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Die Embraer EMB 110 Bandeirante ist ein zweimotoriges Turbopropflugzeug des brasilianischen Flugzeugbauers Embraer. Es wurde für den Regionalverkehr entwickelt und verfügt nicht über eine Druckkabine.

Embraer EMB 110
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Embraer EMB-110P1 der Aeropelican
Typ: Regionalverkehrsflugzeug
Entwurfsland:

BrasilienBrasilien Brasilien

Hersteller:

Embraer

Erstflug: 26. Oktober 1968
Indienststellung: 1973
Produktionszeit:

1972 bis 1990

Stückzahl: ~500

GeschichteBearbeiten

Die Entwicklung der Maschine begann 1965 unter der Projektbezeichnung IPD-6504 unter der Leitung von Major Ozires Silva mit Unterstützung durch den französischen Flugzeugkonstrukteur Max Holste am IPD (Instituto de Pesquisa e Desenvolvimento). Der Erstflug der noch als YC-95 bezeichneten Maschine und als Kleintransportflugzeug für das Militär vorgesehenen Maschine fand am 22. Oktober 1968 statt. Die erste Serienmaschine der Passagierversion flog im Jahr 1972 zum ersten Mal. Der erste zivile Auftrag kam von Transbrasil und umfasste sechs Flugzeuge. Der erste ausländische Zivilauftrag wurde erst 1977 von der französischen Air Littoral erteilt, welche die Version EMB 110P2 mit 21 Sitzen bestellte. Im August 1978 wurde schließlich auch die US-amerikanische Musterzulassung erteilt.[1]

Bis zum Ende der Produktion im Mai 1990 wurden etwa 500 Exemplare der Bandeirante in verschiedenen Varianten gebaut. Viele der Flugzeuge sind noch heute im Einsatz, vor allem in Brasilien, Ozeanien und Kanada.

VersionenBearbeiten

  • YC-95 oder EMB 100Prototyp
  • EMB 110 – Militärtransporterversion
  • C-95 – Militärtransporterversion für die Força Aérea Brasileira (Brasilianische Luftstreitkräfte)
  • EMB 110A – Funkkalibrationsversion
  • E-95 – Funkkalibrationsversion für die Força Aérea Brasileira
  • EC-95B – Funkkalibrationsversion für die Força Aérea Brasileira
  • EMB 110BÜberwachungsflugzeug, Luftbild
  • R-95 – Überwachungsflugzeugversion für die Força Aérea Brasileira
  • EMB 110CN – drei Marineflugzeuge für die chilenische Marine
  • EMB 110C – erste kommerzielle Version für 15-Passagiere
  • EMB 111A oder P-95 – Seeüberwachungsversion für die Força Aérea Brasileira. Einige wurden nach dem Falklandkrieg von Argentinien geleast.
  • P-95B
  • EMB 111AN – sechs Seeüberwachungsflugzeuge für die Chilean Navy
  • EMB 110E
  • EMB 110E(J) – siebensitzige VIP Transportversion
  • EMB 110K1 – Frachttransportversion
  • C-95A – Frachtversion für die Força Aérea Brasileira
  • EMB 110P – Regionalflugzeugversion
  • EMB 110P1 – Fracht-/Passagierversion
  • C-95B – Fracht-/Passagierversion für die Força Aérea Brasileira
  • EMB 110P1 SARSAR-Version
  • EMB 110P/A – 18-sitzige Passagierversion für den Export
  • EMB 110P1/A – gemischte Fracht-/Passagierversion mit großer Frachttür
 
Eine Embraer EMB 110P2 der CSE Aviation
  • EMB 110P1/41 – Fracht-/Passagierversion mit erhöhter Startmasse von 5900 kg
  • EMB 110P1K/110K – Militärversion
  • C-95C – Version der EMB 110P2 für die Força Aérea Brasileira
  • EMB 110P2
  • EMB 110P2/A – modifizierte Regionalflugzeugversion mit bis zu 21 Sitzen
  • EMB 110P2/41 – 21-sitzige Version mit erhöhter Startmasse von 5900 kg
  • EMB 110S1 – geophysikalische Überwachungsversion
  • SC-95 – SAR-Version für die Força Aérea Brasileira
  • XC-95 – meteorologische Forschungsversion für die Força Aérea Brasileira

Militärische NutzerBearbeiten

EMB 110Bearbeiten

EMB 111Bearbeiten

EMB 111

ZwischenfälleBearbeiten

Vom Erstflug 1968 bis September 2019 kam es mit Embraer EMB 110 zu 98 Totalschäden. Bei 67 davon kamen 557 Menschen ums Leben.[2] Beispiele:

