August von Finck junior

deutscher Bankier und Unternehmer, Parteispender

August François von Finck (* 11. März 1930 in München) ist ein deutscher Investor und ehemaliger Bankier. Er lebt seit 1999 in der Schweiz.

Sein Vermögen wird auf rund 8,2 Milliarden US-Dollar geschätzt.[1] Von Finck geriet durch seine Finanzzuwendungen an die wirtschaftsliberalen Parteien FDP und CSU im Vorfeld der Senkung der Mehrwertsteuer auf Hotelübernachtungen in den Fokus der Öffentlichkeit.[2][3] Finck hat weiterhin deutsche Parteien und Bewegungen wie die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD),[4][5] den wirtschaftsliberalen Bürgerkonvent und den rechtspopulistischen Bund freier Bürger finanziell unterstützt.[2][3][6][7][8][9][10]

LebenBearbeiten

 
Der Stammsitz des Bankhauses Merck Finck & Co in München, bis 1990 im Besitz von August von Finck junior

August von Finck junior ist der zweite von vier Söhnen des August von Finck senior, einem frühen Bewunderer Hitlers und Profiteur der Arisierung während der Zeit des Nationalsozialismus, dessen Privatbank Merck Finck & Co im Jahr 1938 u. a. das jüdische Bankhaus S. M. v. Rothschild übernehmen konnte.[11][10][12] August von Finck junior strebte zunächst in beruflicher Hinsicht an, die 4000 Hektar des familiären Landbesitzes zu verwalten. Stattdessen setzte sein Vater durch, dass er zum Bankkaufmann ausgebildet wurde. Finck trat in das damals im Familienbesitz befindliche Münchner Bankhaus Merck Finck & Co ein, dessen Gesellschafter er 1973 wurde. Nach dem Tode seines Vaters 1980 wurde er Vorstand der seinerzeit drittgrößten deutschen Privatbank.[13]

BeteiligungenBearbeiten

Von Finck erbte von seinem Vater u. a. Beteiligungen an der Münchner Löwenbräu (seit 2004 Custodia Holding AG). 1990 verkaufte er die Bank Merck Finck & Co und konzentrierte sich danach auf Beteiligungen an Schweizer Unternehmen. Seit 1992 verfügt er über die Aktienmehrheit an der schweizerischen Restaurant- und Hotelgruppe Mövenpick (Hauptaktionär). Später folgten Beteiligungen am Maschinenbauer Von Roll, an Alusuisse-Lonza, dem Rüstungshersteller Oerlikon-Bührle, der Warenprüf-Holding Société Générale de Surveillance (SGS SA in Genf) und dem Feuerfestunternehmen RHI AG in Wien. Anfang 2006 machte von Finck mit einer indirekten Beteiligung in Höhe von 25,1 % an dem deutschen Baukonzern Hochtief AG, Essen, Schlagzeilen; diese wurde im März 2007 wieder veräußert. 2007 übernahm der Finanzier den schweizerischen Technologiekonzern Von Roll vollständig[14] und gründete die Bank von Roll. August von Finck junior hielt auch Anteile an einem Fonds-Konsortium, dessen Mietforderungen der Warenhauskonzern Arcandor nicht mehr bedienen konnte und daher am 9. Juni 2009 Insolvenz anmelden musste.[15] 2011 veräußerte er die von seinem Vater in den 1930er Jahren erworbenen Anteile an der Sektkellerei J. Oppmann AG.[16][17]

Von Finck erwarb die Namensrechte für den Namen des Konzerns Degussa, um diesen für seinen Goldhandel zu nutzen (Degussa Goldhandel).[18][19] Bei Degussa handelt es sich um einen historisch belasteten Namen, die Degussa lieferte über Tochterfirmen Zyklon B für die Gaskammern der Vernichtungslager während der Zeit des Nationalsozialismus. In den Schmelzöfen der Degussa wurde weiterhin das Zahngold eingeschmolzen, das den vergasten Juden herausgebrochen wurde.[10]

In den letzten Jahren hat sich August von Finck immer mehr aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen. Dieses wurde von seinen Söhnen August François von Finck und Luitpold Ferdinand von Finck übernommen.

Politisches EngagementBearbeiten

WirtschaftsliberalismusBearbeiten

Über die Substantia AG (ehemals VM Holding Aktiengesellschaft), eine Tochter seiner Vercura Vermögensverwaltungs GmbH, spendete von Finck in den Jahren 2008 und 2009 insgesamt 1,1 Millionen Euro an die FDP.[20][21] Über die Clair Immobilien Deutschland GmbH (430.000 Euro) und die Mercator Verwaltung GmbH (390.000 Euro) wurden 2008 im September insgesamt 820.000 Euro an die CSU gespendet[22][23], die sich primär für die Mehrwertsteuerreform starkgemacht hat. Von Finck hatte bereits in der Vergangenheit immer wieder an bürgerliche, konservative und liberale Parteien gespendet.[24] Er gilt als einer der Hauptprofiteure der Mehrwertsteuersenkung für Hotelübernachtungen, woraufhin die FDP als Mövenpick-Partei verspottet wurde.[25][26]

