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Ville (Rheinland)

Höhenzug in der Niederrheinischen Bucht

EtymologieBearbeiten

Der heutige Name „Ville“ leitet sich möglicherweise von einem altfränkischen Wort *feli, *fili ab, das die Bedeutung ‚(Hoch)ebene‘ oder ‚Heide‘ gehabt haben könnte.[2] In historischen Karten[3] und Flurnamen[4] findet sich teilweise noch die Schreibweise mit f.

GeographieBearbeiten

LageBearbeiten

Die Ville erstreckt sich in Nordnordwest-Südsüdost-Richtung zwischen den Städten Grevenbroich und Pulheim im Nordnordwesten, den Städten Köln, Brühl und Bonn im östlich gelegenen Rheintal, dem Hardtbach im Südosten, der Voreifel im Süden, der Swist im Südwesten bis Westen und der Erft im Nordwesten. Sie ist Teil des Naturparks Rheinland. Ihre höchste Erhebung ist die künstlich entstandene Glessener Höhe (205,8 m).

Naturräumliche GliederungBearbeiten

Naturräumlich stellt die Ville eine Haupteinheit (dreistellig) der Niederrheinischen Bucht dar, die sich wie folgt in Untereinheiten (Nachkommastellen) gliedert:[5][6]

  • (55 Niederrheinische Bucht)
    • 552 Ville (262,3 km²)
      • 552.0 Neurather Lösshöhen
      • 552.1 Villehöhe, die eigentliche Ville
        • 552.10 Braunkohlen-Ville
        • 552.11 Wald-Ville
      • 552.2 Villehang (Vorgebirge)

ErhebungenBearbeiten

Das natürliche Profil des nördlichen Villerückens wurde im Zuge des Braunkohlebergbaus fast vollständig abgetragen und umgestaltet. Die heutigen Hochpunkte der nördlichen Ville sind überwiegend künstliche, durch den Menschen geschaffene Erhebungen.

Der südliche Teil der Ville (etwa ab der heutigen Autobahn A 553) weist hingegen noch das natürliche Profil auf.

Zu den Erhebungen der Ville gehören – sortiert nach Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN)[1]:

GeologieBearbeiten

Die Ville ist ein geologischer Halbhorst, der beim Einsinken der Kölner Bucht zurückgeblieben ist. Der Ostrand der Ville ist durch die Erosion des Rheins überprägt. Die Bruchlinie Richtung Westen zu Swist und Erft ist deutlicher zu sehen (siehe Geologie der Niederrheinischen Bucht). Die Ville dacht nach Norden ab. Sie ist im Kottenforst bis zu 180 m hoch. Im Norden verliert sie sich und geht nördlich Frimmersdorf (98 m) in die Jülich-Zülpicher Börde über.

VorgebirgeBearbeiten

Der Osthang der Ville zur Rheinebene hin wird von Frechen oder deutlicher von Hürth-Kendenich aus bis Bonn-Duisdorf das Vorgebirge genannt. Es ist durch intensiven Gemüse- und Obstanbau geprägt. Durch die Leelage zur Ville ist diese Landschaft windgeschützt und durch eine mächtige Lössbedeckung begünstigt. Früher wurde hier sogar Wein angebaut. Zahlreiche Flur- und Straßennamen zeugen davon.

Die typische Villelandschaft im Vorgebirge:

IndustrielandschaftBearbeiten

Die Ville ist ab Brühl durch den Braunkohleabbau, die Kraftwerke und die energieintensive Chemie im Rheinischen Braunkohlerevier industriell geprägt. Bahnlinien waren für die industrielle Entwicklung besonders wichtig. Die erste Bahn, die die Ville querte und dabei die Brühler Gruben anschloss, war die Eifelstrecke mit dem Kaiserbahnhof in Kierberg. Heute gibt es keine Tagebaue mehr im Bereich der Ville. Die Villebahn und die Mödrath-Liblar-Brühler Eisenbahn wurden längst eingestellt. Dennoch bleibt die industrielle Überformung in der Landschaft erkennbar.

Hochkippen und TagebaurestlöcherBearbeiten

Durch das Aufschütten von Abraum aus Braunkohletagebauen sind in der nördlichen Ville Hochkippen entstanden – zum Beispiel die Glessener Höhe (205,8 m). In den Tagebaurestlöchern der Gruben entstanden zahlreiche Seen und Weiher, die Villeseen.

ErholungslandschaftBearbeiten

Die Wälder der südlichen Ville (Waldville) und des Kottenforstes waren bereits kurfürstliches Jagdrevier. Diese und die rekultivierte Landschaft der mittleren Ville mit ihren Villeseen dienen den Menschen im Großraum Köln/Bonn als Naherholungsgebiet. Der Naturpark Rheinland kann für Köln als Dritter Grüngürtel angesehen werden. Ein Teil der Rekultivierungen wird auch sich selbst überlassen und als Naturschutzgebiet mit begrenztem Zugang ausgewiesen. Teile der nördlichen Braunkohlenville ab Berrenrath wurden auch landwirtschaftlich rekultiviert. Da die Emissionen der dortigen Industrie durch neue Techniken sehr zurückgegangen sind und auch nur noch drei Kohleveredlungsbetriebe existieren, lässt sich auch hier Erholung finden.

Besondere AngeboteBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Topographisches Informationsmanagement, Bezirksregierung Köln, Abteilung GEObasis NRW (Hinweise)
  2. Heinrich Dittmaier: Der Name ‚Eifel‘. In: Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde, Band VIII, Bonn und Münster 1961. Seiten 168–175.
  3. vgl. Jean Joseph Tranchot: Topographische Aufnahme der Rheinlande, 1801–1814.
  4. Heinrich Dittmaier: Rheinische Flurnamen, Ludwig Röhrscheid Verlag, Bonn 1963.
  5. Emil Meynen, Josef Schmithüsen: Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands. Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen/Bad Godesberg 1953–1962 (9 Lieferungen in 8 Büchern, aktualisierte Karte 1:1.000.000 mit Haupteinheiten 1960).
  6. Verschiedene Autoren: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten in Einzelblättern 1:200.000. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1952–1994. → Online-Karten
    • Blatt 108/109: Düsseldorf/Erkelenz (Karlheinz Paffen, Adolf Schüttler, Heinrich Müller-Miny 1963; 55 S.)
    • Blatt 122/123: Köln/Aachen (Ewald Glässer 1978; 52 S.)
  7. Höhenangabe laut Digitalem Geländemodell (abrufbar im Kartendienst TIM-online)
  8. Wandergesellen Alt-Hürth (Memento des Originals vom 15. März 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.frank-over.de (Zugriff Februar 2012)

LiteraturBearbeiten

  • Elisabeth Zenses: Landschaften zwischen Rhein und Eifel – Der Villerücken. Informationsreihe des Zweckverbandes Naturpark Kottenforst-Ville (Hrsg.) Heft 2, 2002
  • Jürgen Bartel, Rainer Zschocke: Die Ville und das Kölner Braunkohlengebiet. In Kölner Bucht und angrenzende Gebiete, Sammlung Geographischer Führer Bd. 6, Berlin/Stuttgart 1972
  • Horst Bursch: Herkunft und Bedeutung des Landschaftsnamens „Ville“. In: Weilerswister Heimatblätter, Heft 37, 2009