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Bobby Womack 2010 beim Roskilde-Festival

Robert „Bobby“ Dwayne Womack (* 4. März 1944 in Cleveland, Ohio; † 27. Juni 2014 in Tarzana, Los Angeles, Kalifornien[1]) war ein US-amerikanischer Sänger und Songwriter in den Musikstilen Soul und R&B. Die größten Erfolge feierte er in den 1970er und 1980er Jahren.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Womacks Vater, ebenfalls Musiker, förderte früh die Karriere von Bobby und seinem Bruder Cecil. Gemeinsam gründeten beide eine eigene Band unter dem Namen Womack Brothers. Entdeckt wurden sie von Sam Cooke, der ihnen Anfang der 1960er Jahre einen Plattenvertrag für Cooke’s SAR Records verschaffte. Sam Cooke führte die Womacks in eine weniger durch Kirchenmusik bestimmte, stärker kommerzielle Richtung und benannte die Band um in The Valentinos. Ihren ersten kleinen Hit hatten sie 1964 mit der Single It’s All Over Now, deren Coverversion der Rolling Stones ein so großer Erfolg war, dass Womack einige Zeit gut von den Tantiemen leben konnte.

Nach dem Tod von Sam Cooke im Jahr 1964 heiratete Bobby Womack 21-jährig dessen acht Jahre ältere Witwe Barbara Cooke. Der dadurch entstandene Skandal weitete sich in den Folgejahren aus, als diese Ehe durch Womacks Affäre mit seiner Stieftochter Linda scheiterte und Barbara auf Bobby schoss. Später heiratete Linda seinen jüngeren Bruder Cecil.

Am 31. Dezember 1975 ging Womack eine zweite Ehe mit Regina Banks ein. Anfang 1976 erhielt er einen Vertrag mit Columbia Records. 1981 wechselte er zum Label Beverly Glen, dort nahm er auch das Album The Poet auf. Nach einem erfolgreichen Rechtsstreit mit Beverly Glen wegen ausgebliebener Tantiemenzahlungen wechselte Womack 1985 zu MCA. 1986 arbeitete er mit den Rolling Stones an deren Album Dirty Work und sang mit Mick Jagger das Duett Harlem Shuffle. Seit 1997 veröffentlichte er wieder christlich inspirierte Musik, so in Back to my roots. 2012 wurde seine Darmkrebs-Erkrankung bekannt.[2] Anfang 2013 teilte Womack in einem Interview mit, dass er an der Alzheimer-Krankheit leide.[3]

MusikBearbeiten

Womacks Musik hat durch die sehr elegante, zurückhaltende und untertrieben wirkende Gitarrenlinie als Rhythmus und seine erregt wirkende und leidenschaftliche Solostimme einen hohen Wiedererkennungswert.

Womack arbeitete ab etwa 1965 hauptsächlich als Studiomusiker und Produzent in Chips Momans American Recording Sound Studios in Memphis (Tennessee) für andere Bands, veröffentlichte aber auch ein halbes Dutzend eigener Singles. Den Solodurchbruch in den R&B-Charts hatte er 1968 mit dem selbstgeschriebenen What Is This. Im selben Jahr hatte er mit seiner Version des Klassikers Fly Me to the Moon und einer Coverversion von California Dreamin’ seine ersten beiden Hits in den offiziellen US-Singlecharts. Von da an war er regelmäßig in den Charts vertreten. In dieser Zeit schrieb er auch den Song Breezin’, mit dem George Benson einen Hit landete.

Anfang der 1970er wechselte Womack von Minit Records zu United Artists. Mit seinem Labeldebüt Communication kam er in die Top 100 der offiziellen Albumcharts und der darauf enthaltene Song That’s the Way I Feel About ’Cha war sein erster Top-40-Hit. Weitere Hits waren Harry Hippie, sein erster Millionenseller, Nobody Wants You When You’re Down and Out, ein Bluesklassiker, sowie eine Soloaufnahme des Valentinos-Hits Lookin’ for a Love, mit dem er es auf Platz 1 der R&B-Charts und in die Top 10 der offiziellen Charts brachte. Außerdem war es sein zweiter Millionenseller. Darüber hinaus komponierte er 1973 zusammen mit J. J. Johnson den Soundtrack zum Blaxploitation-Film Across 110th Street (deutscher Titel Straße zum Jenseits) und sang unter anderem den Titelsong.

