Dźwierzuty

Dorf in Polen

Dźwierzuty [d͡ʑvjɛˈʐutɨ] (deutsch Mensguth) ist ein Dorf[4] in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren, das zum Powiat Szczycieński (Kreis Ortelsburg) gehört. Es ist Sitz der gleichnamigen Landgemeinde. Sie umfasst mehrere kleine Dörfer in der näheren Umgebung.

Dźwierzuty
Wappen von Dzwierzuty
Dźwierzuty (Polen)
Dźwierzuty
Dźwierzuty
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Szczytno
Geographische Lage: 53° 42′ N, 20° 58′ OKoordinaten: 53° 42′ 19″ N, 20° 57′ 38″ O
Einwohner: 1686 (2011[1])
Postleitzahl: 12-120[2]
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NSZ
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 57: BartoszyceBiskupiecSzczytnoChorzeleMaków MazowieckiKleszewo (–Pułtusk)
Pasym/DK 53GrzegrzólkiTargowoOrzyny/DW 600
JabłonkaOlszewki → Dźwierzuty
RumyLaurentowo → Dźwierzuty
Schienenweg: kein Bahnanschluss
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 44 Ortschaften
19 Schulzenämter
Fläche: 263,35 km²
Einwohner: 6508
(30. Jun. 2019)[3]
Bevölkerungsdichte: 25 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2817022
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Tadeusz Edward Frączek
Adresse: ul. Niepodległości 6
12-120 Dzwierzuty
Webpräsenz: www.ug-dzwierzuty.pl



Geschäftshaus in Dźwierzuty
Straße in Dźwierzuty

Geographische LageBearbeiten

Dźwierzuty liegt in der südlichen Mitte der Woiwodschaft Ermland-Masuren, 16 Kilometer nördlich der Kreisstadt Szczytno (deutsch Ortelsburg).

Das Dorf Dźwierzuty (Mensguth)Bearbeiten

GeschichteBearbeiten

OrtsnameBearbeiten

Im Jahre 1438 erfolgte eine Landverschreibung für das Gut Swersutten. Dessen Name wurde noch zu Beginn des 15. Jahrhunderts in Mentzelsgut umgewandelt. Namensgeber war dabei wohl der Gutsbesitzer von Swersutten, Mentzel von Wildenau. Um 1871 findet sich die Namensschreibweise Mensgut.[5][6]

OrtsgeschichteBearbeiten

Der Ort wurde bereits im 14. Jahrhundert gegründet, vermutlich im Jahr 1374; allerdings wurde er erst 25 Jahre später, im Jahr 1399 erstmals genannt. In anderen Quellen wird die Gründung auf einen früheren Zeitpunkt datiert, da bereits für 1349 ein Pfarrer bezeugt sein soll. Dieser Umstand würde auf die Existenz einer Kirche sowie einer kleineren Gemeinde hinweisen.

1438 unterzeichnete Heinrich Reuß von Plauen, Komtur von Elbing (polnisch Elbląg), eine Verschreibung für das Gut „Swersutten“. 1483 tauschte der Gutsherr sein Land gegen einen großen Besitz bei Mohrungen (polnisch Morąg). Dabei fiel für den Orden ein Teil des Landes von Mensguth ab. Der gründete darauf ein Zinsdorf und gestattete den Bau einer Mühle; deshalb die Mühle im Wappen der Gemeinde.[6]

Einen Tiefpunkt erreichte die Gemeinde in der Mitte des 17. Jahrhunderts, der vermutlich von den Verwüstungen während des Tatareneinfalls herrührte. Große Flächen kultivierten Landes lagen in der Folge brach, und es dauerte nahezu ein halbes Jahrhundert, bis es wieder landwirtschaftlich genutzt werden konnte, insbesondere in der Zeit von Friedrich dem Großen.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Mensguth zu einem Standort für Industrie und Handwerk. Neben den beiden Mühlen gab es ein Sägewerk, eine Molkerei, eine Genossenschaft und zeitweilig bis zu 42 Handwerksbetriebe, sowie eine Brennerei.