RechtspopulismusBearbeiten

Von Finck gilt als Förderer der rechtspopulistischen und in Teilen rechtsextremen Partei Alternative für Deutschland (AfD).[2][3][7][8][9] Zum 24. November 2018 publizierte das Nachrichtenmagazin Der Spiegel seine Recherche mit starken Indizien dafür, dass Finck eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der AfD in ihrer Gründungsphase spielte. Er war laut Spiegel über den Degussa Goldhandel an ihrem lukrativen „AfD-Goldshop“ beteiligt.[27][28]

Weiterhin engagierte sich von Finck politisch durch die indirekte Finanzierung der Kampagne gegen die Euro-Einführung der rechtspopulistischen Partei Bund freier Bürger um den ehemaligen FDP-Politiker Manfred Brunner.[29] Dem Sozialwissenschaftler Alexander Häusler vom Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus/Neonazismus galt der Bund freier Bürger als eine Art „rechte Vorläuferpartei“ der 2013 gegründeten AfD mit „frappierenden Ähnlichkeiten“, insbesondere was personelle Überschneidungen, die politische Ausrichtung und inhaltliche Forderungen angeht.[30] Ab 1999 tauchte die Partei wegen ihrer Kontakte zum Rechtsextremismus wiederholt in Verfassungsschutzberichten etwa des Innenministeriums NRW auf.[31]

Von Finck finanzierte mit 6 Millionen Euro den Bürgerkonvent von Meinhard Miegel.[32][33] Einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung zufolge verstand sich der Bürgerkonvent als eine überparteiliche Einrichtung von Bürgern, welche die Staatsgesellschaft zu einer echten Bürgergesellschaft umformen wollen.[34] Eine Analyse der Hauptabteilung Politik und Beratung der Konrad-Adenauer-Stiftung zur Beurteilung der Alternative für Deutschland bezeichnet den Bürgerkonvent als „Apo von rechts“ und „von oben“, die auf die Rückführung des Staates auf Kernkompetenzen und den Abbau von Sozialleistungen zugunsten privater Vorsorge abziele.[35]

VermögenBearbeiten

 
Schloss Weinfelden, Thurgau in der Schweiz, ist im Besitz der Familie von Finck
 
Schloss Seeseiten

August von Finck junior liegt im Jahr 2013 mit einem geschätzten Vermögen von rund 8,2 Milliarden US-Dollar auf Platz 10 des Forbes-Rankings für Deutschland und auf Platz 138 weltweit.[1] 1999 verlegte Finck seinen Wohnsitz in die Schweiz auf Schloss Weinfelden im Kanton Thurgau. Ein weiterer Wohnsitz ist das Schloss Seeseiten am Starnberger See aus dem Besitz seiner Frau Francine. Auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt belegte August von Finck mit einem Vermögen von ca. 7,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2015 Platz 172.[36]

FamilieBearbeiten

Aus seiner Ehe mit Francine von Finck, geb. Le Tanneux von Saint Paul, entstammen vier Kinder, die Söhne August François (* 1968), Maximilian Rudolf (* 1969) und Luitpold Ferdinand (* 1971) und die Tochter Maria Theresia von Finck (* 1975).

Helmut von Finck (* 1959), der jüngste Sohn aus zweiter Ehe des 1980 verstorbenen August von Finck senior, kämpft gerichtlich gegen seine beiden Halbbrüder August und Wilhelm († 2003) aus erster Ehe des Vaters um einen höheren Erbanteil, dessen Streitwert inzwischen auf über eine Milliarde Euro geschätzt wird.[37][38]

Siehe auch: Finck (Unternehmerfamilie)

