Die Bevölkerung war früher vollumfänglich Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Die Konfessionsverhältnisse im Jahr 2000 lassen trotz Durchmischung immer noch die ursprüngliche Struktur erkennen: 2'885 Personen waren katholisch (73,24 %). Daneben gab es 13,91 % protestantische und 1,24 % orthodoxe Christen, 2,16 % Muslime und 5,84 % Konfessionslose. 124 Personen (3,15 %) machten keine Angaben zu ihrem Glaubensbekenntnis.

Herkunft – NationalitätBearbeiten

Von den Bewohnern waren Ende 2017 3'947 (84,01 %) Schweizer Staatsangehörige. Die Zugewanderten stammen mehrheitlich aus Mittel- und Westeuropa (Deutschland 259, Grossbritannien 25, Frankreich 23, Niederlande 21 und Österreich 19 Personen), Südeuropa (Italien 88, Portugal 63 und Spanien 14 Personen), dem ehemaligen Jugoslawien (Kosovo 32, Bosnien-Herzegowina 27, Serbien 14, Mazedonien 13 und Kroatien 5 Personen) und den Vereinigten Staaten (10 Personen). Bei der Volkszählung 2000 waren 3'618 Personen (91,85 %) Schweizer Bürger; davon besassen 132 Personen eine doppelte Staatsbürgerschaft.

AltersstrukturBearbeiten

Die Gemeinde zählt einen hohen Anteil an Leuten im höheren Alter. Von den Ende 2017 4698 Menschen sind 2233 Personen (oder 47,53 %) 50 Jahre alt oder älter. Während der Anteil der Personen unter zwanzig Jahren 16,33 % der Ortsbevölkerung ausmacht, sind 30,97 % Senioren (60 Jahre und älter). Die grösste Altersgruppe stellen mittlerweile die Personen zwischen 60 und 79 Jahren. Im Jahr 2000 war es noch die Altersgruppe von 30 bis 44 Jahren. Grund dafür ist die Alterung der Generation der Babyboomer (Jahrgänge bis 1965). Auf 100 Leute im arbeitsfähigen Alter (20–64 Jahre; 2858 Personen) entfallen 27 Junge (767 Personen) und 38 Menschen (1073 Personen) im Pensionsalter.

Die aktuelle Altersverteilung zeigt folgende Tabelle:

Alter 0–6 Jahre 7–15 Jahre 16–19 Jahre 20–29 Jahre 30–44 Jahre 45–59 Jahre 60–79 Jahre 80 Jahre und mehr Einwohner
Anzahl 258 361 148 494 865 1117 1209 246 4698
Anteil 5,49 % 7,68 % 3,15 % 10,52 % 18,41 % 23,78 % 25,73 % 5,24 % 100 %
Quelle: Bundesamt für Statistik, Bevölkerung nach Alter Ende 2017

Die Alterung nimmt zu. Dies beweist der Vergleich mit dem Jahr 2000. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 ergab sich folgende Altersstruktur:

Alter 0–6 Jahre 7–15 Jahre 16–19 Jahre 20–29 Jahre 30–44 Jahre 45–59 Jahre 60–79 Jahre 80 Jahre und mehr Einwohner
Anzahl 262 484 195 431 984 896 555 132 3939
Anteil 6,65 % 12,29 % 4,95 % 10,94 % 24,98 % 22,75 % 14,09 % 3,35 % 100 %

WirtschaftBearbeiten

Landwirtschaft und der Warentransport auf dem See waren lange die Hauptwirtschaftszweige in Ennetbürgen. Im 19. Jahrhundert kamen noch handwerkliche Berufe dazu. Und ab 1871 wurde der Fremdenverkehr immer bedeutender. Heute gibt es zahlreiche Arbeitsplätze im Flugzeugbau mit etlichen Zuliefererbetrieben.

In Ennetbürgen gab es (2005) 1158 Beschäftigte in 218 Betrieben. 10,5 % der Beschäftigten in Ennetbürgen arbeiteten im Bereich Landwirtschaft/Forstwirtschaft/Fischerei, 27,5 % in Industrie und Gewerbe und 62,0 % in Dienstleistungsunternehmen. Die Arbeitslosenquote betrug 2007 1,12 %.

