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Geographische LageBearbeiten

Die Ortschaft liegt etwa sechs Kilometer westlich von Stolp an der Landstraße von Stolp nach dem acht Kilometer entfernten Dorf Groß Brüskow (Bruskowo Wielkie)[1]. Der Ortskern liegt einen Kilometer südlich dieser Landstraße. Das nächste Dorf ist Bruskowo Wielkie. Die nächste Bahnstation befindet sich in Stolp.

GeschichteBearbeiten

Der Ort war ursprünglich ein Gassendorfs. In preußischer Zeit war Birkow eines von 18 königlichen Dörfern, die dem Amt Stolp unterstanden. 1784 hatte Birkow: ein Vorwerk, zwölf Bauern, zwei Kossäten, vier Büdner, ein Schulhaus und ein Hirtenhaus bei insgesamt 21 Haushaltungen.[2] Die Domäne bewirtschaftete 2500 Morgen, ein Bauer 233 Morgen und jeder der beiden Kossäten 102 Morgen. Als das Vorwerk Birkow im Frühjahr 1828 von der preußischen Finanzverwaltung zu Köslin zum Kauf oder zur Pacht angeboten wurde, umfasste es über 891 Morgen.[3] Um 1862 war der Umfang des Vorwerks auf 752 Morgen geschrumpft.[4] 1925 standen im Dorf 131 Wohngebäude. Die Gemeindefläche betrug 1.265 Hektar. 1939 wurden 206 Haushaltungen und 781 Einwohner gezählt. Bis 1945 gehörte der Ort zusammen mit den Gemeinden Groß Brüskow (heute polnisch: Bruskowo Wielkie), Grünhagen (Wierzbięcin), Klein Brüskow (Bruskowo Małe), Schwolow (Swołowo) und Steinwald (Krzemienica) zum Amtsbezirk Groß Brüskow im Landkreis Stolp im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern. Das Standesamt war ebenfalls in Groß Brüskow, während der Gendarm in Klein Strellin (Strzelinko) sein Amt hatte. Amtsgerichtsbezirk war Stolp.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs brachen die Birkower Einwohner am 7. März 1945 zur Flucht vor der herannahenden Roten Armee auf. Wegen der winterlichen Wegeverhältnisse kamen sie nicht weit und mussten umkehren. In Birkow waren inzwischen rund 2.500 Flüchtlinge aus Ost- und Westpreußen sowie aus den umliegenden Dörfern eingetroffen. Am 8. März 1945 wurde Birkow von sowjetischen Truppen kampflos besetzt. Bald darauf wurde Birkow zusammen mit ganz Hinterpommern unter die Verwaltung der Volksrepublik Polen gestellt. Sie benannte den Ort in Bierkowo um und besiedelte ihn bei gleichzeitiger Vertreibung der bisherigen Einwohner bis 1947 vollständig mit Polen. Die Heimatsortskartei (HOK) Pommern ermittelte auf dem Territorium Westdeutschlands 316 und dem der DDR 333 aus Birkow vertriebene Dorfbewohner.[5]

Das Dorf ist heute ein Ortsteil der Gmina Słupsk im Powiat Słupski der Woiwodschaft Pommern (bis 1998 Woiwodschaft Stolp). Im Jahr 2009 hatte das Dorf 921 Einwohner.

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner Anmerkungen
1818 357 [6]
1864 576 [7]
1867 630 [8]
1871 660 ausnahmslos Evangelische[8]
1910 887 [9]
1925 838 darunter 836 Evangelische und ein Katholik[10]
1933 841 [11]
1939 781 [11]
2009 921

KircheBearbeiten

 
Dorfansicht mit Dorfkirche

Birkow war vor 1945 fast ausnahmslos evangelisch. Es gehörte mit den Dörfern Gatz (heute Gać), Reblin (Reblino), Reddentin (Redęcin), Symbow (Zębowo) und Zitzewitz (Sycewice) zum Kirchspiel Symbow im Kirchenkreis Stolp-Stadt in der Kirchenprovinz Pommern der Kirche der Altpreußischen Union. 1940 zählte das Kirchspiel insgesamt 2374 Gemeindeglieder.

Im Jahre 1895 wurde in Birkow eine eigenständige Kirchengemeinde errichtet, die aber im Verbund mit Symbow blieb. Eine eigene Kirche hatte die Gemeinde zunächst nicht. Im Jahre 1906 beschloss der Gemeindekirchenrat mit Zustimmung der Kirchenpatrone Graf Wilhelm von Zitzewitz auf Zitzewitz und Graf Paul von Below auf Reddentin (Birkow selbst war patronatsfrei), eine neue Kirche zu bauen. Am 16. April (Ostersonntag) im Jahre 1911 wurde sie vom pommerschen Generalsuperintendenten Johannes Büchsel und dem Ortspfarrer Reinhold Rathke feierlich in Dienst genommen. Seitdem erhebt sie sich weithin sichtbar auf dem zugeschütteten Schulteich.