Am 16. Juli 1875 wurde Mensguth Amtsdorf und damit namensgebend für einen Amtsbezirks im Kreis Ortelsburg im Regierungsbezirk Königsberg (1905 bis 1945: Regierungsbezirk Allenstein) in der preußischen Provinz Ostpreußen. Er bestand bis 1945.[7]

Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags stimmte die Bevölkerung im Abstimmungsgebiet Allenstein, zu dem Mensguth gehörte, am 11. Juli 1920 über die weitere staatliche Zugehörigkeit zu Ostpreußen (und damit zu Deutschland) oder den Anschluss an Polen ab. In Mensguth (Dorf und Vorwerk) stimmten 969 Einwohner für den Verbleib bei Ostpreußen, auf Polen entfielen 14 Stimmen.[8]

Im Jahre 1945 wurde in Kriegsfolge das gesamte südliche Ostpreußen an Polen überstellt. Davon war auch das Dorf Mensguth betroffen. Es erhielt die polnische Namensform „Dźwierzuty“ und ist heute ein Ortsteil mit Sitz eines Schulzenamtes (polnisch Sołectwo) innerhalb der gleichnamigen Landgemeinde im Powiat Szczycieński (Kreis Ortelsburg), bis 1998 der Woiwodschaft Olsztyn, seither der Woiwodschaft Ermland-Masuren zugehörig.

EinwohnerzahlenBearbeiten

Jahr Anzahl
1910 1.126[9]
1933 1.377[10]
1939 1.390[10]
2011 1.686[1]

Amtsbezirk Mensguth (1874–1945)Bearbeiten

Der Amtsbezirk Mensguth bestand bei seiner Errichtung 1874 aus fünf Dörfern, am Ende waren es sechs:[7]

Deutscher Name Polnischer Name Erläuterungen
Anhaltsberg Łysa Góra Gehörte ursprünglich zum Amtsbezirk Korpellen
Geislingen Gisiel
Mensguth Dorf Dźwierzuty
Mensguth Vorwerk Dźwierzutki
Sczepanken
1938–1945 Stauchwitz
Szczepankowo
Wappendorf Łupowo

KircheBearbeiten

 
Evangelische Kirche
 
Katholische Kirche

EvangelischBearbeiten

Die seit der Reformation evangelische Kirche in Dźwierzuty entstand in der Mitte der 1690er Jahre unter Verwendung von Grundmauern eines 1691 (1693) abgebrannten Gotteshauses. Es handelt sich um ein im spätgotischen Stil errichtetes Bauwerk mit einem Backsteinturm und einem Kirchenschiff mit verputztem Feldstein. Das Gotteshaus war bis 1945 Pfarrkirche des gleichnamigen Kirchspiels in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union und ist heute Filialkirche der Pfarrei Pasym (Passenheim) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

KatholischBearbeiten

Die neugotische Kirche der Hl. Dreifaltigkeit wurde in den Jahren 1880 bis 1884 erbaut. Der Turm des Backsteingebäudes ist mit einem spitzen Helm gekrönt. Von 1860 bis 1871 war Mensguth nach Bischofsburg eingepfarrt. Erst seit 1871 gibt es in Mensguth eine eigene katholische Gemeinde, die bis zum Bau der Kirche ein nur kleines Bethaus nutzte.

SchuleBearbeiten

Bereits 1531 wurde in Mensguth eine Schule erwähnt. Sie erhielt 1927/28 einen modernen Neubau mit acht Klassenzimmern, Dusch- und Wannenbädern, Werkräumen für die Berufsschule und eine Wohnung für den Hausmeister. In den gleichen Jahren wurde ein Lehrerhaus für vier Familien gebaut.[11]

VerkehrBearbeiten

StraßenBearbeiten

Dźwierzuty liegt an der bedeutenden Nord-Süd-Verkehrsachse der Landesstraße 57 (zwischen Bartoszyce und Chorzele Trasse der deutschen Reichsstraße 128), die die gesamte Woiwodschaft Ermland-Masuren durchzieht und im Norden der Woiwodschaft Masowien endet. Mehrere regionale Nebenstraßen verbinden das Dorf mit dem Umland.

SchieneBearbeiten

 
Einstiges Bahnhofsgebäude

Dźwierzuty verfügt über keinen Bahnanschluss mehr. 1909 wurde Mensguth Bahnstation an der Bahnstrecke Rothfließ–Ortelsburg über Bischofsburg. Diese Strecke wurde noch bis 1992 im Personenverkehr und bis 2002 im Güterverkehr befahren, dann aber geschlossen. Im Jahre 2015 begannen die Abrissarbeiten der Bahnanlagen.[12]

LuftBearbeiten

Der nächst internationale Flughafen ist der Flughafen Danzig.