Im Jahr 2000 gab es 1'075 Erwerbstätige in Ennetbürgen. Davon waren 586 (54,51 %) Einheimische und 489 Zupendelnde. Die Zupendelnden kamen vorwiegend aus der Region; nämlich aus Buochs(22,5 %), Stans(11,5 %), Stansstad(7,4 %), Beckenried(6,5 %), Oberdorf(5,7 %), Luzern(4,7 %), Dallenwil(4,3 %) und Wolfenschiessen(4,1 %). Im gleichen Jahr waren 2'166 Menschen aus Ennetbürgen erwerbstätig. Somit arbeiteten 1'580 Personen in anderen Gemeinden. In den Nidwaldner Hauptort Stans pendelten 507 Personen(=32,1 % aller Wegpendelnden), in die Stadt Luzern 228 Personen(14,4 %), nach Buochs 136 Personen(8,6 %), nach Stansstad 72 Personen(4,6 %), nach Kriens 69 Personen(4,4 %), nach Hergiswil 67 Personen(4,2 %), nach Emmen 54 Personen(3,4 %), nach Oberdorf 32 Personen(2,0 %), nach Horw und Sarnen jeweils 29 Personen(1,8 %). Somit pendelt rund die Hälfte der Leute innerhalb der Agglomeration Stans (Stans, Buochs, Stansstad etc.), doch auch eine starke Minderheit in die Agglomeration Luzern (Stadt Luzern, Kriens, Hergiswil, Emmen, Horw etc.).

VerkehrBearbeiten

Der Autobahnanschluss an der A2 (Gotthardroute) ist in wenigen Autominuten von Ennetbürgen aus erreichbar. Ans Netz des Öffentlichen Verkehrs ist Ennetbürgen mit der Postautolinie Länderpark – Stans (Bahnhof) – Seelisberg[3] angeschlossen.

TourismusBearbeiten

Hotellerie auf dem BürgenstockBearbeiten

Ab Ende des 19. Jahrhunderts ist auf dem Bürgenstock ein Hoteldorf entstanden. Die nötigen Infrastrukturanlagen wurden von den Hotelbetreibern eigenständig erstellt und unterhalten. Als Oase der Gastlichkeit für höchste Ansprüche erlebte der Bürgenstock verschiedene Hochs und Tiefs, je nachdem sich die Gepflogenheiten der noblen Gäste änderten. 1999 haben die Bürgenstock-Hotels erstmals seit langem wieder schwarze Zahlen erwirtschaftet. 1996 verkaufte die Eigentümerfamilie Frey die gesamte Anlage. Seit Sommer 2000 ist das Hoteldorf Teil der Schweizer Rosebud Heritage Gruppe, die die Anlage bis Ende 2012 zu einem 5-Sterne Tagungsressort ausbauen will.

Pfarrkirche St. AntonBearbeiten

Sie wurde in den Jahren 1892 – 1894 erbaut und stellt eines der wenigen neugotischen Bauwerke in unserem Kanton dar. 1972 wurde sie einer umfassenden Aussen- und 1991 einer Innenrestaurierung unterzogen. 2009 wurde als weitere Baumassnahme der gesamte Glockenstuhl erneuert und die Zifferblätter gereinigt. Dank der subtilen Vorgehensweise ist die Kirche heute noch weitgehend im ursprünglichen Bau- und Ausstattungszustand erhalten geblieben, weshalb sie der Kanton 1989 ins Inventar der schützenswerten Kulturgüter aufgenommen hat. Speziell zu beachten sind die reich geschnitzten Figurenwerke der Altäre, der Kanzel und der Beichtstühle, sowie das gewaltige Chorbogengemälde und die Glasfenster. Die Metzler-Orgel (1991) besitzt 29 Register.

St. Jost-KapelleBearbeiten

 
St. Jost am Bürgen, Innenraum

Die Chroniken zu Gründungsdatum und Gründer der Kapelle widersprechen einander. Ausgrabungen in den Jahren 1973–1975 haben jedoch ergeben, dass sich bereits im 12. oder 13. Jahrhundert am heutigen Ort eine Kapelle befunden hat. Als Erweiterung dieser alten Kapelle entstand 1340 der heute noch erhaltene Chor mit seinen Fresken. Das Hauptschiff der alten Kapelle wiederum wurde 1518 abgebrochen und durch das bestehende grössere Hauptschiff ersetzt. Chor und Turm blieben stehen.

1794–1796 fand eine Umgestaltung und Renovierung nach dem damaligen Zeitgeschmack, geleitet vom Baumeister Singer von Luzern, statt. Die Wandmalereien wurden mit Gipsputz verdeckt. Anstelle der alten Flügelaltäre wurden barocke Altäre aus Stuckmarmor, angefertigt von Kaspar Josef Waser, aufgestellt.

1970–1978 wurde die Kapelle einer umfassenden Restaurierung, welche sich nach dem ursprünglichen Aussehen orientierte, unterzogen. Die alten Wandmalereien wurden so weit möglich wiederhergestellt. Die Kapelle wurde unter eidgenössischen Denkmalschutz gestellt.

Seit Jahren zieht der schlichte Bau hoch über dem See viele Brautpaare und Wanderer an. Die Kapelle ist während des Tages immer offen.

BilderBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Ennetbürgen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2018, abgerufen am 30. September 2018.
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  3. <+> Kubus <+> (PDF; 185 kB)