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Billy Preston

US-amerikanischer Soulmusiker und Hammond-Orgel-Spieler
Billy Preston (links) mit George Harrison und US-Präsident Gerald Ford (rechts) am 13. Dezember 1974

Billy Preston (* 2. September[1] 1946 in Houston, Texas; † 6. Juni 2006 in Scottsdale, Arizona) war ein US-amerikanischer Soulmusiker, Sänger, Pianist und Hammond-Orgel-Spieler.

Preston begann mit drei Jahren Klavier zu spielen. Er arbeitete mit einigen der Größten in der Musikindustrie zusammen: den Beatles, den Rolling Stones, Little Richard, Ray Charles, George Harrison, Eric Clapton, Bob Dylan, Sam Cooke, Sammy Davis Jr., Sly Stone, Aretha Franklin, den Jackson Five, Quincy Jones und den Red Hot Chili Peppers.

Wegen seiner Zusammenarbeit mit den Beatles wurde Preston auch als der „fünfte Beatle“ bezeichnet.

BiografieBearbeiten

 
Billy Preston, 1971

Als Kind spielte Preston Kirchenorgel in Los Angeles, wo er in der Grace Memorial Church of God in Christ zunächst die Improvisationen des dortigen Organisten im Anschluss an die Gottesdienste nachspielte und bereits als 10-Jähriger dessen Stelle einnahm. 1956 begleitete er auf dem Klavier Mahalia Jackson in einer Fernsehshow und anschließend auf einer Tournee.[2] Im Spielfilm St. Louis Blues spielte er 1958 den jungen Blueskomponisten Will Handy.[3]

Im Jahr 1962 kam er mit Little Richard erstmals nach Europa und trat in Hamburg im Star-Club mit den noch unbekannten Beatles auf. Danach begleitete er unter anderem Sam Cooke und Ray Charles.

Neben seiner Tätigkeit als Gastmusiker nahm er seit Mitte der 1960er Jahre immer wieder auch eigene Platten auf, von denen sich einige Singles in den Charts platzieren konnten (beispielsweise Will It Go Round in Circles [eine US-Nummer-eins 1973], Nothing from Nothing [eine US-Nummer-eins 1974], With You I’m Born Again [Duett mit Syreeta aus dem Kinofilm Die Chance seines Lebens, 1979]). Zusammen mit Bruce Fischer und Dennis Wilson (Text) schrieb er das elegische You Are So Beautiful, das später von Joe Cocker erfolgreich gecovert wurde. Der Titel gehört zu den am häufigsten gecoverten Liedern der Popmusik.

Der Stil seiner Soloprojekte entwickelte sich im Laufe seiner Karriere. Waren es zunächst von Ray Charles und Gospelmusik inspirierte R&B-Instrumentaltitel, so wandelte er sich in den 1970er Jahren zu einem Interpreten tanzbarer schneller Soulmusik. Seine Duette mit Stevie Wonders Ex-Frau Syreeta Wright waren dagegen langsame Balladen.

Mit den Beatles spielte Preston auf ihren Alben Let It Be und Abbey Road. Beim letzten Auftritt der Beatles auf dem Dach des Apple-Hauses in der Londoner Savile Row spielte er das E-Piano. Die Zusammenarbeit setzte er mit den einzelnen Beatles (außer Paul McCartney) auf ihren Solopfaden fort und nahm 1971 am Konzert für Bangladesch und 2002 am Concert for George in der Royal Albert Hall teil.

Bei den Rolling Stones spielte Preston auf den Alben Sticky Fingers, Exile on Main St., Black and Blue und Goats Head Soup als Gastmusiker. Außerdem begleitete er sie als Keyboarder auf der Europatournee 1973, wo er mit Stones-Gitarrist Mick Taylor in der Begleitband im Vorprogramm spielte und auch ein Live-Album aufnahm. In den Rolling-Stones-Konzerten rundete Preston die Darbietungen der Band mit seinen musikalischen Beiträgen kongenial ab. Bei der US-Tournee 1975 und der Europa-Tournee 1976 nahm Preston in der Band einen so prominenten Platz ein, dass seine Hits Nothing from Nothing und Outta-Space im Konzert gespielt wurden. Seine laszive Show gemeinsam mit Mick Jagger sorgte darüber hinaus wegen ihrer homoerotischen Anklänge bei beiden Tourneen für Aufsehen.

