Devín

Stadtteil von Bratislava
Devín
Wappen Karte
Wappen von Devín Devín in der Slowakei
Basisdaten
Staat: Slowakei
Kraj: Bratislavský kraj
Okres: Bratislava IV
Region: Bratislava
Fläche: 13,98 km²
Einwohner: 1.734 (31. Dez. 2020)
Bevölkerungsdichte: 124 Einwohner je km²
Höhe: 158 m n.m.
Postleitzahl: 841 10
Telefonvorwahl: +421-2
Geographische Lage: 48° 10′ N, 16° 59′ OKoordinaten: 48° 10′ 26″ N, 16° 59′ 0″ O
Kfz-Kennzeichen: BA, BL, BT
Kód obce: 529401
Struktur
Gemeindeart: Stadtteil
Verwaltung (Stand: November 2018)
Bürgermeister: Ľubica Kolková
Adresse: Miestny úrad Bratislava-Devín
Kremeľská 39
84105 Bratislava
Webpräsenz: www.devin.sk
Statistikinformation auf statistics.sk

Devín (deutsch Theben, ungarisch Dévény) ist ein Stadtteil der slowakischen Hauptstadt Bratislava (Pressburg), der sich unterhalb der Burg Devín (Burg Theben) bei der Mündung der March in die Donau befindet und bis 1946 eine selbstständige Gemeinde war.

Blick auf Devín von der Burgruine aus

Dieser Stadtteil liegt im Südwesten Pressburgs an der Grenze zwischen Österreich und der Slowakei, in der Thebener Pforte. Im Flusslauf der March (Morava) grenzt er an die niederösterreichischen Gemeinde Engelhartstetten im Bezirk Gänserndorf und im Verlauf der Donau an die ebenfalls niederösterreichische Stadt Hainburg an der Donau und die Gemeinde Wolfsthal im Bezirk Bruck an der Leitha. Grenzübergänge von dort nach Devín gibt es jedoch keine. Innerhalb der Slowakei grenzt Devín an die Stadtteile Devínska Nová Ves im Norden, Dúbravka im Nordosten und Karlova Ves im Osten.

GeschichteBearbeiten

Die Geschichte des Ortes ist mit jener der Burg untrennbar verbunden, es wurde aber 1237 auch als „villa Thebbyn“ erwähnt. Die Stadtrechte wurden Theben im Jahr 1568 durch den König von Ungarn bestätigt. Viele Jahrhunderte lang, bis 1918, markierte die Burg und die darunter liegenden Felsen die westliche Grenze Ungarns, die 1526–1918 eine Binnengrenze der Habsburgermonarchie war. Im 16. Jahrhundert siedelten sich in der Kleinstadt zahlreiche Kroaten an.

 
Mündung des Grenzflusses March in die Donau, Blick von der Burg Devín aus. Ganz rechts unten ist das Denkmal für die Fluchtopfer zu sehen.

Am 20. Oktober 1938 wurden Theben und seine Umgebung im Zuge der Durchführung des Münchner Abkommens wegen seiner deutschsprachigen Bevölkerungsmehrheit dem Deutschen Reich, Reichsgau Niederdonau/Niederösterreich eingegliedert. Eine geografische Besonderheit lag darin, dass das Gebiet von Theben mit dem Reich keine direkte Landverbindung hatte, da über den Grenzfluss March (wie bis heute) keine Brücke bestand. Die Verkehrsanbindung wurde durch eine vier Mal täglich verkehrende, exterritoriale Autobuslinie hergestellt, die die Deutsche Reichsbahn zwischen Theben und Engerau/Donaubrücke (mit Anschlüssen Richtung Wien) betrieb.[1]

Die deutschsprachige Bevölkerung wurde 1945 vor der heranrückenden Roten Armee zur Gänze nach Westen evakuiert, Devín ab April 1945 in die wieder erstandene Tschechoslowakei eingegliedert. Wegen der Grenznähe und erhöhter Fluchtgefahr hatten nach 1948 hier nur ausgewählte Bürger Wohnrecht. Die Bevölkerungszahl sank seitdem sukzessive immer weiter: 1991 hatte Devín nur noch 779 Einwohner. Stärker bevölkert ist der Nachbarort Devínska Nová Ves (Theben-Neudorf), der 1972 ebenfalls nach Bratislava (Pressburg) eingemeindet wurde.

