Spittahaus (Hannover)

Fachwerkhaus in Hannover

Das Spittahaus in Hannover ist ein ursprünglich im 17. Jahrhundert errichtetes Fachwerkhaus, in dem später der Kirchenlied-Dichter Karl Johann Philipp Spitta seine Jugendjahre verlebte.[1] Standort des denkmalgeschützten[2] heutigen Doppelhauses, das als Theater-Gaststätte und für Büros genutzt wird, ist die Burgstraße 23 und 23a Ecke Ballhofplatz[1] in der hannoverschen Altstadt als Teil des Stadtteils Mitte.[2]

Das 1938 von Wolfram von Erffa umgesetzte Spittahaus, Burgstraße 23 als Teil der Einfassung des Ballhofplatzes

Geschichte und BeschreibungBearbeiten

 
Das Spittahaus (rechts) Burgstraße 10 Ecke Judenstraße, um 1885;
Foto von Georg Alpers, im Besitz des Historischen Museums Hannover

Das Gebäude entstand an der Stelle der mitten im Dreißigjährigen Krieg im Jahr 1630 eingestürzten St. Gallenkapelle.[2] Nachdem wenige Jahre später Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg, Fürst von Calenberg-Göttingen Hannover zu seiner neuen Residenz erklärt hatte,[3] errichtete gut zwei Jahrzehnte nach Kriegsende der Ratsbaumeister Adrian Siemerding für den Kaufmann Johann Duve 1669[1] am Standort der ehemaligen St. Gallenkapelle[2] ein dreigeschossiges Giebel-Haus mit der Längsseite[1] entlang der ehemaligen Judenstraße – die sich im Verlauf der heutigen Ballhofstraße und dem Ballhofplatz erstreckte[4] – und der Hauptfassade zur Burgstraße hin.[1]

Zur Zeit der Industrialisierung und des Königreichs Hannover wurde das Erdgeschoss des Gebäudes um 1845 verändert. Zur selben Zeit wurde rechts neben dem Spittahaus an Stelle des eigentlichen Wohngebäudes des St. Gallenhofes ein massives Wohnhaus errichtet unter der – damaligen – Adresse Burgstraße 9.[5]

Mehr als ein Jahrhundert nach dem Bau des seinerzeit mit drei Obergeschossen auskragenden Gebäudes verlebte der 1801 geborene spätere Theologe und Dichter Spitta[1] vor allem während der sogenannten „Franzosenzeit[6] hier seine Jugendjahre,[1] die unter anderem in der Allgemeinen Deutschen Biographie beschrieben wurden.[7]

Eine Gedenktafel mit Hinweisen auf Spitta ist am Gebäude seit den frühen 1930er Jahren bezeugt.[5]

 
Siegrune und Wolfsangel am Spittahaus, das in der NS-Zeit für die Hitler-Jugend genutzt wurde

Als zur Zeit des Nationalsozialismus in den Jahren ab 1936 zunächst der Bereich um die ehemalige Judenstraße saniert[4] und der seinerzeit mit zahlreichen Gebäuden dicht eingebaute Ballhof freigestellt wurde,[2] ließ der Architekt Wolfram von Erffa das „Spittahaus“ umsetzen: Es wurde 1938 an seine heutige Position versetzt und dabei um 90 Grad gedreht. Beim Wiederaufbau als Eckgebäude auf zwei anderen Hausparzellen zum nun entstehenden Ballhofplatz blieb die Breite der ursprünglichen Hauptfassade des Spittahauses sowie die Länge erhalten. Auf den nun auf massiven Muschelkalk-Quadern aufsetzenden zwei Fachwerk-Obergeschossen wurde zudem der Zwerchgiebel verändert. Bis in den Zweiten Weltkrieg hinein und bis 1943 diente das versetzte und teilweise neu gestaltete Gebäude als Heim für den Bund Deutscher Mädel (BDM).[1] Es bildete zusammen mit dem Ballhof und dem daran angebauten Heim für die Hitlerjugend (HJ) einen gemeinsamen Baukomplex, der den mittelalterlichen Lehnshof St. Gallen als Keimzelle der Stadt Hannover einfasste.[2]

1957 wurde das Spittahaus nach Süden hin erweitert unter Einbeziehung des Hauses Burgstraße 23a,[1] das seinerzeit als Teil der sogenannten „Traditionsinsel“ gestaltet worden war.[8]

ArchivalienBearbeiten

An Archivalien zur Geschichte des Gebäudes finden sich beispielsweise

WeblinksBearbeiten

Commons: Spittahaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g h i j Helmut Knocke, Hugo Thielen: Burgstraße 23. In: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek (Hrsg.): Hannover. Kunst- und Kultur-Lexikon. Handbuch und Stadtführer. 4., aktualisierte und erweiterte Auflage. zu Klampen, Springe 2007, ISBN 978-3-934920-53-8, S. 97.
  2. a b c d e f Gerd Weiß, Marianne Zehnpfennig: Burgstraße/Ballhofplatz. In: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland / Baudenkmale in Niedersachsen / Stadt Hannover, Teil 1. Bd. 10.1. Hrsg. von Hans-Herbert Möller, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Institut für Denkmalpflege. Friedrich Vieweg & Sohn, Braunschweig, Wiesbaden 1983, ISBN 3-528-06203-7, S. 61f.; sowie Mitte, im Addendum Verzeichnis der Baudenkmale gem. § 4 (NDSchG) (ausgenommen Baudenkmale der archäologischen Denkmalpflege), Stand 1. Juli 1985, Stadt Hannover, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Institut für Denkmalpflege, S. 6f.
  3. Klaus Mlynek: Georg, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg (Calenberg). In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 209.
  4. a b Gerd Weiß, Marianne Zehnpfennig: Kreuzkirche und Kreuzkirchhof. In: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland ..., S. 57ff.; hier: S. 58.
  5. a b Arnold Nöldeke: Burgstraße 10. In: ders.: Die Kunstdenkmale der Stadt Hannover, Teil 1, Denkmäler des „alten“ Stadtgebietes Hannover, in der Reihe Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover Bd. 1, H. 2, Teil 1. Selbstverlag der Provinzialverwaltung, Schulzes Buchhandlung, Hannover 1932, S. 473 (als Burgstraße 10).
  6. Klaus Mlynek: Napoleonische Kriege. In: Stadtlexikon Hannover, S. 459f.
  7. L. u.: Spitta, Karl Johann Philipp. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 35, Duncker & Humblot, Leipzig 1893, S. 204–208.
  8. Helmut Knocke, Hugo Thiele: Burgstraße 23a – 27a. In: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek (Hrsg.): Hannover. Kunst- und Kultur-Lexikon, S. 97.

Koordinaten: 52° 22′ 19,8″ N, 9° 43′ 56,6″ O