In der zweiten Hälfte der 1970er ließ der Erfolg etwas nach, er war aber immer noch häufig in den R&B-Charts vertreten. 1981 veröffentlichte Womack sein erfolgreiches Album Poet mit der R&B-Hitsingle If You Think You’re Lonely Now. Am Nachfolgealbum The Poet II war drei Jahre später auch Patti LaBelle als Gastsängerin vertreten. Mit dem Lied Love Has Finally Come at Last hatte er nach 9 Jahren noch einmal einen offiziellen Charthit in den USA. Der Song Tell Me Why vom selben Album war wiederum sein erster Charthit in den britischen Charts. Dort hatte er bis Mitte der 1990er auch noch weitere Charthits vor allem zusammen mit anderen britischen Künstlern wie der Band Living in a Box und der Sängerin Lulu.

Mit Albumveröffentlichungen hatte Bobby Womack nach 1986 aber kaum noch Erfolge. Auf dem 1994 erschienenen Album „Resurrection“ gaben sich Gastmusiker wie Rod Stewart, Keith Richards oder Stevie Wonder die Ehre. Es brachte ihm die einzige Chartplatzierung in den 1990ern in Großbritannien und in USA auch nur in den R&B-Charts. Überwiegend arbeitete er als Produzent und gelegentlich war er bei Liveauftritten zu sehen. Seiner Tochter GinaRe zufolge verlor er zeitweise völlig das Interesse an seiner musikalischen Arbeit.[4]

Erst 2010 trat Womack aus seiner Schaffenskrise. Damon Albarn von der britischen Band Gorillaz kontaktierte ihn, um ihn für sein geplantes Album Plastic Beach zu gewinnen.[5] Womack spielte daraufhin gemeinsam mit den Gorillaz und Mos Def den Titel Stylo ein, der als erste Singleauskopplung zwei Monate vor dem Album erschien. In einem weiteren Titel des Albums, Cloud of Unknowing, ist Womack ebenfalls zu hören. Albarn revanchierte sich kurze Zeit später zusammen mit Richard Russell, indem sie mit ihm The Bravest Man in the Universe produzierten. Es erschien 2012 und wurde ein großer Erfolg, es platzierte sich nicht nur in Großbritannien und den USA in den Charts, sondern brachte ihn unter anderem auch in den deutschsprachigen Ländern erstmals überhaupt in die Albumcharts. Des Weiteren kam es auf Platz 36 der Top-Alben 2012 des Rolling Stone[6] und gewann den Q Award als Bestes Album 2012.[7] Beim Titel Dayglo Reflection wirkte als Duettpartnerin Lana Del Rey mit. Es blieb aber seine letzte Veröffentlichung, bevor er zwei Jahre später starb.

TriviaBearbeiten

Mariah Carey sang 2005 in ihrem Nummer-1-Hit We Belong Together eine Textphrase, die in etwa lautet: „Ich kann nachts nicht schlafen, wenn du in meinen Gedanken bist. Bobby Womack läuft im Radio und singt für mich: ‚Wenn du denkst, dass du jetzt einsam bist‘.“:

„I can’t sleep at night
When you are on my mind.
Bobby Womack’s on the radio
Singing to me: ‚If you think you’re lonely now‘.“

Im Vor- und Abspann des Filmes Jackie Brown von 1997 nutzte der Regisseur Quentin Tarantino den Song Across 110th Street, was zusammen mit den Filmsongs der Gruppe The Delfonics zu einer kleinen Renaissance der Soul-Musik führte.

Der Song Across 110th Street stammt ursprünglich aus dem gleichnamigen Krimi-Drama mit Anthony Quinn von 1972, ist aber auch auf modernen Soundtracks wie American Gangster enthalten.

In einem Werbefilm der Automarke Saab von 2003 wird ein Auszug aus Bobby Womacks California Dreamin’ angespielt.

