Engadiner Kraftwerke AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1954
Sitz Zernez, Schweiz
Leitung Michael Roth (Direktor)
Mitarbeiterzahl 57
Umsatz 88 Mio. CHF (2010/2011)[1]
Branche Energieversorgung
Website www.ekwstrom.ch

Die Engadiner Kraftwerke AG (EKW, rätoromanisch in den ladinischen Idiomen Ouvras Electricas d'Engiadina SA, italienisch Officine Elettriche dell'Engiadina SA) ist eine 1954 gegründete Kraftwerkgesellschaft und Verteilerin für Elektrizität.

AnlagenBearbeiten

Die Anlagen der Engadiner Kraftwerke bestehen aus dem als Kopfspeicher dienenden Lago di Livigno und den drei Kraftwerksstufen zur Nutzung von dessen Wasser. Die oberste Stufe Livigno–Ova Spin ist als Pumpspeicherkraftwerk ausgelegt, die zweite Stufe Ova Spin–Pradella als Speicherkraftwerk und die dritte als Stufe Pradella–Martina als Hochdruck-Laufwasserkraftwerk. Ausserdem sind die EKW Betreiber des Munt-la-Schera-Tunnels, der als Zugang zur Staumauer Punt dal Gall des Lago di Livigno dient.

Da es abgesehen vom Lago di Livigno kaum günstige Orte für Speicherseen gibt oder diese im Gebiet des Schweizerischen Nationalparks lägen, wird nebst dem Lago di Livigno vor allem der Inn für die Produktion der Energie genutzt. Die grösste Distanz zwischen Fassung und Nutzung liegt mit 46 km zwischen S-chanf und Martina GR. Das gesamte Stollensystem besteht aus Freispiegelstollen und aus Druckstollen mit ca. 4 bis 6 m Durchmesser und einem Verlauf bis zu 1'500 m unter der Oberfläche im Bereich des Piz Clemgia. Mehrere Kilometer des Stollensystem unterqueren den Nationalpark.

Stufe Livigno–Ova SpinBearbeiten

Die in der Spölschlucht gelegene Zentrale Ova Spin trägt den Namen eines an der Ofenpassstrasse gelegenen Weilers. Sie verarbeitet das Wasser aus dem Lago di Livigno und gibt es in den als Ausgleichsbecken dienenden Lai da Ova Spin aus. In Schwachlastzeiten kann sie das Wasser aus dem Ausgleichsbecken wieder in den Lago di Livigno zurückpumpen. Es wird zusätzlich zum Wasser aus dem Lago di Livigno auch Wasser aus dem Inn, dem Ova da Varusch und dem Vallember gefüllt. Diese Wasser werden in der Nähe von S-chanf gefasst und über einen 15 km langen Freispiegelstollen in den See geleitet.

Das Maschinenhaus befindet sich unter dem Überlauf der Staumauer und ist nur über ein Zugangsgebäude auf der rechten Talseite zu erreichen. Es sind zwei vertikale Francis-Turbinen installiert, die auch als Pumpen dienen können in dem der Generator als Antriebsmotor genutzt wird. Im Pumpbetrieb werden die Turbinen über einen Frequenzumrichter angefahren und können je nach Förderhöhe, die mit dem Füllstand der Seen variiert, entweder mit 375/min oder 500/min betrieben werden. Die gesamte installierte Leistung beträgt 50 MW sowohl im Turbinen, wie im Pumpenbetrieb. Jährlich werden 100 GWh produziert und 49 GWh für den Pumpbetrieb benötigt.[2]

Stufe Ova Spin–PradellaBearbeiten

 
Zentrale Pradella

Die Zentrale Pradella bei Scuol ist das grösste Kraftwerk der Gruppe. Es verarbeitet mit vier vertikale Francis-Turbinen das Wasser aus dem Lai da Ova Spin, das über einen 20 km Druckstollen zugeführt wird. Jede Maschinengruppe hat eine Leistung von 72 MW hat, so dass die Gesamtleistung 288 MW beträgt. Jährlich produziert das Kraftwerk etwa 1 TWh Energie.[3]

Bei der Zentrale Pradella befindet sich auch die Leitstelle der ganzen Kraftwerkgruppe, sowie die Freiluftschaltanlage, die den Anschluss ans europäische Verbundnetz herstellt. Seit den 1990er Jahren verbindet eine 380-kV-Hochspannungsleitung Pradella direkt mit Österreich. Eine weitere, dreipolige 380-kV-Leitung, die von Sils im Domleschg kommende Albulaleitung, endet ebenfalls dort. Auf dieser Energiestrasse geniesst die Elektrizitätsgesellschaft Laufenburg, die das Unterengadin wie die Engadiner Kraftwerke AG mit Strom beliefert, ein Nutzungsrecht.

Stufe Pradella–MartinaBearbeiten

Die Zentrale Martina ist unterirdisch in einer Kaverne in der Nähe von Martina an der Landesgrenze zu Österreich untergebracht. Sie verarbeitet das Wasser aus dem Ausgleichsbecken Pradella, das über einen 14 km langen Druckstollen zugeführt wird. Die beiden Maschinengruppen mit Francis-Turbinen haben zusammen eine Leistung von 70 MW. Jährlich werden etwa 290 GWh Energie produziert.[4]

WeblinksBearbeiten

 Commons: Engadiner Kraftwerke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Archivlink (Memento des Originals vom 24. Juli 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.engadin-strom.ch Geschäftsbericht 2010/2011
  2. EKW Engadiner Kraftwerke AG: Zentrale Ova Spin: Engadiner Kraftwerke AG. In: www.ekwstrom.ch. Abgerufen am 23. Oktober 2016.
  3. EKW Engadiner Kraftwerke AG: Zentrale Pradella: Engadiner Kraftwerke AG. In: www.ekwstrom.ch. Abgerufen am 23. Oktober 2016.
  4. EKW Engadiner Kraftwerke AG: Zentrale Martina: Engadiner Kraftwerke AG. In: www.ekwstrom.ch. Abgerufen am 23. Oktober 2016.