Bödingen

Stadtteil von Hennef (Sieg)

Bödingen ist ein Ortsteil der Stadt Hennef (Sieg) im nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis. Der Ort entstand als Wallfahrtsort, nachdem im 14. Jahrhundert eine Kapelle für ein wundertätiges Marienbild errichtet wurde.

Bödingen
Koordinaten: 50° 46′ 54″ N, 7° 20′ 27″ O
Höhe: 175 m ü. NN
Einwohner: 328 (Jan. 2020)[1]
Postleitzahl: 53773
Vorwahl: 02242
Bödingen (Nordrhein-Westfalen)
Bödingen

Lage von Bödingen in Nordrhein-Westfalen

Chorfenster von 1508

Geografische LageBearbeiten

Bödingen liegt ca. 5,5 km östlich des Hennefer Stadtkerns auf dem Bergrücken Nutscheid über der Sieg. Der Dorfkern hat eine Höhe von 175 m über Normalnull. Bödingen umfasst den nördlich gelegenen Ortsteil Driesch, einen ehemals eigenständigen Wohnplatz, der unmittelbar an einer Höhenstraße (der Nutscheidstraße) liegt, die früher als Verbindungsweg zwischen dem Rheinland und dem Siegerland eine große Bedeutung hatte. Mit dem Bau der Eisenbahnlinien im Siegtal und im Bröltal verlor diese Verbindungsstraße an Bedeutung.

GeschichteBearbeiten

Die Bödinger Wallfahrtskirche Zur Schmerzhaften Mutter Gottes wurde 1408 geweiht. In den folgenden Jahrzehnten nahm der Pilgerstrom nach Bödingen stetig zu und verhalf dem 1424 gegründeten Kloster Bödingen zu einem erheblichen Wachstum, in dessen Folge sich auch der Ort insgesamt entwickelte. Noch heute kann man die Bedeutung als Wallfahrtsort an den sternförmig auf die Kirche zulaufenden Stationswegen in der Landschaft ablesen. Im Laufe der Zeit siedelte sich auch Bevölkerung im Bereich nahe der Kirche und dem Kloster an, da der Wallfahrtsort verbunden mit der guten Lage an der wichtigen Verbindungsstraße auf dem Nutscheid einen wirtschaftlichen Vorteil versprach. Wallfahrten finden auch heute noch statt, allerdings sind die Pilgerscharen heute erheblich kleiner, auch wenn in den letzten Jahren ein Anwachsen zu verzeichnen ist.

Wichtige MeilensteineBearbeiten

Noch heute findet in Bödingen das 1423 vom Kölner Provinzialkonzil für die gesamte Kirchenprovinz eingeführte Kompassionsfest statt.[2] Es wird nördlich der Alpen nur noch in Bödingen jährlich gefeiert.

Im Kloster Bödingen wirkte der berühmte Klosterreformer Johannes Busch (1399–1480) als Diakon und feierte später in der Wallfahrtskirche seine Primizmesse.[3]

Im Jahr 1636 vernichtete eine Feuersbrunst das Dorf, nur die Wallfahrtskirche widerstand damals den Flammen. Der anschließende Wiederaufbau des Ortes folgte im Siedlungscharakter der Form eines Haufendorfs.

Bis zum 1. August 1969 gehörte Bödingen zur Gemeinde Lauthausen. Im Rahmen der kommunalen Neugliederung des Raumes Bonn wurde Lauthausen, damit auch der Ort Bödingen, der damals neuen amtsfreien Gemeinde „Hennef (Sieg)“ zugeordnet.

Fotografische Impressionen aus BödingenBearbeiten

Zum OrtsnamenBearbeiten

Bödingen war ursprünglich der Ortsname des schon mehrere Jahrhunderte früher entstandenen benachbarten Ortes Altenbödingen. Zur Unterscheidung vom sich entwickelnden Wallfahrtsort wurde das "alte" Bödingen dann durch die Namenszufügung "Alten-" zu Altenbödingen, während der Name Bödingen dann auf die neue, inzwischen bedeutendere Siedlung überging, die sich um die Kirche und das Kloster gebildet hatte.

DenkmalschutzBearbeiten

Bereits 1989 wurde der Ortskern von Bödingen in seiner Gesamtheit als sog. Denkmalbereich unter Denkmalschutz gestellt.[4] Der Denkmalschutz erstreckte sich dabei nicht nur auf die Wallfahrtskirche, sondern auf den gesamten Dorfkern, der nach der Feuersbrunst im Jahr 1636 wieder neu aufgebaut wurde. Viele der schönen Fachwerkhäuser sind noch gut erhalten. Bei dem ältesten Fachwerkhaus, das direkt gegenüber der Wallfahrtskirche steht, handelt es sich um ein ehemals als Pilgerheim, dann als Gaststätte dienendes Gebäude aus dem Jahr 1681.[5]

Seit 2008 gehört Bödingen zum Denkmalbereich „Historische Kulturlandschaft ‚Unteres Siegtal: Stadt Blankenberg - Bödingen‘“.[6] Der Bereich umfasst als wesentliche Komponenten einerseits Stadt Blankenberg mit der Burg und andererseits den Wallfahrtsort Bödingen mit der Wallfahrtskirche „Zur schmerzhaften Mutter“. Neben dem Burgberg von Stadt Blankenberg und dem gegenüberliegenden Marienberg mit Bödingen gehört dazu auch die gesamte dazwischenliegende, beide Seiten verbindende Siegaue.