Später war Preston nicht mehr bei Projekten der Rolling Stones beteiligt. 2001 spielte er das Clavinet für die Single Just Because von Nikka Costa. Als begleitender Keyboarder und Organist ging er auch mit Eric Clapton regelmäßig auf Tour, so noch zuletzt 2004 bei Claptons Europatournee, die ihn auch nach Deutschland führte. Unter anderem war Preston an den Aufnahmen zu Eric Claptons Projekt Sessions for Robert Johnson beteiligt. Außerdem arbeitete er mit so unterschiedlichen Künstlern wie Aretha Franklin, Sly & the Family Stone oder Bob Dylan zusammen und war auch an der letzten CD von Ray Charles (Genius Loves Company aus dem Jahre 2004) beteiligt.

Der unverwechselbare Stil seines Hammond-Orgel-Spiels, der von virtuosen Glissandi und einfühlsamer Melodieführung geprägt war, machte ihn zu einem begehrten Session-Musiker und wurde 1996 von Joe Cocker mit dem gemeinsamen Album Organic gewürdigt.

Preston wurde 1992 wegen Drogenbesitzes verurteilt und hatte eine Entziehungskur hinter sich gebracht. Seine Gesundheit war durch jahrelangen Missbrauch von Drogen und Alkohol angegriffen, seine Nieren nicht voll funktionsfähig. Daran änderte auch eine Transplantation Anfang der 2000er Jahre nichts. 1997 war er wegen Verstoßes gegen Bewährungsauflagen zu drei Jahren Haft verurteilt worden.[4]

Am 21. November 2005 fiel er infolge hohen Blutdrucks und Komplikationen wie Nierenversagen ins Koma, aus dem er nicht mehr erwachte. Er starb am 6. Juni 2006. Als eine seiner letzten Arbeiten ist er auf dem Album Stadium Arcadium der Red Hot Chili Peppers bei dem Song Warlocks zu hören, den er in kritischem Gesundheitszustand aufnahm. Eric Clapton, auf dessen Album The Road to Escondido Preston als letztes mitwirkte, widmete ihm am 6. Juni 2006 bei einem Konzert in Leipzig den Song Back Home mit den Worten “This one is for Billy”.

DiskografieBearbeiten

AlbenBearbeiten

Jahr Titel
Musiklabel
Chartplatzierungen[5][6][6] Anmerkungen
Deutschland  DE Osterreich  AT Schweiz  CH Vereinigtes Konigreich  UK Vereinigte Staaten  US Vereinigte Staaten  R&B
1965 The Most Exciting Organ Ever
Vee-Jay VJS 1123
300! 300! 300! 300! 143
(3 Wo.)
5
(7 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1965
1966 The Wildest Organ in Town
Capitol ST 2532
300! 300! 300! 300! 118
(6 Wo.)
9
(8 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1966
1969 That’s The Way God Planned It
300! 300! 300! 300! 127
(12 Wo.)
300!
Erstveröffentlichung: 1969
1970 Organ Tansplant
Pickwick SPC 3315
300! 300! 300! 300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 1970
1971 I Wrote A Simple Song
300! 300! 300! 300! 32
(38 Wo.)
9
(22 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1971
Encouraging Words
300! 300! 300! 300! 300! 50
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1971
1972 Music Is My Life
300! 300! 300! 300! 32
(35 Wo.)
7
(33 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1972
1973 Same / Buddah
BDS 7502
300! 300! 300! 300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 1973
Everybody Likes Some Kind of Music
300! 300! 300! 300! 52
(18 Wo.)
3
(17 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1973
1974 Live European Tour
300! 300! 300! 300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 1974
The Kids & Me
300! 300! 300! 300! 17
(14 Wo.)
8
(18 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1974
1975 It’s My Pleasure
300! 300! 300! 300! 43
(14 Wo.)
18
(9 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1975
1977 A Whole New Thing
300! 300! 300! 300! 300! 49
(5 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1977
1978 Behold!
Myrrh Records MYR 1070
300! 300! 300! 300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 1978
1980 Late At Night
300! 300! 300! 300! 49
(18 Wo.)
73
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1980
Universal Love
Myrrh Records MYR 1080
300! 300! 300! 300! 300! 300!
Erstveröffentlichung: 1980
1981 Billy Preston & Syreeta
300! 300! 300! 300! 127
(9 Wo.)
48
(5 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1980
Billy Preston & Syreeta

