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Die Feuerzangenbowle

Roman von Heinrich Spoerl
Gedenkplakette für die Schriftsteller Heinrich und Alexander Spoerl an ihrer früheren Schule in Düsseldorf

Die Feuerzangenbowle ist der Titel eines Romans aus dem Jahr 1933, der von Heinrich Spoerl verfasst wurde. Der Roman wurde mehrfach verfilmt, wobei die Filmfassung von 1944 die bekannteste ist.

Inhaltsverzeichnis

InhaltBearbeiten

Der Titel rührt daher, dass zu Beginn eine Herrenrunde bei einer Feuerzangenbowle Geschichten aus ihrer Schulzeit erzählt. Der junge erfolgreiche Schriftsteller Johannes Pfeiffer kann sich nicht vorstellen, welchen Spaß seine Freunde in der Schule hatten, denn er ist von einem Hauslehrer erzogen worden. Seine Freunde kommen auf die Idee, ihn noch einmal in eine richtige „Penne“ zu schicken. Jung zurechtgemacht soll er all die Späße erleben, die ihm in seiner Jugend verwehrt blieben. Johannes Pfeiffer spinnt die Gedanken seiner Freunde weiter, in welchen er den Lehrern Crey, genannt Schnauz, Bömmel und dem Direktor Knauer die verrücktesten Streiche spielt, und in der seine Freundin Marion versucht, ihn von dieser verrückten Idee abzubringen und ihn mit nach Haus zu nehmen. Doch Pfeiffer entscheidet sich anders und bleibt, weil er sich in Eva verliebt hat, die Tochter des Direktors. Seine Geschichte endet schließlich mit seinem provozierten Hinauswurf aus der Schule; er gibt sich als erfolgreicher Schriftsteller zu erkennen.

Hintergrund und EntstehungBearbeiten

Der erfolglose Rechtsanwalt Spoerl versuchte sich bereits in den 1920er Jahren als Schriftsteller. 1926 erarbeitete er zusammen mit seinem Freund Hans Müller-Schlösser eine Fortsetzung von dessen Erfolgsstück „Schneider Wibbel“. 1928 entwarf er eine Kriminalkomödie mit dem Titel „Der Seitensprung“, die er ein Jahr später dem Schauspielhaus in Düsseldorf anbot. Nach der Ablehnung suchte er sich einen Arbeitspartner, der den Text theaterwirksam bearbeiten sollte. Dies war der Leipziger Satiriker und Humorist Hans Reimann, der die gemeinsame Fassung unter dem Titel „Der beschleunigte Personenzug“ im Gustav Kiepenheuer Bühnenvertrieb unterbrachte. Danach arbeitete Spoerl an verschiedenen Projektideen und Entwürfen, wovon er Reimann in zahlreichen Briefen berichtete, darunter auch „Der Maulkorb“. Zu einer Zusammenarbeit kam es aber erst wieder während eines gemeinsamen Urlaubs am Starnberger See, wo unter anderem das Exposé für einen Tonfilm mit dem Arbeitstitel „Der Flegel“ entstand. Reimann, der über gute Beziehungen verfügte, bot es mehreren Filmproduktionsfirmen an. Weil diese Pläne scheiterten, arbeitete Spoerl den Text zu einem Roman um, den er „Die Feuerzangenbowle“ betitelte und für den er nur noch wenige Anregungen von Reimann übernahm, von denen er die meisten in einer späteren Auflage strich. Reimann glaubte nicht an den Erfolg des Romans und distanzierte sich davon. Tatsächlich bot ihn Spoerl zunächst ohne Erfolg mehreren Verlagen an. Erst 1933 gelang es seiner Ehefrau Trude aufgrund ihrer freundschaftlichen Beziehungen zur Düsseldorfer Verlegerfamilie Droste, den Text unterzubringen. Nach einem Abdruck im „Mittag“ erschien die Buchausgabe der „Feuerzangenbowle“ im Düsseldorfer Industrie-Verlag; den Umschlag gestaltete Otto Pankok. Nach Spoerls Zeitungs- und Bucherfolg gelang es nun auch Reimann, eine Produktionsfirma für den Stoff zu interessieren. Ende 1933 erwarb Cicero-Film die Filmrechte. Das Drehbuch verfasste Reimann zusammen mit Robert A. Stemmle, dem Regisseur des Films, der wenige Monate später unter dem Titel „So ein Flegel“ herauskam, mit Heinz Rühmann in einer Doppelrolle. Spoerl war daran nicht beteiligt.[1]

Sprech-Eigentümlichkeiten der Romanfigur Professor Crey übernahm Spoerl aus der 1875 veröffentlichten Humoreske Der Besuch im Karzer von Ernst Eckstein.[2]

RechtsstreitBearbeiten

Nach Spoerls Tod gab sich Hans Reimann in seiner Autobiografie Mein blaues Wunder (1959) als Hauptverfasser der Feuerzangenbowle aus. Angeblich habe er unter seinem Namen im Dritten Reich nicht publizieren dürfen und deshalb Spoerl als Strohmann vorgeschoben. Die Dutzende von Titeln umfassende Liste seiner Veröffentlichungen zwischen 1933 und 1945 beweist gerade das Gegenteil. Aus dem erhaltenen Briefwechsel zwischen Spoerl und Reimann sowie zwischen Spoerl und seiner Frau (heute im Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf) ergibt sich zweifelsfrei, dass Reimann nur Urheber des Drehbuchs der 1. Verfilmung ist. Über die Urheberschaft entstand ein Rechtsstreit.[3]

