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Anton Wildgans

österreichischer Dramatiker und Lyriker
Aufnahme aus 1932
Wiener Zentralfriedhof - Ehrengrab von Anton Wildgans
Gedenktafel auf dem Leopoldsberg

Anton Wildgans (* 17. April 1881 in Wien als Anton Otto Georg Ritter von Wildgans; † 3. Mai 1932 in Mödling, Niederösterreich) war ein österreichischer Lyriker und Dramatiker. Er war zweimal Direktor des Wiener Burgtheaters und für den Nobelpreis für Literatur nominiert.

LebenBearbeiten

Wildgans studierte zunächst ab 1900 Rechtswissenschaften an der Universität Wien. Er promovierte 1908 und war zwei Jahre als Untersuchungsrichter tätig, bis er sich für den Beruf des freien Schriftstellers entschied. Zweimal, und zwar in den Jahren 1921/1922 und 1930/1931, war er Direktor des Wiener Burgtheaters. Er war vor allem für seine sozialkritischen Werke bekannt.

Wildgans setzte sich sehr für die staatliche österreichische Eigenständigkeit ein, als nach dem Ersten Weltkrieg viele an der Lebensfähigkeit des nunmehrigen Kleinstaates zweifelten. Diese positive Haltung kommt in seiner Rede über Österreich von 1930 deutlich zum Ausdruck.

Er war unter anderem Träger des Kaiser-Franz-Joseph-Ordens sowie des Ehrenzeichens der Universität Wien und wurde 1923 zum Hofrat ernannt.

1932 war Anton Wildgans als aussichtsreichster Kandidat für den Nobelpreis für Literatur nominiert. Wildgans starb jedoch noch vor der Verleihung im Alter von 51 Jahren in Mödling und wurde in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 14 C, Nummer 6) beigesetzt.

Ihm zu Ehren wurde der Wildganshof im 3. Wiener Gemeindebezirk benannt, wo sich auch eine Wildgans-Büste befindet. Im Jahr 1932 wurde im 3. Bezirk auch der Wildgansplatz nach ihm benannt.

Die Industriellenvereinigung widmete dem Schriftsteller zu Ehren 1962 den Anton-Wildgans-Preis.

Betreut wird das Werk durch den Enkel Ralph Anton Wildgans, Präsident der Anton-Wildgans-Gesellschaft.

Mit seiner Frau Lilly Wildgans hatte er zwei Söhne, Friedrich und Gottfried. Sein Sohn Friedrich Wildgans (1913–1965) war Musiker, Komponist, Professor des Salzburger Mozarteums und der Wiener Musikakademie sowie Präsident der Österreichischen Sektion der Internationale Gesellschaft für Neue Musik.

Werke (Auswahl)Bearbeiten

  • Sonette an Ead, 1913
  • Armut, 1914. (archive.org).
  • Dies Irae, 1918
  • Kain, 1920. (archive.org).
  • Kirbisch oder der Gendarm, die Schande und das Glück, 1927. (archive.org). Dieses Werk, eines der wenigen deutschsprachigen Hexameter-Epen, begann er 1925 in der weit abgelegenen steirischen Gemeinde Sankt Martin am Wöllmißberg, wo ihm heute eine Gedenkstätte gewidmet ist. Ort der Handlung ist die fiktive Gemeinde Übelbach. Gemeint war damit die Marktgemeinde Mönichkirchen (am Wechsel), deren Einwohner ihm aber die wenig schmeichelhafte Schilderung verziehen haben und ihn durch jährliche Lesungen ehren. Das Gedicht wurde 1950 von Gustav Ucicky unter dem Titel Cordula verfilmt.
  • Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe in 8 Bänden unter Mitwirkung von Otto Rommel hrsg. v. Lilly Wildgans. Wien/Salzburg: Gemeinschaftsverlag Bellaria/Pustet, 1948

LiteraturBearbeiten

  • Max Adler (Hrsg.): Festschrift für Wilhelm Jerusalem zu seinem 60. Geburtstag. Mit Beiträgen von Max Adler, Rudolf Eisler, Sigmund Feilbogen, Rudolf Goldscheid, Stefan Hock, Helen Keller, Josef Kraus, Anton Lampa, Ernst Mach, Rosa Mayreder, Julius Ofner, Josef Popper, Otto Simon, Christine Touaillon und Anton Wildgans. Verlag Wilhelm Braumüller, Wien und Leipzig 1915.
  • Carmen Friedel: Der junge Anton Wildgans. Von der Erfahrung gehemmten Lebens zum Ideal der Dichtkunst als Lebenshilfe (= Europäische Hochschulschriften. Reihe 1, Deutsche Sprache und Literatur. 1541). Lang, Frankfurt am Main u. a. 1995, ISBN 3-631-49139-5.
  • Heinz Gerstinger: Der Dramatiker Anton Wildgans (= Dramatiker, Stücke, Perspektiven. 5). Wagner Verlag, Innsbruck 1981, ISBN 3-7030-0092-9.
  • Franz Hadriga: Drama Burgtheater-Direktion. Vom Scheitern des Idealisten Anton Wildgans. Herold, Wien 1989, ISBN 3-7008-0380-X.
  • Heinrich Eduard Jacob: Anton Wildgans. In: Weltstimmen (= Weltbücher in Umrissen.), Jg. 5, Heft 7, Frankh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1931, S. 289–293.
    Der Beitrag von Jacob wurde vorab am 16. April 1931 als Rundfunkansprache über die RAVAG (Radio-Verkehrs AG Wien) aus Anlass des 50. Geburtstags von Wildgans gesendet.
  • Gertrud Schelbert-Büchi: Anton Wildgans. Dissertation. Universität Zürich 1943.
  • Felix Czeike (Hrsg.): Historisches Lexikon Wien. Band 5, Kremayr & Scheriau, Wien 1997, ISBN 3-218-00547-7, S. 654.
  • Bernhard M. Baron: Anton Wildgans – ein österreichischer Dichter mit Ahnen aus der Oberpfalz. In: Oberpfälzer Heimat. Band 43, Weiden i. d. OPf. 1999, ISBN 3-928901-11-7, S. 123–127.
  • Klaus Kastberger: Anton Wildgans. Zu Recht vergessen. In: Volltext 2018, Heft 1, S. 6–9. Artikel online auf academia.edu

WeblinksBearbeiten

  Commons: Anton Wildgans – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Bestand im Katalog der Österreichischen Nationalbibliothek Wien