Diskografie (Auszug)Bearbeiten

AlbenBearbeiten

Jahr Titel
Album
Chartplatzierungen[8][9] Anmerkungen
Deutschland  DE Osterreich  AT Schweiz  CH Vereinigtes Konigreich  UK Vereinigte Staaten  US
1968 Fly Me to the Moon
300! 300! 300! 300! 174
(2 Wo.)
1971 The Womack “Live”
300! 300! 300! 300! 188
(5 Wo.)
Livealbum
Communication
300! 300! 300! 300! 83
(17 Wo.)
1972 Understanding
300! 300! 300! 300! 43
(48 Wo.)
1973 Across 110th Street
300! 300! 300! 300! 50
(20 Wo.)
Soundtrack des gleichnamigen Films (deutscher Titel Straße zum Jenseits)
Splitalbum mit 6 eigenen Songs und 5 Instrumentalstücken von J. J. Johnson & His Orchestra
Facts of Life
300! 300! 300! 300! 37
(21 Wo.)
1974 Lookin’ for a Love Again
300! 300! 300! 300! 85
(19 Wo.)
Bobby Womack’s Greatest Hits
300! 300! 300! 300! 142
(7 Wo.)
1975 I Don’t Know What the World Is Coming To
300! 300! 300! 300! 126
(4 Wo.)
1976 Safety Zone
300! 300! 300! 300! 147
(11 Wo.)
1981 The Poet
300! 300! 300! 300! 29
(23 Wo.)
1984 Poet II
300! 300! 300! 31
(8 Wo.)
60
(14 Wo.)
Gastsängerin: Patti LaBelle
1985 So Many Rivers
300! 300! 300! 28
(7 Wo.)
66
(19 Wo.)
1994 Ressurection
300! 300! 300! 87
(1 Wo.)
300!
2012 The Bravest Man in the Universe
84
(2 Wo.)
36
(3 Wo.)
32
(4 Wo.)
49
(4 Wo.)
181
(1 Wo.)

Weitere Alben

  • My Prescription (1970)
  • BW Goes C&W (1976)
  • Home Is Where the Heart Is (1976)
  • Pieces (1978)
  • Roads of Life (1979)
  • Someday We’ll All Be Free (1985)
  • Womagic (1986)
  • The Last Soul Man (1987)
  • Save the Children (1989)
  • Midnight Mover: The Bobby Womack Collection (Kompilation, 1993)
  • Soul Seduction Supreme (1994)
  • Soul Sensation Live (Livealbum, 1998)
  • Back to My Roots (1999)
  • Traditions (1999)
  • Christmas Album (2000)

SinglesBearbeiten

Jahr Titel
Album
Chartplatzierungen[8][9][10][11] Anmerkungen
Vereinigtes Konigreich  UK Vereinigte Staaten  US
1968 Fly Me to the Moon
300! 52
(13 Wo.)
Autor: Bart Howard (1954)
California Dreamin’
300! 43
(9 Wo.)
1969 How I Miss You Baby
300! 93
(2 Wo.)
Autoren: Bobby Womack, Darryl Carter
1970 More Than I Can Stand
300! 90
(4 Wo.)
Autoren: Bobby Womack, Darryl Carter
1971 That’s the Way I Feel About ’Cha
300! 27
(13 Wo.)
Autoren: Jimmy Grisby, Joe Hicks, Bobby Womack
1972 Woman’s Gotta Have It
300! 60
(9 Wo.)
Autoren: Bobby Womack, Linda Womack, Darryl Carter
Harry Hippie
300! 31
 Gold

(12 Wo.)
Autor: Jim Ford
Sweet Caroline (Good Times Never Seemed So Good)
300! 51
(9 Wo.)
Original/Autor: Neil Diamond (1969)
B-Seite von Harry Hippie
1973 Across 110th Street
300! 56
(6 Wo.)
Autoren: Bobby Womack, J. J. Johnson
Titellied des gleichnamigen Films (deutscher Titel Straße zum Jenseits)
Nobody Wants You When You’re Down and Out
300! 29
(15 Wo.)
Original/Autor: Jimmy Cox (1923)
1974 Lookin’ for a Love
300! 10
 Gold

(17 Wo.)
1962 ein Hit für die Valentinos, zu denen auch Womack gehörte
Autoren: James Alexander, Zelda Samuels
You’re Welcome, Stop On By
300! 59
(7 Wo.)
Autoren: Bobby Womack, Truman Thomas
1975 Check It Out
300! 91
(3 Wo.)
1974 der Debüthit von Tavares
Autoren: Floyd Butler, Billy Osborne
1984 Love Has Finally Come at Last
(Bobby Womack and Patti LaBelle)
300! 88
(5 Wo.)
Autor: Bobby Womack
Tell Me Why
60
(3 Wo.)
300!
Autoren: Bobby Womack, Jim Ford
1985 I Wish He Didn’t Trust Me so Much
64
(2 Wo.)
300!
Autoren: James K. Eubanks, Peter Luboff, Harold Payne
1987 Living in a Box
70
(2 Wo.)
300!
Original: Living in a Box (1987)
Autoren: Marcus Vere, Steve Piggot
1993 I’m Back for More
(Lulu and Bobby Womack)
27
(5 Wo.)
300!
Autor: Kenny Stover
1994 It’s a Man’s Man’s Man’s World
(Jeanie Tracy and Bobby Womack)
73
(1 Wo.)
300!
Original: James Brown; Autoren: James Brown, Betty Jean Newsome
2004 California Dreamin’
59
(1 Wo.)
300!
Wiederveröffentlichung der Aufnahme von 1968

