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Berzdorf (Wesseling)

Stadtteil von Wesseling

Berzdorf ist der nördlichste sowie mit seinen rund 2950 Haushalten der drittgrößte Stadtteil der Stadt Wesseling im Rhein-Erft-Kreis im Südwesten von Nordrhein-Westfalen.

Berzdorf
Stadt Wesseling
Koordinaten: 50° 49′ 52″ N, 6° 56′ 40″ O
Höhe: 60 m ü. NHN
Fläche: 4,29 km²
Einwohner: 4856 (2013)
Bevölkerungsdichte: 1.132 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. August 1961
Postleitzahl: 50389
Vorwahl: 02232
Berzdorf (Wesseling), Luftaufnahme (2019)
Luftaufnahme des Berzdorfer Wasserturms (2014)
Godorfer Burg im Westen Berzdorfs (2019)
Jagdschloss Entenfang im Südosten Berzdorfs (2019)

GeographieBearbeiten

Berzdorf ist umgeben von mehreren Kiesgruben und einer vom traditionellen Ackerbau geprägten Flachlandschaft, liegt jedoch selbst auf einer Vorhügelkette der Ville. Im Norden grenzt der Ort an die Kölner Stadtteile Meschenich und Immendorf, im Westen an die Stadt Brühl mit ihrem innerstädtischen Bezirk Ost, im Süden an den Wesselinger Stadtteil Keldenich und im Südosten an das Wesselinger Naherholungsgebiet Entenfang mit seinen beiden Seen und dem daran anschließenden Vogelschutzgebiet.

Die Kiesgruben im Westen Berzdorfs sollen bis 2027 renaturalisiert werden. Dabei soll auch ein sieben Hektar großer Badesee entstehen. Durch den Kern des Ortes fließt der teilweise unterirdisch geführte Palmersdorfer Bach. Mit 429 Hektar macht Berzdorf etwa 18 Prozent des gesamten Wesselinger Stadtgebietes aus.

GeschichteBearbeiten

1173 wurde Berzdorf als Bertelsdorf erstmals urkundlich erwähnt. Das mittelalterliche Steuerverzeichnis der Kölner Erzbischöfe erwähnt nach 1300 Bertensdorf als Kirchort. Aus der Anfangszeit des Ortes stammt vermutlich das noch heute genutzte Gut Hagenhof, das möglicherweise einst Sitz eines gewissen Bartel oder Berthold aus Franken gewesen sein soll.[1] Landesherrlich gehörte Berzdorf bis Ende des 18. Jahrhunderts zum Kurfürstentum Köln und war Namensgeber der Herrlichkeit Berzdorf im kurkölnischen Amt Brühl, die im Besitz des Kölner Sankt-Gereon-Stiftes war.[2] 1932 kam der Ort zum neu eingerichteten Amt Wesseling und wurde nach dessen Auflösung am 1. August 1961 in die damalige Gemeinde und heutige Stadt Wesseling eingemeindet.[3] Vom 1. Januar 1975 bis zur Wiederherstellung der Selbständigkeit der Stadt Wesseling am 1. Juni 1976 gehörte Berzdorf zur Stadt Köln.[4]

KulturBearbeiten

Das kulturelle Leben wird in Berzdorf vor allem durch zahlreiche Freizeitvereine geprägt. Hierzu zählen die 1872 gegründete Schützenkameradschaft, die 1901 gegründete Freiwillige Feuerwehr und eine Reihe von Karnevalsvereinen. Im Fußball wird der Ort durch den 1929 gegründeten und in der Bezirksliga spielenden Fußballverein SSV Berzdorf vertreten. Des Weiteren ist der 1990 entstandene Baseball- und Softballverein Vermins B&SC in Berzdorf beheimatet. Sportlicher Mittelpunkt des Ortes ist unter anderem das Fitnesszentrum Sport-Oase, in dem zwischen 2007 und 2015 der Kickboxverein Balance of Power untergebracht war.