Seit 1945 ist die Bevölkerung von Bierkowo überwiegend römisch-katholisch. Die Kirche ist heute wie auch Swołowo (Schwolow) Filialkirche der Pfarrei Bruskowo Wielkie (Groß Brüskow) im Dekanat Ustka (Stolpmünde) im Bistum Köslin-Kolberg der Katholischen Kirche in Polen. Am 18. November 1945 wurde die Kirche ‚neu geweiht‘ und erhielt den Namen des Hl. Josef.

Heute hier lebende evangelische Kirchenglieder gehören zum zur Kreuzkirche in Słupsk (Stolp) in der Diözese Pommern-Großpolen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

SchuleBearbeiten

Das Birkower Schulhaus war vor 1945 ein stattlicher Massivbau aus dem beginnenden 19. Jahrhundert. Häufig ist es aus- und umgebaut worden. Zuletzt hatte es zwei geräumige Klassenzimmer und zwei Lehrerwohnungen.

SonstigesBearbeiten

Im Jahr 1838 wurden auf der Feldmark von Birkow beim Ausgraben eines großen Steins wertvolle sassanidische Silbermünzen gefunden, die in die Königliche Münzsammlung zu Berlin aufgenommen wurden.[12][13][14][15]

LiteraturBearbeiten

  • Karl-Heinz Pagel: Der Landkreis Stolp in Pommern: Zeugnisse seiner deutschen Vergangenheit. Bonn: Heimatkreise Stadt Stolp u. Landkreis Stolp, Lübeck 1989., S. 398–402 (Ortsbeschreibung Birkow PDF 1,01 MB)
  • Ernst Müller: Die Evangelischen Geistlichen Pommerns von der Reformation bis zur Gegenwart. Band 2. Stettin 1912.
  • Reinhard Schulz: Birkow Kreis Stolp in Pommern. Chronik. Das Dorf Birkow und seine Geschichte mit Hofbeschreibungen, den Ahnen und Familien, Daten, Zeitdokumenten, Erlebnisberichten und Bildern zur Erinnerung an die ehemaligen Bewohner, ihre Geschichte, ihr Dorf. Leipzig 2007
  • Ernst Voß: Auf dem Teich entstand das Gotteshaus. Die Geschichte der einhundertjährigen Kirche in Birkow, Kreis Stolp, und ihrer Gemeinde. In: Die Pommersche Zeitung. Folge 10/11 (12. März 2011), S. 8

WeblinksBearbeiten

  Commons: Bierkowo – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Straßenkarte Hinterpommern: Köslin - Stolp - Danzig, 9. Auflage, Höfer Verlag, Dietzenbach 2005, ISBN 978-3-931103-14-9.
  2. Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern (Ludwig Wilhelm Brüggemann, Hrsg). II. Teil, 2. Band, Stettin 1764, S. 930, Nr. 1.
  3. Amtsblatt der Königl. Regierung Nr. 15, Stettin, 12. April 1828, S. 128–129.
  4. Adolf Frantz: Staats-Domänengüter nach Umfang, Wert und Ertrag. Jena 1864, S. 22.
  5. Karl-Heinz Pagel: Der Landkreis Stolp in Pommern: Zeugnisse seiner deutschen Vergangenheit. Bonn: Heimatkreise Stadt Stolp u. Landkreis Stolp, Lübeck 1989., S. 401–402 (PDF Ortsbeschreibung Birkow)
  6. Johann Daniel Friedrich Rumpf und Heinrich Friedrich Rumpf: Vollständiges topographisches Wörterbuch des preußischen Staates. Band 1, Berlin 1820, S. 93.
  7. Preußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Köslin (10. Kreis Stoplp). Berlin 1866, S. 2, Nr. 10.
  8. a b Preußisches Statistisches Landesamt: Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preußischen Staates und ihre Bevölkerung (X. Kreis Stolpl). Berlin 1873, S. 150–151, Nr. 8.
  9. http://www.ulischubert.de/geografie/gem1900/pommern/stolp.htm
  10. Die Gemeinde Birkow im ehemaligen Landkreis Stolp (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011)
  11. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. stolp.html. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  12. Moritz Pinder: Die antiken Münzen. Berlin 1851, S. XXVII.
  13. Leopold von Ledebur: Über die in den Baltischen Ländern in der Erde gefundenen Zeugnisse eines Handels-Verkehrs mit dem Orient zur Zeit der Arabischen Weltherrschaft. Berlin 1840, S. 58.
  14. Julius Friedländer: Der Fund von Obrzycko, Silbermünzen aus dem zehnten christlichen Jahrhundert. Berlin 1844, S. 5.
  15. Baltische Studien. 6. Jahrgang, Heft 1, Stettin 1839, S. 220–221.