Als Gastmusiker

Jahr Titel
Album
Chartplatzierungen[8][10] Anmerkungen
Deutschland  DE Osterreich  AT Schweiz  CH Vereinigtes Konigreich  UK Vereinigte Staaten  US
1985 (No Matter How High I Get) I’ll Still Be Lookin’ Up to You
(Wilton Felder feat. Bobby Womack and introducing Alltrina Grayson)
300! 300! 300! 63
(2 Wo.)
300!
Musik: Bobby Womack, Text: Paul Kisch
1987 So the Story Goes[12]
(Living in a Box feat. Bobby Womack)
300! 300! 300! 34
(8 Wo.)
81
(4 Wo.)
2010 Stylo[13]
(Gorillaz feat. Bobby Womack & Mos Def)
63
(8 Wo.)
40
(… Wo.)
56
(7 Wo.)
300! 300!

Weitere Singles

  • Nothing You Can Do (1965)
  • I Found a True Love (1965)
  • What Is This (1966)
  • Find Me Somebody (1967)
  • Baby, I Can’t Stand It (1967)
  • Broadway Walk (1967)
  • What Is This (1968)
  • I Left My Heart in San Francisco (1969)
  • It’s Gonna Rain (1969)
  • I’m Gonna Forget About You (1970)
  • Everybody’s Talkin’ (live, 1970)
  • Breezin’ (1971)
  • The Preacher (Part 2)/More Than I Can Stand (live, 1971)
  • Communication (1971)
  • I’m Through Trying to Prove My Love to You (1973)
  • I Don’t Know (1974)
  • It’s All Over Now (1975)
  • Where There’s a Will, There’s a Way (1975)
  • Daylight (1976)
  • Home Is Where the Heart Is (1977)
  • Standing in the Safety Zone (1977)
  • Wind It Up (1978)
  • Trust Your Heart (1978)
  • How Could You Break My Heart (1979)
  • Secrets (1981)
  • If You Think You’re Lonely Now (1982)
  • Where Do We Go from Here (1982)
  • It Takes a Lot of Strength to Say Goodbye (mit Patti LaBelle, 1984)
  • Someday We’ll All Be Free (1985)
  • Let Me Kiss It Where It Hurts (1985)
  • I’m So Proud (mit Cecil Womack, 1985)
  • Gypsy Woman (1986)
  • (I Wanna) Make Love to You (1986)
  • How Could You Break My Heart (1987)
  • Outside Myself (1988)
  • Priorities (1989)
  • Save the Children (1989)
  • I Wish I’d Never Met You (mit Mica Paris, 1991)
  • Please Forgive My Heart (2012)

LiteraturBearbeiten

  • Stambler, Irwin: The Encyclopedia Of Pop, Rock And Soul. 3. überarbeitete Auflage. St. Martin’s Press, New York 1989, ISBN 0-312-02573-4, S. 747–749.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Bobby Womack – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Chicago Tribune: Soul poet Bobby Womack dead at 70 , 27. Juni 2014
  2. Nachricht bei EurWeb
  3. Bobby Womack diagnosed with Alzheimer's disease bei CBS News
  4. auf www.contactmusic.com vom 16. August 2011, abgerufen am 3. Januar 2014 (englisch)
  5. auf www.rollingstone.de vom 23. April 2012, abgerufen am 3. Januar 2014
  6. 50 Best Albums of 2012. rollingstone.com, abgerufen am 20. Dezember 2013.
  7. Muse, Pulp and Blur win Q Awards. BBC News, 22. Oktober 2011, abgerufen am 20. Dezember 2013.
  8. a b c Chartquellen: DE AT CH UK US
  9. a b US-Singles: Joel Whitburn's Top Pop Singles 1955-2006. Billboard Books, New York 2007, ISBN 0-89820-172-1 / US-Alben: The Billboard Albums von Joel Whitburn, 6th Edition, Record Research 2006, ISBN 0-89820-166-7
  10. a b British Hit Singles & Albums, 18th Edition, Guinness World Records Limited 2005, ISBN 9781904994008
  11. Bobby Womack in der Gold-/Platindatenbank der RIAA (USA)
  12. So the Story Goes (Song) in den britischen Charts
  13. Chartquellen für Stylo (Gorillaz): DeutschlandÖsterreichSchweiz