Ballhof

Theater in Hannover‎

Der Ballhof ist ein Theater am Ballhofplatz in der Altstadt von Hannover, das zum Niedersächsischen Staatstheater Hannover gehört.

Ballhofplatz von Osten mit Ballhof-Theater links
Info-Tafel am Ballhof zur Gründung des Verbandes der Fabrikarbeiter Deutschlands in dem Gebäude
Ballhofplatz zur Kreuzstraße
Ballhofplatz mit Theater und Turm der Marktkirche

GeschichteBearbeiten

EntstehungBearbeiten

Das Gebäude des Ballhofes wurde in den Jahren 1649–1664 durch Herzog Georg Wilhelm errichtet. Es sollte Festen, aber auch dem Federballspiel dienen. Dieses war damals in der feinen Gesellschaft von Bedeutung. 1664 wurde der Ballhof dem Kammerdiener des Herzogs, Francesco Maria Capellini (genannt Stechinelli), geschenkt. 1667 fanden im Ballhof erste Auftritte von Komödianten statt. Von 1672 bis 1852 war er der größte Veranstaltungssaal Hannovers. Das Gebäude wurde als Ausstellungsraum (auch für Tierschauen), als Theater- und Konzertraum und als Gaststätte genutzt. 1779/80 baute der seinerzeitige Maurermeister Johann Georg Taentzel den Saal des Ballhofes um.[1]

20. JahrhundertBearbeiten

Anfang des 20. Jahrhunderts war das umliegende Viertel mit dem Altstadtkern von Hannover von verfallener mittelalterlicher Bausubstanz geprägt. Es wurde von Angehörigen der unteren Sozialschicht bewohnt und die hygienischen Bedingungen waren katastrophal.

Zu Beginn der Weimarer Republik fand im Ballhof für wenige Jahre (1919–1922) ein für diese Zeit recht offenes und reges schwul-lesbisches Leben statt:[2] Im damaligen National-Theater-Restaurant unter der seinerzeitigen Adresse Burgstraße 9, „Eingang auch Ballhofstr. 17“, hatte der Gesellschaftklub „Aada“ seinen Sitz, in dem zum Jahresende 1919 beispielsweise der Kabarettist Friedel Friedrich Schwarz auftrat.[3]

1936/37 fanden umfangreiche Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten am Ballhof statt. 1939 kam es im umliegenden Stadtviertel zu einer Altstadtsanierung, bei der die alten Fachwerkhäuser ringsherum abgerissen wurden. Nur das Ballhofgebäude blieb stehen. Die Absicht der Nationalsozialisten bestand auch darin, die „rote“ Arbeiterwählerschaft des Viertels zu zerstreuen. Ab 1939 war der Ballhof ein Heim der Hitler-Jugend Hannover.

Nachdem 1943 beide bespielten Häuser des Niedersächsischen Staatstheaters Hannover infolge der Luftangriffe auf Hannover während des Zweiten Weltkriegs zerstört worden waren, zog das Ensemble in den Ballhof. 1946 fand die erste Theateraufführung in Hannover nach dem Krieg im Ballhof statt.

1973/74 wurde der Ballhof in ein modernes Kammerspieltheater umgebaut. 1975 wurde auf dem Platz der Ballhofbrunnen installiert. Er wurde von dem Münchener Bildhauer Helmut Otto Schön geschaffen. Er widmete den Brunnen Carl Orff zum achtzigsten Geburtstag.

Im Jahr 1990 fand eine Gebäudeerweiterung statt, bei der ein weiteres, kleineres Theater mit der Bezeichnung „Ballhof zwei“ entstand. Bis zur Einweihung des neuen Schauspielhauses 1992 war der Ballhof die Hauptspielstätte des Schauspiels des Niedersächsischen Staatstheaters.

HeuteBearbeiten

 
Schwarmkünstler des Kunstprojektes Strich-Code beim Verkleben von Preisetiketten auf dem Ballhofplatz

Der Ballhof gehört zum Niedersächsischen Staatstheater Hannover (Oper Hannover und Schauspiel Hannover). Der „Ballhof eins“ hat 300 Plätze. Sowohl im Ballhof Eins als auch im Ballhof Zwei sind die Junge Oper und das Junge Schauspiel zu Hause. Vor dem Ballhof finden auch Musikveranstaltungen, wie der „Jazz am Ballhof“, statt.

Der Ballhofplatz ist ein bedeutsamer, wenn auch aus dem Stadtbild etwas zurückgezogener Platz in Hannover. In den umliegenden Straßenlokalen erleben die Besucher den ruhigen Freiraum als Bühne für unterschiedliche künstlerische Darbietungen wie Konzerte oder auch Straßenkunst. Beim Projekt Strich-Code ist der Ballhofplatz das Scharnier auf der Achse zwischen dem benachbarten Historischen Museum und dem Steintorviertel.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Ballhof (Hannover) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Ballhofplatz (Hannover) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Helmut Knocke, Hugo Thielen: Ballhofplatz 4. In: Hannover Kunst- und Kultur-Lexikon, S. 89
  2. Gay Web Hannover/HuK (Memento vom 25. Oktober 2004 im Internet Archive)
  3. Rainer Hoffschildt: Homosexualität im Nationalsozialismus – Friedrich Schwarz, 1943, in Richard Borek (Hrsg.): Deutschland Archiv. Drittes Reich Dokumente (Loseblattsammlung), Braunschweig: Archiv Verlag, 2017, Blatt 00417

Koordinaten: 52° 22′ 20″ N, 9° 43′ 58″ O