VerfilmungenBearbeiten

So ein Flegel, 1934Bearbeiten

siehe: So ein Flegel

Das Drehbuch fußt nicht auf dem Roman, sondern auf dem von Spoerl und Reimann gemeinsam verfassten Filmexposé. Reimanns und Stemmles Version des Stoffes basiert auf dem Grundeinfall, dass der arrivierte, von Privatlehrern erzogene Schriftsteller Hans Pfeiffer, dessen neuestes Bühnenstück kurz vor der Premiere steht, mit seinem flegelhaften jüngeren Bruder, dem Oberprimaner Erich Pfeiffer, den Platz tauscht. Im Film wird dies parallelgeführt, bis am Ende der Flegel Erich sein heimliches Spießer- und Krämergemüt offenbart. Rühmann stellt in diesem Film beide Brüder Pfeiffer dar. Im Finale des Filmes stehen sie durch einen (längst bewährten) filmtechnischer Trick (Doppelbelichtung)gemeinsam am Premierenabend im Theater auf der Bühne.

Die Feuerzangenbowle, 1944Bearbeiten

siehe: Die Feuerzangenbowle (1944)

Diese Verfilmung mit Heinz Rühmann als Pfeiffer ist die bei Weitem bekannteste.

Die Feuerzangenbowle, 1970Bearbeiten

siehe: Die Feuerzangenbowle (1970)

Der Film wurde in der Machart der zu dieser Zeit populären Lümmel-Filme aufgezogen, woran auch die Mitarbeit Käutners wenig ändern konnte. Der Humor hat wenig mit dem der beiden Vorgänger zu tun.

HörspielBearbeiten

Erstmals im Jahre 1970 strahlte der Bayerische Rundfunk Bernd Grashoffs 83-minütige Hörspielbearbeitung des Stoffes aus. Regie führte Heinz-Günter Stamm.

In den Hauptrollen: Hans Clarin als Johannes Pfeiffer, Fritz Rémond als Prof. Dr. Crey, Paul Verhoeven als Direktor Knauer, Margot Philipp als Eva, seine Tochter, Josef Meinertzhagen als Physiklehrer Bömmel, Thomas Piper als Ackermann u. v. a. m.

Theater und MusicalBearbeiten

Im Jahr 2004 hatten eine Theaterinszenierung der Feuerzangenbowle in Düsseldorf-Bilk sowie eine Musicalversion in Neu-Isenburg Premiere.

Seit 2004 läuft Die Feuerzangenbowle jedes Jahr zwischen Weihnachten und Neujahr in der Komödie im Bayerischen Hof in München.

Seit Herbst 2006 wird Die Feuerzangenbowle im Coburger Landestheater aufgeführt.

Im September 2008 wurde Die Feuerzangenbowle in einer Inszenierung von Thomas Grahammer in Burgkirchen an der Alz als Co-Produktion vom Cabaret des Grauens und der ANTHA aufgeführt.[4]

Im Sommer 2011 wurde Die Feuerzangenbowle in einer Inszenierung von Adelheid Müther bei den Burgfestspielen in Bad Vilbel aufgeführt.[5]

Im Dezember 2015: Aufführung der Feuerzangenbowle unter der Regie von Frank-Lorenz Engel in Frankfurt am Main im Fritz Rémond Theater.

VeröffentlichungenBearbeiten

  • Die Feuerzangenbowle. Eine Lausbüberei in der Kleinstadt. Droste Verlag, Düsseldorf 1933; 1974–2002 ebenda, ISBN 3-7700-0025-0
  • Die Feuerzangenbowle. Eine Lausbüberei in der Kleinstadt. Piper Verlag, München u. Zürich 2002, ISBN 3-492-23510-7
  • Die Feuerzangenbowle. Hörspielfassung des Bayerischen Rundfunks (1970) von Bernd Grashoff (1 CD), Der Hörverlag, München 2006, ISBN 978-3-89940-969-7
  • Hörbuch: Götz Alsmann liest Die Feuerzangenbowle von Heinrich Spoerl. (4 CDs), Roof Music, Bochum 2003, ISBN 3-936186-34-0
  • Die Feuerzangenbowle. Eine Lausbüberei in der Kleinstadt. In: Heinrich Spoerl’s Gesammelte Werke. R. Piper & Co., München 1963, S. 91–214.

LiteraturBearbeiten

  • Jan-Christian Hauschild: Heinrich und Alexander Spoerl, in: Düsseldorfer Erinnerungsorte, Hrsg. von Benedikt Mauer und Enno Stahl, Essen, Klartext Verlag 2. Aufl., 2018, (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Niederrheins, Bd. 13), S. 202–206, ISBN 9783837519440

QuellenBearbeiten

  1. Jan-Christian Hauschild: Heinrich und Alexander Spoerl, in: Düsseldorfer Erinnerungsorte, Essen, 2. Aufl., 2018, S. 205, ISBN 9783837519440
  2. Ernst Eckstein: Gesammelte Schulhumoresken – Der Besuch im Karzer im Projekt Gutenberg-DE
  3. Entscheidung des LG Hamburg (Az. 324 O 962/08) vom 12. März 2010: Hans Reimann ist nicht Miturheber des Romans Die Feuerzangenbowle.
  4. Die Feuerzangenbowle. Eine Kooperation der ANTHA und des Cabaret des Grauens.
  5. Die Feuerzangenbowle. Burgfestspiele Bad Vilbel 2010