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Arma-Christi-Kreuz

Kreuz mit den Leidenswerkzeugen Christi
Fresko eines Arma-Christi-Kreuzes in St. Georg in Taisten, Leonhard von Brixen 1459

Ein Arma-Christi-Kreuz, auch Waffen-Christi-Kreuz oder Passionskreuz, bezeichnet in der Kunstgeschichte bzw. christlichen Ikonografie eine spezielle Form des Andachtsbildes.

Inhaltsverzeichnis

Zum BegriffBearbeiten

Lateinisch arma bedeutet Waffen oder Wappen und steht für die Leidenswerkzeuge bei der Kreuzigung. Beim Arma-Christi-Kreuz handelt sich um ein Kreuz, bei dem statt des Korpus oder zusätzlich zu diesem Gegenstände abgebildet sind, die sich auf die Leidensgeschichte Christi beziehen, gemäß Darstellung in den Evangelien oder theologischer Reflexion. Um genügend Platz für diese Gegenstände zu haben, ist der Längsbalken oftmals sehr hoch ausgeführt, oder das Kreuz hat zwei Querbalken.

GeschichteBearbeiten

Bis zum 12./13. Jahrhundert dienen dargestellte Leidenswerkzeuge Christi als Triumph- und Majestätszeichen. Ab dem 14. Jahrhundert ist ein Bedeutungswandel hin zum Andachtsbild des Schmerzenmannes zu beobachten; die abgebildeten Gegenstände dienen nunmehr der "Passionsfrömmigkeit", dem meditativen Nacherleben der Passion Christi. Älteste Arma-Christi-Kreuzesdarstellungen sind mittelalterliche Freskendarstellungen. Arma-Christi-Kreuze als Plastiken kommen insbesondere seit der Gegenreformation / der Barockzeit auf. Die Kapuziner förderten diese Form des Andachtsbildes, sodass die Kreuze manchmal auch als Kapuzinerkreuz bezeichnet werden.[1]

Elemente des Arma-Christi-KreuzesBearbeiten

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Die Elemente können variieren, es sind nicht immer alle der folgenden Elemente enthalten:

  • die fünf Wunden Christi mit dem dornenumkränzten, vor Liebe entbrannten Heiligsten Herzen Jesu
  • die dritte Hand am oberen Längsbalken symbolisiert die bewahrende Hand Gottes, des Vaters
  • der Ysopzweig mit einem Schwamm, der in Essig oder Galle getaucht Christus am Kreuz zum Trunk gereicht wurde
  • die Dornenkrone
  • Fesseln
  • Purpurmantel zum Gedächtnis an die Verspottung Christi (Mk 15,16-20 EU)
  • Totenhemd
  • Zange
  • Hostie(n)
  • drei Würfel, die darauf verweisen, dass nach der Kreuzigung um Christi Gewand gewürfelt wurde (Mk 15,24 EU)
  • Hahn als Zeichen der Verleugnung durch Petrus (Mt 26,69-75 EU)
  • Silberlinge des Judas
  • Kanne der Handwaschung des Pontius Pilatus
  • Schweißtuch der Veronika
  • die Lanze, mit der die Seitenwunde zugefügt wurde
  • der Schädel Adams
  • ein Bündel Ruten und eine dreischwänzige Peitsche als Symbol für die Geißelung Jesu
  • zuweilen ein Kelch als eucharistisches Symbol
  • oft werden zusätzlich drei lange Nägel dargestellt
  • die Geißelsäule, die in der Ikonografie oft auf Darstellungen des Schmerzensmanns zu finden ist
  • eine Leiter als Symbol der Kreuzabnahme.

VorkommenBearbeiten

Arma-Christi-Kreuze finden sich an Außenwänden von Kirchen und als Flurdenkmäler hauptsächlich in den katholischen Gebieten des süddeutschen Raumes, in Österreich, in Südtirol, in der Innerschweiz und in Frankreich. Es gibt sie auch in kleinerer Form für Herrgottswinkel und Hausaltäre.