Nach dem Ort ist die sogenannte Thebener Pforte benannt, an der die Donau, vom niederösterreichischen Marchfeld kommend, in die Ungarische Tiefebene eintritt. Diese Engstelle ist durch den Thebener Kogel (Devínska Kobyla, 515 m) nördlich und den Braunsberg (346 m) bei Hainburg südlich der Donau definiert. Der Ort wird oft von Donauhochwasser in Mitleidenschaft gezogen, so zum Beispiel bei der Jahrhundertflut von 2002.

Devín befindet sich seit 2005 unter Zwangsverwaltung, nachdem ein Bauprojekt in der Regie des Stadtteils in den 1990er Jahren durch Planungsfehler und immer wachsende Kredite fehlschlug. 2021 betrugen die nicht getilgten Schulden mehr als 12 Millionen Euro, die den Stadtteilhaushalt um mehr als das Vierzehnfache überschreiten. Jedes Jahr steigt die Schuldsumme um etwa 350.000 Euro. Eine Lösung wurde bisher nicht vorgestellt.[2][3]

BevölkerungBearbeiten

Zur Volkszählung 2011 wohnten im Stadtteil Devín 1.096 Einwohner, davon 1.016 Slowaken, 19 Tschechen, 18 Magyaren, vier Deutsche, zwei Polen sowie jeweils ein Jude, Mährer, Russe und Ukrainer. 14 Einwohner gaben eine andere Ethnie an und 19 Einwohner machten keine Angabe zur Ethnie.

534 Einwohner bekannten sich zur römisch-katholischen Kirche, 51 Einwohner zur Evangelischen Kirche A.B., sechs Einwohner zur orthodoxen Kirche, jeweils fünf Einwohner zu den christlichen Gemeinden und zur griechisch-katholischen Kirche, vier Einwohner zur evangelisch-methodistischen Kirche und zur reformierten Kirche sowie jeweils ein Einwohner zum Bahaitum, zu den Baptisten, zu den Brethren, zur apostolischen Kirche, zur jüdischen Gemeinde und zur tschechoslowakischen hussitischen Kirche. 19 Einwohner bekannten sich zu einer anderen Konfession, 379 Einwohner waren konfessionslos und bei 83 Einwohnern wurde die Konfession nicht ermittelt.[4]

Ethnische Struktur
Jahr Einwohner Slowaken Deutsche Ungarn Sonstige
1880 1.655 327 1.179 65 84
1910 2.063 509 1.306 203 45
1921 1.974 810 983 56 125
1991 771 698 5 18 50
2001 884 813 3 13 55
2011 1.096 1.016 4 18 58

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Bratislava-Devin; Denkmal für die Fluchtopfer

An der Straße nach Devínska Nová Ves befindet sich am Fuß der Burg in einem kleinen Steinbruch ein Geologisches Freilichtmuseum, wo man die verschiedenen geologischen Formationen der Erdgeschichte, beispielsweise den Meerespegel im Tertiär, sehen kann.[5]

Ein Denkmal für die Fluchtopfer Tor der Freiheit (Brana slobody) steht am Marchufer. Viele Fluchtwillige wurden in der Zeit des Eisernen Vorhanges an diesem Donauabschnitt auf der Flucht von Grenzsoldaten der Tschechoslowakei erschossen. Eine erfolgreiche Flucht gelang trotz Schussverletzung z. B. dem Tierfilmer Andreas Kieling 1976.[6]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Kursbuch der Deutschen Reichsbahn 1941, Fahrplan Nr. 1463 t.
  2. Obyvatelia Devína spustili petíciu za oddlženie mestskej časti In: teraz.sk vom 11. Oktober 2021, abgerufen am 28. November 2021.
  3. Devín je v nútenej správe už dvanásť rokov IN: sme.sk vom 24. Januar 2017, abgerufen am 28. November 2021.
  4. Ergebnisse der Volkszählung 2011. Abgerufen am 28. November 2021 (slowakisch).
  5. Geologisches Freilichtmuseum in Devín. Regionalverband March-Thaya-Auen, abgerufen am 21. Juni 2017.
  6. FOCUS Online: Angeschossen in der Donau. Abgerufen am 1. November 2020.

WeblinksBearbeiten

Commons: Devín – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 
Theben an der Marchmündung, um 1883