  • Am 19. November 1984 flog eine Embraer EMB 110P1 der Euroair (UK) (Luftfahrzeugkennzeichen G-HGGS) auf einem Postflug von Inverness nach Edinburgh neun Kilometer südlich des Flughafens Inverness in einen rund 500 Meter hohen Hügel. Vier Minuten nach dem Start wurde die Maschine unterhalb der Wolkenbasis bei einer vorgeschriebenen Mindesthöhe von 1500 Meter ins Gelände geflogen, zerbrach und brannte aus. Der Pilot, einziger Insasse, kam ums Leben.[3]
  • Am 1. März 1988 zerbrach eine Embraer EMB 110P1 (ZS-LGP), die die Comair Limited von der Bop Air geleast hatte, nach einer Bombenexplosion auf dem Flug von Phalaborwa nach Johannesburg wenige Minuten vor der Landung in der Luft. Dabei kamen alle 17 Personen an Bord ums Leben. Ein Passagier, der kurz zuvor eine hohe Lebensversicherung abgeschlossen hatte, war vermutlich der Täter[4] (siehe auch Comair-Limited-Flug 206)
  • Am 20. September 1990 stieg eine EMB 110P1 (PT-FAW) der Regierung des brasilianischen Bundesstaats Pernambuco kurz nach dem Start steil in die Luft und neigte sich nach rechts. Kurz darauf beobachteten Augenzeugen, wie die Maschine im Sturzflug ins Meer stürzte. Bei dem Unfall starben alle 12 Personen an Bord der Maschine. Bei der Unfalluntersuchung wurde angenommen, dass die Besatzung aufgrund der Hektik vor dem Start die Checklisten nicht sauber abgearbeitet hatte, wodurch die Maschine mit einer falschen Startkonfiguration in die Luft stieg. Die Ermittler stellten zudem fest, dass beide Piloten über sehr wenig Flugerfahrung mit der Embraer EMB-110 verfügten. Zudem hatten sie vor dem Unfall länger nicht mehr in einer Maschine dieses Typs gesessen (siehe auch Flugunfall bei Fernando de Noronha 1990).
  • Am 11. November 1991 kam es an einer Embraer EMB 110P1 der Nordeste Linhas Aéreas (PT-SCU) beim nächtlichen Startlauf auf dem Flughafen Recife zu einem uneingedämmten Triebwerkschaden, bei dem das Triebwerk in Brand geriet. Anstatt den Start abzubrechen, setzte der Kapitän diesen fort. Nach dem Abheben lösten sich brennende Triebwerksteile von der Maschine und fielen zu Boden. Kurze Zeit später kam es zum Kontrollverlust, die Maschine stürzte 500 Meter nordöstlich vom Flughafen auf einen öffentlichen Platz im Stadtgebiet von Recife und explodierte. Dabei kamen alle 15 Insassen der Embraer und 2 Personen am Boden ums Leben. Als Unfallursachen wurden Wartungsfehler und eine mangelhafte Pilotenausbildung durch die Fluggesellschaft festgestellt (siehe auch Nordeste-Linhas-Aéreas-Flug 115).
  • Am 19. Juli 1994 explodierte eine Embraer EMB 110P1 der panamaischen Alas Chiricanas (HP-1202AC), die einen Flug von Colón nach Panama-Stadt durchführen sollte, kurz nach dem Start. Beim Absturz kamen alle 21 Insassen ums Leben. Panamaische und US-amerikanische Ermittler kamen zu dem Schluss, dass das Flugzeug von einer Bombe zerstört worden war, die ein Selbstmordattentäter mit an Bord gebracht hatte. Der Anschlag soll demnach 12 jüdischen Geschäftsleuten gegolten haben, die sich an Bord der Maschine befunden hatten (siehe auch Alas-Chiricanas-Flug 901).
  • Am 29. Juli 1998 führte eine Embraer EMB 110P1 der Selva Taxi Aéreo (PT-LGN) einen Regionalflug von Manaus nach Tefé im brasilianischen Amazonasgebiet durch. Die Maschine war um 852 Kilogramm überladen, es befanden sich 25 statt der zulässigen 19 Passagiere an Bord. Als im Flug ein Triebwerks ausfiel, kehrten die Piloten um. Da die überladene Maschine zu sinken begann, wurde Gepäck von Passagieren zur Reduktion des Gewichts über Bord geworfen. Der Sinkflug konnte dennoch nicht aufgehalten werden, und die Maschine musste im Manacapuru-Fluss notwassern. Von den 27 Menschen an Bord starben 12 (siehe auch Flugunfall der Selva Taxi Aéreo).
  • Am 7. Februar 2009 führte eine Embraer EMB 110P1 der Manaus Aerotáxi (PT-SEA) einen Regionalflug von Coari nach Manaus im brasilianischen Amazonasgebiet durch. Die Maschine war um 744 Kilogramm überladen, es befanden sich 26 statt der zulässigen 19 Passagiere an Bord. Als im Flug ein Triebwerk ausfiel, begann die überladene Maschine zu sinken und musste schließlich im Manacapuru-Fluss notwassern. Von den 28 Menschen an Bord starben 24. Es handelt sich um den schwersten Zwischenfall einer Embraer EMB110 (siehe auch Flugunfall der Manaus Aerotáxi 2009).

Technische DatenBearbeiten

Kenngröße Daten der EMB-110P2/41[5]
Besatzung 2
Passagiere bis 21
Länge 15,10 m
Spannweite 15,33 m
Höhe 4,92 m
Flügelfläche 29,10 m²
Leermasse 3590 kg (Passagiervers.), 3393 kg (Frachtversion)
max. Startmasse 5900 kg (P2: 5670 kg)
Reisegeschwindigkeit 411 km/h
Höchstgeschwindigkeit 460 km/h
Dienstgipfelhöhe 6550 m
Reichweite 1964 km
Triebwerke zwei Propellerturbinen Pratt & Whitney Canada PT6A-34 mit je 559 kW

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Embraer EMB 110 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Flight International, Sonderheft EMBRAER at 50, Mai 2019 (englisch), S. 8.
  2. Liste von Unfällen mit Embraer EMB-110, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 22. Oktober 2019.
  3. Unfallbericht EMB-110 G-HGGS, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 17. August 2017.
  4. Flugunfalldaten und -bericht Comair, Embraer EMB 110, 1. März 1988 im Aviation Safety Network
  5. Jane’s all the world’s aircraft 1983–84, S. 11 f.