  • Im Bayerischen Wald gibt es eine ganze Reihe von Arma-Christi-Kreuzen in Kapellen und an Hauswänden. Sie entstanden seit der Barockzeit und zeigen den Gekreuzigten umgeben von bis zu 40 verschiedenen Passionswerkzeugen und -symbolen. Einer der bedeutendsten Schöpfer solcher Werke war der 1880 im Alter von 83 Jahren verstorbene, in Wegscheid beerdigte Herrgottschnitzer Joseph Weidinger.
  • Im oberbayerischen Landkreis Eichstätt gibt es mehrere Arma-Christi-Kreuze, insbesondere an Außenwänden von Kirchen, z. B. in Morsbach und in Haunstetten. Ein Arma-Christi-Kreuz als häusliches Andachtsbild ist im Domschatz- und Diözesanmuseum Eichstätt zu sehen. Westlich von Appertshofen, einem Ortsteil von Stammham (bei Ingolstadt), befindet sich ein großes, frei stehendes Arma-Christi-Kreuz als Flurkreuz.
  • Im Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen ist ein frei stehendes Arma-Christi-Kreuz zu sehen
  • In der Osteifel und im unteren Siegtal waren Mitte des 19. Jahrhunderts so genannte Auswandererkreuze charakteristisch, die den Korpus Christi und die Marterwerkzeuge in Reliefs darstellten.
  • Im Schwarzwald finden sich vor allem Darstellungen mit einer prominenten Longinus-Figur neben der Kreuzigungsszene. Solche Kreuze werden als Longinuskreuze bezeichnet.
  • Diese spezielle Kreuzesdarstellung kommt auch als Siegel oder Wappen einiger katholischer Ordensgemeinschaften vor.
  • Im Süden Frankreichs, Roussillon, z. B. in der Kathedrale des Klosters Ste-Eulalie-et-Ste-Julie d’Elne, ebenso in der Landschaft Queyras im Departement Hautes-Alpes.
  • In Algert, Stadt Lohmar steht ein Arma-Christi-Kreuz aus der Zeit zwischen 1790 und 1800. Es wurde 1983 unter Denkmalschutz gestellt.[2][3][4]
  • Im Allgäu sind Arma-Christi-Kreuze häufig vertreten, beispielsweise in Fischen im Allgäu, Ortsteil Langenwang, an der B 19. Sie erreichen vielfach eine Höhe von fünf Metern. Dabei herrschen, wie in Oberschwaben, Kreuze aus Schmiedeeisen und Blech vor, während östlicher, in Bayern und in den Alpen, Holzkreuze verbreitet sind. Die Arma-Christi-Kreuze haben immer einen Christuskorpus, keine Abdeckung, Lanze und Stab öffnen sich fächerförmig nach oben.[5]

BeispieleBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Rudolf Berliner: Arma Christi. In: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst. 3. Folge, Band 6 (1955), S. 35ff.
  • Hannelore Sachs u. a.: Christliche Ikonographie in Stichworten. 7. Auflage. Koehler und Amelang, München/Berlin 1998, S. 243–245.
  • Robert Suckale: Arma christi. Überlegungen zur Zeichenhaftigkeit mittelalterlicher Andachtsbilder. In: Städel-Jahrbuch. Neue Folge, Band 6 (1977), S. 177–208.
  • G. Marchal: De la „Passion du Christ“ à la „Croix suisse“. In: Itinera. 9 (1989), S. 108–131.
  • Friedbert Andernach, Martin Ruch: Arma Christi- und Longinuskreuze im Erzbistum Freiburg. Blauer Reiter unterm Kreuz. Editions du Signe, Strasbourg 2001, ISBN 2-7468-0423-9 (Rezension).
  • Dieter Kapff, Reinhard Wolf: Kulturgeschichte am Wegesrand. Kleindenkmale in Baden-Württemberg. Verlag Staatsanzeiger Baden-Württemberg, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-929981-72-8.
  • Manfred Thierer: Symbole am Weg – Arma-Christi-Kreuze im Westallgäu in: Wolfegger Blätter Ausgabe 01/2006 (pdf)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  • Theologische Realenzyklopädie TRE. Studienausgabe, Teil II. de Gruyter, Berlin 2000, S. 747f.
  1. Manfred Thierer: Symbole am Weg – Arma-Christi-Kreuze im Westallgäu (Memento des Originals vom 17. Mai 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bauernhausmuseum-wolfegg.de In: Wolfegger Blätter, Ausgabe 01/2006 (pdf), S. 3.
  2. Arma-Christi-Kreuz in Lohmar - Algert unter lohmar.de (Memento des Originals vom 14. Dezember 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lohmar.de
  3. Gerd Streichardt: „Wenn Steine reden“ - Wegekreuze in Lohmar, ratio-books, 2011 Seite 67–69 bei ratio-books.de (Memento des Originals vom 5. März 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ratio-books.de
  4. Bilder vom Arma-Christ-Kreuz in Lohmar - Algert unter wenzel-wahlscheid.de
  5. Manfred Thierer: Symbole am Weg – Arma-Christi-Kreuze im Westallgäu (Memento des Originals vom 17. Mai 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bauernhausmuseum-wolfegg.de In: Wolfegger Blätter, Ausgabe 01/2006 (pdf), S. 4f.