Neben diesen Denkmalbereichen verfügt Bödingen über eine Reihe von Baudenkmälern, wozu u. a. viele der nach der Feuersbrunst von 1636 wieder aufgebauten, heute noch gut erhaltenen Fachwerkhäuser[5] sowie natürlich die Wallfahrtskirche, das ehemalige Kloster, eine Kapelle und einige Bildstöcke gehören.[7]

Siehe auch

GemeinschaftslebenBearbeiten

Vereine und GemeinschaftenBearbeiten

Die Dorfgemeinschaft der Einwohner von Bödingen konkretisiert sich, auch unter Beteiligung von Bewohnern der Nachbarorte, in mehreren Vereinen und Gemeinschaften:

  • Heimatverein Bödingen e. V.[8]
  • Schützenbruderschaft Sankt Augustinus Bödingen 1969 e. V.[9]
  • Musikverein Allner 1953 e. V.[10] mit Sitz in Bödingen
  • Reitverein Bödingen e. V.[11]
  • Sportverein Allner-Bödingen e. V.[12]
  • Förderverein Kindergarten „Pusteblume“ Bödingen[13]
  • Chor Capriccio Bödingen (Zusammenschluss von Familienchor und Marienchor)[14]
  • Kirchenchor „Cäcilia“ (Männerchor)
  • Berglandecho Bödingen

Regelmäßige Veranstaltungen und BrauchtumBearbeiten

Da Bödingen nach wie vor ein Wallfahrtsort ist, spielen hier natürlich die katholischen Kirchenfeste eine wichtige Rolle, die meist mit einem Festgottesdienst in der Wallfahrtskirche begangen werden. Zu besonderen Anlässen findet darüber hinaus eine Prozession statt: zu Fronleichnam, zum oben bereits erwähnten Kompassionsfest und – im Anschluss an eine Marienandacht als Lichterprozession[15] durch den Pfarrhof und über den alten Friedhof – am Vorabend von Mariä Himmelfahrt.

Zu den erwähnenswerten regelmäßigen nichtkirchlichen Veranstaltungen gehört zunächst das jährliche Sommerfest des Heimatvereins Bödingen[8] für die ganze Familie, das immer an einem Sonntag in der zweiten Junihälfte im Ortszentrum stattfindet und erstmals 1972 als Kinderfest durchgeführt wurde.

Weiter gehört dazu das jährliche Schützenfest der Schützenbruderschaft Sankt Augustinus,[9] das zum Kirchweihfest der Wallfahrtskirche jeweils am ersten Juli-Wochenende – meist zwei Wochen nach dem Sommerfest – auf einem Festplatz in der Ortsmitte stattfindet und traditionell jeweils von Freitag bis Montag dauert.

Zu den älteren Traditionen gehört das jährlich von der Dorfgemeinschaft organisierte Pfingsteiersingen, das vermutlich auf das Sammeln von Speisen zur Veranstaltung eines Pfingstfestes zurückzuführen ist und auch heute noch diesem Zweck dient. Ursprünglich zogen nur die Junggesellen durchs Dorf, heute ziehen Jungmänner und Männer jeden Alters jeweils am Freitag vor Pfingsten von Haus zu Haus und bitten die Anwohner unter Singen eines Pfingsteierliedes um die Spende von Eiern, die ersatzweise auch in bar geleistet werden kann. Am nächsten Tag, dem Samstag vor Pfingsten, wird dann zunächst in der Dorfmitte ein großer Pfingstbaum aufgestellt. Abends wird schließlich ein aus den Spenden finanziertes Dorffest veranstaltet. Die Eier werden zu Eierpfannkuchen mit Speck gebraten, und auch für Getränke ist gesorgt. Dazu sind selbstverständlich alle Dorfbewohner eingeladen. Im Unterschied zum ursprünglichen Brauch sammeln in Schaltjahren anstelle der Männer die Frauen des Dorfes die Eier und Sachspenden.

Seit 2011 fand im Rahmen des Siegtal-Festival-Sommers[16] jährlich am letzten August- oder am ersten Septemberwochenende die Veranstaltung Son et Lumiere (Klang und Licht) in Bödingen statt.[17] Die Wallfahrtskirche wurde dabei nicht nur von außen, sondern vor allem auch von innen stimmungsvoll beleuchtet und zum Ort eines multimedialen Abends, an dem ein Konzert mit nachdenklichen Wortbeiträgen zum Vortrag kam. Dabei stand jeweils ein meditatives Thema im Vordergrund, das im christlichen und geistigen Kontext betrachtet wurde. Bei der Veranstaltung im Jahr 2019 wurde bekannt gegeben, dass es die vorerst letzte sei.

