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Bartolomeo Eustachi

italienischer Arzt und Mitbegründer der Wissenschaft von der Anatomie
Bartolomeo Eustachi
Tabulae anatomicae, 1769

Bartolomeo Eustachi, latinisiert Bartolomaeus Eustachius (* zwischen 1500 und 1520 in San Severino Marche; † 27. August 1574 in Fossombrone[1][2] bzw. auf der Via Flaminia dorthin[3] – nach anderen Quellen in Rom[4]) – war ein italienischer Arzt und Anatom.

Eustachi lebte ab 1549 in Rom, wo er päpstlicher Leibarzt war und an der Collegia della Sapienza lehrte, der späteren Universität La Sapienza von Rom. Er erforschte und beschrieb viele Strukturen des menschlichen Körpers, u. a. die Eustachische Röhre, die Nieren, den Uterus und – als Erster – 1513[5] die Nebennieren. 1552, also neun Jahre nach Vesalius, verfasste er ein Lehrbuch der Anatomie, die Tabulae anatomicae. Das Buch, das erst 1714 publiziert wurde (die 47 Tafeln fanden sich bei den Erben des Zeichners Pier Matteo Pini, der sie für Eustachi angefertigt hatte), enthielt eine bemerkenswerte Sammlung von anatomischen Zeichnungen und war in manchen Belangen exakter als das Werk des Vesalius. So kannte Eustachi, wie aus seiner 1550 veröffentlichten Beschreibung der Zahnentwicklung hervorgeht, im Gegensatz zu Vesalius die Funktion der Pulpahöhle.[6]

Die nach Eustachi benannte Eustachische Röhre ist möglicherweise schon etwa 2000 Jahre zuvor von dem griechischen Naturphilosophen Alkmaion, der auch praktizierender Arzt gewesen sein soll, entdeckt worden.

Schriften (unvollständig)Bearbeiten

  • Libellus de dentibus (1550)
  • Tabulae anatomicae (Rom 1714, Leiden 1744, Venedig 1769)
  • Opuscula anatomica

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Elke Brechner: Kompaktlexikon der Biologie. Spektrum, Heidelberg 2001, ISBN 978-3-8274-1651-3.
  2. Wolfgang U. Eckart, Christoph Gradmann (Hrsg.): Ärzte Lexikon von der Antike bis zur Gegenwart. Springer, Heidelberg 2006, ISBN 978-3-540-29584-6.
  3. Barbara I. Tshisuaka: Eustachius, Bartolomaeus. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 382.
  4. Erwin J. Hentschel, Günther H. Wagner: Wörterbuch der Zoologie. 7. Auflage. Spektrum, Heidelberg 2004, ISBN 978-3-8274-1479-3.
  5. Otto Westphal, Theodor Wieland, Heinrich Huebschmann: Lebensregler. Von Hormonen, Vitaminen, Fermenten und anderen Wirkstoffen. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1941 (= Frankfurter Bücher. Forschung und Leben. Band 1),S. 17–19 (Die Nebennieren).
  6. Ullrich Rainer Otte: Jakob Calmann Linderer (1771–1840). Ein Pionier der wissenschaftlichen Zahnmedizin. Medizinische Dissertation, Würzburg 2002, S. 16 f.