PersönlichkeitenBearbeiten

Aus dem Ort gebürtigBearbeiten

  • Emil Kaschub (* 3. April 1919 in Mensguth), Chirurg der deutschen Wehrmacht im KZ Auschwitz († 1977)
  • Ulrich Bernsdorff (* 21. Oktober 1929 in Mensguth), deutscher Schauspieler und Synchronsprecher († 2005)

Gmina DźwierzutyBearbeiten

GemeindegebietBearbeiten

 
Karte des Gemeindegebiets

Das Gebiet der Gmina Dźwierzuty umfasst eine Fläche von 263,35 km². Ihr Gebiet macht 13,62 % der Fläche des gesamten Powiat Szczycieński (Kreis Ortelsburg) aus. 57 % der Gemeindefläche werden landwirtschaftlich, 25 % forstwirtschaftlich genutzt.

Am 30. Juni 2019 wurden 6508 Einwohner registriert, was 9,4 % der Gesamtbevölkerung des Powiat Szczycieński entspricht.

GemeindegliederungBearbeiten

Zur Landgemeinde Dźwierzuty gehören 44 Ortschaften (deutsche Namen amtlich bis 1945):[13]

Mit einem Schulzenamt:[14]

Weitere Ortschaften der Gemeinde sind:

NachbargemeindenBearbeiten

Die Gmina Dźwierzuty ist von acht Nachbargemeinden umgeben:

BevölkerungBearbeiten

Am 30. Juni 2019 waren in der Gmina Dźwierzuty 6508 Einwohner registriert. Die Zahl entspricht etwa 9 % der Gesamtbevölkerung des Powiat Szczycieński.

Die Altersstruktur der Bevölkerung lässt sich aus der Statistik von 2014 ablesen:[15] 

VerkehrBearbeiten

StraßeBearbeiten

Durch das gesamte Gemeindegebiet verläuft in Nord-Süd-Richtung die Landesstraße 57 (auf der Trasse der einstigen deutschen Reichsstraße 128). Der östliche Teil wird von der Woiwodschaftsstraße 600 durchzogen, die die Kreisstädte Mrągowo (Sensburg) und Szczytno (Ortelsburg) miteinander verbindet. Das übrige Straßennetz ist fast allerorts auf das Zentrum Dźwierzuty ausgerichtet bzw. vernetzt die Gemeindeorte untereinander.

SchieneBearbeiten

Das Gebiet der Gemeinde Dźwierzuty verfügt über keine Bahnanbindung. Bis 1992 bzw. 2002 verkehrten Personen- bzw. Güterzüge auf der Bahnstrecke Czerwonka–Szczytno (Rothfließ–Ortelsburg). Seit 2015 werden die Bahnanlagen demontiert. An der Bahnstrecke lagen sechs der zur Gmina gehörenden Orte mit Bahnstation: Grodziska (Grodzisken/Burggarten), Targowska Wola (Theerwischwolla/Theerwischwalde), Dźwierzuty (Mensguth), Olszewki Mazurskie (Olschöwken/Kornau), Jabłonka (Jablonken/Wildenau) und Nowe Kiejkuty (Neu Keykuth).

WeblinksBearbeiten

Commons: Dźwierzuty – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Gmina Dźwierzuty – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Wieś Dźwierzuty w liczbach. 2011, abgerufen am 7. Mai 2017 (polnisch).
  2. Polnisches Postleitzahlenverzeichnis 2013, S. 244
  3. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2019. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 0,99 MiB), abgerufen am 24. Dezember 2019.
  4. Es ist zwischen „Mensguth Dorf“ (Dźwierzuty) und „Mensguth Vorwerk“ (Dźwierzutki) zu unterscheiden
  5. Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Mensguth Dorf
  6. a b Dźwierzuty - Mensguth bei ostpreussen.net
  7. a b Rolf Jehke, Amtsbezirk Mensguth
  8. Herbert Marzian, Csaba Kenez: „Selbstbestimmung für Ostdeutschland – Eine Dokumentation zum 50 Jahrestag der ost- und westpreussischen Volksabstimmung am 11. Juli 1920“; Herausgeber: Göttinger Arbeitskreis, 1970, S. 96
  9. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Ortelsburg
  10. a b Michael Rademacher, Ortsbuch, Landkreis Ortelsburg
  11. Landgemeinde Mensguth Dorf bei der Kreisgemeinschaft Ortelsburg
  12. Bahnstrecke Czerwonka–Szczytno bei Bazakolejowa
  13. Das Genealogische Orts-Verzeichnis
  14. Sołectwa Gminy Dźwierzuty
  15. Kobiety = Frauen, Mężczyźni = Männer