Außerdem findet – ebenfalls jährlich – in der Vorweihnachtszeit, am Samstag vor Totensonntag in einem Hof gegenüber der Wallfahrtskirche unter dem Namen AugenSchmaus ein kleiner Adventsmarkt statt.

Angebote für Kinder und JugendlicheBearbeiten

In Bödingen gibt es eine städtische Kindertagesstätte, die KiTa Pusteblume,[13] die auch Kindern aus den Nachbardörfern und dem gesamten Stadtgebiet – im Rahmen der verfügbaren Plätze – offensteht. Ihr Förderverein, in dem sich vor allem Eltern der dort angemeldeten Kinder engagieren, kümmert sich nicht nur um die Belange dieser Einrichtung, sondern organisiert u. a. auch den jährlichen Martinszug.

Zudem gibt es in zentraler Lage, nämlich in der Nähe der Wallfahrtskirche, einen großzügigen städtischen Spielplatz, der vom Heimatverein Bödingen gepflegt wird.[18] Für die etwas Größeren gibt es am Ortsrand – zwar schon im Nachbarort Altenbödingen, aber aufgrund der kurzen Entfernungen für die Bödinger Kinder und Jugendlichen günstig gelegen – einen Bolzplatz, der ebenfalls vom Heimatverein gepflegt wird.[18] Hier ist unbekümmertes Bolzen möglich, da zu den nicht durch Bäume begrenzten Seiten hin große Ballfangnetze montiert wurden.

Natürlich verfügen die Jugendlichen im Bödinger Raum über genügend Kreativität, um sich improvisierte Treffpunkte zu organisieren und dort so manchen lauen Sommerabend gesellig ausklingen zu lassen. Für besondere Anlässe steht außerdem das örtliche Marienheim, ein von der katholischen Kirchengemeinde betriebenes Veranstaltungsgebäude, zur Verfügung.

Verkehrsanbindung und ErreichbarkeitBearbeiten

Der Ort Bödingen ist trotz seiner etwas ländlich anmutenden Lage sehr gut erreichbar. Vom Stadtzentrum Hennef, etwa dem dortigen Bahnhof, ist der Transfer sowohl mit PKW und Taxi in wenigen Minuten als auch mit einem Bus in ca. 20 Minuten möglich. Der Bus verkehrt tagsüber an Werktagen stündlich, an Wochenenden und an Feiertagen alle zwei Stunden. Zusätzlich verkehren außerhalb der Schulferien auch spezielle Buslinien, um die Schüler zu einer der Hennefer Schulen oder zurück zu befördern.

Mit dem Auto ist die Entfernung ins Stadtzentrum von Hennef und in die umliegenden Orte gut zu bewältigen. Durch die Nähe zur Autobahn A 560 und zur A 3 sowie zum ICE-Bahnhof im benachbarten Siegburg ist eine insgesamt gute Erreichbarkeit gewährleistet. Der Flughafen Köln/Bonn liegt ebenfalls nicht sehr weit entfernt, nämlich nur rund 30 Kilometer.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

 Commons: Bödingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hennef: Wohnplatzverzeichnis, Einwohnermeldeamt der Stadt Hennef
  2. Kompassionsfest in Bödingen im Kölner Stadt-Anzeiger; abgerufen am 11. Februar 2018.
  3. Karl Ludwig Grotefend: Busch, Johann. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 3, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 640 f.
  4. Denkmale in Hennef Denkmalliste der Stadt Hennef, Teil D, Denkmalbereiche; abgerufen am 25. Juni 2018.
  5. a b Ältestes Fachwerkhaus und neugotische Kapelle auf der Website des Heimatvereins Bödingen; abgerufen am 20. Januar 2018.
  6. Siegtal - Kulturlandschaft & Lebensraum auf der Website des Heimatvereins Bödingen; abgerufen am 20. Januar 2018.
  7. Die Denkmäler im Bödinger Raum auf der Website des Heimatvereins Bödingen; abgerufen am 30. August 2018.
  8. a b c Heimatverein Bödingen; abgerufen am 9. November 2016.
  9. a b Schützenbruderschaft Sankt Augustinus Bödingen; abgerufen am 9. November 2016.
  10. Musikverein Allner; abgerufen am 9. November 2016.
  11. Reitverein Bödingen; abgerufen am 9. November 2016.
  12. SV Allner-Bödingen; abgerufen am 9. November 2016.
  13. a b Förderverein Kindergarten „Pusteblume“ Bödingen; abgerufen am 9. November 2016.
  14. Chor Capriccio Bödingen; abgerufen am 9. November 2016.
  15. Pfarrnachrichten_Hennef-Ost_2013-003_03.08_bis_18.08.pdf vom Seelsorgebereich Hennef-Ost; abgerufen am 14. August 2018.
  16. Siegtal-Festival-Sommer; abgerufen am 23. Februar 2018.
  17. Faszination in Licht und Klang im General-Anzeiger (Bonn); abgerufen am 23. Februar 2018.
  18. a b Die Spiel- und Bolzplätze auf der Website des Heimatvereins Bödingen; abgerufen am 2. Februar 2019.
  19. Hennef-Bödingen; abgerufen am 9. August 2018.