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Carl Klinkhammer

deutscher Geistlicher

Carl Klinkhammer (* 22. Januar 1903 in Aachen; † 18. Januar 1997 in Düsseldorf), auch bekannt als der Ruhrkaplan, war ein katholischer Priester.

„Dr. Carl Klinkhammer 1903 – 1997. Kaplan in St. Johann Altenessen 1931 – 1933. Der ‚Ruhrkaplan‘ wurde am 21. April 1933 in dieser Kirche St. Johann vor den Augen von 293 Erstkommunionkindern von uniformierten Braunhemden verhaftet. Er war der erste katholische Geistliche, der von den Nationalsozialisten in ‚Schutzhaft‘ genommen wurde. Anlaß war seine Predigt in der Abendandacht am 20. April 1933, an der auch Mitglieder der SA und SS aus der Ortsgruppe Altenessen teilgenommen hatten.“[1]

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

In Aachen legte er 1923 das Abitur ab; nach dem Studium in Innsbruck und Bonn empfing er 1929 im Kölner Dom die Priesterweihe.

Er erlangte Bekanntheit u. a. durch seine bis in die Kriegszeiten offenen Proteste gegen das nationalsozialistische Regime, die ihm mehrere Verhaftungen einbrachten. Als Kaplan in Köln wurde er von der Leitung des Erzbistums im Frühjahr 1934 aus seinem Amt entfernte. 1935 musste er in das Bistum Augsburg (zu der Christkönigsgesellschaft in Meitingen) und dann nach Speyer ausweichen. Auch 1937 und 1938 saß er „wegen Kanzelmissbrauchs“ wiederholt im Gefängnis.

1941 wurde er als Sanitätssoldat zur 24. Infanteriedivision nach Russland eingezogen. Nach dem Rückzug über die Ostsee kam er in Schleswig-Holstein in englische Gefangenschaft, aus der er Anfang 1946 entlassen wurde. Er wurde Kaplan an der Bonner Münsterkirche St. Martin. Als Klinkhammer 1947 die Erschießung eines Familienvaters, der Frau und drei kleine Kinder hinterließ, wegen Diebstahls von Kohle als Mord anprangerte, wurde er auf Druck der britischen Besatzung nach Düsseldorf versetzt und wurde Pfarrer in Heerdt (bis 1991).

 
Bunkerkirche

Als Rektoratspfarrer erreichte er von der englischen Kommandantur die Genehmigung, den auf Kirchengrund stehenden Kirchenbunker zu einem Gotteshaus umzubauen, indem die Flakstellung auf dem Dach zum Glockenturm wurde und in die 2,40 Meter dicken Betonwände Kirchenfenster gesprengt wurden. So schuf er am Heerdter „Handweiser“ die Bunkerkirche Sankt Sakrament.

Die Jugendarbeit war ihm sehr wichtig. Da es zwar in der Nähe einen sozialen Brennpunkt gab, der Stadtteil Heerdt zu dieser Zeit aber keine Möglichkeit der sinnvollen Freizeitgestaltung für die Jugend bot, wurde das Obergeschoss des dem Schwesternhaus angeschlossenen Kindergartens als Vorführraum für Theater- und Kinovorführungen ausgestaltet. Das Kino-Programm wurde von Klinkhammer zusammen mit Tauf-, Hochzeits- und Beerdigungsterminen zum Ende eines jeden Gottesdienstes bekanntgegeben. Am Weißen Sonntag besuchte er jedes seiner Kommunionkinder auf ihrer Feier und überreichte ihnen ein bronzenes Kruzifix. In seiner Bunkerkirche predigte er jahrzehntelang bis kurz vor seinem Tod. Nach dem Krieg sah er im Kommunismus die Hauptgefahr.

Klinkhammer war Mitbegründer der Düsseldorfer Mittwochgespräche.[2] Zudem initiierte er die alljährlichen Ferienaktion für Kinder, die zuhause bleiben mussten. Für diese gab es täglich ein Programm wie Fahrten ins Blaue, Kinobesuche oder Besuch einer Badeanstalt.

Während seines Studiums in Bonn trat er der W.K.St.V. Unitas Ruhrania bei.

Kampf für die SittlichkeitBearbeiten

Mit seiner politischen und moralisch-sittlichen Gesinnung hielt er nie hinter dem Berg. So protestierte er 1951 gegen den Film Die Sünderin (mit Hildegard Knef). Mit Jugendlichen organisierte er, entsprechend einer Predigt von Kardinal Joseph Frings als „Selbsthilfe“, Störungen von Filmvorführungen bis hin zum Abbruch einer Vorführung. Dabei wurden auch Stinkbomben in Kinosälen geworfen wurden. Mit der herbeigerufenen Polizei gab es mehrmals Prügeleien. Zusammen mit einem Geistlichen und weiteren fünf Personen wurde er wegen Nötigung, groben Unfugs und Widerstand gegen die Staatsgewalt angeklagt und in erster Instanz freigesprochen.[3] Nachdem die Staatsanwaltschaft gegen den Freispruch in Revision gegangen war, hob der Bundesgerichtshof das Urteil auf, denn nicht das Gewissen der Angeklagten sei entscheidend, sondern Vereinbarkeit ihres Verhaltens mit den Grundsätzen des Rechtsstaates. Der Fall wurde zur Neuverhandlung an das Landgericht Duisburg verwiesen. Aufgrund des Straffreiheitsgesetzes (1954) stellte das Landgericht den Prozess ein. Dank des Gesetzes, das dazu diente, NS-Belastete zu amnestieren, blieb er straffrei und durfte fortan in der Katholischen Filmkommission für Deutschland mitwirken.[4]

EhrungenBearbeiten

SchriftenBearbeiten

  • Auf dem Wege. Die Einheit im Gespräch der Kirche. Fredebeul & Koenen, Essen 1965

Literatur und QuellenBearbeiten

  • Sybille Steinbacher: Der Kampf um Sittlichkeit und Anstand in der frühen Bundesrepublik. Siedler, München 2011, ISBN 978-3-88680-977-6
  • Bruno Kammann: Carl Klinkhammer: Ruhrkaplan, Sanitätssoldat und Bunkerpastor; 1903–1997. In: Düsseldorfer Schriften zur neueren Landesgeschichte und zur Geschichte Nordrhein-Westfalens, Bd. 55. Klartext-Verlag, Essen 2001, ISBN 3-88474-910-2
  • Klinkhammers Unterlagen zu den Düsseldorfer Mittwochgesprächen werden im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland verwahrt und bilden dort den Bestand RW 0312.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Text der Gedenktafel, die anlässlich seines 100. Geburtstages am 22. Januar 2003 an der Kirche St. Johann Baptist in Essen-Altenessen enthüllt wurde.
  2. Presseamt des Erzbistums Köln: PEK-Nachrichten, Nr. 206 vom 6. Juni 1975, S. 1–2.
  3. Sybille Steinbacher S. 113ff (s. o. Literatur)
  4. Sybille Steinbacher S. 120–121 (s. o. Literatur)
  5. Verdienstordenträgerinnen und -träger seit 1986. Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, abgerufen am 11. März 2017.