SinglesBearbeiten

Jahr Titel
Album
Chartplatzierungen[5] Anmerkungen
Deutschland  DE Osterreich  AT Schweiz  CH Vereinigtes Konigreich  UK Vereinigte Staaten  US Vereinigte Staaten  R&B
1969 Get Back
1
(14 Wo.)
1
(12 Wo.)
1
(11 Wo.)
1
(13 Wo.)
1
(12 Wo.)
300!
Erstveröffentlichung: 1969
The Beatles mit Billy Preston
That’s The Way God Planned It
That’s The Way God Planned It
300! 300! 300! 11
(10 Wo.)
62
(16 Wo.)
300!
Erstveröffentlichung: 1969
Don’t Let Me Down
300! 300! 300! 300! 35
(4 Wo.)
300!
Erstveröffentlichung: 1969
The Beatles mit Billy Preston
1971 My Sweet Lord
Encouraging Words
300! 300! 300! 300! 90
(3 Wo.)
23
(8 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1971
1972 Outa-Space
I Wrote a Simple Song
300! 300! 300! 44
(3 Wo.)
2
 Gold

(17 Wo.)
1
(15 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1972
The Bus
I Wrote a Simple Song
300! 300! 300! 300! 300! 43
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1972
I Wrote a Simple Song
I Wrote a Simple Song
300! 300! 300! 300! 77
(5 Wo.)
300!
Erstveröffentlichung: 1972
Slaughter
300! 300! 300! 300! 50
(8 Wo.)
17
(10 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1972
1973 Will It Go Round In Circles
Music Is My Life
300! 300! 300! 300! 1
 Gold

(22 Wo.)
10
(16 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1973
Space Race
Everybody Likes Some Kind of Music
300! 300! 300! 300! 4
 Gold

(18 Wo.)
1
(15 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1973
You’re So Unique
Everybody Likes Some Kind of Music
300! 300! 300! 300! 48
(8 Wo.)
11
(12 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1973
1974 Nothing from Nothing
The Kids & Me
300! 300! 300! 300! 1
 Gold

(18 Wo.)
8
(17 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1974
Struttin’
The Kids & Me
300! 300! 300! 300! 22
(10 Wo.)
11
(14 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1974
1975 Fancy Lady
It’s My Pleasure
300! 300! 300! 300! 71
(4 Wo.)
23
(10 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1975
Do It While You Can
It’s My Pleasure
300! 300! 300! 300! 300! 58
(7 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1975
1976 Get Back [1976]
300! 300! 300! 28
(5 Wo.)
86
(2 Wo.)
300!
Erstveröffentlichung: 1976
in USA erst 1978 platziert
1977 I’ve Got The Spirit/Do What You Want
Billy Preston
300! 300! 300! 300! 300! 48
(7 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1977
Girl
Billy Preston
300! 300! 300! 300! 300! 44
(12 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1977
Wide Stride
A Whole New Thing
300! 300! 300! 300! 300! 33
(13 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1977
1978 I’m Really Gonna Miss You
A Whole New Thing
300! 300! 300! 300! 300! 59
(9 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1978
1979 With You I’m Born Again
Late at Night
300! 300! 300! 2
 Silber

(11 Wo.)
4
(29 Wo.)
86
(3 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1979
Billy Preston und Syreeta
1980 It Will Come In Time
Late at Night
300! 300! 300! 47
(4 Wo.)
300! 300!
Erstveröffentlichung: 1980
Billy Preston und Syreeta
One More Time For Love
300! 300! 300! 300! 52
(10 Wo.)
72
(7 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1980
Billy Preston und Syreeta
1982 I’m Never Gonna Say Goodbye
Pressin’ On
300! 300! 300! 300! 88
(3 Wo.)
64
(9 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1982

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. gemäß seiner Website.
  2. Siegfried Schmidt-Joos, Barry Graves: Rock-Lexikon. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1973, 2. Auflage 1975, Neudruck 1978, ISBN 3-499-16177-X, S. 279 f., hier: S. 279.
  3. www.imdb.com: St. Louis Blues (1958). Abgerufen am 4. September 2016.
  4. www.nytimes.com: Billy Preston, 59, Soul Musician, Is Dead; Renowned Keyboardist and Collaborator. Abgerufen am 4. September 2016.
  5. a b Chartquellen: DE AT CH UK US
  6. a b Auszeichnungen für Musikverkäufe: UK US