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b August von Finck.
  2. a b c Robin Alexander: Neue Partei: Finanziert Mövenpick-Milliardär AfD-Wahlkampf? In: welt.de. 22. April 2013, abgerufen am 26. November 2018.
  3. a b c Tomasz Konicz: AfD: Die Masken fallen. In: TELEPOLIS. 14. September 2017, abgerufen am 14. September 2017.
  4. Kai Arzheimer: Die Alternative fuer Deutschland. Programmatik, Entwicklung und politische Verortung. In: German Politics. 26, 2016, S. 334, doi:10.1080/09644008.2016.1269499.
  5. Alexander Häusler: Die Alternative für Deutschland: Programmatik, Entwicklung und politische Verortung. Springer-Verlag, 18. Januar 2016, ISBN 978-3-658-10638-6.
  6. Thomas Petersen: Wie antisemitisch ist Deutschland? In: FAZ.net. 20. Juni 2018, abgerufen am 25. November 2018.
  7. a b Verdeckte AfD-Unterstützung: Spur führt zu Milliardär von Finck. In: woz.ch. 23. November 2018, abgerufen am 23. November 2018.
  8. a b Melanie Amann: Verdeckte AfD-Unterstützung: Spur führt zu Milliardär August von Finck. In: Spiegel Online. 23. November 2018, abgerufen am 23. November 2018.
  9. a b tagesschau.de: AfD-Unterstützerverein: Spur zu Münchner Milliardär? In: tagesschau.de. 23. November 2018, abgerufen am 23. November 2018.
  10. a b c Tomasz Konicz: Faschismus im 21. Jahrhundert (Telepolis): Skizzen der drohenden Barbarei. Heise Medien GmbH & Co. KG, 20 September 2018, ISBN 978-3-95788-174-8.
  11. Henry Ashby Turner (Hrsg.): Hitler aus nächster Nähe, Aufzeichnungen eines Vertrauten 1929–1932, Frankfurt am Main, Berlin, Wien 1978, S. 372 ff.
  12. Roman Sandgruber: Rothschild. Glanz und Untergang des Wiener Welthauses. Molden Verlag, Wien, 2018 ISBN 978-3-222-15024-1.
  13. August von Finck, Who’s Who, abgerufen am 27. März 2009
  14. Von Roll unter neuer Führung, NZZ, 14. August 2007
  15. „Deutschlands Geldadel profitierte von Karstadt-Mieten“, Spiegel Online, 14. Juni 2009
  16. Milliardär von Finck verkauft Sektkellerei. In: Financial Times Deutschland, 22. November 2011
  17. Die Firmengeschichte von Merck Finck & Co, Privatbankiers (Memento vom 24. März 2012 im Internet Archive) (PDF; 868 kB)
  18. Simone Boehringer: Recycling der edlen Sorte. 11. November 2011.
  19. Goldhändler Degussa will in der Schweiz expandieren. 5. April 2013.
  20. Milliardär Finck spült FDP viel Geld in die Kasse, stern, 17. Juni 2009
  21. Thorsten Denkler: Finck: Parteispenden. Wenn Millionen lohnen: Die FDP und ihre Klientel (Memento des Originals vom 21. Januar 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sueddeutsche.de, Süddeutsche Zeitung, 18. Januar 2010
  22. Geld für FDP und CSU, n-tv, 18. Januar 2010
  23. Parteispenden über 50.000 € - Jahr 2008/September (PDF; 116 kB), Deutscher Bundestag, 20. Oktober 2008
  24. Hans Leyendecker: „Rechts vom Gustl ist bloß noch Dschingis Khan“ (Memento des Originals vom 21. Januar 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sueddeutsche.de, Süddeutsche Zeitung, 18. Januar 2010
  25. Deutsche Welle (www.dw.com): Angriff auf die "Mövenpick-Partei". In: dw.com. 19. Januar 2010, abgerufen am 26. November 2018.
  26. Florian Gathmann: Debatte um FDP-Spende: Hohn und Spott für die "Mövenpick-Partei". In: Spiegel Online. 19. Januar 2010, abgerufen am 26. November 2018.
  27. Der Milliardär und die AfD. Wie geheime Spenden die Rechtspopulisten groß machten, Der Spiegel Heft 48/2018 vom 23. November 2018 (abgerufen am 24. November 2018)
  28. August von Finck und die Rechten. Der Milliardär und die AfD, spiegel.de vom 23. November 2018 (abgerufen am 24. November 2018)
  29. August von Finck: Portrait eines der reichsten Deutschen.
  30. Alexander Häusler, Rainer Roeser: Die rechten ›Mut‹-Bürger. Entstehung, Entwicklung, Personal & Positionen der »Alternative für Deutschland«. VSA, Hamburg 2015, ISBN 978-3-89965-640-4, S. 28–32.
  31. Florian Hartleb: Bund freier Bürger – Offensive für Deutschland. Die Freiheitlichen (BFB – Die Offensive). In: Frank Decker, Viola Neu (Hrsg.): Handbuch der deutschen Parteien. 2. üb. Auflage, Springer VS, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-658-00962-5, S. 203.
  32. Thomas Leif: Beraten & verkauft McKinsey & Co. Der große Bluff der Unternehmensberater. München 2006, S. 287.
  33. Christian Rickens: manager magazin: August von Finck finanzierte Werbekampagne der Vereinigung „Bürgerkonvent“. (Memento vom 2. Februar 2010 im Internet Archive) Website der Spiegel-Gruppe, 14. Dezember 2005.
  34. Heinz Theisen: Die Zukunftsfähigkeit der politischen Mitte. Konrad-Adenauer-Stiftung, Mai 2004.
  35. Dietmar Neuerer: Konservativ, liberal, rechts – wohin steuert die AfD? In: Handelsblatt, 28. Juni 2013.
  36. Forbes: Liste der Milliardäre
  37. Von-Finck-Dynastie: Ein Erbstreit sondergleichen, bilanz.ch vom 30. Dezember 2015, abgerufen am 31. Dezember 2015
  38. Henning Peitsmeier: „Bankiersfamilie Finck. Adel vernichtet“, FAZ, 14. Januar 2010