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Bernhard Hänsel

deutscher prähistorischer Archäologe

Bernhard Hänsel (* 24. Mai 1937 in Stuttgart; † 1. April 2017 in Burow[1]) war ein deutscher Prähistorischer Archäologe.

Inhaltsverzeichnis

WerdegangBearbeiten

Nach seinem Studium an der Humboldt-Universität Berlin, der Universität Jena, Universität Wien und Universität Heidelberg promovierte er 1964 mit einer Dissertation mit dem Titel Beiträge zur Chronologie der mittleren Bronzezeit im Karpatenbecken. Von 1976 bis 1981 arbeitete er als Ordentlicher Professor an der Universität Kiel und von 1981 bis 2006 an der FU Berlin. Im Themenbereich Vor- und Frühgeschichte sowie der prähistorischen Archäologie Südosteuropas zählte Professor Bernhard Hänsel zu den internationalen Kapazitäten. Im Laufe der Jahrzehnte leitete und betreute er Ausgrabungsprojekte in Griechenland, Serbien, Kroatien und Italien.

Die aktuelle Grabung, die beide der an FU Berlin lehrenden Professoren für prähistorische Archäologie Hänsel und Terzan in enger Kooperation mit dem Archäologischen Museum in Pula, Kroatien, organisierten, zielte auf die Erforschung einer früh- bis mittelbronzezeitlichen (ca. 1800 bis 1300 vor Chr.) befestigten Siedlung des Castelliere-Typs bei Rovinj in Istrien im kroatischen Karst. Mit diesem Projekt hofft man, die Erforschung protourbaner Strukturen innerhalb Europas vorantreiben zu können. Zu Hänsels Forschungsschwerpunkten zählte die Bronzezeit, die frühe Eisenzeit, insbesondere in Südosteuropa, deren Siedlungsarchäologie, die dazugehörige Chronologie und Hortfunde. Außerdem schaltete sich Bernhard Hänsel in die Troja-Debatte ein. Wichtig war ebenfalls sein früher Beitrag zur Helgoland-Forschung. Er wollte 1978 zeigen, dass Helgoland im Mittelalter Kupferlieferant war und stellte die These auf, dass Helgoland in das Handelsnetzwerk der Nordischen Bronzezeit eingebunden war.[2] Er arbeitete weiter in diesem Forschungsbereich: Die Literatur über ein Steinkistengrab der Insel war bekannt,[3] der Fund aber im Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte in Vergessenheit geraten. Zusammen mit seiner Ehefrau Alix Hänsel deutete er diese Steinkiste nach der Wiederentdeckung 2009 neu.[4] Kritisch wird über Thesen zum Helgoländer Kupfer im Anschluss an Jürgen Spanuth diskutiert.

Von der Slowakischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Bukarest bekam Bernhard Hänsel die Ehrendoktorwürde verliehen. Er war Mitglied der Polnischen Akademie der Gelehrsamkeit (PAU) in Krakau und der Sächsischen Akademien der Wissenschaften.

Am 4. April 2017 wurde Bernhard Hänsel die Ehrenmitgliedschaft der ÖGUF (Österreichische Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte) verliehen (Laudatio Barbara Horejs).

VeröffentlichungenBearbeiten

Monographien und Beiträge:

  • Gaben an die Götter – Schätze der Bronzezeit Europas – Eine Einführung. In: Alix Hänsel, Bernhard Hänsel: Gaben an die Götter. Schätze der Bronzezeit Europas (= Museum für Vor- und Frühgeschichte. Bestandskatalog. 4). Museum für Vor- und Frühgeschichte, Berlin 1997, ISBN 3-88609-201-1, S. 11–22.
  • Die archäologische Forschung Ungarns in Europa. In: Deutsch-Ungarische Gesellschaft. Almanach. 2, 2003/2004, ISSN 1613-7264, S. 99–115.

Herausgeberschaften:

  • mit Predrag Medović: Das Plateau von Titel und die Šajkaška. Archäologische und naturwissenschaftliche Beiträge zu einer Kulturlandschaft. = Titelski plato i Šajkaška. Arheološki i prirodnjački prilozi o kulturnoj slici područja (= Feudvar. 1 = Prähistorische Archäologie in Südosteuropa. 13). Oetker-Voges, Kiel 1998, ISBN 3-89646-054-4.
  • mit Alix Hänsel: Gaben an die Götter. Schätze der Bronzezeit Europas (= Museum für Vor- und Frühgeschichte. Bestandskatalog. 4). Museum für Vor- und Frühgeschichte, Berlin 1997, ISBN 3-88609-201-1.
  • mit Kristina Mihovilić, Biba Teržan, Damir Matošević und Cornelia Becker: Rovinj prije Rima. = Rovigno prima dei Romani. = Rovinj vor den Römern. Oetker-Voges, Kiel 2002, ISBN 3-9353-02-8.
  • mit Berthold Riese, Georg Pfeffer, Herbert Ullrich, Heidi Peter-Röcher und Annette Lewerentz: Mitteilungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. ISSN 0178-7896.
  • Mitherausgeber der Zeitschriften Klio seit 1993 und Offa 1980.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Nachruf auf Hänsel (Memento des Originals vom 7. April 2017 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.orea.oeaw.ac.at
  2. Bernhard Hänsel: Zur Bedeutung des Rohkupferfundes auf Helgoland. In: Offa. 35, 1978, S. 26–35. online als PDF
  3. http://epic.awi.de/28810/
  4. Bernhard Hänsel: Rohkupferfunde vor Helgoland. o. J. (Informationsblatt des Museum Helgoland).