Berzdorf verfügt über vier Kindergärten und die katholische Grundschule Brigidaschule.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Im Kern des Ortes steht die 1856 nach Plänen des Kölner Baumeisters Heinrich Nagelschmidt im neugotischen Stil erbaute katholische Kirche Schmerzhafte Mutter, die eine kleinere Vorgängerkirche ersetzte. Die Berzdorfer Kirche wurde erstmals 1286 in einer Urkunde des Kölner Sankt-Gereon-Stiftes erwähnt. Aus dem 14. Jahrhundert stammt eine Pietà, die am 23. Dezember 1649, unmittelbar nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges, der Kirche von einem Nikolaus von Ollheim geschenkt wurde.[5] Die Orgel wurde 1869 vom Linnicher Orgelbauer Michael Dautzenberg gebaut.[6] Sehenswert sind darüber hinaus der 1894 in Betrieb genommene Wasserturm an der Langenackerstraße, das aus dem 18. Jahrhundert stammende Jagdschloss Entenfang am gleichnamigen Park und die Godorfer Burg an der Brühler Straße, die 2015 umfangreich restauriert wurde. Architektonisch ist der Ort vor allem durch Niedrigbauarchitektur geprägt, wie Einfamilien-, Reihen- und ältere Gutshäuser.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Im Norden Berzdorfs befindet sich das wichtigste Industriegebiet der Stadt Wesseling mit zahlreichen Unternehmen aus der Chemie- und Automobilbranche, nordöstlich wiederum das Chemiewerk des Konzerns Lyondell Basell.

Die nächsten Anschlussstellen Berzdorfs an den Autobahnverkehr sind Brühl-Ost an der A 553 und Brühl/Berzdorf sowie Godorf/Wesseling-Nord an der A 555. Der Berzdorfer Bahnhof und der Haltepunkt Berzdorf-Nord wurden bis 1981 von Personenzügen der Querbahn der KBE bedient. Heute findet hier nur noch umfangreicher Güterverkehr der HGK statt, und der Bahnhof dient als Güterverkehrstarifpunkt. Mit dem Bus ist Berzdorf über den Linienverkehr der REVG erreichbar, der den Ort mit der KVB-Haltestelle Wesseling-Nord an der Rheinuferbahn sowie dem DB-Bahnhof Brühl verbindet.

Persönlichkeiten und PolitikBearbeiten

Über Berzdorf hinaus bekannt geworden ist der Künstler Hans Geulig (1934–2004), dessen Werk im Wesentlichen aus Monotypien besteht und stark von den Arbeiten des Brühler Künstlers Max Ernst inspiriert ist. Nach einer Handwerksausbildung studierte Geulig 1962 an der Pariser Ecole ABC de Dessin mit abgeschlossenem Diplom. 1972 erhielt er das Max-Ernst-Stipendium der Stadt Brühl und 1991 den Kunstpreis der Stadt Wesseling. Ein Teil seiner Werke ist seit 2002 in der Wesselinger Artothek entleihbar.

Des Weiteren stammt der Politiker Alfons Müller aus Berzdorf, der von 1976 bis 1994 amtierender Bürgermeister der Stadt Wesseling war.

Der vom Rat der Stadt Wesseling gewählte Ortsbürgermeister Berzdorfs ist seit 2014 Ralf Daniel von der CDU.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

QuellenBearbeiten

  1. Aus Aufzeichnungen des Historikers Wolfgang Drösser und Artikeln der Informationspublikation des Heimatkundevereins der Stadt Wesseling.
  2. Wilhelm Fabricius: Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz, 2. Band: Die Karte von 1789. Bonn 1898, S. 62/92.
  3. Gesetz über die Eingliederung der Gemeinde Berzdorf in die Gemeinde Wesseling, Landkreis Köln vom 27. Juli 1961, GV. NRW. S. 239
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 299 f.
  5. Paul Clemen: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Bd.LK. Köln, Eintrag Berzdorf
  6. Birgit Lehmann: Gotteshäuser, Kölner Stadt-Anzeiger, Rhein-Erft, vom 22. Oktober 2013, S. 36